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Wirklich 80.000 Gehörlose und 250.000 Schwerhörige? #statistik

Im Internet-Forum für Gehörlose wird es derzeit heftig über die Unstimmigkeiten mit dem Zahlen diskutiert, ob es in Deutschland tatsächlich 80.000 Gehörlose leben oder 30.000 Mitglieder der Deutscher Gehörlosen-Bund gibt.

Gretchenfrage: Wie viele Gehörlose leben in unserem Land und wieviele Mitglieder hat Deutscher Gehörlosen-Bund wirklich? Das wusste bislang keiner so genau. Denn die Betroffenen ließen sich so schwer abzählen wie Tiefseefische.

Laut Deutsche Gehörlosenbund geht unter der Annahme, dass etwa 0,1% der Bevölkerung in Industrienationen von Gehörlosigkeit betroffen ist, in einer oft zitierten Schätzung von 80.000 Gehörlosen und 30.000 Mitglieder der Deutscher Gehörlosen-Bund in Deutschland aus.

Interessanterweise gibt dennoch andere Zahlen und zwar laut Schwerbehindertenstatistik von Rehadat-Statistik weist nun die Zahlen für Jahr 2011 auf, hier: 49.169 gehörlos und 241.195 hochgradige/taubheit grenzende Schwerhörige. Die statistische Bundesamt kommt so für Jahr 2009 auf insgesamt 48.123 Gehörlose und 231.412 hochgradige/taubheit grenzende Schwerhörige.

Komischerweise hat die NRW-Landesregierung (https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV16-1085.pdf) wieder aussergewöhnliche Zahlen als die andere Statistiken. Laut die Zahlen leben in NRW etwa 3,2 Millionen schwerhörigen (davon 2,2 Millionen Altersschwerhörigkeit), aber wenn man sich von hochgradig bis taubheit grenzend schwerhörige zusammenrechnet leben in NRW genau 279.649 Menschen. Sogar in NRW gibt es 11.933 die sogenannte Gehörlosengeldempfänger und nur 6.854 haben im Schwerbehindertenausweis mit GL registriert. Eine inoffizielle Schätzung die sich auf Zahlen der Versorgungsämter über alle Personen berufen, die die Voraussetzungen für einen Eintrag des Merkzeichens GL in einem Schwerbehindertenausweis erfüllen. Auch interessant ist leben in NRW tatsächlich 7.337 Gehörlosen.

Während man vermutet wird, dass sich einige Schwerhörige bewusst Gehörlosengeld ohne den Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen GL auszunutzen, ist auch zu prüfen ob die Beantragung eventuell mit fehlerhafte Bearbeitung verbunden ist.

Hierbei findet man offenbar im Moment ein riesen Zahlenchaos. Wie kann denn sowas in diesem Land, wo alle Personenstands- und Mitgliedsdaten akribischst in Computern erfasst werden? Arbeiten die Datenerfasser etwa nicht korrekt?Frei nach Ralph Raules Spruch: “Es ist nämlich ein verbreiteter Irrtum, warum die Präsidenten, Vorsitzenden, Statistiker und Politiker Zahlen rechnen können.“ 😉

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Rentable GMU

„Andereits ist die Entwicklung der Gehörlosenzentrum zu mehr Professionalität gebremst, denn dort gibt es schon alle Angebote von Theater bis Weiterbildung. Das GMU zum Beispiel möchte sich langsam vom Gehörlosenzentrum zu einem Insitut wandeln. Die Frage ist, ob dann alle dort hin wechseln oder sich selbständige Gruppe gründen sollen wie zum Beispiel das IVT, das professioneller und leidenschaftlicher arbeiten als ein Zentrum, das als „Mama“, die sich um ihre Kinder sorgt, fungiert. Ich denke, dass Gehörlosenzentrum nicht mehr alles anbieten sollen, sondern dass öfters eigentsändige Gruppen, zum Beispiel als Kneipe oder Theatergruppe, gegründet werden sollten.“

Quelle: http://www.vibelle.de/tv/watch/108 zwischen 9:20 bis 9:55 Minuten

Interessante Aussage von Mr. Busch. Gehörlosigkeit kann ganz schön rentabel sein. Allerdings nicht für die Betroffenen selbst, sondern für alle, die für Betroffene arbeiten. Manchmal sind es sogar ganze Betriebe. Schauen wir mal nach Österreich/Wien. Eins davon ist das „equalizent“ in Wien. Die GmbH beschäftigt allein in der österreichischen Hauptstadt über zwei bis drei Dutzend Mitarbeiter. Seminare, diverse Kurse und Fortbildungen gehören zum Angebot. Sich selbst bezeichnet die Firma als „Qualifikationszentrum“. Es ist dort groß genug, so dass neben einem Veranstaltungsraum und Büros auch kleine Läden drinnen Platz finden. Die dann an „gehörlose Friseur und Fußpfleger“ vermietet werden kann. Nach einer Maniküre können die (hörenden) Kunden im hauseigenen Lokal speisen, das ebenfalls von Gehörlosen betrieben werden soll. Hauptspeise: Fingerbuchstabensuppe. Diese Leckerlei wird der Gast auch im Deafshop als Fertiggericht kaufen können. Das ILY-Schlüsselanhänger gibt’s dann als Werbegeschenk…

Woher kommt das ganze Geld? Klar, die Steuergelder! Nicht nur das Bundessozialamt beiteiligen sich, sondern auch die EU mit ihren Fördermitteln beteiligen. Vergleichbar ist das Projekt übrigens mit dem Münchner Gehörlosenzentrum, das dem Gehörlosenverband München (GMU) gehört. Das große Bau kostete mal 2,38 Millionen Euro – ein echtes Schnäppchen! Leider ist die Lage nicht gerade ideal, das GMU befindet sich jetzt am Popo von München. Und die Betriebskosten sollen den Vereinsvorständen jedes Jahr Sorgenfalten in die Gesichter treiben…

Sollte die zu einem Insitut umwandeln und auch ob das deaf’n more später mal Erfolg haben wird? Die Zielgruppe wird ja immer kleiner, da schwerhörige und taube Kinder frühzeitig mit Hörhilfen versorgt werden. So fällt ihnen der Spracherwerb leichter und immer mehr wandern in die Welt der Hörenden ab. (siehe zum Beispiel zuletzt neueste Statistik-Ausgabe 2012 von Deutscher Gehörlosen-Sportverband) In der Projektbeschreibung wird hingegen erwähnt, dass alleine in Wien und Umgebung 6000 Gehörlose wohnen! Woher das equalizent die Zahl hat? In Oberbayern (4,2 Mio Einw.) gibt es über 1000 Gehörlose, in ganz Bayern (12,5 Mio Einw.) sind es etwa leicht über 3000. Und equalizent rechnet vor, dass von den 1,7 Mio. Wienern angeblich 6000 gehörlos sind…

Edit: Danke an die aufmerksame Leser, die mir per Email zugeschickt hat. Siehe Leseprobe von DGZ sehr passend zu diesem Blogartikel, Seite 16, Thema „Brauchen wir Gehörlosenzentrum?“ http://www.gehoerlosenzeitung.de/leseprobe/2012_dgz_mai_leseprobe.pdf

 

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Berlin und pandabärenstarkes Deaf-Life

Ne…andersrum: In Berlin gibt es gedolmetschte Führungen – zu allen erdenklichen Themen…und ziemlich oft! (Ich war am vorletzten Wochenende bei einer gedolmetschten Führung im Bundesfinanzministerium. Wieviel GL – ca 10!….10 von 6000, die den Ort hätten gut erreichen können)
Auch früher hatte ich schon mehrfach an Führungen mit DGS teilgenommen. Nie waren mehr als 15 GL bei solchen Führungen dabei.

Was wäre, wenn Ihr GL mal den „Spiess umdrehen“ würdet: Ruiniert den Organisatoren doch mal deren Konzept und drängt gemeinsam in solche Führungen! 6.000 GL bei ner gedolmetschten Führung – so, dass die Hörenden gar keine Chance mehr haben vor lauter wedelnden Händen. Wie wärs?

Einmal im Jahr ist der Tag der GL – mit Strassenfest in der Friedrichstrasse. Da wird dann für einige Stunden ein kurzes Stück der Friedrichstrasse gesperrt. Die Hörenden wandern zwischenmang und wundern sich. Fertig! Sieht so wirksame Öffentlichkeitsarbeit aus?

Aber stadtweite regelmässige Umzüge? Wirkliche kämpferische Demos? Wenigestens häufige Leserbriefe in den Berliner Tageszeitungen? Ne. wieso denn?
In Berlin leben ja die 6.000 GL – ich glaub, die sind sich selbst genug.
Ich glaub die GL ganz allgemein haben sich Vorstellungen aufgebaut, was sie von Hörenden erwarten. Natürlich von hörenden Dolmis erst recht – und von solch hörenden Mischwesen wie mir – die halt DGS können, aber keine Dolmis sind.

Quelle: biene63 – www.gl-cafe.de

6000 Gehörlosen gibt es angeblich in Berlin? Gut, betrachten wir genauer hin, was wirklich dahinter steckt und wieviele Deafies in Berlin in Wirklichkeit leben. In dem Satz steckt eine zweifelhafte Zahlen, die an der Wirklichkeit vorbeigeht. Der Satz tut so, als seien alle Statistiken notwendigerweise gelogen, und als könne man nichts anderes dagegen tun, als selbst Statistiklügen in die Welt zu setzen.

Genaue Zahlen, die mir vorliegen und wie man zwischen seriösen und unseriösen Zahlen zu unterscheiden. Hier: 2303 Gehörlosen und 3884 Taubheit grenzend Schwerhörigen (Statistik-Stand: 2007 – alle Altersgruppe) leben tatsächlich in Berlin, macht ingesamt 6187 hörgeschädigten Menschen. Verstanden? Diese „geschönte aufgerundete und unrealistisch genaue“ Zahlen wie die Arbeitslosenstatistik, die zum Beweisen einer Meinung dient, werden vom Verbänden und Vereinen sehr gerne benutzt und auch leider beharrlich totgeschwiegen. Und wenn man Bienes63 Kommentar feststellt, wo die anderen Deafies bleiben und ich beschreib mal ironischerweise wo das Problem liegen könnte. Berlin ist die „Hauptstadt der Hartz-IV-Empfänger“, Berlin hat Schuldenprobleme und Probleme mit der Integration und trotzdem ist Berlin reich und sexy. Gut, Berlin ist bekannt dafür ständig gehörlosen Party- und Kulturveranstaltungen durchzuführen, aber nicht alle Deafies kommen aus Berlin, sondern die von außerhalb aus Deutschland bzw. Europa kommen. Klingt schizophren, die Berliner! Bling, bling, aber wirklich pandabärenstark?!? Laut amtlichen Statistiken von Berlin, aller Bundesländer und europäische Staaten kann man prima ablesen, wie der Anteil der Menschen des mittleren und älteren Jahrgänge deutlich höher ist als die jüngeren. Ob die in einigen Jahren sich auf den demografischen Wandel eingestellt haben. Für einen Statistiker ist es dann ein Kinderspiel, jede gewünschte Aussage zu belegen, wie man die häufigsten Tricks der Zahlenmanipulierer entlarven kann: von fragwürdigen Rankings über irreführende Durchschnittswerte bis zu willkürlichen Prozentangaben. Ganz einfach!

 
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Verfasst von - 30. September 2011 in Gehörlosenkultur

 

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Hörgeschädigten Arbeitslosigkeit in den USA

Von einem Leser bekam ich per e-Mail den Hinweis, wie die Arbeitslosigkeit für hörgeschädigten Gesellschaft in den USA aussähen. Hier:

Sprache/Language: (ASL=American Sign Language)

In den USA lag aus dem Jahr 2008 die Arbeitslosenquote zwischen durchschnittlich 4-6%, aber in der hörgeschädigten Gesellschaft sind die Zahlen deutlich höher. Ist genauso wie in Deutschland, zur Erinnerung Arbeitslosigkeit in Deutschland.

Wer behauptet, dort ist man Deutschland um einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte voraus, allerdings zu behaupten, dass viele dort ASL beherrschen würden, barrierefreie Leben, bessere Bildung verfügt und die Kommunikation kein Problem darstellt ist schlichtweg falsch. Fakt ist, es funktioniert nur in Washington D.C. ganz gut, oder in Teilen von New York oder in San Francisco. Restliche Amerika glänzt nicht alles Gold.

 

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Arbeitslosigkeit bei Behinderten extrem hoch

Schwerbehinderte Menschen sind besonders stark von der Wirtschaftskrise betroffen. Die Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt 2008 und 2009 bei jeweils 14,6 Prozent. Das ist etwa doppelt so hoch wie die Arbeitslosenquote insgesamt.

Weitere Text und Quelle (rp-online.de): http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/Arbeitslosigkeit-bei-Behinderten-extrem-hoch_aid_889683.html

Gut und schön, die Zahlen muss man nicht so genau ernst nehmen, aber in Wirklichkeit sehen verschiedene Behindertengruppen prozentual gesehen ganz anders aus. Man rechne einfach mal vor. Laut Statistik durch Power-Point Präsentation von Thomas Worseck leben bundesweit Schwerhörige und Gehörlose (ab 50% Behinderungsgrad) ingesamt 266.471 (Stand: 31.12.2007) und zu diesem Zeitpunkt gab es etwa 106.000 schwerhörige und gehörlose Arbeitslose. Das ergibt sich etwa 40 % schwerhörige und gehörlose Arbeitslose heraus. Schön viel, was? Anscheinend interessieren Bundesregierung nicht an einer Problemlösung für hörbehinderten Menschen, sondern weil die geschönte Zahlen oft meistens aus Ziffern bestehen. Selbst die Araber können heute nicht mehr sagen, wie sie das geschafft haben. Wahrscheinlich haben die Politikern einfach aus Langeweile Zeichen in den Sand gemalt und sich gefreut. Wie man schön sagt: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht oder nicht selber erstellt hast.“

 
 

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