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Schlagwort-Archive: Schwerhörige

Verein ohne Einigung #inklusion

„Bundesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen e.V.“ – so die Entschlüsselung der Abkürzung „BHSA“ (www.bhsa.de). Einige Male im Jahr führt „Europas grösste Selbsthilfegruppe ihrer Art“ (so die BHSA über sich) Tagungen, Seminare und Workshops durch und nimmt an Aktionen und Messen teil. Zu den Hauptaufgaben gehören unter anderem Forderungen beim Staat vorzutragen und die Interessen der Mitglieder nach aussen zu bringen.

Kommunikationsprobleme innerhalb des Vereins

Die meisten Mitglieder sind schwerhörig. Zur BHSA gehören noch Ertaubte, CI (= Cochlea Implantat)-Träger und einige Gehörlose. Die Verständigung untereinander ist schwierig, da nicht alle Hörgeschädigte die Gebärdensprache beherrschen. Zu Tagungen und Seminaren werden daher Dolmetscher bestellt, die zum Teil aus eigener Tasche finanziert werden müssen. Die französische BHSA soll wegen diesen Problemen in zwei Teile zerfallen sein und die Organisatoren führen zur Zeit nur noch „Kaffeefahrten“ durch…

Dolmetscher en masse

Damals jede Tagung standen für die Teilnehmern von zwei bis sogar bis zu sechs Dolmetscher bereit. (Zwei für die DGS, zwei für die LBG und zwei für die lautsprachliche Übersetzung- jeweils im Wechsel). Bei einem Vortrag wie Kofo (= Kommunikationsforum) übersetzten gleichzeitig zwei bis drei Dolmetscher (Gebärdensprachdolmetscher und Schriftdolmetscher). Normalerweise werden auch zusätzlich Mitschreibekräfte eingesetzt, doch manche an dem Tag wurden keine bereitgestellt.

Beschwerden über „mangelhafte“ Verständigung bei Vorträgen

Ein CI-Träger konnte bei den Vorträgen im grossen Saal mit allen drei Dolmetschern nichts anfangen. Da zu allem Übel auch noch die Induktionsschleife zickte, war der Teilnehmer auf das Mundablesen angewiesen. Andere Schwerhörige hatten das gleiche Problem. Da der Dolmetscher, der die Gebärden in Lautsprache übersetzte, mit dem Rücken zu den Gästen sass, konnten die „Mundableser“ bei dem Vortrag kaum folgen. Die Schwerhörigen sollten sich in der erste Reihe setzen, so der Vorschlag von der Organisatorin. Ein Gehörloser meinte, zum besseren Mundablesen könnte man die Sprecherin per Kamera und Beamer auf die Leinwand übertragen. Ganz schön kompliziert…

Gehörlose in der BHSA

Mehrere Diskussionsrunden fanden im Rahmen der Tagung statt. Gehörlose tauschten ihre Studienerfahrungen aus. Die Studienwege sind unterschiedlich – einige hatten Dolmetscher, andere studieren ohne deren Unterstützung (!). Wünschenswert ist natürlich, dass der Dolmetscher sich in dem Studienfach bestens auskennt. Ein Problem sind die Studentenarbeitsgruppen, wo Gehörlose ohne Unterstützung von Dolmetscher Aussenseiter sind. Oft müssen Gehörlose sich durchs ganze Studium alleine durchschlagen. Hier sieht man, dass die „Deutsche Gesellschaft“ im Studentenleben kaum eine Rolle spielt.

Gebärdensprachdolmetscher – selbst die grösste „Liebe zur Gebärdensprache“ endet, wenn der Rubel aufhört zu rollen…

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Wirklich 80.000 Gehörlose und 250.000 Schwerhörige? #statistik

Im Internet-Forum für Gehörlose wird es derzeit heftig über die Unstimmigkeiten mit dem Zahlen diskutiert, ob es in Deutschland tatsächlich 80.000 Gehörlose leben oder 30.000 Mitglieder der Deutscher Gehörlosen-Bund gibt.

Gretchenfrage: Wie viele Gehörlose leben in unserem Land und wieviele Mitglieder hat Deutscher Gehörlosen-Bund wirklich? Das wusste bislang keiner so genau. Denn die Betroffenen ließen sich so schwer abzählen wie Tiefseefische.

Laut Deutsche Gehörlosenbund geht unter der Annahme, dass etwa 0,1% der Bevölkerung in Industrienationen von Gehörlosigkeit betroffen ist, in einer oft zitierten Schätzung von 80.000 Gehörlosen und 30.000 Mitglieder der Deutscher Gehörlosen-Bund in Deutschland aus.

Interessanterweise gibt dennoch andere Zahlen und zwar laut Schwerbehindertenstatistik von Rehadat-Statistik weist nun die Zahlen für Jahr 2011 auf, hier: 49.169 gehörlos und 241.195 hochgradige/taubheit grenzende Schwerhörige. Die statistische Bundesamt kommt so für Jahr 2009 auf insgesamt 48.123 Gehörlose und 231.412 hochgradige/taubheit grenzende Schwerhörige.

Komischerweise hat die NRW-Landesregierung (https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV16-1085.pdf) wieder aussergewöhnliche Zahlen als die andere Statistiken. Laut die Zahlen leben in NRW etwa 3,2 Millionen schwerhörigen (davon 2,2 Millionen Altersschwerhörigkeit), aber wenn man sich von hochgradig bis taubheit grenzend schwerhörige zusammenrechnet leben in NRW genau 279.649 Menschen. Sogar in NRW gibt es 11.933 die sogenannte Gehörlosengeldempfänger und nur 6.854 haben im Schwerbehindertenausweis mit GL registriert. Eine inoffizielle Schätzung die sich auf Zahlen der Versorgungsämter über alle Personen berufen, die die Voraussetzungen für einen Eintrag des Merkzeichens GL in einem Schwerbehindertenausweis erfüllen. Auch interessant ist leben in NRW tatsächlich 7.337 Gehörlosen.

Während man vermutet wird, dass sich einige Schwerhörige bewusst Gehörlosengeld ohne den Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen GL auszunutzen, ist auch zu prüfen ob die Beantragung eventuell mit fehlerhafte Bearbeitung verbunden ist.

Hierbei findet man offenbar im Moment ein riesen Zahlenchaos. Wie kann denn sowas in diesem Land, wo alle Personenstands- und Mitgliedsdaten akribischst in Computern erfasst werden? Arbeiten die Datenerfasser etwa nicht korrekt?Frei nach Ralph Raules Spruch: “Es ist nämlich ein verbreiteter Irrtum, warum die Präsidenten, Vorsitzenden, Statistiker und Politiker Zahlen rechnen können.“ 😉

 

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Videotext-Untertitel bald kostenpflichtig

Videotext-Untertitel bald nur noch unter 0190-150! (3,63Euro/Min.)

Die Fernsehsender haben bekanntgegeben: Ab dem 1. Juni 2013 werden die Videotextseiten nur noch gegen Gebühr abrufbar sein.

Der Grund: Selten schalten die Benutzer die Untertiteln nach einem Film oder einer Sendung ab. So laufen die Zähler heiss. Zusätzlich sei der Aufwand beim Erstellen der Untertiteln so hoch, dass die Tippse eine 8-Stunden-Woche einlegen muss.

Und so funktioniert das ab Juni 2013: Die Videotext-Untertitel werden übers Telefonnetz ausgestrahlt. Der Benutzer ruft wie immer über die Fernbedienung das Videotext ab. Statt der alten 150er gilt nur noch die Kombination: 0190-150! Dann werden die Untertitel im Minutentakt abgerechnet. Pro Minute: 3,63 Euro!

Die Sender betonen aber, dass ausser der ermäßigte Beitragsservice von ARDZDF (5,99 Euro pro Monat), der Monatszulage (47,50 Euro), einer wöchentlichen Servicegebühr (32,20 Euro), Installationspauschale (131 Euro), Anschlussbüchse (65 Euro) und erforderlichen Umbauten für die Fernbedienung (200-400 Euro) keine weiteren Kosten anfallen. Wenn das nicht be(un)ruhigend ist…

 
8 Kommentare

Verfasst von - 1. April 2013 in Untertitel

 

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Entdeckt: Beiträge im Cochlear-Implantat und Schwerhörigenforum

Das Forum im Schwerhörigen-Spinnernetz ist ein Sammelbecken für alle mögliche todernste Fragen, Ratschläge und Erlebnisse rund ums Ohr. Für Schwerhörige und Cochlear-Implantat Träger ist das Pipiboard absolut unentbehrlich und lebensnotwendig. Wir haben dort durchgeblättert und die schrägsten Fragen bzw. Erlebnisse herausgesucht.

– „Wie baue ich eine Induktionsschleife in mein Auto ein?“

– „Mein Hörgerät hat einen Virus. Wo kann ich die Spritze mit dem Gegenmittel reinstecken?“

– „Ist das OHRgasmus eine ansteckende Krankheit ? Und wie kann ich mich davor schützen?“

– „Ich habe ein neues Hörgerät. Darf ich jetzt schon am Ohrstück rumlutschen oder ist das Plastik am Anfang noch giftig?“

– „Mein Cochlear-Implantat Hörgerät verbraucht zuviel Strom. Kann ich ihn auf Solartechnik umbauen lassen?“

– „Die Farbe von meinem Hörgerät blättert ab. Hilft da Autopolitur oder nur noch neu lackieren? Zahlt das die Krankenkasse?“

– „Immer wenn ich aufs Klo gehe und die Toilettenspülung betätige, rauscht es im Ohr. Ist mein Cochlear-Implantat Hörgerät kaputt oder habe ich Tinnitus?“

– „Mein Hörgerät wird bei Regenwetter und in der Sauna immer feucht. Kann ich ihn mit Kondomen schützen, die ich eh nie benutze?“

– „Da meine schwerhörige Hündin altersbedingt immer schlechter hört und nicht immer auf Hundepfeife reagiert. Was muss ich auf hohe oder tiefe Töne achten mit der ich ihre Aufmerksamkeit auf mich ziehen kann?“

– „Ich war auf dem Weg nach Hause. Plötzlich hielt ein Auto neben mir an. Eine Frau fragte mich mit einem starken Akzent, ob ich ihr sagen könnte, wo sich diese bestimmte Strasse befände. Was sie sagte, habe ich verstehen können, nur diese Strasse nicht. Auch nach zweimaligem Wiederholen habe ich den Strassennamen nicht verstanden. Da sagte ich: „Tut mir leid, aber diese Strasse kenne ich nicht, also muss diese Strasse nicht in dieser Wohngegend sein.“ Da bedankte sich diese Frau und fuhr dann weg. Ein paar Meter weiter und ich war zu Hause. Eine halbe Stunde stand sie plötzlich vor meiner Tür. Sie fragte mich: „Kennen wir uns nicht schon?“. Oh man, war es mir peinlich. Sie hat nach dieser Strasse gefragt, wo ich wohne. Sie war unsere neue Putzfrau…..“

 

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Hörgeschädigten Arbeitslosigkeit in den USA

Von einem Leser bekam ich per e-Mail den Hinweis, wie die Arbeitslosigkeit für hörgeschädigten Gesellschaft in den USA aussähen. Hier:

Sprache/Language: (ASL=American Sign Language)

In den USA lag aus dem Jahr 2008 die Arbeitslosenquote zwischen durchschnittlich 4-6%, aber in der hörgeschädigten Gesellschaft sind die Zahlen deutlich höher. Ist genauso wie in Deutschland, zur Erinnerung Arbeitslosigkeit in Deutschland.

Wer behauptet, dort ist man Deutschland um einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte voraus, allerdings zu behaupten, dass viele dort ASL beherrschen würden, barrierefreie Leben, bessere Bildung verfügt und die Kommunikation kein Problem darstellt ist schlichtweg falsch. Fakt ist, es funktioniert nur in Washington D.C. ganz gut, oder in Teilen von New York oder in San Francisco. Restliche Amerika glänzt nicht alles Gold.

 

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Arbeitslosigkeit bei Behinderten extrem hoch

Schwerbehinderte Menschen sind besonders stark von der Wirtschaftskrise betroffen. Die Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt 2008 und 2009 bei jeweils 14,6 Prozent. Das ist etwa doppelt so hoch wie die Arbeitslosenquote insgesamt.

Weitere Text und Quelle (rp-online.de): http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/Arbeitslosigkeit-bei-Behinderten-extrem-hoch_aid_889683.html

Gut und schön, die Zahlen muss man nicht so genau ernst nehmen, aber in Wirklichkeit sehen verschiedene Behindertengruppen prozentual gesehen ganz anders aus. Man rechne einfach mal vor. Laut Statistik durch Power-Point Präsentation von Thomas Worseck leben bundesweit Schwerhörige und Gehörlose (ab 50% Behinderungsgrad) ingesamt 266.471 (Stand: 31.12.2007) und zu diesem Zeitpunkt gab es etwa 106.000 schwerhörige und gehörlose Arbeitslose. Das ergibt sich etwa 40 % schwerhörige und gehörlose Arbeitslose heraus. Schön viel, was? Anscheinend interessieren Bundesregierung nicht an einer Problemlösung für hörbehinderten Menschen, sondern weil die geschönte Zahlen oft meistens aus Ziffern bestehen. Selbst die Araber können heute nicht mehr sagen, wie sie das geschafft haben. Wahrscheinlich haben die Politikern einfach aus Langeweile Zeichen in den Sand gemalt und sich gefreut. Wie man schön sagt: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht oder nicht selber erstellt hast.“

 
 

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Unterschiede zwischen Hörende und Hörgeschädigte

Ich nehme/schreibe mal zwei Beispiele auf, was mir gerade so einfällt:

1. Der Gehörlose oder Schwerhörige war schlecht vorbereitet (denn das ist Voraussetzung für jeden Beruf, sich gut vorzubereiten und spiegelt nicht im geringsten den Unterrichtsstoff an Universität generell wieder; nach der Theorie dürfte kein Absolvent arbeitslos sein)

2. Einige Unternehmen laden grundsätzlich Menschen mit Behinderungen ein, wegen der Quote, lehnen diese aber später ab. Begründungen sind oft auf nicht Wissen etc. bezogen; können aber immer vorweisen, dass sie Menschen mit Behinderung eine „Chancengleichheit“ gegeben haben. Leider vergessen die meisten Unternehmen, wie gut die praxistauglichen Kompetenz die hörgeschädigten Leuten verfügen im Vergleich zu hörende Menschen.

Warum das so ist? Zwar gibt es auch bei Hörende Bildungsunterschiede, sogar ich kenne einige Hörende die im Vergleich zu mir Bildungsdefizite haben. Sehr gravierende sogar und das finde ich schade, denn sie haben keine Behinderung (ich klammer jetzt mal eine Lernbehinderung aus und orientiere mich an Menschen ohne Einschränkungen) und finde schade, dass bei einigen das Schulsystem in Deutschland versagt.
Dennoch: Es ist auffällig, dass einige (nicht alle) Hörgeschädigten-Schulen einen sehr hohen Bildungsdefizit haben und leider viele nicht auf die Welt nach der Schule vorbereitet sind. Folge: Arbeitslosigkeit (etwa 40 % Prozent Hörgeschädigten sind arbeitslos)

Damals habe ich an einer privaten Akademie studiert und habe bereits unter Hörenden (ich war der einzigste Hörgeschädigte von allen!!!) erfolgreich abgeschlossen und siehe Ergebniss, habe ich mühsam um eine Arbeit gesucht trotz gute Qualifikationen.

Klar die meisten denken, ich sei typisch „dumm oder blöd“ nur weil ich als Hörgeschädigt angesehen bin. Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich eigentlich schon mein ganzes Leben lang mit einem ziemlichen Druck konfrontiert bin, um auf einem Niveau mit Normalhörenden zu sein. Dennoch war ich bisher immer überdurchschnittlich gemessen zu Normalhörenden, worauf ich irgendwie fast stolz bin. 🙂

Ich kann nur sagen, dass das System in Deutschland auf ganzer Linie versagt .

 

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