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Schlagwort-Archive: Integration

Eine Diskussion zuviel…

Sinn und Unsinn von Diskussionsveranstaltungen zum Jahr der Behinderten

Ganz Europa feiert das Jahr der Behinderten gemeinsam unter einem Motto. Nur Deutschland gehen wieder mal ihren eigenen Weg und haben eine ganz andere Kampagne gestartet. „Na und!“, so ihr Motto. Das übrigens Millionen Euro kosten soll. Genauso viel Geld, wie vom Bund für den Rest von Deutschland bereitgestellt wurde. Was die Behinderten davon halten? „Geldverschwendung!“ – auch harte Worte sind gefallen: „Debilität“ und „Verballhornung“sind ein Beispiel. Was ist eigentlich der Sinn dieser Kampagne? Was will man mit der Aktion „Europäischen Jahr der Behinderten“ (EJB) erreichen? Verbesserungen sind nicht in Sicht. Eines steht aber fest: Es wird zum „EJB“ viel geredet. Sind wenigstens die Diskussionsveranstaltungen lehr- und geistreich?

Hier drei verschiedene Gesprächsrunden im Rückblick: 

„Total Normal – Arbeit und Freizeit mit Behinderung leben“ Anwesend waren: Ca. 200 Leute. Davon 4 Gehörlose und 2 Dolmetscherin. Laute Töne: „Wir wollen für uns sprechen“. Dann der erste Satz, der ins Schwarze traf: „Es gibt zuwenige spezielle Lehrer“. Ja, immer noch sind die meisten Lehrer an GL-Schulen Gebärdensprachanalphabeten.
Weiter geht’s: „Anfangs hatten wir Bedenken gegen Integration“. Jetzt nicht mehr?
Behindertenbeauftragte, bei der Podiumsdiskussion noch ganz schweigsam, sprach nun viel Klartext: „Was politisch gewollt ist wird auch finanziert!“„Ich habe die Vision, dass meine Aufgabe überflüssig wird“ und das Beste: „der normale Alterungsprozess wird als Behinderung angesehen!“ – Behindertengeld statt Renten?

„Gewinner oder Verlierer? Dolmetschervermittlung im Teufelskreis!“
Hierzu wurden auch drei Politiker eingeladen. Vor der Diskussion wurde ausgemacht: Wer zuviel redet, kriegt die „gelbe Karte“. Die gelbe Karte kam aber nie zum Einsatz. Das übernehmen wir jetzt.
Statt gleich zum Thema zu kommen, verschwendete ein Gehörloser fast 30 Minuten mit dem Vorwort zur Dolmetschersituation. Diese hätte er allen Diskussionsteilnehmern am Vortag zufaxen können. Gelbe Karte! Alle Gesprächsteilnehmer schienen fast ständig gleicher Meinung zu sein: Gehörlose brauchen dies und das, jawohl. Gelbe Karte. Dolmetscher-Katzenjammer: „Hausfrauen und Arbeitslose haben keinen Anspruch auf Dolmetscher!“ Tatsächlich? Gelbe Karte! „Dürfen Dolmetscher während der Ausbildung aushelfen?“ Besser nicht, da wahrscheinlich zu teuer und Zuständigkeitskrieg ausbrechen könnte. Gelbe Karte.

Ein Gehörloser: „1 Milliarden für den neue Berliner Flughafen , woher kommt plötzlich das Geld?“ Und: „Wenn man das Geld den GL geben würde, wären wir für 50 Jahre versorgt!“ Was? Milliarden für den GL? Her mit dem Berliner Flughafen! Gelbe Karte! Dann der Schreck: „Ihr bekommt Hausaufgaben!“ (Moderatorin zu den Politikern). Wie kindisch! Gelbe Karte!
„Rollstuhlfahrer haben keine Barrieren, sie haben ja Rampen bekommen! Und wir Gehörlose haben immer noch Barrieren!“Rote Karte! Es wurde noch mehr Müll gesprochen. Mehr wird nicht erwähnt. Anwesend: 8 Teilnehmer und 2 Mods. Nur 30 Zuschauer wollten diese Diskussion über sich ergehen lassen…

Quartett Imperfekt. Etwa 150 Gäste. Die drei ständigen Teilnehmer des Quartett Imperfekts. Vor laufender Kamera wurde das erste Thema einer neuen Gesprächsreihe eröffnet: „Über die Behandlung von Behinderten im 3. Reich und was danach alles so ganz anders wurde“.
Zitat aus dem Flyer: „Die Mitglieder der neuen unkonventionellen Gesprächsreihe ‚Quartett Imperfekt‘ mischen sich ein und stellen unbequeme Fragen“. Unbequem waren nur die Stühle, gesprochen hat fast nur der geladene Gast und das Ganze erweckt den Eindruck, dass die Gäste von der Behandlung Behinderter im 3. Reich nix gewusst hätten. 4 Teilnehmer, die in Rampenlicht gerückt bzw. gerollt wurden. Ein heikles Thema, das in einem banalen Monolog ausuferte. Weitere Diskussionsrunden mit dem „Trio Infernale“ stehen noch bevor.


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Der Deutsch-Italo Poet Giuseppe Giuranna

http://www.taubenschlag.de/html/ssh/1054.htm

In dieser Folge „Sehen statt Hören“ vom 8. Juni 2001 jammerte Giuseppe Giuranna der gehörlose deutsch-italienische Gebärdensprach-Poet über die üblen Zustände hier in Deutschland und dass er seine Heimat so sehr vermisse.

Haben wir, Deutschen, schon wieder was falsch gemacht? Glaube nicht, er ist Italiener, sie regen sich gerne für ihr Leben auf. Wenn er seine Heimat so sehr vermisst, wieso geht er nicht zurück. Wenn er nicht mit unser Land zufrieden ist. Er muß an uns anpassen, entweder er hält sein Maul oder er soll nach Italien gehen! Klar, weil er von uns lebt. In Deutschland lebt sich sehr gut aufgrund von Sozialleistungen. Dann braucht er nicht jammern, sondern das beste aus seinem Leben machen. Denke, Giuseppe ist kein Sizilianer. Ein echter Sizilianer jammert nicht. Er macht kurzen Prozess.

Deutschland wird zwar nicht wärmer und Menschen nicht sonniger, aber man kann nicht alles haben.
Übrigens: je freundlicher Menschen, besser gegenseitige Zuwendung, stärker familiäre Bindungen, desto schlechter ist die Wirtschaft. Für eine starke Industrie und stabile wirtschaftliche Lage brauchen die Länder hartgesottene Bürger mit dicker Haut und einer gehöriger Portion Egoismus. Das ist erwiesene Tatsache.

Inklusion in der Schule und Europa? In Italien ist es bereits seit Jahrzehnten inklusive Standard. „In Ländern wie Italien, Norwegen oder Dänemark gibt es seit Jahren nur noch wenige Spezialschulen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.“ Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Inklusion_(Pädagogik)#Geschichte_und_Entwicklung oder „Italien gilt weltweit als Vorbild im Bereich der schulischen Inklusion: Bereits 1971 wurde durch ein Gesetz der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung verpflichtend und flächendeckend eingeführt. Im Jahr 2010 gab es in ganz Italien zwölf Sonderschulen. Offiziell besuchen 99,9 Prozent der Kinder mit Behinderung eine Regelschule.“ Quelle: http://diepresse.com/home/bildung/schule/hoehereschulen/727838/Laendervergleich_Viele-Wege-zur-Inklusion?direct=727836&_vl_backlink=/home/index.do&selChannel=1065

Schau´n mer mal, Giuseppe Giuranna sagte Italia Schulmethoden schlecht, Deutschland tutto bene.

 

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Integration/Inklusion von schwerhörigen und gehörlosen Schülern in eine hörende Klasse.

Wie einige von Euch Vibelle TV über inklusiven Beschulung gesehen haben. Diesen Modellversuch gibt es in Deutschland schon lange und müsste irgendwo erstmals im Zeitraum von 1985 und später ab 1990 richtig (unter schwarz-gelbe Regierung) begonnen sein. Zuerst die schwerhörigen Kinder, dann die gehörlosen Kindern im Zeitraum von 2000 (unter rot-grüne Regierung).

Interessanterweise hat Ronny Bohms kürzlich ein Artikel im Taubenschlag.de veröffentlicht.

Zwar ist der Lehrstoff umfangreicher als in normalen gehörlosen Schulen, ein einzelnes gehörlose Kind wird aber im Laufe der Zeit die Lernstoffe immer mehr isoliert behandelt, wie von vielen häufig befürchtet.

Mag sein, daß es in einzelnen Fällen mit der Zusammenarbeit und Zusammensein zwischen Behinderten und Nichtbehinderten klappt, doch die Mehrheit jedoch wird in eine Isolation gedrängt. Diese Isolation hebt sich wieder auf, sobald das Kind zu seinesgleichen kommt. Dort fühlt es sich wohl, dort kann es sich entfalten.
Wie kam es eigentlich zu Integrations/-Inklusionsklassen? Schuld daran sind die hörende Eltern. Die wollen ein Kind, das ihnen gleicht, ihre Sprache spricht und somit „weniger Mühe“ macht. Sogar auch die schwerhörige oder gehörlose Eltern für die bessere Bildungsbedingungen ihrer schwerhörigen oder gehörlosen Kinder zu ermöglichen.

Außerdem meinen hörende Eltern, daß in den schwerhörigen und gehörlosen Schulen zu wenig vermittelt wird und ihr Kind nach der Pflichtschule den Bildungsstand eines Dritt- oder Viertklässlers habe. Und die hörgeschädigte Eltern behaupten aufgrund Ihrer negative Erfahrung an frühere Schulleben, die meisten Lehrern können nicht gebärden oder verwenden angeblich nur LBG/LUG.

Es gab in Österreich Fälle, zum Beispiel dort wurden im Hörgeschädigteninstitut mangels Neuzugang – dem ja von den Eltern die Integrationsklasse auferzwungen wurde – Gehörlosen mit Blinden zusammengelegt. Natürlich getrennt, aber dafür kostensparend. Wirtschaftlichkeit steht immer im Vordergrund, auch auf Kosten der Bildung des einzelnen Individuums. Würden die Integrationsklassen nicht sein, gäbs keinen Mangel an neuen Schülern.

Warum zum Teufel, forciert man nicht den Unterrichtsstoff so wie in normalen Schulen?
Was hindert die Lehrer daran, schwerhörigen und gehörlosen dasselbe Bildungsniveau zu geben, wie den Hörende? Gehörlosen sind doch nicht „behindert“, zu begreifen. Zwar gehts beim Unterricht etwas langsamer, aber der Lohn für alle Mühe wiegt dies bei weitem auf. Komischerweise woher vor allem die jüngere Generation gute Schriftsprachkompetenz kamen, das haben einige vor allem Internet viel zu verdanken. Eigentlich müsste das Internet für gehörlose Menschen ein gutes Kommunikations- und Lernmedium sein. Aber warum klappte die Schule für Hörgeschädigte nicht?

Ist es die Bequemlichkeit der Lehrer? Ist es das Gesetz? Letzteres trifft hier vor allem zu. Es gibt zwar bequeme Lehrer, aber viele geben sich wirklich Mühe und wenn sie könnten wie sie wollten, würde ihnen sicher ein schöner Erfolg beschieden sein.

Welcher Chirurg hat es schon gern, wenn ihm eine Operation mißlingt? Zur Frust und persönlichen Enttäuschung kommt bei ihm noch eine Strafe, wenn er deswegen gerichtlich belangt wird. Auch seine künftige Motivation leidet darunter.

Ist das auch bei GL-Lehrern der Fall? Bei denen herrscht höchstens Lethargie, wenn sie im Laufe der Zeit sehen, wie sich ein gehörlose Kind bildungsmäßig entwickelt. Eine Strafe haben sie allerdings nicht zu befürchten. Das schlimmste ist, daß sie keine eigenen Unterrichtsmethoden anwenden dürfen.
Laut Gesetz dürfen Schwerhörigen und Gehörlosen nur nach Förderschulplan für alle Behinderten unterrichtet werden. Und wie sieht so ein Förderschulplan für Schwerhörige und Gehörlose aus?

Er wird von einigen wenigen zurechtgeschneidert und bestimmt. Leider auch von solchen, die überhaupt keine Erfahrung oder Umgang von hörbehinderten Schüler haben und sie mit anderen Behinderten (etwa Mongoloiden) in einen Topf werfen.

Die Gretchenfrage ist jetzt: Was kann man dagegen tun? Unterschriftenaktionen? Dialoge mit Politikern? Aufklärungsaktionen? Streiks? Sitz-Blockade? Krawalle? Nichts von alldem.

Was bleibt, ist Lethargie und totaler Frust, angesichts der ständigen Winderei der Hörenden, die Forderungen von hörgeschädigten Bürger partout nicht verstehen können oder begreifen und letzten endes vielleicht gar nicht wollen.

Ständig wird versucht, über die hohe Politik ein Weg zur Veränderung des Lehrplanes für Schwerhörigen und Gehörlosen zu erreichen. Nützte bisher nicht viel. Im Parlament gab es Diskussionen ohne Ergebnis. Bloß lahme Verständnisheischereien von den Großparteien, die die aufstrebende Parteien wie „Die Grünen“, die sich für Behinderte einsetzen und sich als Inklusionfans outen, aus kleinlichen Eifersuchtsgründen nicht gewinnen lassen wollen.

So, dies wird letzter Artikel des Jahres sein. Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr wünscht Euch!

 
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Verfasst von - 13. Dezember 2011 in Inklusion/Integration

 

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Behinderten in Deutschland

Jemand mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung wird vielleicht nie Raketeningenieur werden, aber es gibt einige Behinderte wieviel Talent die besitzen. Die Leute werden auf diese Weise, ihr Potential zu entfalten und sogar möglicherweise ein normales Leben zu führen. „Positive“ Diskriminierung deshalb, weil die Motive hier nicht von boshafter Natur ist. Eine Diskriminierung ist eine Herabwürdigung.

Mehr über Positive Diskriminierung: http://de.wikipedia.org/wiki/Positive_Diskriminierung
Und über Diskriminierung: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskriminierung

Nach meiner intensive Recherche im Internet stelle ich immer fest. Es besteht eine „Schweigespirale“ bei diesem Thema. Die Medien suggerieren eine falsches Mehrheitsbild, deshalb schweigt die Mehrheit wegen sozialer Erwünschtheit. Heißt konkret: Eigentlich ist nur eine Minderheit für eine Gleichstellung von Behinderten. Der Mehrheit ist es gleichgültig. Deshalb ist es seit geraumer Zeit zu beobachten, ob Behinderte tatsächlich derartigen Zuspruch in der Deutschen Bevölkerung bekommen, wie durch Politiker und Medien immer suggeriert wird.

 
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Verfasst von - 22. September 2011 in Inklusion/Integration

 

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Integration – Inklusion

Zunächst einmal betrachte ich den Begriff der „Integration“ als einen (sozial-)politischen, da er sich eben nicht nur mit dem Aspekt der Behinderung befasst, sondern eben auch speziell mit dem Thema Migration und sonstigen marginalisierten Gruppen. (siehe zum Beispiel Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“)

Der Ursprung des Begriffs der „Inklusion“ stammt meine Festellung aus der Soziologie, ein Begriff, der sich mit gesellschaftlichen Systemen beschäftigt. Darüber hinaus ist der Inklusionsbegriff ohne seinen Gegenbegriff (Exklusion) gar nicht sinnvoll denkbar.

Beide Begriffe wurden von der (Sonder-)Pädagogik übernommen, wobei ich persönlich den Inklusionsbegriff im Zusammenhang mit Schule als eher störend empfinde, da aus meiner Erfahrung viele Lehrer heute immer noch wenig mit dem Integrationsbegriff anfangen können, bzw. dieses Konzept schon als utopisch empfinden.

Grundsätzlich sehe ich im Prinzip der Inklusion eine deutliche Weiterentwicklung, eben eine Leitidee, die durchaus visionären Charakter haben könnte. Inklusion setzt aus meinem Verständnis einen absoluten Perspektivwechsel voraus. Den Menschen als Menschen zu sehen, und eben nicht als den „Normalen“ oder den „Behinderten“. Inklusion heißt letztendlich nichts anderes als der Einbezug aller Mitglieder in eine Gesellschaft – und um den Bogen zur Soziologie wieder zu spannen – heißt Inklusion: die Berücksichtigung von Personen in Sozialsystemen.

Das heißt, dass Umwelt als auch Umfeld so gestaltet werden müssen, dass jeder Mensch – seiner Fähig- und Fertigkeiten entsprechend – gleiche Chancen erhält.

Spannt man den Bogen zum System Schule, so denke ich, dass die Integrationspraxis in der Vergangenheit äußerst fehlerhaft verlaufen ist. Fehlerhaft in dem Sinne, als dass die zusätzliche individuelle Förderung auf den Schüler mit Behinderung fokussiert wird, der Gesamtunterricht jedoch keine Änderung vorweist.

Der Kerngedanke des Integrationskonzeptes bildete ursprünglich die Idee, den gesamten Unterricht zu verbessern, die sozialen Kontakte zu stärken und die Bedürfnisse jedes einzelnen Schülers zu beachten. Durch die Fokussierung wird diese Zielsetzung des Integrationsgedankens verfehlt, da Integration dann lediglich eine Zusammenstellung verschiedener sonderpädagogischer Maßnahmen in die gleich bleibende Regelschule darstellt.

Der Ansatz der Inklusion wiederum rückt den Schwerpunkt seiner Betrachtung auf die Gesamtheit einer Klasse, das heißt, inklusiver Unterricht soll spezielle Bedürfnisse und Fähigkeiten aller Schüler einer Klasse berücksichtigen, seien es Schwächen oder besondere Begabungen.

Das sonderpädagogische Verständnis von Integration beinhaltet ja eine Zwei-Gruppen-Theorie, die Menschen mit und ohne Behinderung voneinander abgrenzt. In wie weit Integration stattfinden kann,
entscheiden demnach Experten anhand objektiv ermittelter Bedarfe, nicht die Betroffenen selbst anhand ihrer subjektiven Bedürfnisse. Damit verbleiben Menschen mit Behinderung nach wie vor in einem Objektstatus der Förderung, Erziehung und Qualifizierung durch professionelle Experten.

Der Inklusionsgedanke geht wiederum von heterogenen Gruppen aus, für die als Subjekte ihrer Situation Assistenz notwendig sein kann primär nach den Kriterien subjektiver Bedürfnisse.

Ich persönlich sehe das Integrationskonzept als beinahe gescheitert an  zuviel Unklares verbirgt sich dahinter. Darüber hinaus sind auf politischer Ebene manche Dinge wirklich schlecht geregelt. So reicht es heutzutage als Institution aus, sich „integrative Einrichtung“ zu nennen, anfangs einige wenige Kriterien zu erfüllen, um vom Staat zusätzlich gefördert werden zu können. Qualitätsmanagment Fehlanzeige.

Dort, wo inklusive Prozesse stattfinden, finden auch exklusive Prozesse statt. Dabei sind die Auswirkungen von Exklusion kaum in Worte zu fassen, denn Exklusion impliziert nicht nur den Ausschluss aus einem Funktionssystem, sondern tritt in der Regel in kumulierter Eigendynamik auf: Keine Arbeit, kein Geld, keine Berechtigung, Verlust des gesellschaftlichen Status. Zwar verweisen Exklusionsprozesse oftmals auf den Rand der Gesellschaft, jedoch geschehen sie in ihrem Inneren. Daher muss diese Form der Ausgrenzung als Ausgrenzung innerhalb der Gesellschaft verstanden werden.

Um eine inklusive Gesellschaft ermöglichen zu können, müsste eine absolute Systemumstellung und Veränderung folgen. Sämtliche staatliche und ökonomische Prozesse müssten umgewandelt werden. Der Fokus müsste vom Prinzip der Leistung und einem maximalen Gewinn und Besitz abgewandt und auf den Menschen als gleichwertiges und wertvolles Mitglied der Gesellschaft gerichtet werden. Die dabei berechtigte Frage ist jedoch: Ist der Mensch im Stande dieses zu leisten?

Mir erscheint das Ganze als vollkommen paradox: Eine Gesellschaft mit all ihren Fehlern formt aus ihrer Mitte heraus all die unterschiedlichen Phänomene von Randgruppen. Diese Gesellschaft scheint sich nun vor ihrer Verantwortung zu drücken, in dem sie Toleranz und Akzeptanz verweigert und ihr eigenes Erzeugnis von sich weg in räumlich getrennte Gebiete schiebt.

Dabei vollziehen sich solche Prozesse nicht ruckartig und sind nicht augenfällig durchschaubar. Der Paradigmenwechsel und das Vordringen neoliberaler Ideologie in Wirtschaft, Politik und in den Medien ist seit ca. 30-40 Jahren in seiner Entwicklung zu beobachten.

Bei dem Prinzip der Inklusion handelt es sich ja um keine neue Idee. Die Soziologen thematisieren diesen Prozess schon mehreren Jahrzehnten.

Die Kritik sollte meiner Meinung nach nicht an die „Inklusionsidee“ gerichtet werden, sondern an den Menschen selbst, denn dieser löst jegliche Prozesse in allen Systemen letztendlich selbst. Ihr könnt dies höchstens noch in alle Teilsysteme wie Politik, Wirtschaft, Schule, etc. differenzieren. Eine ökonomische Betrachtung des Menschen als Objekt lässt menschliche Werte wie Liebe, Zuneigung, Vertrauen, Wärme und Geborgenheit dahin schwinden.

 

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Inklusion: „Alone in a Hearing World“

Spiegel-Online berichtete über den behinderte Schüler und Inklusion http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,769821,00.html und Einblick ins Spiegel-Forum, wo über Inklusion heftig debattiert wurde: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=42113
Mein Eindruck vom Forum-Debatte zeigt, ist das ein Aspekt von diverse Forum-Teilnehmer der gerne übersehen wird.


Sprache: ASL (American Sign Language)

Edit (November 2011:) Für Leute, die in Deutschland wegen nervige GEMA-Sperre wohnen. Hier bitte schön: http://bit.ly/tF0deu

Das Film zeigt Szenarien einer gehörlosen Jungen und wachsen in einer Welt der Hörenden auf. Mit Familienangehörige, die nicht miteinander kommunizieren können und ununterbrochene Missverständnisse (trotz Gebärdendolmetscher) durch seine Lehrer und Trainer, ist er gezwungen isoliert in der Welt der Hörenden zu leben. Bis zum Ende landet er in der einzige Ort an dem er leben kann.

 
 

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Blog-Gedanken: Integrative Beschulung

Taubenschlag – Dolmis in der Regelschule

Dort habe ich zwar meine Kommentare hinterlassen und mit „meinAugenschmaus“ Diskussionen geführt. Nun tauchen die Gedanken bei mir auf, was mir irgendwo im Internet aufgefallen ist und ich kürzlich im GL-Cafe solche Diskussionen entdeckt habe.

Soweit ich aus dem Forum verstanden habe, vertritt der Deutsche Gehörlosen-Bund die Ansicht, dass die Gehörlosenschulen erhalten bleiben müssen/sollte. Im Prinzip keine schlechte Grundhaltung, dennoch sollte dringend in den Gehörlosenschulen eine Reform stattfinden. Die erlangte Gebärdensprachkompetenz lässt mehr als oft zu wünschen übrig und ebenfalls der Unterrichtsstoff. Das Niveau ist meine Beobachtung und Erfahrung an meisten Schwerhörigen- und Gehörlosenschulen sehr unterschiedlich bzw. gravierend, dass die Kinder und Jugendlichen zwar nach dem deutschen Gesetz beschult wurden, doch bei Entlassung kaum eine Chancengleichheit in der Berufswelt bestehen. Dabei ist es das, woran eine Schule einen heranführen sollte und nicht nur Wissen vermitteln, dass man gerade so überlebt. Ebenfalls bleibt leider sehr oft die Schreibkompetenz auf der Strecke. Wenn man mit unterschiedlichen Schwerhörigen und Gehörlosen schriftlich kommuniziert (Chat, Email, Foren, etc.) ist oft eine starke Schreibschwäche zu erkennen. Sollte man nicht so beschulen, den Kindern und Jugendlichen klarmachen, ähnlich wie bei einer Fremdsprache, dass es zwei unterschiedliche Syntaxen gibt? Dabei geht es ja nicht nur um das Schreiben der deutschen Sprache, sondern auch des Lesens und des Verstehens. Wie sollen Gehörlose Informationen, z.B. beim Lippenablesen aufnehmen, wenn diese die Differenzierung nicht erkennt und die Information nicht versteht? Klar, wir Gehörlose nutzen ebenfalls in der Gebärdensprache Mundbilder, doch sind diese an die Gebärdensprache angepasst. Aber es geht ja auch, besonders später darum, Informationen aus Printmedien oder Untertitel von Fernsehsendungen korrekt zu lesen UND zu verstehen.

Ebenfalls komisch kam mir das Statement durch des Psychologen vor. So meinte er, dass durch das Beschulen in einer Regelschule ihr der „Zusammenhalt“ und die Identität zur Gehörlosigkeit fehlen könnte.

Einerseits vielleicht verständlich, doch anderseits auch antiquiert. Warum antiquiert? Ich sehe oft, dass viele Gehörlose aus den Unterdrückungen gelernt haben und mittlerweile sich im Aufbruch befinden und akzeptiert werden wollen. Der Wunsch, zu studieren bei vielen mittlerweile vorhanden ist und hier auch Schrittweise die Rechte eingefordert werden.

Fakt ist aber auch, ist hörgeschädigte Regelschüler (inbesondere Gymnasium und Realschule) gleichaltrigen Schülern der Sonderschule weit überlegen und wäre in ihrer Klasse die einzige bzw. einige Gehörlose und würde demnach auch hier nicht in  ihrer Muttersprache mit ihren Mitschüler/-innen kommunizieren, und auch so nicht unterrichtet werden können. Er/sie ist in einer Sonderschule völlig fehl am Platz und würde deutliche Einbußen beim Wissenserwerb erleiden.

Am Ende müssen wir doch eh mit Hörenden in unserer Gesellschaft auskommen, uns verstehen. Warum also in der Schule eine Art Ghetto-Denken anerziehen? Die Identität kommt mit dem Heranwachsen von alleine. Als Gehörloser/taubheit grenzend Schwerhöriger steckt man ja selber in dem Prozess drin. Man ist ja nicht vollkommen verblödet und bekommt schließlich mit, dass man „Anders“ ist als andere. Wenn man also durch die Eltern entsprechend gefördert wird und auch der Kontakt zu anderen Gehörlosen nicht unterbunden wird, ist da eigentlich kein Problem zu erwarten. Und wo ist das Problem, wenn man auch hörende Freunde hat, die ebenso Spaß am Gebärden hat, wie jedes Kind neugierig ist, etwas Neues zu erlernen.

 

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