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Rentable GMU

„Andereits ist die Entwicklung der Gehörlosenzentrum zu mehr Professionalität gebremst, denn dort gibt es schon alle Angebote von Theater bis Weiterbildung. Das GMU zum Beispiel möchte sich langsam vom Gehörlosenzentrum zu einem Insitut wandeln. Die Frage ist, ob dann alle dort hin wechseln oder sich selbständige Gruppe gründen sollen wie zum Beispiel das IVT, das professioneller und leidenschaftlicher arbeiten als ein Zentrum, das als „Mama“, die sich um ihre Kinder sorgt, fungiert. Ich denke, dass Gehörlosenzentrum nicht mehr alles anbieten sollen, sondern dass öfters eigentsändige Gruppen, zum Beispiel als Kneipe oder Theatergruppe, gegründet werden sollten.“

Quelle: http://www.vibelle.de/tv/watch/108 zwischen 9:20 bis 9:55 Minuten

Interessante Aussage von Mr. Busch. Gehörlosigkeit kann ganz schön rentabel sein. Allerdings nicht für die Betroffenen selbst, sondern für alle, die für Betroffene arbeiten. Manchmal sind es sogar ganze Betriebe. Schauen wir mal nach Österreich/Wien. Eins davon ist das „equalizent“ in Wien. Die GmbH beschäftigt allein in der österreichischen Hauptstadt über zwei bis drei Dutzend Mitarbeiter. Seminare, diverse Kurse und Fortbildungen gehören zum Angebot. Sich selbst bezeichnet die Firma als „Qualifikationszentrum“. Es ist dort groß genug, so dass neben einem Veranstaltungsraum und Büros auch kleine Läden drinnen Platz finden. Die dann an „gehörlose Friseur und Fußpfleger“ vermietet werden kann. Nach einer Maniküre können die (hörenden) Kunden im hauseigenen Lokal speisen, das ebenfalls von Gehörlosen betrieben werden soll. Hauptspeise: Fingerbuchstabensuppe. Diese Leckerlei wird der Gast auch im Deafshop als Fertiggericht kaufen können. Das ILY-Schlüsselanhänger gibt’s dann als Werbegeschenk…

Woher kommt das ganze Geld? Klar, die Steuergelder! Nicht nur das Bundessozialamt beiteiligen sich, sondern auch die EU mit ihren Fördermitteln beteiligen. Vergleichbar ist das Projekt übrigens mit dem Münchner Gehörlosenzentrum, das dem Gehörlosenverband München (GMU) gehört. Das große Bau kostete mal 2,38 Millionen Euro – ein echtes Schnäppchen! Leider ist die Lage nicht gerade ideal, das GMU befindet sich jetzt am Popo von München. Und die Betriebskosten sollen den Vereinsvorständen jedes Jahr Sorgenfalten in die Gesichter treiben…

Sollte die zu einem Insitut umwandeln und auch ob das deaf’n more später mal Erfolg haben wird? Die Zielgruppe wird ja immer kleiner, da schwerhörige und taube Kinder frühzeitig mit Hörhilfen versorgt werden. So fällt ihnen der Spracherwerb leichter und immer mehr wandern in die Welt der Hörenden ab. (siehe zum Beispiel zuletzt neueste Statistik-Ausgabe 2012 von Deutscher Gehörlosen-Sportverband) In der Projektbeschreibung wird hingegen erwähnt, dass alleine in Wien und Umgebung 6000 Gehörlose wohnen! Woher das equalizent die Zahl hat? In Oberbayern (4,2 Mio Einw.) gibt es über 1000 Gehörlose, in ganz Bayern (12,5 Mio Einw.) sind es etwa leicht über 3000. Und equalizent rechnet vor, dass von den 1,7 Mio. Wienern angeblich 6000 gehörlos sind…

Edit: Danke an die aufmerksame Leser, die mir per Email zugeschickt hat. Siehe Leseprobe von DGZ sehr passend zu diesem Blogartikel, Seite 16, Thema „Brauchen wir Gehörlosenzentrum?“ http://www.gehoerlosenzeitung.de/leseprobe/2012_dgz_mai_leseprobe.pdf

 

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