RSS

Schlagwort-Archive: Hörgeschädigte

Demokratie in Bewegung – DiB #demokratie #DiB

Nach langer, langer Zeit habe ich endlich mal wieder die Zeit zu bloggen.

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, warum und wieso die Hörgeschädigten die neu gegründete Partei „Demokratie in Bewegung“ unterstützen wollen.

Via Facebook werben sich viele Gehörlosen nun die ca. 2000 Unterschriften von Wähler/innen in jedem Bundesland brauchen. damit sie zur Bundestagswahrl 2017 zugelassen werden. Kurz zuvor waren die 100 000 Unterschriften unter der Online-Petition, was leider wegen die Unterschriften-Echtheit überprüft werden muss.

Das ganze erinnert mich fast sehr stark an Piratenpartei und Julia Probst. Zur Erinnerung hier nachlesen:
https://hewritesilent.wordpress.com/2013/09/07/ist-julia-probst-alias-einaugenschmaus-reif-fur-die-politische-buhne/

Es ist immer noch wirklich ein Phänomen, wie und warum viele Hörgeschädigten vor allem Identifikationsfiguren wie Benedikt Sequiera Gerardo (besser bekannt als bengie) und Ralph Raule (weltberühmt durch sein Zitat „Es ist nämlich ein verbreiteter Irrtum das Gehörlosen lesen können„) wahrnehmen und unterstützen wollen.

Hier Youtube-Video von Ralph Raule:

Wie sah damals aus? Soweit ich mich noch sehr gut erinnern kann, wussten bestimmte Vereins- bzw. Verbandsheinis die Wahlveranstaltung schon vorher, also wo die Politiker reden will, mit GL-Dolmetschern ausgestattet wird! Die Heinis wie zum Beispiel GMU oder Deafberlin haben niemanden informiert! Die Homepage von GMU oder Deafberlin verliert darüber kein Sterbenswörtchen! Nur im Taubenschlag damals (unter Führung von Bernd Rehling) steht eine bescheidene Mitteilung. Das beste daran: oft steht es steht wörtlich: kommt zahlreich und nutzt die Gelegenheit zur politischen Teilhabe. Wenn man sich überlegt dass bei einer öffentlichen politische Veranstaltung von ca. 1000 Leuten „nur“ 2 bis 6 Hörgeschädigte anwesend sind, dann fragt man sich natürlich schon warum nur so wenige. Heute auch noch!

Das lustige ist, dass die DiB-Fans sich als „pure Demokratieideologen“ bezeichnen. Das ist ziemlich lustig für eine Partei, und offenbart ja die politische Naivität die dahinter steckt. Allerdings frage ich mich dann, wieso sie dann soviele von deren Anhängern immer „mehr Demokratie“ verkaufen wollen. Wenn ich mir viele Gehörlosenverbände- und vereine beobachte, ist das keine echte Demokratie, weil viele in vielen Sitzung oft einstimmig abnicken. Genauso wie in Nordkorea!

Zu Partei „Demokratie in Bewegung“ fällt mir nur eins ein: leere Versprechungen genauso wie die Volksparteien, die sich auch als demokratische Parteien verkaufen. Das einzige Argument der hörgeschädigte DiB-Anhänger, die ich bislang vernehmen durft war: Ich will mehr Demokratie ohne Bevormundung durch den Staat und Volksparteien.

In meiner Umgebung bzw. Umfeld kenne ich keine hörgeschädigte Dib-Anhänger.
Die Frage ist nun aus welchem Lager diese Stimmen kommen. Ein Großteil wahrscheinlich auch aus dem Nichtwählerlager, Behindertenwählerlager und Antidiktaturenlager. Ähnlich wie die Piratenpartei wurde von Extremisten (Linke, Hardcorefeministen, Antideutsche, Mittelfinger-Ghettos) unterwandert und ist heute krachend gescheitert. Offensichtlich haben die Volksparteien die iPhone- und Internet Generation einfach ignoriert und wird es auch wohl enden wie DiB. Siehe Piratenpartei!

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 27. Juni 2017 in Politik

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Zwangsbeglückung für alle Hörgeschädigte …

… und zwar mit den Worten: „Auf Grund der durch die Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) geänderten gesetzlichen Lage ist die ÖGS ein attraktiver Forschungsgegenstand.“

Spätestens jetzt sollten alle Zweifel ausgeräumt sein: Die Gebärdensprache ist dazu da, damit Forschungsgelder fließen, basta. Das ist von höchster Stelle bestätigt worden. Haben Gebärdensprachforscher und Vorstände in Gehörlosenvereinen deswegen die Anerkennung auf Biegen und Brechen vorangetrieben? Es sieht ganz danach aus, denn das Internet wird von Nachrichtenportalen wie www.gebaerdenwelt.at überschwemmt. Dass mit Gebärdenvideos sehr gut verdient werden kann, ist kein Geheimnis – das haben findige (gehörlose und hörende) Betreiber selbst offenherzig zugegeben. In Österreich sitzt doch ein gehörlose Abgerodnete namens Helene Jarmer und kein Gebärdensprachvideos ist www.gruene.at weit und breit nichts zu finden. Offensichtlich knabbern die Grünen an Jarmers luxuriöse Gebärdendolmetscher-Anspruch um jedes Cent.

Doch jedes Geschäft hat auch eine Schattenseite. Gehörlose werden von schwerhörigen Geschäftsleute wie Ralph Raule offen in den Medien stigmatisiert („Es ist nämlich ein verbreiteter Irrtum, dass gehörlose Menschen lesen können“ usw.) und oft zusammen mit Schwerhörigen in einen Topf geworfen. Tatsächlich sprechen neuerdings Forscher und alle anderen, die mit dem „attraktiven Forschungsgegenstand Gebärdensprache“ ihre Brötchen verdienen, immer öfters vom Sammelbegriff „Hörgeschädigte“, da diese eine größere Gruppe ausmacht als ein paar tausend Gehörlose. Da leuchten die Forscheraugen wie zur Weihnachtszeit und selbst gehörlose Abgeordnete wie Helene Jarmer hören die Verbandskassen stürmisch klingeln …

Auch die letzte österreichweite Studie „Sprache Macht Wissen“ sprach wieder mal von „Hörgeschädigten“, obwohl fast ausschließlich das Thema „Gebärdensprache“ behandelt wurde. Auf die Details soll an dieser Stelle verzichtet werden. Denn die hörende Sprachwissenschaftlerin Verena Krausneker hat zusammen mit Kollegen einen 517 Seiten dicken Wälzer rund um ihre Gebärdenstudie zusammengestellt. Ein Artikel darüber im „Silent Writer“ hätte sämtliche Rahmen gesprengt …

Eines ist aber erwähnenswert: Die Studie „Sprache Macht Wissen“ weckte bei der Zielgruppe wenig Begeisterung. Es wurden unter anderem Fragebögen an sechs Gehörlosenschulen in Österreich verschickt. Die Blätter blieben unberührt oder wurden beschmiert. Dennoch hatten die Schulen die leeren Fragebögen ordnungsgemäß eingetütet und an die Forscher zurückgeschickt …

Im Anschuss an der Studie wurde an der Wiener Universität ein Vortrag gehalten, zu dem recht wenige Zuhörer kamen: Gerade mal 160 interessierten sich für die Ergebnisse und Auswertungen rund um die Gebärdensprache. Doch der Pressedienst von „Sprache Macht Wissen“ sorgte dafür, dass zahlreiche Zeitungen und Fernsehen über Krausnekers Gebärdensprach-Forschungsprojekt in Zusammenhang mit „Hörgeschädigten“ statt mit Gehörlosen berichteten …

Dieses Ereignis brachte den Österreichischen Schwerhörigenbund (ÖSB) endgültig auf die Palme. Der ÖSB kritisierte unter anderem den Zusammenwurf von Gehörlosen und Schwerhörigen in einen Topf. Zitat: „Die Studie beanspruche nämlich, repräsentativ zu sein, obwohl nur neun Studierende dazu befragt worden seien. Weiters werde nicht klar zwischen „gehörlos“ und „hörbehindert“ unterschieden und es werde versucht, eine „Zwangsbeglückung mit Gebärdensprache für alle Hörbehinderten“ forciert, obwohl von den 1,6 Millionen hörbehinderten Österreichern lediglich 8.000 tatsächlich gehörlos seien.“ (Die vollständige Fassung ist hier nachzulesen: →www.parlament.gv.at)

Diese schriftliche Anfrage wurde vom FPÖ-Abgeordneten Ing. Norbert Hofer bei der 58. Nationalratssitzung eingereicht. Es dauerte, bis die →Antwort vom österreichischen Wissenschaftsminister Johannes Hahn kam. Auf die Fragen rund um die fehlende Differenzierung von „Schwerhörig“ und „Gehörlos“ wurde gar nicht eingegangen – höchstwahrscheinlich aus Unkenntnis.

Interessant ist, dass im Jahre 2007 der promovierte Philosoph Johannes Hahn sich mit schweren Vorwürfen auseinandersetzen musste: Ihm wurde vom Salzburger Medienwissenschaftler Stefan Weber vorgeworfen, beim Verfassen der Dissertation „absolut schlampig“ vorgegangen zu sein und während der Arbeit „seitenweise unzitiert á la Karl Theodor zu Guttenberg bzw. Anette Schavan abgeschrieben“ zu haben. Nichtdestotrotz hat ein unabhängiges Gutachten die Doktorarbeit des Wissenschaftsministers als „nicht plagiatsverdächtig“ abgesegnet. Und vielleicht hat Johannes Hahn sogar ausgewürfelt, ob die Anfrage zum Thema Hörschädigung beantwortet werden soll, denn der Wissenschaftsminister war früher für ein Glücksspielunternehmen tätig …

Jedenfalls ist die Sache beim Nationalrat vom Tisch und die Studien werden wieder kommen und gehen. Ob Schwerhörige und andere lautsprachorientierte und nichtgebärdende Hörbehinderte nicht mehr mit Gebärden(studien) zwangsbeglückt werden, ist die Frage …

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

RWB Essen Musik AG – Musikalische Hörgeschädigte

Mit dem November weiss niemand etwas anzufangen. Es ist zu kalt zum Surfen, zu nass zum Fussballspielen und zu warm zum Skifahren. Auf Parties hat auch keiner Lust. Da sitzt man doch lieber zuhause und zieht sich, eingedeckt mit Tiefkühlpizza und Chips, einen Film rein. Nicht so eine Gruppe von Hörgeschädigten aus dem Ruhrgebiet. Eine Woche lang zogen sich die Schüler auf der Musikakademie in Marktoberdorf zurück und arbeiteten täglich bis in den Abend hinein für einen Auftritt – und auch an einer CD! Manche werden jetzt mit dem Kopf schütteln wollen. Doch die Idee klingt tatsächlich gar nicht so schlecht…

Seit etwa 10 Jahren wird im Essener Berufskolleg (RWB Essen) das Wahlfach Musik angeboten. Jungen und Mädchen, die Interesse an der Musik haben, treffen sich dort zweimal in der Woche. Dr. Ludger Schäfer, selbst schwerhörig und seit vielen Jahren Lehrkraft in Essen, leitet die junge Gruppe. Voraussetzung ist natürlich Interesse an der Musik, ein wenig Rhythmus im Blut mitzubringen und der Wille, regelmässig an dem Kurs teilzunehmen.

Tatsächlich singen Hörgeschädigte in einem Chor. Neuerdings mischen Gehörlose in der Musik AG mit. Die gehörlose Mädchen tanzt zusammen mit dem schwerhörigen Junge den Country Waltz. Eine Hörende erteilt die Anweisungen.

Einmal im Jahr fährt die Musik AG für eine Woche nach Marktoberdorf, um sich intensiv auf den Auftritt im Mai beim grossen Schulfest in Xanten vorzubereiten. Wer machte dies möglich? Dr. Schäfer erzählte seinem Freund Berengar Pfahl, einem Filmproduzenten, von seinem Vorhaben. Dieser fand die Idee genial und ermöglichte einen Aufenthalt in der Bayerischen Musikakademie in Marktoberdorf. Warum gerade Allgäu? „Es ist wunderschön hier!“, meint Ludger und strahlt. Und wie wird die Herstellung der CD finanziert? „Alles wird bei uns im Haus gemacht. Wir haben Mediengestalter, Drucker, …“ – das BBW könnte davon etwas lernen.

Bevor es an die Arbeit geht, ist Gruppenfitness angesagt. Gegen Nachmittag wird es ernst. Acht Leute stehen im Halbkreis und singen. Dr. Schäfer spielt Klavier. Ganze vier Stunden dauern die Aufnahmen. Danach ist längst noch kein Feierabend. Ein gehörlose Mädchen übt mit schwerhörigen Junge weiter den Country Waltz, und gleich nach dem Abendessen wird weiter gearbeitet…

Dass auch Hörgeschädigte Musik mögen und sogar etwas davon verstehen, haben die Breakdancer Tobias Kramer alias „TobiZ“ bewiesen. Einige Mädchen gründeten Tanzgruppen und treten zu verschiedenen Anlässen auf. Doch Hörgeschädigte, die im Chor singen, sind noch ein ungewöhnliches Bild. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

 
 

Schlagwörter: , , , ,

Brauchen wir Mitleid?

Warum nicht? Manche Gehörlosen sagen, dass es nervt, wenn Hörende sagen: „Sie können nicht hören? Ach Sie Ärmster!“ Aber man(n) kann daraus einen Vorteil ziehen: Bei Frauen werden Müttergefühle geweckt: „Du Ärmster, du kannst nicht hören! Lass dich trösten…“

Mitleid ist eine Gefühlssache. Es ist daher wichtig, dass der „zu Bedauernde“ die Gefühle des Helfenden nicht verletzt.

Beispiel: Eine Mutter schnauzt an der Treppe einen hilfsbereiten, jungen Mann an, sie könne den Kinderwagen schon alleine runtertragen. Es ist sicher, dass der junge Mann nie wieder einer Mutter das Angebot macht, Kinderwagen runterzuschleppen.

Auch wir Hörgeschädigten haben Mitgefühl gegenüber anderen Behinderten. So kann an der Treppe anstelle einer Mutter uns auch ein Gehbehinderter anschnauzen, der diesen mühsamen Abstieg alleine schaffen will. Sicher, er schafft es alleine, doch beim nächsten Mal werden wir mit unserem Hilfsangebot zögern, gerade da wo es vielleicht nötig ist.

In unserem Fall: Ein Mitbürger bekommt mit, dass wir Hörgeschädigten sind und übertreibt beim Sprechen mit überdeutlichem Mundbild. Sehr wichtig ist es, nicht entnervt wegzugucken, sondern dem Gegenüber freundlich zu sagen, er könne ruhig etwas schneller sprechen. So bleibt die Antenne aufrecht.

Und bei mir: Die Mädchen, die Mitleid mit mir haben, haben ein gutes Herz, können also später gute Mütterchen werden! 😀

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 15. Januar 2012 in Allgemein

 

Schlagwörter: , , ,

Unterschiede zwischen Hörende und Hörgeschädigte

Ich nehme/schreibe mal zwei Beispiele auf, was mir gerade so einfällt:

1. Der Gehörlose oder Schwerhörige war schlecht vorbereitet (denn das ist Voraussetzung für jeden Beruf, sich gut vorzubereiten und spiegelt nicht im geringsten den Unterrichtsstoff an Universität generell wieder; nach der Theorie dürfte kein Absolvent arbeitslos sein)

2. Einige Unternehmen laden grundsätzlich Menschen mit Behinderungen ein, wegen der Quote, lehnen diese aber später ab. Begründungen sind oft auf nicht Wissen etc. bezogen; können aber immer vorweisen, dass sie Menschen mit Behinderung eine „Chancengleichheit“ gegeben haben. Leider vergessen die meisten Unternehmen, wie gut die praxistauglichen Kompetenz die hörgeschädigten Leuten verfügen im Vergleich zu hörende Menschen.

Warum das so ist? Zwar gibt es auch bei Hörende Bildungsunterschiede, sogar ich kenne einige Hörende die im Vergleich zu mir Bildungsdefizite haben. Sehr gravierende sogar und das finde ich schade, denn sie haben keine Behinderung (ich klammer jetzt mal eine Lernbehinderung aus und orientiere mich an Menschen ohne Einschränkungen) und finde schade, dass bei einigen das Schulsystem in Deutschland versagt.
Dennoch: Es ist auffällig, dass einige (nicht alle) Hörgeschädigten-Schulen einen sehr hohen Bildungsdefizit haben und leider viele nicht auf die Welt nach der Schule vorbereitet sind. Folge: Arbeitslosigkeit (etwa 40 % Prozent Hörgeschädigten sind arbeitslos)

Damals habe ich an einer privaten Akademie studiert und habe bereits unter Hörenden (ich war der einzigste Hörgeschädigte von allen!!!) erfolgreich abgeschlossen und siehe Ergebniss, habe ich mühsam um eine Arbeit gesucht trotz gute Qualifikationen.

Klar die meisten denken, ich sei typisch „dumm oder blöd“ nur weil ich als Hörgeschädigt angesehen bin. Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich eigentlich schon mein ganzes Leben lang mit einem ziemlichen Druck konfrontiert bin, um auf einem Niveau mit Normalhörenden zu sein. Dennoch war ich bisher immer überdurchschnittlich gemessen zu Normalhörenden, worauf ich irgendwie fast stolz bin. 🙂

Ich kann nur sagen, dass das System in Deutschland auf ganzer Linie versagt .

 

Schlagwörter: , , , , , ,