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Schlagwort-Archive: Gehörlosenkultur

Julia Probst und die Tatort-Lobbyarbeit

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Quelle: Facebook – Thomas Mitterhuber

Habt Ihr genau gelesen? Julia Probst behauptet selbst, sie betreibt „die beste Lobbyarbeit und Fachberatung aller Zeiten“. Dank Tatort und Internet könnte sie problemlos 8 Millionen Zuschauern erreichen.

Erinnern wir mal zurück, damals hat Tatort (Folge 493 „Schützlinge“) auch gehörlose Schauspieler mitgewirkt. Ausgerechnet „Marcööö Liebdich“ mit seiner „ausgerutschen verstrickte“ Deaf-Synergy-Affäre damals. Unter Marco Lipski hatte im Frühjahr 2002 8,20 Millionen Zuschauer erreicht und zwar nicht jeder hatten damals Internetanschluss. Wie schaffte er das bloss? Eine beachtliche und beeindruckende Quote und das wo der Zeit die Anerkennung der DGS noch nicht anerkannt wurde. Eine Tatort-Sendung hat so hohe Einschaltquoten wie 50 Jahre „Sehen statt Hören“. Das nennt man hervorragende Lobbyarbeit von Marco Lipski. Betreibt „Sehen statt Hören“ schlechte Lobbyarbeit, obwohl Marco Lipski damals als Moderator tätig war? Dann wollen wir mal sehen, ob Bayrischer Rundfunk Julia Probst als Lobbymanagerin einstellen kann, wie sie „Sehen statt Hören“ alleine aus der Krise schaffen kann. Wünsche Julia Probst viel Erfolg!

Liebe Julia Probst, so einen Unsinn kann nur von dir kommen. Denk du mal darüber nach, bevor du ständig alles gedankenlos mit dem Mähdrescher niedermachen willst und allen wie ein Toter stillen kannst.

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Verfasst von - 30. Oktober 2015 in Gehörlosenkultur

 

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Gehörlosentrauma Theatervorstellung „Sippschaft“ im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg

Seit langem gab es in Hamburg, glaube zuletzt Bluthochzeit, keine einzige Theatervorstellung von Gehörlosen – nahezu unvorstellbar für Hörende in einer Stadt mit weit über hunderte Theaterbühnen! Da sind wir dankbar für jede Darbietung, die uns geboten wird, egal ob Hamburgs bekannteste gehörlose Schauspielern wie Marco Lipski, Susanne Genc oder die Nachbarn.

Die Folge: Wenn bei den Kammerspielen ein Theaterstück, das selbst Hörende als „hochkompliziert“ einstufen, mit Gebärdendolmetscher angeboten wird, dann tauchen am Eingang sogar Leute auf, die ein Reclam höchstens als Tischuntersetzer benutzen würden. Okay, Theater kann man vergessen. Und was ist mit Opern? Gibt’s ne Oper von und für Gehörlose? Jürgen Endress schmettert eine Arie die vom letzten Gehörlosen handelt … ganz lautlos… die Lippen formen ein „aaaaiiiaaaaa“… und die Hände zittern im Takt mit seinen Schnurrbarthaaren…
Na gut, ich hör auf zu meckern
.

Zurück zum Theater. Solange man unterversorgt ist oder nicht selbst Schauspieler wird, muss man halt die Angebote von den Hörenden nutzen. Beim Hamburger Theater namens „Ernst-Deutsch Theater“ wurde das Theaterstück „Sippschaft“ mit Gebärdendolmetscher angekündigt. Das klingt nicht allzu anspruchsvoll, eher was zum Lachen oder Weinen.

Also nichts wie hin. Das „Theaterzelt“ fasst etwa 700 Leute, in der verschiedene Reihe sitzen ungefähr 20-30 Gehörlose. Werden die beiden Dolmetscherinnen, die auf der Bühne nervös rumwanken, alle Pointen in Gebärden rüberbringen können? Der verstorbene gehörlose Moderator und Schauspieler Günter Puttrich-Reignard sagte damals mal in einer „Boulevard Bio“-Sendung: „Wenn der Hörende einen Witz erzählt, checken die Gehörlosen ihn auch mit Dolmetscher nicht – umgekehrt ist’s genauso.“

Die Bühne sieht aus wie ein zu groß geratenen Bauklötzen. Sechs Schauspieler darunter gehörlose aber in Wirklichkeit schwerhörige Schauspieler Eyk Kauly alias „Billy“ nehmen Stellung und erzählen Familiengeschichten. Sie schreien, kreischen, fluchen, jammern und kriegen durcheinandergewirbelte Gefühle. Die Dolmetscherinnen übersetzen, zucken und verschlucken. Und das Wichtigste – sie schaffen’s niemals die Pointe 1:1 rüberzubringen. Vielleicht fünf Gehörlose lachen bei einer Situationskomik zusammen mit den Hörenden. Aber bei Pointen lachen nur die Hörenden. Nichts zu machen. Die Gesten sind von Natur aus zu einfach gestrickt. Comedytheater mit Dolmetscher – das ist wie Michael Mittermeier mit Tonstörung. Nicht zu vergessen, dass der Dolmetscher kein Komiker ist. Man stelle sich vor, ein Wort-zum-Sonntag-Pfarrer erzählt Harald Schmidts Pointen. Ein Horror für die meisten Fans der Schmidt-Show, die absolute Realität für Gehörlose.

Unter den gehörlosen Zuschauern befindet sich eine angehende Dolmetscherin. Gehörlose müssen bei jedem Dialog zum Dolmetscher, sogar auch während der Aufführung über der Bühne die Obertitel angezeigt wurde, hingucken bzw. mitlesen. Sie kriegen etwas wenig mit vom dramatische Szene….  ach, lassen wir’s.

Etwa zwei Stunden sind um. Das Theater um Billys ist zu Ende. Tosender Applaus. Alle Gehörlose applaudieren mit auf ihre Art: Händehochwackeln. Hörende klatschen. Ein gewaltiger kulturelle Unterschied!

 
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Verfasst von - 15. September 2012 in Gehörlosenkultur

 

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Interessante Zitat von Prof. Dr. Gottfried Diller – Gehörlosenkultur?

Man hört so viel über Gehörlosenkultur. Kürzlich entdeckte ich auf Karin Kestners Homepage interessane Zitat von Prof. Diller:

„Kultur ist ein ständig sich vollziehender Prozeß, meint Gottfried Diller. Gehörlosigkeit ist darum an sich keine Kultur. Ein Kind wird ohne Kultur geboren. Kultur muß sich jeder Mensch erst im Laufe seines Lebens wieder und wieder aneignen. Grundlage der Kultur ist zum Einen das, was ich von meinen Anlagen her mitbringe und zum Anderen das, was mir meine Umwelt anbietet. Die gegenwärtige Diskussion ist festgelegt. Kultur hingegen ist offen. Gottfried Diller fordert dagegen ein „offen bleiben“ für die Kultur der Zukunft. Die Kultur ist genauso Wandlungen und Anderen unterworfen, wie auch die Sprache selbst.“

Quelle: http://www.kestner.de/n/verschiedenes/presse/1999/rilenbor.htm

Interessant: Wie ist der Begriff „Gehörlosenkultur“ genau definiert bzw. wie sehen Gehörlose ihre Behinderung als Kultur? Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß „echte“ – man verzeihe mir dieses Wort – Gehörlosen sich gern als nichtbehindert fühlen. Die einzige Behinderung liegt in der lautsprachlichen Kommunikation. Die Gebärdensprache gleicht dieses Manko wieder aus.

Doch, warum Gehörlosenkultur? Eigene Sitten, eigene Gebräuche? Ist „Gehörlosenkultur“ ein so weit dehnbarer Begriff, daß man selbst Behinderung als Kultur ansieht?…“

Gerade habe ich mir mal die Beschreibung von Visuelles Denken über Gehörlosenkultur oder Deutscher Gehörlosen-Bund gelesen. Wahrscheinlich hattet Ihr auch Probleme die „Gehörlosenkultur“ richtig einzuschätzen, es klingt doch irgendwie so elitär, fast wie nach einer eigenen Menschenrasse? Wenn es um Inklusion dreht, gibt´s dann keine Gehörlosenkultur mehr?

Gehörlosenkultur – in Amerika ja, aber bei uns in Deutschland? Nicht mal die sogenannte Deutsche Gebärdensprache ist einheitlich! Okay, als Ausrede lasse ich „Dialekt“ durchgehen. Vereine, die Geld scheffeln und irgendwas investieren; Saufparties; Lehrer, die angeblich keine DGS beherrschen; teilweise Gebärdensprachverbot an den Schulen; Mangel an Selbstbewusstsein – ist das Gehörlosenkultur? Eher Sitte. Radikales Umdenken ist hier sehr besonders gefragt.

 
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Verfasst von - 12. August 2012 in Gehörlosenkultur

 

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Deaf Rock Night in Mönchen

Gestern durfte Theo Kurz vom GBF Mönchen die schlimmste Erfahrung seines Lebens machen: Sein Vereinsbericht wurde nicht in der DKZ (Deaf Krauts Zeitung) abgedruckt! Und das, obwohl Theo Kurz’s Bericht den strengen Richtlinien der Krautszeitung entsprach:
– staubtrockener Schreibstil,
– vereinstreuer Inhalt und
frei von jeglichen Korrekturen.

Doch was der gute Mann übersah, waren die 2 neuen Auflagen der Zeitungsredaktion:
– alle Artikeln dürfen erst 2 Monate später in der Redaktion eintreffen und
klare und scharfe Fotos werden abgelehnt!

Voll Gram wandte sich der Geschmähte an uns und bat um eine Veröffentlichung seines Berichts an uns. Da wir eh für unsere Grossmut bekannt sind, haben wir ihm den schönsten Geschenk seines Lebens gemacht: Theos Artikel ist – unverändert!!! – bei uns abgedruckt worden!

Hier Theos Artikel:

Wunderschöner Deaf-Rock Night Erlebnisabend in Mönchen
Der GBF Mönchen veranstaltete am 07. Juli 2012 eine Deaf-Rock Night. Es war ein grossartiges Ereignis, das wir nie vergessen werden. Die mustergültige Organisation um Killah Babe und unter Führung von Fabio DelBubi begann um 8.00 Uhr in der Früh mit dem Einkaufen. Besonders freuten wir uns über die Mitarbeit von unserem treuen Mitglied Killer Kürzer!

Um 18 Uhr öffnete das Tonhalle an der Graficker Str. seine Pforten. Mimi, unsere liebe Büroseele, kontrollierte die Eintrittskarten der meist jugendlichen Besucher. Wir sind aber sehr enttäuscht, dass Herr Newhouse vom Nachbarsverein GSV Augenhof seine Mitglieder nicht zur Unterstützung geschickt hat. Dafür haben uns viele Mitglieder ehrenamtlich geholfen. Vielen Dank!

Mit kultureller Umrahmung, Tanzmusik und viel Unterhaltung wurde dieses Deaf-Rock Night begangen. Wir danken nochmal allen Spender, Förderer und Helfer für das Gelingen dieses Rock-Festivals!

Wir waren überrascht, wieviele junge Menschen Interesse an unserem Veranstaltung hatten. Unser Barkeeper-Newbie Killer Kürzer und unsere lieben ehrenamtlichen Helfer an der Bar hatten alle Hände voll zu tun. Von GBF Mönchen bekamen wir 2000 Liter Wahrpinkelsteiner Freibier gesponsert. An dieser Stelle dankt der Veranstalter seinen langjährigen Geschäftspartner.

Gegen 24 Uhr wurde unser schönes Veranstaltung ein wenig getrübt. Die Veranstalter reduzierten die Musikleistung auf 350.000 Watt! Die Polizei besuchte unsere Veranstaltung und befahl uns, die Musik auszumachen. Alle unsere treuen Mitglieder mussten die Hände hochnehmen und wurden durchsucht. Hier „danken“ wir hiermit Herr Newhouse vom GSV Augenhof, der uns die Polizei ins Haus schickte.

Gegen Mitternacht löste sich unsere fröhliche Gesellschaft langsam auf. Bei dem Besuch der Polizei vermissten wir unseren Vereins-Geschäftsführer Phil Eisenhart und die Tageseinnahmen, die wir für den Neubau eines weiteren Vereinsheimes benötigen. Wer ihn gesehen hat, soll uns seinen Standort melden. Diese Bitte richtet sich auch an unsere Vereinsfreunde in Rio, Brasilien und London, England. Wir danken nocheinmal ganz herzlich unsere Dolmetscherin Jule Pups, die uns die Wünsche und Worte aus den Augen las!

Alles in allem war es eine erlebnisreiche und begegnungsreiche Freizeit und alle freuen sich schon auf das nächste Beisammensein in 2 Jahren!

Theo Kurz, Gehörlosen Bergfreunde Mönchen

Foto: Deaf Rock Night in Mönchen

 
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Verfasst von - 24. Juli 2012 in Gehörlosenkultur

 

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Dr. Seltsam oder wie die anderen Deafies lernten das Cochlear-Implantat zu lieben

Dr. Ulrich Hase (schwerhörig), ehemaliger Präsident des deutschen Gehörlosenbundes (DGB), kuschelt seit langem mit den Cochlear Implantat-Anhängern, und keinen Gehörlosen scheint das zu stören. Und das, obwohl der DGB (offensichtlich) nach wie vor konsequent einen offenen Feldzug gegen das Cochlea-Implantat (CI) führt. Seltsam, nicht wahr? Noch vor einigen Jahren wetterte Deutsche Gehörlosen-Bund in einem offenen Protestschreiben gegen das Cochlear-Implantat und preiste die Vorzüge der Gehörlosigkeit an. Und heute führen die Gehörlosen-Basis unsichtbare Schlacht gegen die CI-Ärzte aus, weil die meisten meinen fühlen sie sich durch diese Absonderlichkeit ungerecht behandelt. Man muss auch auf der anderen Seite berücksichtigen, ob CI-Ärzte unterbezahlt (Honorar nicht zufrieden) und vom Staat bzw. Krankenkasse ungerecht behandelt wurden. Oder war das wieder nur Show? Denn Tatsache ist: Dr. Uli Hase ist Vorsitzender der deutschen Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen und Schwerhörigen e.V. (kurz D.G. genannt), die ihren Sitz in Rendsburg hat. Einer der Mitglieder ist ausgerechnet die deutsche Cochlea-Implant-Gesellschaft. Richtig, auch Hund und Katze werden Freunde.

Und was ist mit der Solidarität im Kampf gegen das Cochlear-Implantat? Tja, die zählt nichts in Zeiten, wo Mitgliederzahlen der Gehörlosenvereine seit Jahren unaufhaltsam in den Keller fallen. Siehe Statistik von Deutsche Gehörlosen-Sportbund: http://www.dg-sv.de/wir_ueber_uns/statistic_files/dgs2010_tab1-4.pdf

(Bedenke dabei, die tatsächliche Zahl könnte etwa 10 % bis 30% niedriger ausfallen, da die meisten Gehörlosen Zweitmitgliedschaften verfügen und ist jede Neumitgliedschaft mit Gold aufzuwiegen).

Außerdem munkeln angebliche Insider, dass der „Kampf gegen das Cochlea-Implantat“ so gut wie verloren sei. „Und die Zeiten ändern sich nun mal“, wurde noch bemerkt. Selbst Christina A. Benker (ehemalige Frauenbeauftragte des Deutsche Gehörlosen-Bundes) sagte einmal: „In einer Gebärdensprachgemeinschaft können wir viel mehr erreichen als wenn wir uns „krampfartig“ an unserer Gehörlosenkultur festhalten, die eh ein aussichtloser Kampf sein wird.“ Und sie meinte auch noch zusätzlich, dass es eine Wandel von einer Gehörlosenkultur zu einer Gebärdensprachkultur geben wird. Oder Dr. phil. Herman Nilson aus Berlin (freier Journalist für das Gehörlosenmagazin „LifeInsight“) behauptet: „Die Gehörlosen seien zu hysterisch vom Aussterben bedrohten Gehörlosenkultur.“ Wer weiß – vielleicht wird Rudi Sailer Präsident der Deutschen CI-Gesellschaft? Reden kann er ein bisschen ja. Und ach ja, die Normalos-Schwerhörigen ohne CI sind der lachende Dritte und stoße aber auf taube Ohren. 😉

Edit: Danke an ein Leser, die mich aufmerksam machte. Leider ist mir ein kleines formuliertes Fehler in Sachen Statistik von Deutscher Gehörlosen-Sportverband unterlaufen. Im Jahr 1996 wies Deutscher Gehörlosen-Sportverband die höchste Zahl der Mitglieder mit knapp 13.000 auf und ging seitdem bis heute nur noch 9.000 Mitglieder bergab. Das macht innerhalb 15 Jahren enorme 4.000 Mitgliedsverlust aus.

 
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Verfasst von - 12. Januar 2012 in Cochlear Implantat, Politik

 

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