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Schlagwort-Archive: Gebärdendolmetscher

Phoenix – Livedolmetschung

Das was in München am Freitagabend Schüsse passierte, ist es schon sehr tragisch. Via Push-Mitteilung erfuhr ich auf meinem Smartphone, dann schaltete ich TV an, um die Ereignisse in München zu erfahren.

Während Live-Sendung zappte ich abwechselnd diverse TV-Sender. Mit Untertitel gelesen, diesmal habe ich auf Phoenix mit meinen Augen auf die Gebärdensprachdolmetscherin zu blicken. Doch da sehe ich minutenlang 2 Bildschirme gleichzeitig, meine arme Augen. Ich meine, ich müßte auf Gebärdensprachdolmetscherin und auf Bildschirm von Tagesschau via Phoenix anschauen. Da bekam ich Augen wie ein Frosch.

Ich hab schon mehrere Sendungen mit Gebärdensprachdolmetscher/-in gesehen. Ok! Aber heute? Keine Chance, bei Konzentration auf diese das Geschehen am Bildschirm stundenlang mitzuverfolgen.

Mir ist es wurscht ob Gebärdensprachdolmetscher/in oder Untertitel, hauptsache ich kriege den Inhalt informativ mit, leider ist das selten der Fall, und wozu gibts das Internet. Da gibt´s zahlreiche Informationen darüber und oft informativer als Untertitel und Gebärdensprachdolmetscher/-in. Für etwa eine Stunde mit meinen Augen auf die Frau zu starren, ist schon echt anstrengend genug. Wenn ich das Mädel in der Ecke ignoriere, dafür verstehe ich nur noch Bahnhof! Dann zappte ich andere Sender um. Live-Untertitel löchrig wie Schweizer Käse! Egal, wie die Live-Untertitel im TV derzeit ist, sind mir deshalb mit Untertitel weitaus lieber. In sekundenschnelle gelesen hat man genügend Zeit, sich auf das übrige zu konzentrieren.

Via Facebook fordert ein Gehörloser (Namen wurde aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht):
phoenix_livegs
Er verlangt, dass man bei Situationen solche Dolmetschereinsätze im Live-TV besser organisieren können. Bitte was? Es gibt ein LiveStream-Angebot mit Live-Dolmetschung im Internet, wo hauptsächlich Firma Skarabee aus Köln beauftragt wird. Da verwundert man sich, warum man nicht andere Dolmetscherfirma einsetzen sollte. Einer sagte mir, Skarabee ist in Sachen Live-Dolmetscherung professioneller und erfahrener aufgestellt als die anderen Dolmetscher. Aha, professionell nennt man das? Selbst taube Gebärdendolmetscher Rafael-Evitan Grombelka gab via Facebook zu, wie die Gebärdensprachdolmetscherin bei Liveübertragung in zunehmender Länge nebelig wirkte. Professionell und erfahren nennt man das? Schön! Und wieso klagen viele Gehörlosen über die schlechte Live-Untertitelqualität im TV? Leider erlebt man sowas häufiger bei Gehörlosen: Gerne höhere Belastungen in Kauf nehmen für solche sinnlose Forderungen.

 

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Verein ohne Einigung #inklusion

„Bundesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen e.V.“ – so die Entschlüsselung der Abkürzung „BHSA“ (www.bhsa.de). Einige Male im Jahr führt „Europas grösste Selbsthilfegruppe ihrer Art“ (so die BHSA über sich) Tagungen, Seminare und Workshops durch und nimmt an Aktionen und Messen teil. Zu den Hauptaufgaben gehören unter anderem Forderungen beim Staat vorzutragen und die Interessen der Mitglieder nach aussen zu bringen.

Kommunikationsprobleme innerhalb des Vereins

Die meisten Mitglieder sind schwerhörig. Zur BHSA gehören noch Ertaubte, CI (= Cochlea Implantat)-Träger und einige Gehörlose. Die Verständigung untereinander ist schwierig, da nicht alle Hörgeschädigte die Gebärdensprache beherrschen. Zu Tagungen und Seminaren werden daher Dolmetscher bestellt, die zum Teil aus eigener Tasche finanziert werden müssen. Die französische BHSA soll wegen diesen Problemen in zwei Teile zerfallen sein und die Organisatoren führen zur Zeit nur noch „Kaffeefahrten“ durch…

Dolmetscher en masse

Damals jede Tagung standen für die Teilnehmern von zwei bis sogar bis zu sechs Dolmetscher bereit. (Zwei für die DGS, zwei für die LBG und zwei für die lautsprachliche Übersetzung- jeweils im Wechsel). Bei einem Vortrag wie Kofo (= Kommunikationsforum) übersetzten gleichzeitig zwei bis drei Dolmetscher (Gebärdensprachdolmetscher und Schriftdolmetscher). Normalerweise werden auch zusätzlich Mitschreibekräfte eingesetzt, doch manche an dem Tag wurden keine bereitgestellt.

Beschwerden über „mangelhafte“ Verständigung bei Vorträgen

Ein CI-Träger konnte bei den Vorträgen im grossen Saal mit allen drei Dolmetschern nichts anfangen. Da zu allem Übel auch noch die Induktionsschleife zickte, war der Teilnehmer auf das Mundablesen angewiesen. Andere Schwerhörige hatten das gleiche Problem. Da der Dolmetscher, der die Gebärden in Lautsprache übersetzte, mit dem Rücken zu den Gästen sass, konnten die „Mundableser“ bei dem Vortrag kaum folgen. Die Schwerhörigen sollten sich in der erste Reihe setzen, so der Vorschlag von der Organisatorin. Ein Gehörloser meinte, zum besseren Mundablesen könnte man die Sprecherin per Kamera und Beamer auf die Leinwand übertragen. Ganz schön kompliziert…

Gehörlose in der BHSA

Mehrere Diskussionsrunden fanden im Rahmen der Tagung statt. Gehörlose tauschten ihre Studienerfahrungen aus. Die Studienwege sind unterschiedlich – einige hatten Dolmetscher, andere studieren ohne deren Unterstützung (!). Wünschenswert ist natürlich, dass der Dolmetscher sich in dem Studienfach bestens auskennt. Ein Problem sind die Studentenarbeitsgruppen, wo Gehörlose ohne Unterstützung von Dolmetscher Aussenseiter sind. Oft müssen Gehörlose sich durchs ganze Studium alleine durchschlagen. Hier sieht man, dass die „Deutsche Gesellschaft“ im Studentenleben kaum eine Rolle spielt.

Gebärdensprachdolmetscher – selbst die grösste „Liebe zur Gebärdensprache“ endet, wenn der Rubel aufhört zu rollen…

 
 

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Xbox One-HighTech für Gehörlose #gebärdensprache

Kinect für Echtzeit-Übersetzung in Gebärdensprache – http://winfuture.de/news,78606.html

Hightech für Gehörlose, seit 1990 Jahren gibt es europaweit immer wieder millionenschwere Forschungsprojekte zu diesem Thema. Bekannteste Forschungsprojekte wie Wisdom oder eSign und ihr Ziel ist im Kern immer dasselbe: Gehörlosen Menschen, die bevorzugt per Gebärdensprache kommunizieren, das Leben zu erleichtern. Trotzdem sind alle Projekte kläglich gescheitert. Wer sich an das WISDOM- oder eSign-Projekt erinnert, das alle Millionen Euro aus einem Forschungsförderprogramm häufig versenkt wurden. Die Erwartungen waren damals groß. Erfüllt haben sie sich bis heute nicht und wird es auch bis heute so bleiben.

Woran liegt das?

Die animierte Bildschirmpuppe sollte deren Texte für Gehörlose darstellen, nachdem menschliche Dolmetscher sie zuvor in Gebärdensprache übersetzt hatten. Die animierte Bildschirmpuppe bewegt dabei Arme, Hände, Oberkörper, Kopf und Mund und zuckt auch mal mit der Augenbraue und Schulter. Der Bildschirmpuppe musste also lediglich deren Gesten und Mimik nachahmen, doch das gelang oft nicht zufrieden stellend. Viele Zeichen blieben oft kryptisch. Größte Haken überhaupt: Die animierte Bildschirmpuppe konnte man nichts von den Lippen ablesen. Und auch wegen der abgehackten und steifen Bewegungen konnte ihn niemand verstehen. Ein Avatar ohne Gefühle dürfte auf Gehörlose wirken wie eine monotone Computerstimme für Hörende. Auf die Dauer unmöglich! Genau aus diesem Grund kann man niemals so eine einen menschlichen Dolmetscher ersetzen.

Die fehlende Emotionalität des Bildschirmpuppe ist häufig ein Manko, weil sie oft zu Missverständnissen führt. Zum Beispiel „Gehörlose integrieren sich toll in die Gesellschaft“. Wenn Sie ‚toll’ gebärden und dazu die finsterste Mine zeigen, kann man das eventuell als Ironie oder sonst was interpretieren aber nicht so, wie es wirklich gemeint war.

Weitere Manko: Viele Gehörlosen gebärden individuell und kulturell unterschiedlich, es sei den Mimik, Gestik, Körperhaltung und Körperverhalten. Wie man aus dem Kinetec-Präsentationsfilm entnehmen kann, müssen auch viele menschliche Gehörlose möglichst ganz steif gebärden können, damit die Spracherkennungssoftware ihn besser identifizieren können.

Es gibt weder leistungsfähiges Erkennungsprogramm für irgendeine Gebärdensprache noch Übersetzungsprogramm von Deutsch zu DGS (= Deutsche Gebärdensprache) oder LBG (= Lautsprachbegleitende Gebärden) = oder LUG (= Lautsprachunterstützende Gebärden), geschweige denn von anderen Sprachen zu anderen Gebärdensprache.

Ergebnis: Für viele Gehörlose sind die Gebärdensprachdolmetscher oder gebärdensprachkompetente Menschen aus „Fleisch und Blut“ schon unbezahlbar und verzichten ganz auf virtuelle Gebärdensprachdolmetscher, die kein Gehörloser braucht.

 
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Verfasst von - 1. November 2013 in Gebärdensprache

 

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Klaut Andreas Costrau meine Idee? #gebärdensprache

Wie vielleicht an meinem Beitrag „Müssen Gebärdensprachdolmetscher teuer sein?“ zu erinnern ist, entstehen in meinem Kopf jeden Tag irgendwelche super Ideen, was man im Internet noch so alles machen könnte. Ich laufe jetzt mal Gefahr, dass jemand anderes meine Ideen umsetzt und Andreas Costrau veröffentliche nun auf Youtube ähnliche Idee, wie man menschlich und preislich umgehen kann. Ich habe genug davon – außerdem ist meine Idee alleine noch nicht viel Wert. Also, klauen erlaubt. Und los hier auf Youtube-Beitrag von Andreas Costrau:

 

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Grüne will Gebärdendolmetscher nicht zahlen #gebärdensprache

Große Unruhe bei den gehörlosen Politikfans: Grüne sorgt bundesweit Schlagzeilen! Bereits Wochen nach dem Bundestagswahl herrschte in Deutschland via Facebook ordentlich Unruhe. Laut eine Umfrage vor der Bundestagswahl durch die Deutsche-Gehörlosen Zeitung ist die Partei „Die Grünen“ unter gehörlosen Wählern überraus sehr beliebt. Vor paar Tagen präsentierten DIE GRÜNEN die erste Überraschung und wollen die Kosten für die Gebärdensprachdolmetscher nicht zahlen. Siehe Presse:

grüne_dolmi(Quelle: Facebook)

Muss das sein, warum ein Vorsitzender vom Landesverband der Gehörlosen, oder besser gesagt deren Vertreter, unbedingt auf einen Dolmi auf der Bühne bestehen? Immer nur neben einem Politiker oder einem anderen Promi? Wenn im Auditorium nur ein paar Gehörlosen sitzen, soll doch der Dolmi daneben stehen. Aber nein, nur da, auf der Bühne, damit auch jeder im Publikum sehen kann, wie man/frau mit den Armen in der Luft schwirrt! Muss das sein? Hat schon jemand gedacht, dass solche „Aktionen“ stark vom Redner ablenken? Dolmetscher auf der Bühne ist je nach Veranstaltung etwas zu viel verlangt, es sei den die Menschenmasse ist dermassen gross dass es nötig ist. Schriftdolmetscher wäre da klug gewesen. Manchmal ist es unverständlich, warum er die „Schriftdolmetscher“ abgelehnt hat. Liegt´s daran, ob er darin nicht gut Schriftsprache beherrscht? Falls nein, das Problem ist nicht die Schriftdolmis oder Partei, sondern oft die Gehörlosen selbst.

 
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Verfasst von - 10. Oktober 2013 in Politik

 

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Null Bock auf Politik? #wahlkampf #btw13

Stell dir vor, es finden Wahlkampfveranstaltungen statt und fast keiner geht hin.

So sieht es zur Zeit bei den Hörgeschädigten aus. Die Parteien organisierte eine Wahlkampfveranstaltung und bestellte für die Gehörlosen ein paar Dolmetscher. Ausserdem war der Eintritt frei.

Vor der Veranstaltung verschickte die Parteien an den Gehörlosenverbände oder Taubenschlag ein Informationsschreiben. Der Gehörlosenverbänden sollte das Rundschreiben an die anderen Vereine und Lesern weiterleiten/informieren. Leider befanden sich sämtliche Vorstandsmitglieder im Urlaub oder waren anderweitig beschäftigt. Der Gehörlosenverbände konnte keine einzige Vertretung auftreiben. Kein Mitarbeiter hatte Zeit. So wurde die Öffentlichkeitsarbeit kurz auf Eis gelegt.

Kein einziger vom Vorstand nahm an der Veranstaltung teil. Eigentlich schade. Sogar Politikern übernahm die Schirmherrschaft und freute sich mit den Gehörlosen. Ihr ist jede Menge zu verdanken, auch das verschiedene Veranstaltungen, diverse Einrichtungen oder so ähnliches.

Dolmetscher glänzten in der Abwesenheit
Zu der Wahlkampfshow pilgerten weit über tausende Menschen. Nur ein paar Hörgeschädigten sassen in der ersten Reihe irgendwo vor der Bühne. So legten alle Sprecher einen guten Auftritt hin. Doch man dachte nicht an die Dolmetscher. Da sie aus Sicherheitsgründen nicht auf die Bühne durften, mussten die Dolmetschern direkt vor den Hörgeschädigten stehen und dolmetschen! Trotzdem waren alle von der Arbeit der beiden Dolmetscher begeistert. Teilweise waren die Dolmetschern überzeugender als die andere Politikern mit Wortgewalt oder Wortspielerei …

Alle Wahlkampfansprachen waren klar und leicht verständlich. Die Veranstaltung wurde von bekannteste TV-Moderator moderiert. Eine Tanzgruppe sorgte in der Pause für Abwechslung und vielleicht auch Entspannung. Denn die Veranstaltung dauerte mehrere Stunden.

Tatsache ist, dass alle Hörgeschädigte, die nicht bei der Veranstaltung dabei waren, eine Menge Politik und auch Unterhaltung verpasst haben. Eigentlich ist die geringe Anzahl der gehörlosen Zuschauer kein Grund zum Meckern, es sind ja auch „nur“ weit über tausende Hörende aus dem Bundesland oder bundesweit angereist, obwohl die meiste Großstädten viele Einwohner hat. Prozentual gesehen wären die Gehörlose in bestimmte Großstadt sogar ein gutes Ergebnis. Denn zu den Wahlkampfveranstaltungen in manchen Städten oder Bezirken kam kein einziger Hörgeschädigter.

Man habe auch nicht den Eindruck, dass jemand die „armen“ Hörgeschädigten schlecht behandeln will. Alles reine Einbildung!

Zurück zum Dolmetscher. Es hat ein Fall gegeben, wo kein Gehörloser anwesend war und trotzdem stand Dolmetscher auf der Bühne. Man fragt sich schon lange, warum Gehörlosen, oder besser gesagt deren Vertreter, unbedingt auf einen Dolmetscher auf der Bühne bestehen? Immer nur neben einem Politiker oder einem anderen Promi? Wenn im Auditorium nur ein paar Gehörlosen sitzen, soll doch der Dolmetscher daneben stehen. Aber nein, nur da, auf der Bühne, damit auch jeder im Publikum sehen kann, wie man mit den Armen in der Luft schwirrt! Muss das sein? Hat schon jemand gedacht, dass solche „Aktionen“ stark vom Redner ablenken?

Hätte man einfach um einen Dolmetscher gebeten, der neben einer Gruppe von Gehörlosen platziert wäre, würde auch keine Absage kommen.

 
 

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Müssen Gebärdensprachdolmetscher teuer sein?

Seit 1. August 2013 hat sich die neue Vergütungssätze für Dolmetscher und Übersetzte bei den Jusitzbehörden erhöht und zwar nun 70 statt 55 Euro pro Stunde.

Wie schaut´s nun mit Gebärdensprachdolmetscher aus? Müssen sie teuer sein?

Nein. Laut dem Gleichstellungsgesetz müssen Behörden die Kosten für einen Dolmetscher oder geeignete Kommunikationshelfer übernehmen.

Statt mehrere Monate auf einen Dolmetscher zu warten, kann der Hörgeschädigte einen Freund oder Familienangehörigen, der die Gebärdensprache beherrscht, zum Amt, Arzt, Kasse oder ins Krankenhaus mitnehmen. Was nur wenige wissen: Auch die Bezahlung von Kommunikationshelfer wird übernommen. Ein idealer Nebenverdienst für Ihre Mama oder Coda-Kinder.

 
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Verfasst von - 25. August 2013 in Gebärdensprachdolmetscher

 

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Gleichstellungsgesetz? #inklusion #recht #bundesregierung

Gleichstellungsgesetz wurde unter rot-grüne Koalition vor 10 Jahren verabschiedet worden. Aber hat es sich dank Gleichstellungsgesetz bis jetzt spürbar verbessert? Gerade habe ich mir alles durchgelesen und vieles dabei entdeckt. Leider entpuppt sich Gleichstellungsgesetz als Mogelpackung dank unter rot-grüne Regierung zwischen 1998-2005. http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a301-gesetz-zur-gleichstellung-behinderter-menschen.pdf?__blob=publicationFile

Kernstück vom Bundesregierung: Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte und Wahlschablonen für Blinde.

Was gibt’s so für schwerhörige und gehörlose Gesellschaft? Achtung, jetzt kommt es: „Hör- oder sprachbehinderte Menschen haben das Recht, im Verwaltungsverfahren mit Bundesbehörden in Deutscher Gebärdensprache, mit lautsprachbegleitenden Gebärden oder über andere geeignete Kommunikationshilfen zu kommunizieren. Die Kosten sind von den Bundesbehörden zu tragen.“ Quelle: http://www.bit.bund.de/nn_2143936/BIT/DE/Beratung/Beratung__BGG__neu/Kommunikation/node.html?__nnn=true

Kurios: Sprachbehinderte Menschen haben das Recht auf einen Dolmetscher? Können sie denn überhaupt gebärden? Glaube nicht…

Denken wir allgemein mal nach: Dolmetscher bei Behördengängen. Aber wie oft geht man schon zum Arbeitsamt…Oder zum Jugendamt…Oder zum Einwohnermeldeamt…. Oder irgendwelche Behörden. Ausserdem profitieren davon nur ein paar Tausend Gehörlose. Oder wie oft benutzen die Gehörlosen beim Wahlen die Gebärdensprachdolmetscher, obwohl viele Gehörlosen in der Vergangenheit mehrmals zur Wahlen ohne Dolmetscher gegangen sind? Nichts! Einfach die Wahlhelfer nur freundlich begrüßen und die Wahlzettel ankreuzen genügt!

Bestes Beispiel: In meiner Wohnort hatte die Behörde (selbst Einwohnermeldeamt) damals die gebärdensprachkompetente Mitarbeiter zur Verfügung gestellt, obwohl ich gerne in Anspruch genommen hätte, leider bevorzuge ich lieber in lautsprachliche Kommunikation. Monaten später kam ich erneut dorthin und stelle fest, dass es dort keine gebärdensprachkompetente Mitarbeiter nichts zu finden ist. Auf meiner mündliche Anfrage an Behördenmitarbeiter und er sagte: „Es hat sich ergeben, dass die vor Ort angebotenen gebärdensprachkompente Mitarbeiter kaum in Anspruch genommen wurden.“ Aha!

Der behinderter Blogger „Silent Writer“ drückt die Enttäuschung aus: „Die Gleichstellung Behinderter bleibt scheinbar ein frommer Wunsch.“

 
 

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Land der unbegrenzten Gebärdensprachmöglichkeiten

blizzard.gif Quelle: (Youtube)
ASL (= American Sign Language): Don´t lick me!
DGS (= Deutsche Gebärdensprache): Ich besoffen fahren und aufgeben.

Nach Lydia Callis tauchte erneut eine Gebärdensprachdolmetscherin im amerikanischen TV auf, das bisher keine so große mediale Verbreitung wie Lydia Callis gefunden wurde, da die angeblich tonlose anale Lautäußerung gesellschaftlich zu Gunsten der oralen Lautäußerung unterdrückt wurde. An der US-amerikanischen Großstadt Boston haben starke Schneefälle und hohe Windgeschwindigkeiten einen heftigen Wintersturm „Nemo“ eingeleitet. Die Großstadt und Bostons bzw. Deutschlands Urgestein Hartmut Teuber Gebärdensprachstil wirkt wie eingefroren. Ausgerechnet eine schwarze Frau mit chinesische Hand-Lüfter dahinter findet das alles zu heiss. Erschreckend die ganze!

Siehe auch Lydia Callis

 
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Verfasst von - 12. Februar 2013 in Gebärdensprache

 

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Eine Diskussion zuviel…

Sinn und Unsinn von Diskussionsveranstaltungen zum Jahr der Behinderten

Ganz Europa feiert das Jahr der Behinderten gemeinsam unter einem Motto. Nur Deutschland gehen wieder mal ihren eigenen Weg und haben eine ganz andere Kampagne gestartet. „Na und!“, so ihr Motto. Das übrigens Millionen Euro kosten soll. Genauso viel Geld, wie vom Bund für den Rest von Deutschland bereitgestellt wurde. Was die Behinderten davon halten? „Geldverschwendung!“ – auch harte Worte sind gefallen: „Debilität“ und „Verballhornung“sind ein Beispiel. Was ist eigentlich der Sinn dieser Kampagne? Was will man mit der Aktion „Europäischen Jahr der Behinderten“ (EJB) erreichen? Verbesserungen sind nicht in Sicht. Eines steht aber fest: Es wird zum „EJB“ viel geredet. Sind wenigstens die Diskussionsveranstaltungen lehr- und geistreich?

Hier drei verschiedene Gesprächsrunden im Rückblick: 

„Total Normal – Arbeit und Freizeit mit Behinderung leben“ Anwesend waren: Ca. 200 Leute. Davon 4 Gehörlose und 2 Dolmetscherin. Laute Töne: „Wir wollen für uns sprechen“. Dann der erste Satz, der ins Schwarze traf: „Es gibt zuwenige spezielle Lehrer“. Ja, immer noch sind die meisten Lehrer an GL-Schulen Gebärdensprachanalphabeten.
Weiter geht’s: „Anfangs hatten wir Bedenken gegen Integration“. Jetzt nicht mehr?
Behindertenbeauftragte, bei der Podiumsdiskussion noch ganz schweigsam, sprach nun viel Klartext: „Was politisch gewollt ist wird auch finanziert!“„Ich habe die Vision, dass meine Aufgabe überflüssig wird“ und das Beste: „der normale Alterungsprozess wird als Behinderung angesehen!“ – Behindertengeld statt Renten?

„Gewinner oder Verlierer? Dolmetschervermittlung im Teufelskreis!“
Hierzu wurden auch drei Politiker eingeladen. Vor der Diskussion wurde ausgemacht: Wer zuviel redet, kriegt die „gelbe Karte“. Die gelbe Karte kam aber nie zum Einsatz. Das übernehmen wir jetzt.
Statt gleich zum Thema zu kommen, verschwendete ein Gehörloser fast 30 Minuten mit dem Vorwort zur Dolmetschersituation. Diese hätte er allen Diskussionsteilnehmern am Vortag zufaxen können. Gelbe Karte! Alle Gesprächsteilnehmer schienen fast ständig gleicher Meinung zu sein: Gehörlose brauchen dies und das, jawohl. Gelbe Karte. Dolmetscher-Katzenjammer: „Hausfrauen und Arbeitslose haben keinen Anspruch auf Dolmetscher!“ Tatsächlich? Gelbe Karte! „Dürfen Dolmetscher während der Ausbildung aushelfen?“ Besser nicht, da wahrscheinlich zu teuer und Zuständigkeitskrieg ausbrechen könnte. Gelbe Karte.

Ein Gehörloser: „1 Milliarden für den neue Berliner Flughafen , woher kommt plötzlich das Geld?“ Und: „Wenn man das Geld den GL geben würde, wären wir für 50 Jahre versorgt!“ Was? Milliarden für den GL? Her mit dem Berliner Flughafen! Gelbe Karte! Dann der Schreck: „Ihr bekommt Hausaufgaben!“ (Moderatorin zu den Politikern). Wie kindisch! Gelbe Karte!
„Rollstuhlfahrer haben keine Barrieren, sie haben ja Rampen bekommen! Und wir Gehörlose haben immer noch Barrieren!“Rote Karte! Es wurde noch mehr Müll gesprochen. Mehr wird nicht erwähnt. Anwesend: 8 Teilnehmer und 2 Mods. Nur 30 Zuschauer wollten diese Diskussion über sich ergehen lassen…

Quartett Imperfekt. Etwa 150 Gäste. Die drei ständigen Teilnehmer des Quartett Imperfekts. Vor laufender Kamera wurde das erste Thema einer neuen Gesprächsreihe eröffnet: „Über die Behandlung von Behinderten im 3. Reich und was danach alles so ganz anders wurde“.
Zitat aus dem Flyer: „Die Mitglieder der neuen unkonventionellen Gesprächsreihe ‚Quartett Imperfekt‘ mischen sich ein und stellen unbequeme Fragen“. Unbequem waren nur die Stühle, gesprochen hat fast nur der geladene Gast und das Ganze erweckt den Eindruck, dass die Gäste von der Behandlung Behinderter im 3. Reich nix gewusst hätten. 4 Teilnehmer, die in Rampenlicht gerückt bzw. gerollt wurden. Ein heikles Thema, das in einem banalen Monolog ausuferte. Weitere Diskussionsrunden mit dem „Trio Infernale“ stehen noch bevor.


 

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Der Nachklapp – Titanic Interview mit Julia Probst

Sehr amüsante und köstliche Anspielung auf Julia Probst, man kann die Verhaltensweise von Julia überall im Medien/Internet prima beobachten. ;0)

(Quelle: aufgenommen mit Handyfoto „Titanic“ – Ausgabe 08/2012, Seite 57 und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Titanic Magazin)

 

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Interview mit einem Gebärdensprachdolmetscherin

hewritesilent: Hallo „Jana“, ich kenne dich durch dein Auftritt vor der Kamera – war das aufregend für dich? :0)

Jana (Name geändert, echte Name des Interviewpartnerins der Blogger bekannt): Ja, da war ich aufregend. Und ich weiss nicht wer mich gerade im TV anguckt. Normalerweise steht mir immer ein anderer Gehörloser gegenüber und nickt mir zu, wenn ich gebärde. Aber vor der Kamera ist es so kalt, so leer… ich sehe nur ein schwarzes Loch. Daran muss ich einfach immer denken. Aber auch bei besonders schwierigen Aufträgen bin ich aufgeregt. Oder wenn viele Leute da sind. Ich bekomme immer noch ab und zu Lampenfieber, obwohl ich sowas schon oft machen musste. Noch was: Wenn die Aufnahme startet, muss ich noch 6 bis 7 Sekunden warten, bevor ich anfange zu übersetzen. Denn ein Dolmetscher muss zum Schluss noch den letzten Satz übersetzen. Manchmal passiert beim Schnitt auch, dass der Dolmetscher im Film früher fertig ist. Der Inhalt, die Zeit und die Haltung müssen also stimmen. Und immer schön freundlich sein! Deshalb diese ganze Aufregung.

hewritesilent: Wie lange bist du schon Dolmetscherin?

Jana: Seit 20 Jahren also fast genau um diese Zeit, wo damals Mauer gefallen wurde. Da war ich aber noch in der Dolmetscherzentrale.

hewritesilent: Du musst also vor dem Übersetzen viel üben?

Jana: Das ist unterschiedlich. Wenn ich mir die Gebärden überlege, so kann ich mich gut vorbereiten. Und das Anpassen! In der Lautsprache klingt ein Satz oft anders als in der DGS. Also weg damit, ein neuer Satz muss her. Ganz typisch!

hewritesilent: Hast du manchmal das Gefühl, dass du überfordert bist?

Jana: Es wird nicht nur einfach gedolmetscht. Wenn ich den übersetzen muss, gibt es manchmal Schwierigkeiten. Zum Beispiel jemand gebärdet oder redet durchgehend, da muss ich oft darauf achten. Aber überfordert? Nee. Wenn es so wäre, dann hätte ich die Arbeit längst aufgegeben.

hewritesilent: Bekommst du von gehörlose Kunde Kritik, wie du als Dolmetscherin warst?

Jana: Ich bin mir sicher, dass die Gehörlosen untereinander über Dolmetscher reden, aber ob die ihre Meinungen an mich mitteilen? Leider sehr selten.

hewritesilent: Und schwerhörige Kunde, die auf Gebärdensprachdolmetscher angewiesen ist?

Jana: Oh sehr gute Fangfrage, meine bisherige Erfahrungen ist ein schwerhörige Kunde manchmal anders als ein gehörlose Kunde, für den man dolmetschen muss. Zwischen Schwerhörigen und Gehörlosen sind manchmal ein grosser Kontrast! Als Gebärdensprachdolmetscherin gab es auch Situationen und ich bin oft erstaunt, erwundert, wie wenig vor allem Gehörlosen und einige Schwerhörigen an Wissen aufweisen und manchmal Probleme haben z.B. Gespräche. Ich muss mir die Gebärden überlegen und auch darauf achten, dass die Gebärdensprache in Deutschland unterschiedlich ist. Meine Aufgabe ist das Dolmetschen, fertig.

hewritesilent: Du bist hauptberuflich Dolmetscherin. Hast du noch einen Nebenberuf?

Jana: Nein! Das ist genug! Sonst explodiert mir noch der Kopf. Aber ich habe viel Arbeit und ich muss auch Aufträge ablehnen.

hewritesilent: Was? Ablehnen?

Jana: Ja, denn ich arbeite Tag und Nacht. Und einige Gehörlose wissen nicht, dass ich noch viel Büroarbeit erledigen muss. Das ist schon ganz hart. Selbständig halt, leider.

hewritesilent: Was für Büroarbeit?

Jana: Zum Beispiel Auftragsannahme. Wenn ich mit dem Dolmetschen fertig bin, was kommt danach? Erstmal Konzepte erstellen, dann Emails versenden, Kostenvoranschläge faxen oder mailen, Kostenträger ermitteln und so weiter.

hewritesilent: Wie lange dauert das Ganze?

Jana: 10-15 Stunden.

hewritesilent: Was? 10-15 Stunden am Tag?

Jana: Nee, in der Woche. Noch was über die Bezahlung: Viele sagen, dass die Dolmetscher eine Menge Geld verdienen. „Super, ich brauche nur hinzukommen, dolmetschen, kassieren, fertig“. Das stimmt nicht. Wenn ich krank bin und zuhause bleiben muss, verdiene ich gar nichts, aber die Ausgaben laufen weiter. Wenn ich keine Rentenversicherung zahle, bekomme ich auch keine Rente. Dann muss ich nacharbeiten, auch für den Urlaub. Versicherungen kommen noch dazu. Bei Angestellten wird alles automatisch abgezogen und der Rest kommt auf die Hand. Ich muss alles selbst zahlen. Okay, das ist ein guter Job, denn wenn es zuwenig wäre, hätte ich es längst aufgegeben. Ich wohne ganz bescheiden in einer Wohnung.

hewritesilent: Zum Beispiel Dolmetscher in Regelschule. Einige Gehörlosen sagen: „Für jeden Gehörlosen soll ein Dolmetscher zur Verfügung gestellt werden“. Was meinst du dazu?

Jana: Was? Immer derselbe Kunde? Wenn es dazu kommen sollte, dann bin ich dagegen! Immer denselben Gehörlosen zu begleiten bedeutet auch, dass die Kodex irgendwann nicht mehr erfüllt werden kann. Da wird man zu persönlich. Als Dolmetscherin ist für mich Abwechslung sehr wichtig! Ich will verschiedene Leute treffen, öfters andere Aufträge annehmen, dann wird es nie langweilig! Ja, dafür gibt es auch mehr Unregelmässigkeiten, ich muss akzeptieren dass ich keine Beamtin bin, die regelmässig morgens in die Arbeit geht und nachmittags nach Hause darf. Am Wochenende gibt es für mich auch Arbeit, manchmal sogar nachts. Es gibt nun mal verschiedene Menschen.

hewritesilent: Bist du in der Freizeit mehr bei den Hörenden oder bleibst du in der Welt der Gehörlosen?

Jana: Unsere Eltern sind gehörlos. Wenn Freunde und Familie gehörlos sind, dann zeigt man automatisch mehr Verständnis. Selbstverständlich pflege ich auch die Beziehungen zu den Hörenden.

hewritesilent: Danke für das Interview.

Interview durchgeführt am 28. Juli 2012

 

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Müssen Gebärdensprachdolmetscher überall dabei sein?

Die Dolmetscherseite bei uns sagt JA! Die Gehörlosen bei uns sagen NEIN!

Es gab brisante Situationen, die wir durch einige gehörlose Personen erfahren mussten:

Würdet ihr wirklich einen Gebärdensprachdolmetscher zum Arzt mitnehmen?

Also sind sie nicht soooo unselbständig, wie man gerne behauptet, aber es gab zwar Fälle, wo die Gehörlosen (Taubi) dringend Gebärdensprachdolmetscher (Dolmi) brauchen.

Arzt: „Hier haben wir eine wichtige und dringende Besprechung! Schauen Sie bitte, dass Sie einen Dolmetscher besorgen!“
Taubi: „Selbstverständlich, ich gebe mein Bestes!“
Taubi informiert an bestimmte Dolmis, der eine kann nicht, da er verhindert ist, der andere darf nicht, weil er aus beruflichen Gründen nicht annehmen kann. Also bleibt nur der Weg zur Dolmizentrale.
Fax an Dolmizentrale: Brauche morgen dringend einen Dolmi für eine sehr wichtige Besprechung!
Antwort der Dolmizentrale: Dolmi XX pausiert, Dolmi XY nimmt diese Woche keine Aufträge an (dolmetschte aber diese besagte Woche doch an Unis), Dolmi YX ist im Mutterschutz und darf daher nicht mehr dolmetschen, Dolmi AB hat schon einen Termin, Dolmi BA ist beruflich verhindert, also bleibt nur Dolmi AA übrig, aber die ist angeblich auch im Mutterschutz. Was sich aber falsch herausstellte, dieser Dolmi traute sich nach massiver Kritik des Taubies nicht für diesen dolmetschen. Vertragen Dolmis keine Kritik? Sind sie so empfindlich? Laut Regeln, dürfen bei uns Dolmis in Notsituationen keinen Auftrag ablehnen, wohl aber der Taubi selbst schon. Auf der einen Seite „wollen“ Dolmis erreichen, „überall“ dabei zu sein, auf der anderen Seite geniessen sie „Macht“. Denn eigentlich ist der Kunde König. Der Taubi hatte Glück, dass er am Abend plötzlich krank wurde und die Besprechung entschuldigt absagen musste.

 

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Die Gebärdensprachdolmetscherprüfung!

Hätten Sie bestanden? Die Gebärdensprachdolmetscherprüfung!
Die Ausbildung zum Dolmetscher dauert 3-5 Jahre. Schwerpunkte sind: Kommunikation, Fremdsprachen, Wirtschaft, Steuern und Umgang mit Waffen. Zum Schluss müssen die Teilnehmer durch eine Prüfung. Nur ein Bruchteil hält die ganze Distanz durch.

Und wie sieht denn eine Prüfung zur/zum Gebärdensprachdolmetscher/In aus?
Wir schafften es, einen Prüfer zu entführen und aus seinem Aktenkoffer einen Prüfungsbogen zu rauben. Nachdem wir den Fragebogen durchgelesen haben, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir die Prüfung niemals geschafft hätten. Was ist mit Ihnen? Nehmen Sie ruhig einen Stift und kreuzen alle richtige Antworten an. Haben Sie alles geschafft? Dann können Sie Ihren Kommentar hier hinterlassen oder mailen Sie sich doch an, ob Sie als Dolmetscher tauglich sind: hewritesilent (at) gmail.com

Frage 1:
Sie sehen eine gehörlose Frau, die hilflos auf dem Boden liegt und Hilfe braucht!
Was machen Sie?

a) Ich rufe sofort den Notarzt!
b) Ich gehe weiter.
c) Ich kassiere sofort 75 Euro Schnellbearbeitungsgebühr und rufe dann den Notarzt in zwei Wochen an.

Frage 2:
Sie werden zum Gericht (Foto) bestellt und müssen für einen Gehörlosen
15 Minuten lang übersetzen. Welche Rechung ist richtig?

a) 15min Dolmetschen, 50 Euro
b) Für jede begonnene Stunde 100 Euro, Anfahrtskosten innerhalb Zone 1 (Raum Bayern) 200 Euro,
Erschwerniszuschlag 100 Euro, Armgymnastik 50 Euro, sonstige Gebühren 100 Euro,Summe geschätzt und gerundet: 1000 Euro.
c) Ich sage kurz vor dem Gerichtsprozess ab! Weil der Angeklagte natürlich keinen Ersatz bekommt, springe ich ausnahmsweise ein, nachdem sein Familienerbe erfolgreich auf mich übertragen wurde.

Frage 3:
Sie besuchen eine Theateraufführung (Foto). Die Darsteller sind gehörlos und verwenden DGS.
Alle Besucher sind jedoch hörend und können keine GS. Was machen Sie?

a) Ich gehe auf die Bühne und übersetze freiwillig!
b) Ich bleibe sitzen und geniesse die Show alleine.
c) Ich gehe auf die Bühne, wo „Hamlet“ gespielt wird, verwende aber Dialoge von „Gina Wild lässt es krachen!“ und geniesse die Show.

Frage 4:
Die Zentrale teilt Ihnen mit, dass man Sie am 10.10. um 10 Uhr bestellt hat. Sie mögen den
Kunden (Foto) aber nicht, finden ihn total aufdringlich und völlig unsymphatisch! Was machen Sie?

a) Ich nehme den Auftrag trotzdem an, man muss Privat und Dienst trennen.
b) Ich nehme den Auftrag an und stelle eine gepfefferte Rechnung aus.
c) Ich gebe den Auftrag an meinen Kollegen weiter, komme aber trotzdem zum Kunden am 10.10. um 9.45 Uhr. Dann kassiere ich die 200 Euro Vorschuss und verschwinde wieder, bevor mein Kollege kommt.

Frage 5:
Wie lange soll ein Kunde warten (Foto), bis ein Dolmetscher frei ist?
a) 2 bis 4 Wochen
b) 2 bis 4 Monate
c) 2 bis 4 Jahrzehnte

Frage 6:
Ein Kunde hat Ihre Rechnung (1200 Euro) nicht bezahlt. Was machen Sie?
a) Ich verklage den Kunden.
b) Ich schicke dem Kunden eine Schlägergruppe (Foto) ins Haus und treibe das Geld ein.
c) Nicht schlimm. Die Rechnung übergebe ich meinem Steuerbüro.
Beim Finanzamt wird das als Verlust zehnmal abgeschrieben, damit ich für meine Gewinne keine Steuern zahlen muss. (Psst: Dann schicke ich dem Kunden eine Schlägergruppe (Foto) ins Haus und treibe das Geld ein)

Frage 7:
Warum wollen Sie Gebärdensprach-Dolmetscherin werden?
a) Ich liebe die wunderschöne Gebärdensprache sooo…
b) Ich suche einen Mann.
c) Vater Staat zahlt sowieso alles – warum soll nicht ICH das Geld verdienen?

 

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Bloss keine Hemmungen!

Erste Schritte in einer fremden Welt
Die ersten 5 DGS-Kurse erfolgreich absolviert? Alle Vokabeln gelernt? Die DGS-Grammatik kann im Schlaf heruntergebetet werden? Ein Vermögen in Gebärden-CD-ROMs und Lexikone angelegt? Und trotzdem haben Sie bei der letzten Party, wo Sie andere Gehörlose kennenlernen wollten, die Flucht ergriffen? Dann ist es Zeit, die Hemmschwelle zu überwinden. Gehörlose pflegen nämlich einen anderen Umgang untereinander als Hörende.

Konversationskurs – nichts für Warmduscher(innen)
Wenn Sie Glück haben, ist ein Andreas Costrau (www.gebaerdenservice.de) Ihr Dozent. Als Inhaber des Gebärdensprachservice in Berlin weiss er zu reden… Bei ihm fallen Hemmungen der Kursbesucherinnen so schnell wie die Hüllen von Big-Brother-Kandidatinnen. Nach diesem Kurs haben Sie die Basis, um Ihren Traumberuf zu erlangen: Eine knallharte Dolmetscherin. Dolmetscherin? Richtig, denn in dem Kurs erscheinen meistens oft keine männliche Teilnehmer.

Die erste Diskussion
… endet immer in einem Fiasko. Das Thema am Anfang: „Sind Gehörlose behindert“? Oh, es wird heikel. Sie befürchten, dass Sie etwas Falsches sagen könnten. Denn Andreas Costrau ist ja selbst hörgeschädigt (er selbst sagt gerne: „Ich bin gerne stocktaub.“, im wahren Leben ist er schwerhörig) und könnte von Ihrer Antwort betroffen sein… Betroffen? Na und? Wollten Sie nicht eine abgebrühte Dolmetscherin werden?
 Jede Antwort ist erwünscht. Falsch ist nur, wenn Sie bloss mit den Schultern zucken. Ausserdem bleiben Sie garantiert nicht die Einzige in Ihrem Kurs, die auf eine Fangfrage von Andreas reinfallen werden…

Themenvorschläge erwünscht
Anfangs verebben die Diskussionen schnell, doch mit der Zeit wagen es die Teilnehmer, ein Gespräch aufrecht zu halten. Dann kommen aktuelle Ereignisse zur Debatte. Irgendwann geben Sie sich einen Ruck und fangen ein Thema an. Das wurde auch höchste Zeit. Schliesslich haben Sie genug von Andreas Humor geniessen dürfen, jetzt sind Sie an der Reihe!

Das Eis schmilzt
Eines Tages erwischen Sie sich, wie Sie jemand anderem widersprochen haben. Vielleicht sogar dem Andreas. Gratuliere! Jetzt sind die Kursgebühren doch sinnvoll angelegt. Plaudern Sie einfach drauflos wie aus dem Nähkästchen, wie Sie es immer zu tun pflegen. Wenn Sie es schaffen, eine Diskussion zu führen und die anderen Teilnehmer zum Lachen bringen, können Sie vielleicht das werden was es noch nicht gibt: eine nette Dolmetscherin… 

 

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