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Schlagwort-Archive: Deutsche Gebärdensprache

Julia Probst und die Tatort-Lobbyarbeit

tatort_lobby
Quelle: Facebook – Thomas Mitterhuber

Habt Ihr genau gelesen? Julia Probst behauptet selbst, sie betreibt „die beste Lobbyarbeit und Fachberatung aller Zeiten“. Dank Tatort und Internet könnte sie problemlos 8 Millionen Zuschauern erreichen.

Erinnern wir mal zurück, damals hat Tatort (Folge 493 „Schützlinge“) auch gehörlose Schauspieler mitgewirkt. Ausgerechnet „Marcööö Liebdich“ mit seiner „ausgerutschen verstrickte“ Deaf-Synergy-Affäre damals. Unter Marco Lipski hatte im Frühjahr 2002 8,20 Millionen Zuschauer erreicht und zwar nicht jeder hatten damals Internetanschluss. Wie schaffte er das bloss? Eine beachtliche und beeindruckende Quote und das wo der Zeit die Anerkennung der DGS noch nicht anerkannt wurde. Eine Tatort-Sendung hat so hohe Einschaltquoten wie 50 Jahre „Sehen statt Hören“. Das nennt man hervorragende Lobbyarbeit von Marco Lipski. Betreibt „Sehen statt Hören“ schlechte Lobbyarbeit, obwohl Marco Lipski damals als Moderator tätig war? Dann wollen wir mal sehen, ob Bayrischer Rundfunk Julia Probst als Lobbymanagerin einstellen kann, wie sie „Sehen statt Hören“ alleine aus der Krise schaffen kann. Wünsche Julia Probst viel Erfolg!

Liebe Julia Probst, so einen Unsinn kann nur von dir kommen. Denk du mal darüber nach, bevor du ständig alles gedankenlos mit dem Mähdrescher niedermachen willst und allen wie ein Toter stillen kannst.

 
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Verfasst von - 30. Oktober 2015 in Gehörlosenkultur

 

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Xbox One-HighTech für Gehörlose #gebärdensprache

Kinect für Echtzeit-Übersetzung in Gebärdensprache – http://winfuture.de/news,78606.html

Hightech für Gehörlose, seit 1990 Jahren gibt es europaweit immer wieder millionenschwere Forschungsprojekte zu diesem Thema. Bekannteste Forschungsprojekte wie Wisdom oder eSign und ihr Ziel ist im Kern immer dasselbe: Gehörlosen Menschen, die bevorzugt per Gebärdensprache kommunizieren, das Leben zu erleichtern. Trotzdem sind alle Projekte kläglich gescheitert. Wer sich an das WISDOM- oder eSign-Projekt erinnert, das alle Millionen Euro aus einem Forschungsförderprogramm häufig versenkt wurden. Die Erwartungen waren damals groß. Erfüllt haben sie sich bis heute nicht und wird es auch bis heute so bleiben.

Woran liegt das?

Die animierte Bildschirmpuppe sollte deren Texte für Gehörlose darstellen, nachdem menschliche Dolmetscher sie zuvor in Gebärdensprache übersetzt hatten. Die animierte Bildschirmpuppe bewegt dabei Arme, Hände, Oberkörper, Kopf und Mund und zuckt auch mal mit der Augenbraue und Schulter. Der Bildschirmpuppe musste also lediglich deren Gesten und Mimik nachahmen, doch das gelang oft nicht zufrieden stellend. Viele Zeichen blieben oft kryptisch. Größte Haken überhaupt: Die animierte Bildschirmpuppe konnte man nichts von den Lippen ablesen. Und auch wegen der abgehackten und steifen Bewegungen konnte ihn niemand verstehen. Ein Avatar ohne Gefühle dürfte auf Gehörlose wirken wie eine monotone Computerstimme für Hörende. Auf die Dauer unmöglich! Genau aus diesem Grund kann man niemals so eine einen menschlichen Dolmetscher ersetzen.

Die fehlende Emotionalität des Bildschirmpuppe ist häufig ein Manko, weil sie oft zu Missverständnissen führt. Zum Beispiel „Gehörlose integrieren sich toll in die Gesellschaft“. Wenn Sie ‚toll’ gebärden und dazu die finsterste Mine zeigen, kann man das eventuell als Ironie oder sonst was interpretieren aber nicht so, wie es wirklich gemeint war.

Weitere Manko: Viele Gehörlosen gebärden individuell und kulturell unterschiedlich, es sei den Mimik, Gestik, Körperhaltung und Körperverhalten. Wie man aus dem Kinetec-Präsentationsfilm entnehmen kann, müssen auch viele menschliche Gehörlose möglichst ganz steif gebärden können, damit die Spracherkennungssoftware ihn besser identifizieren können.

Es gibt weder leistungsfähiges Erkennungsprogramm für irgendeine Gebärdensprache noch Übersetzungsprogramm von Deutsch zu DGS (= Deutsche Gebärdensprache) oder LBG (= Lautsprachbegleitende Gebärden) = oder LUG (= Lautsprachunterstützende Gebärden), geschweige denn von anderen Sprachen zu anderen Gebärdensprache.

Ergebnis: Für viele Gehörlose sind die Gebärdensprachdolmetscher oder gebärdensprachkompetente Menschen aus „Fleisch und Blut“ schon unbezahlbar und verzichten ganz auf virtuelle Gebärdensprachdolmetscher, die kein Gehörloser braucht.

 
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Verfasst von - 1. November 2013 in Gebärdensprache

 

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Null Bock auf Politik? #wahlkampf #btw13

Stell dir vor, es finden Wahlkampfveranstaltungen statt und fast keiner geht hin.

So sieht es zur Zeit bei den Hörgeschädigten aus. Die Parteien organisierte eine Wahlkampfveranstaltung und bestellte für die Gehörlosen ein paar Dolmetscher. Ausserdem war der Eintritt frei.

Vor der Veranstaltung verschickte die Parteien an den Gehörlosenverbände oder Taubenschlag ein Informationsschreiben. Der Gehörlosenverbänden sollte das Rundschreiben an die anderen Vereine und Lesern weiterleiten/informieren. Leider befanden sich sämtliche Vorstandsmitglieder im Urlaub oder waren anderweitig beschäftigt. Der Gehörlosenverbände konnte keine einzige Vertretung auftreiben. Kein Mitarbeiter hatte Zeit. So wurde die Öffentlichkeitsarbeit kurz auf Eis gelegt.

Kein einziger vom Vorstand nahm an der Veranstaltung teil. Eigentlich schade. Sogar Politikern übernahm die Schirmherrschaft und freute sich mit den Gehörlosen. Ihr ist jede Menge zu verdanken, auch das verschiedene Veranstaltungen, diverse Einrichtungen oder so ähnliches.

Dolmetscher glänzten in der Abwesenheit
Zu der Wahlkampfshow pilgerten weit über tausende Menschen. Nur ein paar Hörgeschädigten sassen in der ersten Reihe irgendwo vor der Bühne. So legten alle Sprecher einen guten Auftritt hin. Doch man dachte nicht an die Dolmetscher. Da sie aus Sicherheitsgründen nicht auf die Bühne durften, mussten die Dolmetschern direkt vor den Hörgeschädigten stehen und dolmetschen! Trotzdem waren alle von der Arbeit der beiden Dolmetscher begeistert. Teilweise waren die Dolmetschern überzeugender als die andere Politikern mit Wortgewalt oder Wortspielerei …

Alle Wahlkampfansprachen waren klar und leicht verständlich. Die Veranstaltung wurde von bekannteste TV-Moderator moderiert. Eine Tanzgruppe sorgte in der Pause für Abwechslung und vielleicht auch Entspannung. Denn die Veranstaltung dauerte mehrere Stunden.

Tatsache ist, dass alle Hörgeschädigte, die nicht bei der Veranstaltung dabei waren, eine Menge Politik und auch Unterhaltung verpasst haben. Eigentlich ist die geringe Anzahl der gehörlosen Zuschauer kein Grund zum Meckern, es sind ja auch „nur“ weit über tausende Hörende aus dem Bundesland oder bundesweit angereist, obwohl die meiste Großstädten viele Einwohner hat. Prozentual gesehen wären die Gehörlose in bestimmte Großstadt sogar ein gutes Ergebnis. Denn zu den Wahlkampfveranstaltungen in manchen Städten oder Bezirken kam kein einziger Hörgeschädigter.

Man habe auch nicht den Eindruck, dass jemand die „armen“ Hörgeschädigten schlecht behandeln will. Alles reine Einbildung!

Zurück zum Dolmetscher. Es hat ein Fall gegeben, wo kein Gehörloser anwesend war und trotzdem stand Dolmetscher auf der Bühne. Man fragt sich schon lange, warum Gehörlosen, oder besser gesagt deren Vertreter, unbedingt auf einen Dolmetscher auf der Bühne bestehen? Immer nur neben einem Politiker oder einem anderen Promi? Wenn im Auditorium nur ein paar Gehörlosen sitzen, soll doch der Dolmetscher daneben stehen. Aber nein, nur da, auf der Bühne, damit auch jeder im Publikum sehen kann, wie man mit den Armen in der Luft schwirrt! Muss das sein? Hat schon jemand gedacht, dass solche „Aktionen“ stark vom Redner ablenken?

Hätte man einfach um einen Dolmetscher gebeten, der neben einer Gruppe von Gehörlosen platziert wäre, würde auch keine Absage kommen.

 
 

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Müssen Gebärdensprachdolmetscher teuer sein?

Seit 1. August 2013 hat sich die neue Vergütungssätze für Dolmetscher und Übersetzte bei den Jusitzbehörden erhöht und zwar nun 70 statt 55 Euro pro Stunde.

Wie schaut´s nun mit Gebärdensprachdolmetscher aus? Müssen sie teuer sein?

Nein. Laut dem Gleichstellungsgesetz müssen Behörden die Kosten für einen Dolmetscher oder geeignete Kommunikationshelfer übernehmen.

Statt mehrere Monate auf einen Dolmetscher zu warten, kann der Hörgeschädigte einen Freund oder Familienangehörigen, der die Gebärdensprache beherrscht, zum Amt, Arzt, Kasse oder ins Krankenhaus mitnehmen. Was nur wenige wissen: Auch die Bezahlung von Kommunikationshelfer wird übernommen. Ein idealer Nebenverdienst für Ihre Mama oder Coda-Kinder.

 
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Verfasst von - 25. August 2013 in Gebärdensprachdolmetscher

 

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DGS-Grammatik

Ihr wundert sicher selbst über die DGS-Grammatik, warum viele Gehörlosen keine richtige deutsche Grammatik beherrschen können. Gehörlose schreiben (einige sprechen auch ein wenig) „falsche“ deutsche, lautsprachliche Grammatik, obwohl DGS seit 2002 eine anerkannte, eigenständige Sprache in Deutschland ist.

Es kann immer wieder vorkommen, wie missverständlich oder irritierend solche sprachliche Aufbau ist.

Hier ein Fallbeispiel in DGS:

Ich Nachweis erbringlichen kann!
Früher 10 Jahre alt, ich suche in Mitte Mädchen, ist 17 jahre alt, Eingang, aber nicht finden nicht.
Haare viele, unmöglich. Gibt auf.. Später mir einfallt, dumm… doch Eingang da.
Eingang aber anders Name jetzt ich wissen.
Du, bitte Klaus, kann gibt mir jetzt Doktor?
Sonst Judith hat noch mehr mehr Bauchweh, ich muss gleich schreiben Rezept für.
Danke!

Zwei verschiedene Grammatiken, wie will man die unter einen Hut bringen? Uns beschäftigt sich die Fragen, warum werden die gehörlosen Zeitungen wie Deutsche Gehörlosen-Zeitung oder LifeInsight oder Internetportal wie Taubenschlag alle in gehobenem Deutsch formuliert, wenn es schon kaum einer lesen, geschwiege verstehen kann?

Sogar gehörlose Professor Christian Rathmann behauptet selbst:

Im Rahmen einer internationalen Lesekompetenzstudie, die ich gemeinsam mit israelischen, türkischen und amerikanischen Kolleginnen und Kollegen verschiedener Universitäten im Zeitraum vom 2009 – 2012 durchgeführt habe, wurde festgestellt, dass es verschiedene Lesergruppen der Schülerinnen und Schüler mit Hörbehinderungen gibt: (i) Leserinnen/Leser mit syntaktischen Lesestrategien (18%), (ii) Leserinnen/Leser mit semantischen Lesestrategien (45%) und (iii) Leserinnen/Leser ohne Lesestrategien (37%).

Quelle: http://www.taubenschlag.de/cms_pics/GSDEinblendung_Rathmann.pdf

Na dann, eigentlich müssten die Leser/-innen ohne Lesestrategie Deutsche Gehörlosen-Zeitung oder LifeInsight oder andere verklagen, warum keine Inhalte solche Gebärdenvideos angeboten wurde.

 
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Verfasst von - 7. Juli 2013 in Gebärdensprache

 

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Aktion-Demo in Berlin: Gebärdensprache macht schwierig!

Eine Demonstration der etwas anderen Art findet am 14. Juni 2013 statt: Gebärdensprachprofis und Gebärdensprachanalphabeten treffen sich um 14 Uhr vor dem Reichtag am Berliner Regierungsviertel, um unter dem Motto „Gebärdensprache macht stark“ zu demonstrieren.

Aufgerufen zu der Demonstration hat der Deutschen Gehörlosen-Bund und Initiativen. „Am 17. Juni 1988 wurde eine Beschlussempfehlung zur Anerkennung der nationalen Gebärdensprachen aus Brüssel vorgelegt. Dadurch wurde in ganz Europa die gesetzliche Anerkennung der Gebärdensprache vorangetrieben. Das ist jetzt 25 Jahre her. Deswegen möchten wir eine große Aktion am 14. Juni durchführen.“, sagte Rudi Sailer der Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes.

Komischerweise klagen viele Gehörlosen via Facebook oder Youtube (wenn man sich einige Erfahrungsberichte von Gehörlosen anschaut, siehe hier: http://aktion.gehoerlosen-bund.de/videosammlung), die behaupten, es fehlen nur die Dolmetschermangel oder die erschwerte Barriere im Kommunikationsbereich oder die Behörden lehnen Dolmetschereinsatz ab. Das Problem ist an der Anerkennung oder Nichtanerkennung der Gebärdensprache gibt’s gar nicht! Was genau mit Anerkennung und Nichtanerkennung der Gebärdensprache damit gemeint ist. Mit anderen Worten: Der Geldsegen und Dolmis werden nicht an die irgendwelche Bestimmungen, Gesetze oder „Anerkennung der Sprache“ gekoppelt, sondern hängt alleine von finanziellen Lage ab. Und im Moment ist der Staat und die Bundesländer pleite. Aber Dolmetscher gibt’s trotzdem immer. Weil es ohne nicht geht!

Natürlich geht es nicht immer einfach so, ohne vorherige Anmeldung. Wenn man besonders schwierige Situationen meistern muss, z.B. eine Gerichtsverhandlung, sagt man vorher Bescheid. Dann wird eine besonders tüchtige und erfahrene Gebärdensprachdolmetscherin geschickt (es gibt fast keine männliche Dolmetscher und natürlich gibt es keine gesetzliche Männerquote für Gebärdensprachdolmetscher).

 
 

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Gebärdensprachschule – Dozenten

Damals wurde Gebärdensprachkurse an der VHS abgehalten, inzwischen heisst es heute die Gebärdensprachschule. Ahoi Gebärdensprache: Die Branche boomt, immer mehr Hörende lassen sich an der Gebärdensprachschule einschreiben, doch Dozenten sind Mangelware. Siehe Taubenschlag-Meldung!
oder auch hier „Taubenschlag-Dozentenstellenmarkt“

In der Gebärdensprachschule – im Volksmunde „Kontaktschule“ genannt – werden auch Gebärdensprachkurse angeboten. Im Gegensatz zu den anderen Kursen werden hier Kontakte mit einer anderen Welt aufgebaut. Dass die Gebärdensprache angeblich eine schwere Sprache ist, bekommen die Kursbesucher wortwörtlich am eigenen Leibe zu spüren. Waren’s bei den Anfängern nur leichte Fingerübungen, müssen hier bei den Fortgeschrittenen komplette Sätze in der verwirrende DGS-Grammatik einstudiert werden.

Genau die DGS-Grammatik bereitete einigen Teilnehmern richtiges Kopfzerbrechen. Die Besucher, die teilweise bereits als Kursleiter tätig sind, quälten sich hier durch. Die Lücken wurden aber schnell geschlossen, und der Unterricht endete pünklich.

Die Gebärdensprach-Kursbesucher sind ein buntes Volk: Alle Altersstufen sind vorhanden, der Berufsspiegel reicht von Anwält(inn)en über Student(inn)en bis Zahnärzt(inn)en…

Wer nicht vorhat, eine Gehörlosen-Party zu besuchen (dort haben übrigens bis zu 30-50% der hörgeschädigten Besucher geringe Gebärdensprach-Erfahrung oder mangelhafte Gebärdensprachkompetenz) – die Kursbesuche können eine interessante Erfahrung sein!

Dieses Kurs kann auch als eine Art Eigeninitiative gesehen werden. Denn Gebärdensprachdolmetscher kommen ja nicht von irgendwoher, sondern werden mehr oder weniger in Gebärdensprachschule-Kursen gedrillt. Und Gehörlose, die sich zu Dozenten ausbilden lassen, leisten dabei ihren Beitrag.

 
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Verfasst von - 31. Januar 2013 in Gebärdensprache

 

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Ja, richtig gehört! #gehörlos

Wenn man alleine oder mit gehörlosen Freunden unterwegs ist, kann man was erleben. Nicht immer, aber immer öfter. 😉 Denn Hörende verhalten sich unterschiedlich, wenn sie Gehörlose/Gebärdensprache sehen:

1. Sie sind neutral und machen gar nichts.
2. Sie glotzen.
3. Sie sind neugierig und interessiert. Sie erzählen, dass sie dreimal „Jenseits der Stille“ gesehen haben und fragen, wie man Gebärdensprache lernen kann.
4. Sie sind respektvoll, zurückhaltend, schauen unauffällig.
5. Sie stellen dumme Fragen.
6. Oder Sie haben Angst vor im Umgang mit Kommunikation.

Die Hörenden denken meistens, ich bin auch gehörlos. Im Café, in der U-Bahn u.s.w.- sie wissen nicht, dass ich hören kann. Was sie sagen: „Schau mal, die unterhalten sich in Gebärdensprache. Finde ich ja total interessant. Wie können die das verstehen?“ oder „Ey geil, Zeichensprache. Hab ich schon mal im Fernsehen gesehen.“ Die meisten Hörenden haben KEINE Ahnung von Gehörlosigkeit.
Hier die „Dumme-Fragen-Höhepunkte“:

Bei der Wohnungssuche
Vermieter: „Gehörlos? Kann er denn die Miete zahlen? — Aha, er arbeitet ganz normal. — Und braucht er die Tiefgarage? — Ja?— Hmm. Darf er denn Autofahren? —- Und wie merkt er, wenn ein Krankenwagen kommt?— Ach, er meint, den kann er sehen. Hmm. Ach, Sehen kann er gut und hoffentlich nicht taub?“

Jeansgeschäft
Verkäuferin: „Dein Freund kann nichts hören? —Pause — Ist er taubstumm? — Waas? Das sagt man nicht? Was dann? Wie heißt das – gehörlos?… Aha. — Mein Gott….. aber er sieht doch so gut aus!“

HNO-Praxis/ Hörtest wegen Attest
Die Testerin sieht den Schwerbehinderten-Ausweis mit 100 % und GL-Stempel.
Nach 5 Minuten Test fragt sie total geschockt:
„Mein Gott, kann er überhaupt nichts hören?“

Disco
Männlicher Verehrer: „Sag mal, Deine Freundin – hört die nichts? — Wirklich nichts? — Sag mal, wollt ihr mich verarschen? — Wie, das ist die Wahrheit? — Sie hört echt nichts? Gar nichts? Aha, fast nichts.— Aber sie benutzt doch diese Blindenschrift, oder?“
Derselbe Depp 10 Minuten später:
„Sag mal — Deine Freundin, wenn die nichts hört — warum kann sie dann so gut tanzen?“

Universität
Professor: „Ähmm, eine Frage – also — ähh — können sie denn lesen und verstehen?“

Zahnarztpraxis
Zahnarzthelferin: „Also – hmm, also — diese Leute — also wenn die nichts hören können — hmm, also – wohnen die dann in so Wohnheimen?“

Beim Vorstellungsgespräch/Arbeitswelt
Könnte glatt vieles wie ein dickes Buch aufschreiben, aber was legendär und unvergessen beim Vorstellungsgespräch erlebt: Gebärdensprachdolmetscherin dolmetschte ein Vorstellungsgespräch, der Chef war „not amused“ über sein Erscheinen (denn schließlich MUSS ihr Klient in seinen Augen ja sprechen – da braucht’s keinen Dolmetscher), und forderte ihren Klienten mit folgenden Worten auf, sie „zum schweigen zu bringen“: „Bitte schalten sie ihren Dolmetscher jetzt ab – und aktivieren sie ihn erst wenn Sie ihn unbedingt benötigen!!!“

Edit: @qtom: Bitte jetzt nicht aus Wut über die blöden Hörenden auf den PC einschlagen! Es gibt immer noch zuwenig allgemeine Infos über Gehörlose. Wenn sich daran nichts ändert, wird es weiter dumme Fragen geben…

 

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Lydia Callis Gestik und Mimik

Laut Rollingplanet soll in ganz Amerika Michael Bloombergs Gebärdensprachdolmetscherin Lydia Callis dank ASL hypnotisiert worden, haben wir Deutschen genauer ermittelt, was sie in Wirklichkeit genau meint.


ASL (Amerikanische Gebärdensprache) = Hättest selber sehen sollen!
DGS (Deutsche Gebärdensprache) = Schon gut Alter, ich erzähl dir gleich, wie’s war.
Sperr ma deine Ohren…

ASL = Storm wooow!
DGS = Sturm grausam!


ASL = Ich halt´s echt nicht mehr aus!
DGS = So ein Schrank von Typ! Ich gaaanz vorsichtig und klein.


ASL = Mir wird heiß!
DGS = Abgemacht, du darfst mich auch mal was drücken!

1.Update (31.10.2012):


ASL = Ist der voll die Flasche?!
DGS = OOOoooOOO, wie groß ist denn so ein Schwanz?

2.Update (01.11.2012):

 

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Corpus deliciti www.dgs-korpus.de

Hierzulande müssen die Universitäten für wenig Geld viel Arbeit leisten. Außer sie beschäftigen sich mit der Gebärdensprache. Dann gibt’s für minimale Arbeit jede Menge Schotter. Die gerade 25 Jahre alt gewordene Gebärdenforschungseinrichtung (IDGS) an der Universität Hamburg ist in diesem Bereich der absolute Spezialist: Für eine neue Langzeitstudie wurde am 27.10.2008 auf der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) eine Millionensumme bewilligt. Und die Studie dauert (wieder mal) eine Ewigkeit: nämlich über 15 Jahre. So viel Zeit ist angeblich vonnöten, um ein elektronisches (Video-)Wörterbuch zusammenzustellen. Der Umfang: Gerade einmal weit über tausende Gebärden. Das macht üppige 1416 Euro für jede einzelne Hand- oder Armbewegung, um wie groß die Unterschiede zwischen Bayern und Schleswig-Holstein, zwischen Jung und Alt, zwischen hoch begabte und wenig begabte oder zwischen schwerhörige und gehörlose Gebärdensprachler zu forschen… Und welche schaffen es schließlich ins Wörterbuch?

Für viele tausende Gesten brauchte ein kleines aber fleißiges Team vielleicht eine Woche. Aber die Gebärdenforscher an der Uni Hamburg wären keine echten Gebärdenforscher, wenn sie für die Gebärden-„Langzeitstudie“ nicht weniger als eineinhalb Jahrzehnte, achteinhalb Millionen und 250 bis 300 Mitarbeiter (!) benötigen würden.

Wo die bewilligten Millionen herkommen? Aus einem Akademienprogramm. Das „Programm“ wiederum kriegt die Mittel vom Hamburger Senat. Erstaunlich, dass das Geld so locker in den Behördentaschen liegt, obwohl alle Welt von der Wirtschafts- und Finanzkrise spricht. Hamburgs Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach scheint jedenfalls überzeugt zu sein: „Das bundesweit einzigartige Projekt werde dazu beitragen, die Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen zu verbessern“, sagte sie gegenüber der Presse Berliner Morgenpost.

Wie stellt sich die Senatorin so eine Kommunikation vor? Mit Hilfe von tragbaren Computern und zigtausende Einzelwörtern, aus denen man Sätze bilden muss? Tatsache ist: Es gibt heute schon zahlreiche CDs und DVDs, die Wortsammlungen in Form von Gebärden-Videos enthalten. Auch die Gebärdenforscher der Uni Hamburg bieten auf ihrer Webseite seit längerer Zeit jede Menge Clips an, auf denen gehörlose Mitarbeiter diverse Fachtermini in Gebärdensprache übersetzen. Darüber hinaus wurden so genannte „blaue Bücher“ herausgebracht, die tausende Gebärden-Fotoskizzen enthalten. Ist die ganze Sammlung jetzt etwa ungültig geworden? Die IDGS sagt jedenfalls: „Alles was wir tun und veröffentlichen, stützt sich auf echte Sprachverwendung von echten Gehörlosen.“ Wahrscheinlich waren das alles „unechte Gehörlose“, mit denen man früher zusammengearbeitet hat und deshalb muss jetzt ein neues Lexikon her…

Wird das neue Projekt ein zweiter (oder wievielter auch immer) „Guido“? Damals wurde eine Langzeitstudie rund um Gebärdenerkennung in aller Stille begraben. Für „Guido“ hat die IDGS zwei Jahrzehnte Forschungszeit investiert. Wie viele Millionen es exakt waren, wissen wir (noch) nicht. Auf jeden Fall ist jetzt das „korpusbasierte Wörterbuch“ dran. Ob das „Corpus delicti“ in 15 Jahren wegen der Aufzeichnung mit 3D-Kameras im mobiles Studios tatsächlich fertig ist und dann auch gebraucht, benutzt und eingesetzt wird, ist eine Frage, mit der sich die Forscher beschäftigen könnten …

 

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Interview mit einem Gebärdensprachdolmetscherin

hewritesilent: Hallo „Jana“, ich kenne dich durch dein Auftritt vor der Kamera – war das aufregend für dich? :0)

Jana (Name geändert, echte Name des Interviewpartnerins der Blogger bekannt): Ja, da war ich aufregend. Und ich weiss nicht wer mich gerade im TV anguckt. Normalerweise steht mir immer ein anderer Gehörloser gegenüber und nickt mir zu, wenn ich gebärde. Aber vor der Kamera ist es so kalt, so leer… ich sehe nur ein schwarzes Loch. Daran muss ich einfach immer denken. Aber auch bei besonders schwierigen Aufträgen bin ich aufgeregt. Oder wenn viele Leute da sind. Ich bekomme immer noch ab und zu Lampenfieber, obwohl ich sowas schon oft machen musste. Noch was: Wenn die Aufnahme startet, muss ich noch 6 bis 7 Sekunden warten, bevor ich anfange zu übersetzen. Denn ein Dolmetscher muss zum Schluss noch den letzten Satz übersetzen. Manchmal passiert beim Schnitt auch, dass der Dolmetscher im Film früher fertig ist. Der Inhalt, die Zeit und die Haltung müssen also stimmen. Und immer schön freundlich sein! Deshalb diese ganze Aufregung.

hewritesilent: Wie lange bist du schon Dolmetscherin?

Jana: Seit 20 Jahren also fast genau um diese Zeit, wo damals Mauer gefallen wurde. Da war ich aber noch in der Dolmetscherzentrale.

hewritesilent: Du musst also vor dem Übersetzen viel üben?

Jana: Das ist unterschiedlich. Wenn ich mir die Gebärden überlege, so kann ich mich gut vorbereiten. Und das Anpassen! In der Lautsprache klingt ein Satz oft anders als in der DGS. Also weg damit, ein neuer Satz muss her. Ganz typisch!

hewritesilent: Hast du manchmal das Gefühl, dass du überfordert bist?

Jana: Es wird nicht nur einfach gedolmetscht. Wenn ich den übersetzen muss, gibt es manchmal Schwierigkeiten. Zum Beispiel jemand gebärdet oder redet durchgehend, da muss ich oft darauf achten. Aber überfordert? Nee. Wenn es so wäre, dann hätte ich die Arbeit längst aufgegeben.

hewritesilent: Bekommst du von gehörlose Kunde Kritik, wie du als Dolmetscherin warst?

Jana: Ich bin mir sicher, dass die Gehörlosen untereinander über Dolmetscher reden, aber ob die ihre Meinungen an mich mitteilen? Leider sehr selten.

hewritesilent: Und schwerhörige Kunde, die auf Gebärdensprachdolmetscher angewiesen ist?

Jana: Oh sehr gute Fangfrage, meine bisherige Erfahrungen ist ein schwerhörige Kunde manchmal anders als ein gehörlose Kunde, für den man dolmetschen muss. Zwischen Schwerhörigen und Gehörlosen sind manchmal ein grosser Kontrast! Als Gebärdensprachdolmetscherin gab es auch Situationen und ich bin oft erstaunt, erwundert, wie wenig vor allem Gehörlosen und einige Schwerhörigen an Wissen aufweisen und manchmal Probleme haben z.B. Gespräche. Ich muss mir die Gebärden überlegen und auch darauf achten, dass die Gebärdensprache in Deutschland unterschiedlich ist. Meine Aufgabe ist das Dolmetschen, fertig.

hewritesilent: Du bist hauptberuflich Dolmetscherin. Hast du noch einen Nebenberuf?

Jana: Nein! Das ist genug! Sonst explodiert mir noch der Kopf. Aber ich habe viel Arbeit und ich muss auch Aufträge ablehnen.

hewritesilent: Was? Ablehnen?

Jana: Ja, denn ich arbeite Tag und Nacht. Und einige Gehörlose wissen nicht, dass ich noch viel Büroarbeit erledigen muss. Das ist schon ganz hart. Selbständig halt, leider.

hewritesilent: Was für Büroarbeit?

Jana: Zum Beispiel Auftragsannahme. Wenn ich mit dem Dolmetschen fertig bin, was kommt danach? Erstmal Konzepte erstellen, dann Emails versenden, Kostenvoranschläge faxen oder mailen, Kostenträger ermitteln und so weiter.

hewritesilent: Wie lange dauert das Ganze?

Jana: 10-15 Stunden.

hewritesilent: Was? 10-15 Stunden am Tag?

Jana: Nee, in der Woche. Noch was über die Bezahlung: Viele sagen, dass die Dolmetscher eine Menge Geld verdienen. „Super, ich brauche nur hinzukommen, dolmetschen, kassieren, fertig“. Das stimmt nicht. Wenn ich krank bin und zuhause bleiben muss, verdiene ich gar nichts, aber die Ausgaben laufen weiter. Wenn ich keine Rentenversicherung zahle, bekomme ich auch keine Rente. Dann muss ich nacharbeiten, auch für den Urlaub. Versicherungen kommen noch dazu. Bei Angestellten wird alles automatisch abgezogen und der Rest kommt auf die Hand. Ich muss alles selbst zahlen. Okay, das ist ein guter Job, denn wenn es zuwenig wäre, hätte ich es längst aufgegeben. Ich wohne ganz bescheiden in einer Wohnung.

hewritesilent: Zum Beispiel Dolmetscher in Regelschule. Einige Gehörlosen sagen: „Für jeden Gehörlosen soll ein Dolmetscher zur Verfügung gestellt werden“. Was meinst du dazu?

Jana: Was? Immer derselbe Kunde? Wenn es dazu kommen sollte, dann bin ich dagegen! Immer denselben Gehörlosen zu begleiten bedeutet auch, dass die Kodex irgendwann nicht mehr erfüllt werden kann. Da wird man zu persönlich. Als Dolmetscherin ist für mich Abwechslung sehr wichtig! Ich will verschiedene Leute treffen, öfters andere Aufträge annehmen, dann wird es nie langweilig! Ja, dafür gibt es auch mehr Unregelmässigkeiten, ich muss akzeptieren dass ich keine Beamtin bin, die regelmässig morgens in die Arbeit geht und nachmittags nach Hause darf. Am Wochenende gibt es für mich auch Arbeit, manchmal sogar nachts. Es gibt nun mal verschiedene Menschen.

hewritesilent: Bist du in der Freizeit mehr bei den Hörenden oder bleibst du in der Welt der Gehörlosen?

Jana: Unsere Eltern sind gehörlos. Wenn Freunde und Familie gehörlos sind, dann zeigt man automatisch mehr Verständnis. Selbstverständlich pflege ich auch die Beziehungen zu den Hörenden.

hewritesilent: Danke für das Interview.

Interview durchgeführt am 28. Juli 2012

 

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Gebärdenfilmchen im Internet #Barrierefreiheit

Der Webauftritt des Bundes wurde um einige Videostreams erweitert: Auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziales und Anti-Diskriminierungsstelle ist ein Link zum Gebärdenvideo zu finden. Nach einem Klick öffnet sich eine neue Seite, ein Knut W. übersetzt den Text ganz langsam und deutlich in Gebärdensprache. Mit diesem Service möchte der Bund wahrscheinlich alle Personen ansprechen, die nicht lesen und schreiben können und auf Gebärden angewiesen sind. Doch nicht alle Seiten sind die Gebärdenvideos zu finden, wie sollen damit die leseunkundigen Zielgruppen anfangen?

Auch die Bundesregierung rüstete seine Website mit den Videos auf, die diesmal nicht von der Firma „gebärdenwerk“ erstellt wurden, sondern vermutlich von der Skarabee oder RWTH Aachen.

Im Gegensatz zum Bund verzichtet, die zahlreiche Gehörlosen-Sportvereine wie GBF München oder Hamburger GSV oder die Gehörlosen-Landesverbände wie Bayern, Baden-Württemberg , Sachsen, SaarlandHamburg usw. weiterhin auf eine DGS-Übersetzung seiner Website. Ganz schön diskriminierend!…Ausgerechnet die hörgeschädigten Blogger/-innen wie Meins, MeinAugenschmaus, MeinenSenfdazugeben, Clatschia, usw..sind auch nicht besser. Einzig Zorlo84 stellt ein paar Videoblogs zur Verfügung.

Während die meisten Gehörlosenverbände ihre Mitglieder weiterhin jahrelang mit Nur-Text-Websiten „diskriminieren“, versucht „die Geschäftleuten“ mehr Interesse bei den hörgeschädigten Surfern zu wecken. Damit die Internetauftritte des Bundes und des Arbeitsamtes noch gehörlosenfreundlicher werden, hatten die Herren vom „gebärdenwerk“ und BMGS damals unter rot-grüne Regierung eine Umfrage gestartet. Unter anderem sollen die Nutzer auch abstimmen, ob die Gebärdenvideos mit Ton und Untertiteln ergänzt werden sollen.

Das häufig genannte Argument, dass Untertitel einen Lernwert darstellen, weil damit Fachwörter, Begriffe usw.erklärt werden könnten, kann als nicht relevant angesehen werden. Zum einen ist dies nicht die eigentliche Aufgabe und das Ziel der Barrierefreiheit, zum anderen laufen mit der Gebärdensprache und den Untertiteln zwei dynamische Vorgänge gleichzeitig ab und können nicht zusammen vom Nutzer erfasst werden. Weiterhin ist es nicht möglich, die Geschwindigkeit der Untertitel an das der Gebärdensprache anzugleichen. Letztlich stellen Untertitel selbst Schriftsprache und damit weiterhin eine Barriere für Gehörlose dar.

Vertonung und Untertitel erscheinen aus den genannten Gründen nicht notwendig, sie sind eher als zusätzlichen Nutzen zu betrachten. Wenn ein Auftraggeber dennoch auf Vertonung und/oder Untertitel besteht, sollte er auf eine standard-konforme Umsetzung von Vertonung / Untertitel (bspw. auf der vom W3C standardisierten Sprache „Synchronized Multimedia Integration Language – SMIL“) bestehen, welche ein- und ausschaltbar sind.

Die Gebärdensprache selbst wird in den Filmen offensichtlich von den meisten Teilnehmern der Umfrage verstanden: Über 84% konnten die Inhalte der Gebärdensprach-Filme gut bis sehr gut verstehen.

Quelle: http://www.di-ji.de/index.php?option=com_content&view=article&id=121&Itemid=73&lang=de&limitstart=14

Mit einer Nachvertonung möchte der Bund seine Website vermutlich auch für gut-/normalhörende Analphabeten zugänglich machen. Die Untertitel dienen dabei zu Lernzwecken – auch werdende Dolmetscherinnen können diesen Service nutzen. Voraussetzung: Sie wohnen in Norddeutschland, denn die Gebärden sind wegen des Dialekts nur von den Nordlichtern zu verstehen. Damals wurde selbstverständlich die Umfrage mit Gebärdenvideos ausgestattet. Ob die Hörgeschädigten ihre Antworten ebenfalls als Media-File zurückgesandt worden?

Was die Filme zeigen sollen? Eine Person soll den Inhalt der Websiten in Gebärdensprache übersetzen, damit den „hörgeschädigten“ Internetsurfern das Amtsdeutsch nicht mehr spanisch vorkommt. Moment, brauchen die Hörgeschädigten tatsächlich Gebärdenfilmchen im Web? Auch Schwerhörige? Der Bund sieht das so und nennt das „Barrierefreiheit“. Und wenn die Videos für die gebärdensprachunkundigen Hörgeschädigten zu Barrieren werden?

Zudem verlangt der Bund einen hörgeschädigten Darsteller. Das wird aber zweigig… äh, zwickig – die Hörgeschädigten sind doch die Zielgruppe, die „keine Texte versteht“. Wie soll der Darsteller dann…? Aber warum überlassen wir das nicht dem Bund? Die Minister haben ja für solche Probleme die besten Lösungen, vielleicht haben die dafür sogar ’nen Hartz… äh, „Zweig IV“ in der Schublade…

 

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Umfrage: Sendung „Sehen statt Hören“ am 7. Juli 2012 Thema: „gehörlose“ Bloggerin des Jahres 2011

Haben Sie schon mal dieser Sendung Sehen statt Hören am 7. Juli 2012 zum Thema „gehörlose“ Bloggerin des Jahres 2011 gesehen? Laut Sehen statt Hören taucht laut Untertitel über Julias Sprachstil „Deutsche Gebärdensprache“ auf. Jetzt gibt es eine Umfrage an alle meine „treue“ Blogleser/-innen. Was ist Ihre Ansicht oder wie empfindet Ihr über Julias gebärdensprachliche Stil?

Update 14. Juli 2012:

Umfrageauswertung
gestartet am: 9. Juli 2012
beendet am: 14. Juli 2012
Stimmen ingesamt abgegeben: 46

(Quelle Fotoaufnahme: Sehen statt Hören 7. Juli 2012)

Danke an alle „Sehen statt Hören“-Zuschauer, die ihre Stimme abgegeben haben. Wenn man sich die Umfrageergebnisse ansieht, ist es interessant zu wissen, wie unterschiedlich der Wahrnehmung der Zuschauer aufweisen. Sehr interessant, niemand stimmten für „DGS (= Deutsche Gebärdensprache) ab! An das „Sehen statt Hören“-Team! Sechs, setzen!

Mein persönliches Fazit: Zwar hat Julia Probst gebärdensprachlich gesehen im Vergleich zu Artikel „Droht Deutschland gebärdensprachliche Chaos?“ deutlich gebessert, immerhin kann man ihr noch prima erkennen wie gemischt seine Gebärdensprache war.

 
 

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Völkerverständigung Sprachlos

(aufgenommen mit Smartphone-Foto im Juni 2012 auf dem Weg von Frankfurt nach Bangkok im Flugzeug)

Völkerverständigung Sprachlos
Gesten können in verschiedenen Ländern unterschiedliche Bedeutungen haben. In Ihrem Buch „Versteh mich nicht falsch!“ (Bierke Verlag, aus als iPhone-App erhältlich) erklären die Journalistinnen Julia Grösse und Judith Reker, was man mit Gesten sagt – ob gewollt oder ungewollt. Der kleine Finger, der sich aus der Faust herausstreckt, bedeutet:

– Eins (Kenia, Kirgistan)
– Mager, klein (Italien)

Communicating without words
Using your hands to express yourself can sometimes be risky because a single gesture can mean quite different things in different ciltures. German journalists Julia Grosse und Judith Reker explain in their book Don´t get me wrong! what it means to meak a fist and then extend your little finger:

– One (in Kenya and Kyrgyzstan)
– Thin, small (in Italy)

(Textquelle: Lufthansa Magazin 06/2012)

Wie schaut´s die deutsche Gebärdensprache aus, ob man mit dieser kleine Finger der aussieht wie ein i gebärden kann? Ja, es gibt die und zum Beispiel „Ignorieren“ (Eigenschaft der Gebärdenbewegung: Handfaust herausstrecken mit kleine Finger in Richtung Person bewegen) oder „Ironisch“ (Eigenschaft der Gebärdenbewegung: ähnlich wie die italienische Gebärdenform Mager bewegen die Handfaust aber nach unten, bei ironisch dreht man die Handfaust kreisförmig). So nennt man das Völkersverständigung unter gehörlosen Völker, auch wenn es manchmal zu Missverständnisse führen könnte. Das nennt man „Zwangskommunikation“, bei der stumme Leute in Situationen gebracht werden, in denen sie in Händen SPRECHEN MÜSSEN.

Anderes Thema zum Völkersverständigung in Deutschland. Bitte schön, wie gebärdet man „Hast du mein Bonbon gegessen?“ ohne Mundbild? Besonders das Wort Bonbon? Achtung Verwechslungsgefahr und Missverständnisgefahr mit Tablette, Pille, Medikament, Ecstasy, Zungenpiercing, Geldmünze, etc…!!! Soviel zum Thema Völkerverständigung!

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 20. Juni 2012 in Gebärdensprache

 

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Gebärdensprachkurse an der VHS – Das Tagebuch von Melanie B.

Vor einige Tagen als durch eine aufsehenerregende Tweet von EinAugenschmaus (Julia Probst) solche heftige Diskussionen über Bestrafung und Regeln via Twitter auslöste, schauen wir mal als Beispiel genauer hin welche für Folgen in Sachen Inklusion und Barrierefreiheit geben könnte.

Das Tagebuch von Melanie B.:

Gehörlose lernen die Gebärdensprache bei den Eltern oder auf dem Schulhof. Hörende dagegen müssen zur Volkshochschule gehen, um die Sprache der Gehörlosen verstehen zu können. Keiner wusste, was die Besucher der VHS-Kurse empfinden – bis jetzt. Denn vor kurzem haben wir das Tagebuch von Simone gefunden und lernten eine völlig andere Welt kennen – die Welt der hörenden Kursbesucher. Simones stumme Leiden – jetzt werden sie laut!

…mein Gott, ich fasse es immer noch nicht! In meiner Klasse waren mindestens 2000 Leute, die die Gebärdensprache lernen wollten! Wir bekamen einen Bogen mit 25 Fragen, die wir innerhalb von 4 Stunden beantworten mussten. „Wann wurde die Gebärdensprache anerkannt?“ – woher zum Teufel soll ich das wissen? Ich studiere doch nur Gehörlosenpädagogik und nicht die Gehörlosen!…

Die Aufnahmeprüfung

Weil die Gebärdensprachkurse hoffnungslos ausgebucht sind, müssen die Teilnehmer neuerdings durch die Aufnahmeprüfung. Etwa 2000 Anmeldungen gehen ein – nur die besten 15 dürfen die Gebärdensprache lernen.

…das fing ja toll an, am ersten Tag machten sieben Teilnehmerinnen blau. Heute fühlte ich mich total unfrei. Ich brachte keine Vokabel zustande. Wir bekamen eine Babyrassel in die Hand gedrückt. Wozu sollte das denn gut sein? „Abbau von Hemmungen“ nannte das die Dozentin. Pah.

Ich fühlte mich nach den Lockerungsübungen gar nicht lockerer, ausserdem erinnert mich der Kram nur daran, dass ich meine Pille vergessen habe. Das wird wohl nichts mit Stefan…

Bloss keine Hemmungen

Lockerungsübungen und Spiele zur Abbau von Hemmungen.

…ich fühlte mich heute total lau, hätte auch blau machen sollen! Diesmal nur sechs Frauen. Wir durften beim Gebärden nicht reden. Das wäre sonst LBG oder so, meinte die Kursleiterin. Dabei rede ich für mein Leben gern. Wir standen da und schrien ohne zu schreien. „Lauter!“ befahl die Kursleiterin. Also schrie ich lautloser. Was für ein Stress. Mir brummt der Kopf immer noch…

Stumme Schreie

Hier lernen die Teilnehmer stumm zu schreien und lautlos zu lachen.

…heute war Helga zusammengebrochen. Sie heulte zwei Stunden lang. Denn heute war unser erstes Mal. Der erste DGS-Satz! Ich werde ihn nie vergessen. „Dein Name was?“…

…mein Gott, muss ich die Gehörlosenpädagogik-Abschlussprüfung auch in DGS schreiben?…

Den ersten Zusammenbruch…

…erleben einige Kursbesucher immer wenn die DGS-Grammatik zuschlägt.

…ich habe schon immer gewusst, dass es nicht gutgehen kann, wenn sich in einem engen Raum nur Frauen befinden (heute warens sieben). Elke machte eindeutige Gebärden. Ich wollte nur noch raus…

Berührungsängste

Sexuelle Belästigung – leider immer noch ein Tabu-Thema bei den Gebärdensprachkursen.

…nur noch drei Teilnehmerinnen. Die anderen haben aufgegeben. Unsere Kursleiterin war heute krank. Johannes übernahm die Vertretung – ich wünschte, ich hätte ihn nie kennengelernt. Meine Arme schmerzten, meine Hände taten mir weh – und ich musste weiter gebärden. Immer weiter… Nach 20 Minuten fiel Heidi vom Stuhl. Fünf Minuten später kippte auch Ute um. Und Stefanie musste sich übergeben.

Ich wollte nur noch nach Hause…

Barack Obama: Alles schaut auf mein Kommando!


„Gebärde oder Stirb!“ – die Kursleiter sind ehemalige Ausbilder aus White House und zeigten keinerlei Verständnis für wundgebärdete Hände.

…Endlich! Der letzte Tag! Ich war heute die Einzige in dem Kurs. Ich gebärdete noch schnell diese Sätze: „ich haben buch“, „dein vater wie alt?“, „du schüler du?“ – dann wurde mir schwarz vor den Augen und ich brach zusammen.

„ich haben fertig!“…

Das wars…

… Melanie B. hatte als Einzige alle 12 Doppelstunden besucht. Sie brach am letzten Tag wegen Erschöpfung zusammen und musste nach Hause getragen werden.

 

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