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Taube Nuss will gebärdensprachliche Revolution!

23 Feb

https://www.facebook.com/photo.php?v=3723846593552

Krass! Andreas Costrau nennt sich selbst als „Taube Nuss“, obwohl er in Wirklichkeit schwerhörig ist. Man kann im Video sehr gut erkennen, wie er Hörgerät trägt. Via Facebook lässt er alle gehörlose Gemeinde mitteilen, wie man die „diskriminierende“ gebärdensprachliche Begriff wie „gehörlos“ umsetzen könnte. Eher mehr visuelle Begriff wie „von Augen zu Hand“, meinte er. Komisch nur, in allen anderen Ländern dieser Welt sagt man nur „taub“. Nur im deutschsprachigen Raum ist dieses gebärdensprachliche Begriff gehörlos „diskriminierend“. Es wird hier immer schizophrener.

Man muss sich vorstellen, Gehör los. Ohne Gehör. Da hätte man keine Ohren, keine akustischer Kanal, keine Schnecke, nichts. Aber Andreas Costrau kann etwas hören und ist nicht Gehör los, kann visuell wahrnehmen wie wir fast alle Menschen auch. Kein Wunder, warum Andreas sich als Taube Nuss bezeichnet, weil Taub unter anderem auch funktionslos, defekt, nicht in Betrieb sein heißt. Deswegen ist sein „Nuss“ was nicht in Ordnung, genau das lässt sich beobachten.

Was noch sehr kurios ist, jemand behauptet im Facebook-Kommentar: „Out: gehörlos In: Augfit“
Augfit? Bitte was? Haben die nichts an Taubblinde oder andere Bezeichnungen (z.B. Augfit-Sportverein Berlin, Augfit-Bund, Augfit-Schulen etc….) gedacht, sind sie alle auch „Augfit“? Müssen Gehörlosen zukünftig die Augen noch mehr geschult werden?

Update: Herzlichen Dank an „Taube Nuss“ für anregende Facebook-Kommentare. Es macht mir unglaublich Spaß, was die anderen über mich denken. 😉 Offenbar schlägt Wintermüdigkeit durch? Oder ist momentan eine gewisse Unlust zu spüren? Ich bin auch müde. =.=

Die Wahrheit ist, warum vor allem die Deutschen im wahrsten Sinne bereits „Weltmeister der Begriffe-Verweigerung“ sind. Vor etwa 6 Jahren war ich bei einem Vortrag von Hartmut Teuber (ein Deutsch-Amerikaner) und ich kann mich noch erinnern, was er behauptet hatte. „Für ihn war das Wort „Gehörlos“ auch diskriminierend. Er meinte, das bezieht sich so aufs Gehör, das Hören wird wieder so betont. Und es hat einen negativen Klang, so á la „der, der kein Gehör hat“. Man sagt ja zu einem Blinden auch nicht „Sichtloser“ oder „Sehloser“. Seiner Meinung nach sollte man einfach den Begriff „taub“ benutzen, damit konnte er sich am besten identifizieren.“ Was können wir solche Begriffentwicklung bis heute schon beobachten? Taubstumm fast verschwunden, gehörlos bald auch. Was kommt noch? Wird der Begriff „taub“ in 50 oder 100 Jahren vielleicht auch verschwinden?

2. Update: @Annekartin Sterling-Meyer: Sehr interessantes Kommentar über Hörstatus!

Sogar der Deutsche Gehörlosen-Bund hat übrigens bestimmte Regeln über Hör- und Sehstatus erarbeitet:
GebärdensprachdolmetscherInnen müssen über ein uneingeschränktes Hör- und Sehvermögen verfügen. Es dürfen keine Beeinträchtigungen der Sprache, des Sprechens und der Stimme vorliegen. Die Beweglichkeit von Händen, Armen, Oberkörper und Kopf sowie die Mimik müssen die Verwendung der Gebärdensprache uneingeschränkt ermöglichen.

Quelle: http://www.dgsd.de/material/sonstiges/qualitaetsstandards_2005-09.pdf

Die Frage ist, was ist mit taube Gebärdensprachdolmetscher/-innen? Ich selbst konnte die aktuelle Qualitätstandards über taube Gebärdensprachdometscher kein einzigstes Wort finden. Frage Euch einfach in ein Loch in den Bauch aus, es wird immer spannender was wirklich rauskommt! 😉

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4 Kommentare

Verfasst von - 23. Februar 2013 in Gebärdensprache

 

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4 Antworten zu “Taube Nuss will gebärdensprachliche Revolution!

  1. Christian Haun

    27. Februar 2013 at 14:12

    Jede Begriffe ist im deutschen halt sehr negativ belegt, stimmt schon. Sachen wie „beeinträchtigt“ klingen ja auch wieder komisch und ist auch wieder negativ, ist dann ja doch irgendwie behindert. Wobei man ja einfach mal sagen muss, dass es eine Behinderung ist, Gehörlose die das anders sehen und lieber als positiv wahrnimmt, können ja gerne ihren Behinderten-/Schwerbehindertenausweis abgeben. Gehörlosen müssen einfach nur + und – lernen zu unterscheiden, wie zum Beispiel positive und negative Zahlen, positive und negative Ladungen.

     
  2. Kia

    27. Februar 2013 at 18:51

    @Christian Hahn, kein Angst, es ging nicht um Schwerbehindertenausweis! nur Gehörlose?
    Was ist die Zahl Null und was ist neutrale Elementarteilchen? könntest du darüber mir erklären?

     
  3. Christian Haun

    28. Februar 2013 at 00:54

    Ich heisse nicht Hahn, sondern Haun. 🙂 Wenn eine Bezeichnung wertneutral wie 0 oder = ist. Ich persönlich finde hörbehindert als Bezeichnung nicht schlecht, das ist wertneutral, bedeutet ja nur Behinderung des Hörsinnes im Vergleich zu andere Begriffe die negativ belegt sind.

     
    • hewritesilent

      28. Februar 2013 at 12:37

      Ich habe ähnliche Meinung wie du. Ich persönlich favorisiere „hörgeschädigt“. Medizinisch gesehen sind beide Begriffe wohl korrekt. „Hörbehindert“ finden die Gehörlosen selbst nicht so passend, denn sie empfinden sich ja nicht als behindert. Lustig, nicht wahr? Was ist mit „Sehbehindert“, fühlen sie sich nicht auch nicht behindert? Es ist doch auch egal, wie im Deutschen negativ interpretiert wird. Andererseits sagt man doch auch „du blindes Huhn“ usw., ist es genau das gleiche wie „du taube Nuss“.

       

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