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Bob ain’t deaf! – Pepsi-Werbung mit (teilweise) gehörlosen Darstellern #superbowl

04 Feb

Der US-Konzern Pepsi hat seinen 60-Sekunden-Werbespot kurz vor dem Super Bowl 2008 im voraus angekündigt – die Werbung wurde nämlich erst am 3. Februar 2008 während des Super Bowls gezeigt. Das Besondere dran? Der Spot ist ohne Ton, vollständig untertitelt – und die Darsteller sind allesamt gehörlos. Na ja, eigentlich nicht alle und der Rest ist auch nicht ganz gehörlos …

Zum Inhalt: Eine ordentliche Wohngegend, irgendwo in den Staaten. Es ist bereits dunkel, die Straßen sind leer. Zwei Gehörlose kreuzen in einem dicken Geländewagen auf, um einen Freund zum Super Bowl abzuholen. Der Wagen bleibt stehen, der Fahrer schlürft aus der Pepsi-Flasche, die Innenbeleuchtung wird eingeschaltet. „Wo wohnt Bob?“, gebärdet der Fahrer. „Dachte, du weißt es!“, antwortet der Beifahrer, ebenfalls gebärdend. „Nein, ich dachte, du weißt es!“ – „Nein, du!“ Bevor es zu einem Streit kommt, geht dem Fahrer ein Licht auf. Er hupt mehrmals. In der Straße gehen bei allen Häusern die Lichter an, ein Hund bellt. Nur in einem Haus bleibt alles dunkel. „Da wohnt Bob!“ – Beide steigen aus, betätigen die Klingel, es blinkt drinnen. Bob macht die Tür auf und entschuldigt sich bei der Nachbarin, die aus dem Fenster rüberschaut, mit einer Geste: „Sorry für die Ruhestörung“.

So weit, so gut. Nur – warum hat nicht nur Bob, sondern die ganze Gegend vor so einem wichtigen Ereignis geschlafen? Immerhin waren alle Lichter aus. Und was sind das für schöne Freunde, die nicht wissen, wo ihr Kumpel wohnt? Das Merkwürdigste: Woher wusste Bob, dass die beiden Gehörlosen vorhin gehupt haben – sonst hätte er sich ja nicht entschuldigt …

Solche Kleinigkeiten stören bekanntlicherweise nicht, der lustige Spot wurde bei den Gehörlosen enthusiastisch gefeiert. Aber nicht alle teilten die Begeisterung: Die Alexander-Graham-Bell-Gesellschaft, eine Art Verein für lautsprachlich kommunizierende Gehörlose, versuchte die Ausstrahlung zu verhindern und schrieb einen völlig humorlosen Protestbrief an Pepsi. Der ungefähre Wortlaut: „Der Spot erweckt den Eindruck, alle Gehörlosen würden nur gebärden und nicht sprechen!“ Als die Gehörlosen, die auf die Gebärdensprache schwören, Wind von dem Schreiben bekamen, hagelte es Gegenproteste und Beschimpfungen: „Nazi“ war noch das Freundlichste, was die Bell-Gesellschaft zu hören bekam …

Die amerikanischen Gebärdensprachfreunde wären wahrscheinlich auch gegen Pepsi laut geworden, wenn sie wüssten, dass Darren Therriault, der Beifahrer aus dem Werbespot, sich vor einigen Jahren ein Cochlea Implantat einsetzen ließ. Darüber hinaus verwendet Darren erst seit 5 Jahren die Gebärdensprache, wie er es in einem Interview beim Sender Fox verriet. Vor der Operation las er nur von den Lippen ab und kommunizierte ausschließlich über die Lautsprache.

Und der „gehörlose“ Bob wird von Clay Broussard gespielt, der eigentlich gar nicht gehörlos ist, sondern gut hörend. Der gute Mann fand mit seiner Frau vor Jahren über eine Kirchenorganisation Anschluss zu den Gehörlosen. Beide arbeiten bei Pepsi, Darren seit einem Jahr und Clay seit über 20 Jahren. Der gehörlose Fahrer (Brian Dowling) verdient seine Brötchen bei FritoLay, die Snacks herstellt und eine Tochterfirma von Pepsi ist. Bei den Aufnahmen wurde übrigens penibel darauf geachtet, dass Darrens CI nicht im Bild zu sehen ist – beim Making of hingegen kann man es in einer Einstellung deutlich erkennen …

Die drei Pepsi-Stars sind bei EnAble organisiert, eine Art Beschäftigungsprogramm für behinderte Mitarbeiter, die bei Pepsi angestellt sind. Vor einige Jahren hatten sie die Idee, einen alten Gehörlosenwitz zu verfilmen. Also schrieben sie das Skript, filmten sich gegenseitig und schickten das Demoband an das Management. Die Herrschaften waren von der Idee begeistert, engagierten einen erfahrenen Regisseur und verfilmten den „Stoff“ neu. „Das Material senden wir zur besten Sendezeit“, dachte der Vorstand und suchte sich den 3. Februar 2008 als Termin aus. Besser konnte das Timing nicht sein, denn an diesem Tag wurde landesweit der Super Bowl übertragen.

Auch wenn Bob gar nicht taub ist (=Bob ain’t deaf): Wetten, dass die amerikanischen Gehörlosen damals nur noch mit Pepsi in Sektgläsern anstoßen werden …

 
 

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Eine Antwort zu “Bob ain’t deaf! – Pepsi-Werbung mit (teilweise) gehörlosen Darstellern #superbowl

  1. deafleaks

    6. Februar 2013 at 02:22

    Reblogged this on Deaf leaks.

     

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