RSS

Silvesterparty – Mit einem Süppchen ins neue Jahr

01 Jan

„Silvesterparty“ in Berlin – das klang nach einer heißen Silvesterfeier. Wie hatten sich die gehörlosen Partygäste darauf gefreut, vor allem die Deutschen! Für Feierwütige eine kleine Ewigkeit. Somit sahen sie in der Berliner Party im Gehörlosen-Zentrum eine willkommene Gelegenheit, die Flaschen wieder kreisen zu lassen. Sogar das Programm war dasselbe wie woanders. „Das wird ein Wiedersehen!“, dachten sich die Gehörlosen – zu Recht, natürlich.

Da auf dem Programm von „Silvesterparty“ auch das Zauberwort „Buffet“ zu lesen war, stand für viele fest: „Am 31. fahre ich nach Berlin und hau mir den Bauch voll!“ Gesagt, getan: Das Konto wurde geplündert, die Flugtickets und überteuerten Hotelzimmer gebucht und man begann, für das Buffet zu fasten.

Als endlich Silvester vor der Tür stand und die Deutschen mit knurrendem Magen in der mehrere hundert qm großen Halle nach Essbarem suchten, kamen die ersten bösen Vorahnungen auf. Vom versprochenen Buffet war weit und breit nichts zu sehen. Der klebrige Boden quietschte, die Bässe aus der 120.000 Watt (!) starken Anlage ließen den Schädel dröhnen und der durch den Hunger verursachte Schwindel wurde mittels Lichteffekte und billigem Fusel verstärkt. Irgendwann zog endlich der Duft eines warmen Essens durch die Halle – den hungrigen Deutschen lief das Wasser im Mund zusammen.

Dann die dicke, böse Überraschung: Statt einen hundert Meter langen Tisch mit leckeren Vor-, Haupt- und Nachspeisen hatten die Veranstalter eine Gulaschkanone hingestellt und eine „Obdachlosensuppe“ (O-Ton einiger Gäste) mit einer „weichen Semmel“ serviert. Nachschlag natürlich ausgeschlossen. Die Wut der Deutschen war riesengroß. Was sie nicht wussten und offenbar verwechselt haben: In Österreich bedeutet Buffet umgangsprachlich eben nur „Imbissstand“ …

Vielleicht hätten die enttäuschten Gäste sich vorher die Bilder von der Veranstaltung ansehen sollen. Die Silvesterparty erinnerte an ein Obdachlosentreffen: eine Vielzahl gehörloser Gäste versammelte sich im Bahnhofsmission-Outfit und nuckelte an den Bierflaschen. Von Dresscode schien keiner jemals was gehört zu haben. Immerhin war die Feier friedlicher verlaufen als irgendwo – dort gab es beim Buffet einen ungebremsten Ansturm, der beinahe zu einer Massenschlägerei geführt hat …

Die Veranstalter überlegen sich gerade, ob sie wieder ein „Silvesterparty“ steigen lassen sollen. Warum nicht? Das Programm haben sie ja schon. Und die meisten dürften jetzt wissen, wie ein Buffet aussieht. Da müsste man sich nur noch überlegen, wie man die Gäste, die einen Großteil der Besucher ausmachten, milde stimmen könnte. Wie wäre es mit einem Slogan wie „Wir haben kein Alkoholverbot“? (falls die Bundesregierung gesamtdeutsche Alkoholverbot ab 1. Januar 2014 einführt) oder „Inklusiven Silvester-Party im GL-Zentrum für alle (Silvester-Inklusion)“? Da wird es garantiert wieder einen Ansturm geben. Man muss nur hoffen, dass die Leute nicht in der Nacht vom 31.12. zum Neujahr ganz spontan ein Alkoholverbot erlassen und allen „Gesetzesbrechern“ aufs Auge drücken ..

Advertisements
 
2 Kommentare

Verfasst von - 1. Januar 2013 in Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: , ,

2 Antworten zu “Silvesterparty – Mit einem Süppchen ins neue Jahr

  1. Kia

    20. Januar 2013 at 19:23

    Happy new Year!

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: