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Archiv für den Monat November 2012

Letzte gehirnvolle Überlebender

Heute via Twitter rumort es wieder über Cochlea-Implantant:

Unser Bundesregierungssprecher Steffen Seiber hat den Anstoß gegeben.

Siehe:

Dieses überarbeitete Bild stammt von einem hörgeschädigten Blogger „hewritesilent“ und setzt CI-Träger mit Gehirnlosen gleich. – Oh Herr …

 
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Verfasst von - 27. November 2012 in Cochlear Implantat, Witze

 

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Gehörlosen als sprachliche Minderheit?


(Bildquelle: Twitter, Textquelle: LifeInsight Ausgabe Nr.52, Original-Text: Olaf Fritsche www.visuelles-denken.de)

Wem das so ist, wollen die Gehörlosen eine sprachliche Minderheit sein und keine Schwerbehinderten? Oder werden hier in Deutschland mal wieder die Rosinen herausgesucht, und wenn´s einen Vorteil hat, schwerbehindert zu sein, dann ist man es eben – aber auch nur so lange, bis es keinen Vorteil mehr hat?

Wer behauptet, dass Gehörlosen sein schwerstes Leid sei, dass man Gehörlosen Föten eliminieren muss? Das unterstellen nur die radikalen Gehörlosen-Fürsprecher.

Schon mal 24 Stunden am Tag ein schwerst behindertes Kind betreut? Und ich meine „schwerst behindert“, nicht Gehörlosen, die eh nur eine „sprachliche Minderheit“ sein soll.

Damit schon das wesentliche Problem dieser Debatte umreißen: Taub ist eben nicht gleich taub! Der Satz ist, wenn ich die gleichen hohen sprachlichen Anforderungen anlege, eine Ohrfeige für alle Spätertaubten, die ziemlich darum kämpfen mussten und müssen, mit der Behinderung „Taubheit“ zurecht zu kommen. Sie werden hier in einer Art und Weise vereinnahmt, die man – um den Duktus der Audismus-Theoretiker aufzunehmen – als kolonialistisch bezeichnet werden könnte.

Tatsache ist: Mit falsch verstandenem Selbstbewusstsein wird getönt: „Wir sind nicht behindert, nur sprachliche Minderheit“. Darüber freuen sich jene Politiker, die gern bei sozialen Ausgaben sparen!

 

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Definition: von taubstumm bis Gebärdensprachler

Kürzlich tauchte via Facebook erneut berühmtberüchtigtes und jahrhundertlange Streitthema zwischen taubstumm und taub/gehörlos auf. Es ist immer oft bemerkenswert, wie unterschiedlich die Antworten von verschiedenen Diskutanten aufweisen. Es war schon immer klar, dass es in der deutsche Sprache keine eindeutige begriffliche Definition für Menschen ohne oder mit stark eingeschränktem Hörvermögen gibt. Es werden vielmehr mehrere Begriffe nebeneinander benutzt. Hier eine Listen-Übersicht von taubstumm bis Gebärdensprachler, welche Vor- und Nachteile und unterschiedliche sprachliche Aspekte entstehen:

„Taubstumm“

Vorteil: Für vielen Hörende klar definiert und sprachlich oft im Bewusstsein.
Nachteil: Für vielen Gehörlosen veraltet und inhaltlich falsch bzw. diskriminierend.

„Taub“

Vorteil: überwiegend bekanntes Begriff (z.B. Mein Hand ist taub, Mein Herz wird taub etc…)
Nachteil: gleicher Wortstamm: „dumm/ doof“ und „gefühllos“, sprachlich nicht immer einfach und oft verwirrend, z.B. „Tauben-verein “ vs. Verein tauber Menschen (Siehe auch: Definition taub und gehörlos)

„Gehörlos“

Vorteil: weitläufig benutzt (siehe z.B. Deutscher Gehörlosenbund)
Nachteil: Kunstwort (siehe blind heisst auch nicht sehlos)

„Deaf“

Vorteil: jüngere Menschen sehr beliebt (Jugendsprache)
Nachteil: lässt sich mit anderen deutschen Wörtern nicht verbinden (z.B. das deafe Kind, ich bin deaf)

„Hörgeschädigt“

Vorteil: siehe auch gleiche Vorteil bei „Gehörlos“ (siehe z.B. Deutsche Gesellschaft derr Hörgeschädigten)
Nachteil: Defizite in medizinische Aspekte

„Gebärdensprachler“

Vorteil: unterscheidet nicht nach behindert und nichtbehindert
Nachteil: sprachlich völlig ungewohnt und verwirrend (z.B. Ich bin gebärdensprachig ohne klare medizinische Definition)

Bemerkenswert warum unter schwerhörigen Menschen nie bzw. selten das Wort „schwerhörig“ klagt, streitet, kritisiert, spottet etc. und sind ganz anders sozial eingestellt als die Gehörlosen. Sie nehmen gerne ihre schwere Ohren mit Humor auf. Siehe Auswirkungen von Schwerhörigkeit

Siehe auch: Definition taub vs. gehörlos:

Siehe auch: Definition Taub macht stumm Teil 1:

Siehe auch: Definition Taub macht stumm Teil 2:

 
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Verfasst von - 16. November 2012 in Gehörlosigkeit / Hörschädigung

 

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Skandal in China: taubstumme Ganovenbande geschnappt!

Was für die Italiener gut ist, ist für die Chinesen nur billig: Sogar ungebremsten Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte, wie kaltblütig und grausam ist der chinesische gehörlose Verbrecher sein können. In der Nähe von Peking ließ ein chinesische Taubstumme-Ganovenführer, die weiblichen Mitglieder um Sex mit mehrere Bandenmitglieder zu haben, mehrmals die Ausweise fälschen und sogar auch bandenmäßige Geschäft florieren.

Quelle: http://www.shanghaidaily.com/nsp/National/2012/07/06/Deafmute%2Btheft%2Bgang%2BbustedDeafmute%2Btheft%2Bgang%2Bbusted/ (in englisch)

Weitere Skandal in China:

In Shanghai haben zwei gehörlose Ganoven einen Autofahrer auf neapolitanische Art ausgeraubt. Das Opfer wartete in seinem VW Santana an einer roten Ampel, als plötzlich einer der beiden Gehörlosen zum Wagen ging und gegen die Türscheibe schlug. Während der VW-Fahrer vor Schreck erstarrte, riß der zweite Räuber die Beifahrertür auf, griff sich die Tasche vom Sitz und rannte davon.

Genau in dem Moment gingen einige Polizisten zufällig die Straße runter. Sie sahen den Räuber entlanghetzen und riefen ihm zu, er solle sofort stehenbleiben. Weil dieser die Rufe nicht hörte, lief er weiter ohne zu reagieren. Die Polizisten überlegten nicht lange und rannten ihm hinterher. Bereits nach 200 Meter hatten sie den unsportlichen Räuber eingeholt…

Auch der gehörlose Kompagnon wurde noch am Tatort verhaftet. Die beiden wurden in Handschellen gelegt und zum Revier gebracht. Wir kennen die chinesischen Verhörmethoden nicht, aber die müssen wohl sehr effektiv sein: Die Polizei hob am gleichen Tag nicht nur das Lager der beiden Räuber aus, sondern konnte noch 9 weitere gehörlose Mitglieder der Bande dingfest machen. Bei der Durchsuchung wurden Laptops, diverse Wertsachen und ein größerer Geldbetrag sichergestellt. Alle 11 Ganoven wanderten ins Kittchen – ob sie jetzt jeden Tag eine Frühlingsrolle unter sich aufteilen müssen?

Quelle: chinesische Seite in chinesischer Sprache (frei in deutscher Sprache übersetzt)

 
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Verfasst von - 13. November 2012 in Gehörlosenkultur

 

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Lippenlesen – Sprachwahrnehmung

http://www.welt.de/wissenschaft/article110779357/Wie-gut-wir-alle-mit-den-Augen-hoeren.html

Ok, vergleichen wir mal wie Gebärdenwelt berichtet hat:

„Julias Trefferquote beim Lippenablesen betrage 100 Prozent, schreibt sie in ihrem Blog – zumindest dann, wenn die Lichtverhältnisse gut sind und sie freie Sicht hat auf ihr Gegenüber. Selbst geübte Lippenableser kommen in der Regel nur auf eine Erfolgsquote von maximal 40 Prozent. Allzu ähnlich ist sich im Deutschen bei vielen Wörtern die Stellung der Lippen, und so lässt sich oft nur schwer unterscheiden zwischen „B“ und „P“ und „W“ und „V“.“

Quelle: http://www.gebaerdenwelt.at/artikel/leben/menschen/2012/07/04/20120704889395911.html

Trefferquote 100%? Haben wir richtig gelesen? Ich, als hochgradig Schwerhöriger oder besser gesagt taubheit grenzend schwerhörig, weiß auch kaum mehr als das bisher gesagte. Völlig richtig, daß es aufs Mundbild des Gegenübers ankommt, sowie auch auf die Form seiner Zähne (Fernandelgebiß kann wohl unmöglich jemand verstehen) und Backenknochen. Es gibt sogar Vollbärtige, die kann ich noch besser verstehen als glattrasierte. kommt eben wie gesagt, auf die Gesichtsstruktur an. Wie´s prozentual aussieht? Wenn jemand die besten (Gesichts)voraussetzungen erfüllt, dann vielleicht 90% denk ich. Die fehlenden 10 Prozenterl schieb ich halbgeschluckten Wörtern zu. Passiert fast jedem Hörenden – scheint groß in Mode zu stehen.

Schon jemandem aufgefallen, daß im Fernsehen beispielsweise die Schauspieler statt „kommen“ lieber „komm“ sagen? Sie verschlucken die letzten beiden Buchstaben, weiß der teufel, warum… Ist´s derzeit „in“?

Oder wenn jemand versehentlich den Mund „versteckt“, mich nicht ansieht, sozusagen gegen die Wand redet oder während er an seinen Zähnen rumbohrt sich mit mir unterhält, wie nervös ich doch werde. Ja bei solchem Situationen wird mir doch erst richtig bewusst, wie sehr ich auf das Lippen-Mu ndablesen angewiesen bin bzw. dass ich im Unterbewusstsein es doch immer nutze!

Update: Schaut Euch mal dieses Beispiel an, wo Julia Probst während der 5. Gehörlosen-Kulturtage in Erfurt auf die Bühne stand und zu diesem Zeitpunkt Herrn Niels Rasmussen (Vorsitzender der ARD-Projektgruppe „Barrierefreier Rundfunkzugang“, NDR, Hamburg) heftig kritisierte. Siehe Youtube-Video ab 40 Minuten 46 Sekunden bis 43 Minuten! https://www.youtube.com/watch?v=seJ3-7Ry3uY&feature=channel&list=UL#t=40m44s

Sehr interessant ist, schauen wir in der 42 Minuten und 40 Sekunden an. Es sah so aus, als ob Julia plötzlich in diesem Moment nicht mehr Lippenlesen will/möchte (obwohl sie angeblich sehr gut Lippenlesen kann) und lieber auf Gebärdensprachdolmetscherin „konzentriere“. Warum das denn? Nervosität? Ablenkung? Angst? etc…

Wenn wir uns mal daran erinnern könnten, was sie gegenüber die Presse gesagt hatte:

„Das, was ich mache, ist wohl so etwas wie die Champions League des Ablesens“, sagt sie. Quelle: http://www.welt.de/sport/fussball/article108761891/Sky-setzt-Lippenleserin-auf-Fussballspieler-an.html

Champions League des Ablesens? *duckmichweg*

Siehe auch „Droht Deutschland gebärdensprachliche Chaos?“

 
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Verfasst von - 10. November 2012 in Lippenlesen

 

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RWB Essen Musik AG – Musikalische Hörgeschädigte

Mit dem November weiss niemand etwas anzufangen. Es ist zu kalt zum Surfen, zu nass zum Fussballspielen und zu warm zum Skifahren. Auf Parties hat auch keiner Lust. Da sitzt man doch lieber zuhause und zieht sich, eingedeckt mit Tiefkühlpizza und Chips, einen Film rein. Nicht so eine Gruppe von Hörgeschädigten aus dem Ruhrgebiet. Eine Woche lang zogen sich die Schüler auf der Musikakademie in Marktoberdorf zurück und arbeiteten täglich bis in den Abend hinein für einen Auftritt – und auch an einer CD! Manche werden jetzt mit dem Kopf schütteln wollen. Doch die Idee klingt tatsächlich gar nicht so schlecht…

Seit etwa 10 Jahren wird im Essener Berufskolleg (RWB Essen) das Wahlfach Musik angeboten. Jungen und Mädchen, die Interesse an der Musik haben, treffen sich dort zweimal in der Woche. Dr. Ludger Schäfer, selbst schwerhörig und seit vielen Jahren Lehrkraft in Essen, leitet die junge Gruppe. Voraussetzung ist natürlich Interesse an der Musik, ein wenig Rhythmus im Blut mitzubringen und der Wille, regelmässig an dem Kurs teilzunehmen.

Tatsächlich singen Hörgeschädigte in einem Chor. Neuerdings mischen Gehörlose in der Musik AG mit. Die gehörlose Mädchen tanzt zusammen mit dem schwerhörigen Junge den Country Waltz. Eine Hörende erteilt die Anweisungen.

Einmal im Jahr fährt die Musik AG für eine Woche nach Marktoberdorf, um sich intensiv auf den Auftritt im Mai beim grossen Schulfest in Xanten vorzubereiten. Wer machte dies möglich? Dr. Schäfer erzählte seinem Freund Berengar Pfahl, einem Filmproduzenten, von seinem Vorhaben. Dieser fand die Idee genial und ermöglichte einen Aufenthalt in der Bayerischen Musikakademie in Marktoberdorf. Warum gerade Allgäu? „Es ist wunderschön hier!“, meint Ludger und strahlt. Und wie wird die Herstellung der CD finanziert? „Alles wird bei uns im Haus gemacht. Wir haben Mediengestalter, Drucker, …“ – das BBW könnte davon etwas lernen.

Bevor es an die Arbeit geht, ist Gruppenfitness angesagt. Gegen Nachmittag wird es ernst. Acht Leute stehen im Halbkreis und singen. Dr. Schäfer spielt Klavier. Ganze vier Stunden dauern die Aufnahmen. Danach ist längst noch kein Feierabend. Ein gehörlose Mädchen übt mit schwerhörigen Junge weiter den Country Waltz, und gleich nach dem Abendessen wird weiter gearbeitet…

Dass auch Hörgeschädigte Musik mögen und sogar etwas davon verstehen, haben die Breakdancer Tobias Kramer alias „TobiZ“ bewiesen. Einige Mädchen gründeten Tanzgruppen und treten zu verschiedenen Anlässen auf. Doch Hörgeschädigte, die im Chor singen, sind noch ein ungewöhnliches Bild. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

 
 

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