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Notruf per SMS in Deutschland? Teil 2

07 Jul

Via Twitter schickte jemand mir den Link http://mingle-trend.respondi.com/de/06_07_2012/mehrheit-pladiert-fur-bundesweiten-notruf-per-sms/
Schön und gut! Und mingle_trend fragte mich, ob ich für den SMS Notruf bin oder nicht? Daraufhin beantworte ich mit dagegen! Warum ich SMS Notruf für nutzlos halte. Beachte dieser Begriff „SMS Notruf“!!!

Weltweit bietet nur 7 Ländern flächendeckende SMS Notruf an und das sind die Länder wie Australien, Schweden, IrlandSingapur, Island, Österreich und England. Andere Länder wie Finnland, Holland, USA, Norwegen, Portugal und Slowakei bieten zwar auch SMS Notruf an, nur nicht flächendeckend oder wurde vollständig nicht umgesetzt.

Blicken wir kurz unser Nachbarland Österreich rüber. In Österreich gibt es seit fast zwei Jahren zwar auch. Was brisant ist, wurden die Gehörlosen dort besonders bevorzugt behandelt. Dank Österreichs gehörlose Abgeordnete Helene Jarmer durften die Gehörlosen diese „lange“ Notrufnummer und alternative Kommunikationsweg wie E-Mail gehoerlosennotruf@polizei.gv.at nutzen. „Gehörlosennotruf“, ja richtig gelesen? Dürfen zum Beispiel Sprachbehinderte diese Kommunikationsweg nicht nutzen?

Nun zu Deutschland: Warum in Deutschland kein SMS-Notruf anbietet, müsste eigentlich jeder schon im klaren sein, warum es wirklich beim SMS-Notruf derzeit hakt. Es liegt an Bedenkenträgern aus Politik und Behörden.

Die Beweggründe der Bedenkenträger ist verständlich. Man hat Angst, dass irgend jemand dafür haften müsse, wenn zum Beispiel einen SMS mal nicht oder nur verspätet ankommt. Es ist richtig, dass SMS machmal erst Minuten bzw. Stunden später ankommen – siehe zum Beispiel Silvester. Ich glaube die Erfahrung hat jeder schon mal gemacht. Anderes Problem: Höchst umstritten ist hier auch die unterdrückte Nummer. Beispiel anonyme Anzeigen per SMS, siehe Spiegel-Artikel „Feldversuch Polizeinotruf per SMS“. Was passiert, wenn jemand seine Handynummer unterdrückt? Die Handynummer darf nicht unterdrückt sein, sonst kann die Polizei, Notarzt und Feuerwehr nicht antworten.

Oder auch wenn jemand lange Text (ein SMS-Zeichen beträgt 160 Zeichen) mit vielen wichtigen Informationen schicken will, aber dies muss auch wichtige Informationen wie „Was ist passiert?“, „Wieviele Verletzte?“ und „Wo genau passiert es?“ enthalten. Ein Beispieltext: „Viele Häuser brennen und große Feuerinferno, wir brauchen viele Feuerwehr und Krankenwagen. 50 Verletzte und möglicherweise Tote. Garmisch-Partenkirchen, Martin-Luther-Platz 20.“ Das macht ingesamt 182 Zeichen. Berücksichtige einfach mit es gibt Hörgeschädigte oder Sprachbehinderte, die immer noch das altes Handy und Standard-SMS mit 160 Zeichen nutzen.

Es gibt auch andere einige Problemsituationen wie zum Beispiel Handy ohne SIM-Karte (siehe Holland). Wenn der Gesetzgeber Notrufe über eine bestimmte Kommunikationsmöglichkeit zulässt, dann muss diese Kommunikationsplattform auch die entsprechende Eignung, Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit bieten. SMS bietet diese Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit nicht. Deshalb kann die Bundesregierung ein Gesetz aufgrund juristische Bedenken nicht einfach so ändern oder einführen lassen.

Warum das so ist? Da die SMS-Notruf zu unsicher ist (Funkloch, zeitliche Verzögerungen, Tippfehler, etc..), ist der „echte“ Notruf bei Polizei und Feuerwehr nicht per SMS erreichbar. Der Grund ist ganz einfach, weil dort im Wache oder jeder Polizisten und Feuerwehrmänner nicht mit Diensthandys ausgestattet. Eine Rückantwort oder wichtige bzw. entscheidende Nachfragen an den Hörgeschädigten oder Sprachbehinderte per SMS sind also nicht möglich!

Die traurige Wahrheit ist, Notrufe werden vom Telefonsystem (auch Fax!!!) bevorzugt behandelt. Darum haben sie auch tatsächlich eine besondere „Signalisierung“.

Aber die „einzigste“ und letzte Hoffnung für die nächste Jahre ist die Smartphone mit Notruf APP. Bereits Bevölkerungsschutzportal des Bundesministerium des Innern (kurz BMI) ist am Arbeiten. Nur Deutscher Schwerhörigen-Bund war schneller als SMS-Befürworter Deutscher Gehörlosen-Bund und die verbissene Einsatz von Julia Probst besser bekannt als EinAugenschmaus. 🙂  Siehe Pressemitteilung von Deutscher Schwerhörigen-Bund.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 7. Juli 2012 in Barrierfreiheit

 

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Eine Antwort zu “Notruf per SMS in Deutschland? Teil 2

  1. Rainer Herz

    22. Februar 2013 at 14:41

    Ab sofort gibt es einen flächendeckenden barrierefreien Notruf für Gehörlose in Deutschland. Dieser ermöglicht Gehörlosen die Kontaktaufnahme mit der 112-Notrufzentrale mit jedem Handy und allen 112-fähigen Festnetzanschlüssen per gespeicherter Lautsprachmitteilung – also auf dem gleichen Weg, wie auch ein hörender Mitbürger den Notruf benutzt.

    Vorteil: Sofort volle Aufmerksamkeit und keine irrtümliche Einstufung des Notrufs als Fehlalarm. Kam der Notruf von einem Handy, kann die Leitstelle, falls erforderlich, per SMS beim Gehörlosen nach weiteren Notfalldaten fragen. Dafür ist keine spezielle Notruf-SMS-Rufnummer erforderlich, sondern jedes auf der Leitstelle verfügbare Handy kann zum Einsatz kommen.

    ‚deaf-sos 2.0‘ ist eine Entwicklung des Engelschutz e.V. und gilt als erster Weltstandard für Gehörlosen-Notrufe.
    Weitere Infos für Deutschland: http://www.euronotruf.de/Info_GL/info_gl.htm
    Weltweit: http://www.deaf-sos.com

    lg. euronotruf

     

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