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Barrierefreies Leben oder Lesen?

06 Jul

Hammer! Gestern sagte eine gehörlose Mutter zu mir. Eine gehörlose Mutter hat Deutsche Gehörlosen-Zeitung (DGZ) und LifeInsight abonniert. Sie muss sich immer ärgern, dass sie wenig oder nichts verstanden hat. Alles, was mit Gehörlosen bzw. Behinderten zu tun hat, also, sie kann mit Artikeln nicht viel anfangen, weil alles zu verworren ist. Sie schaut nur diese Bilder an.

Stirbt zukünftig Deutsche Gehörlosen-Zeitung und LifeInsight in Textform aus? Findet bald die digitale Revolution im Internet statt, also nur noch barrierefreie Gebärdensprachvideo für Deutsche Gehörlosen-Zeitung und LifeInsight? Einnahmequelle? Drohen beide Deaf-Verlag ein Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention?

Ralph Raule läßt Euch grüßen!

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22 Kommentare

Verfasst von - 6. Juli 2012 in Barrierfreiheit

 

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22 Antworten zu “Barrierefreies Leben oder Lesen?

  1. kia

    6. Juli 2012 at 20:43

    hahaha nur wegen dieser Frau?

     
  2. Ralph Raule

    12. Juli 2012 at 06:42

    Na, dann ist ja mein berühmter Ausspruch (in https://hewritesilent.wordpress.com/2010/11/04/ralph-raule-und-die-legendaren-90-analphabetismus/) keine Legende, hm? Fehlt nur noch, dass Du schreibst, ich wäre bald Millionär, weil die Leute mir jetzt das Geld nachwerfen, um Übersetzungen in Gebärdensprache als Video zu bekommen.

    Auf Kia’s Kommentar dort geht niemand ein. Sie nennt dort als Quelle http://www.ph-heidelberg.de/wp/bimuelle/Schriftspra_und_Hoerschaed.doc. Daraus ist zu erkennen, dass die Zahlen nicht von mir sind und ich sie nicht erfunden habe. Es war nämlich genau umgekehrt: Wir haben die Zahlen gekannt und gesagt, da muss man was tun. So ist Gebärdenwerk entstanden. Und das wirft man uns als Geschäftmacherei vor. Schon merkwürdig.

    Zu der Zeit war ich übrigens im Präsidium beim DGB und auch heute „bekleide“ ich mit den Vorsitz beim Gehörlosenverband Hamburg ein politisches Amt. Wie man da zu einer mangelnde Nähe zu hörgeschädigten Menschen (Zitat „obwohl er die meisten hörgeschädigten Menschen persönlich nie zu Gesicht bekam.“) kommen kann, ist mir schleierhaft. Ich bin von klein auf fast taub, habe aber eine fast vollständige Lautsprach-Entwicklung durchlaufen, so dass ich noch relativ gut sprechen und kommunizieren kann. Trotzdem war ich immer auf diese so genannten Förderschulen für Hörgeschädigte. Das ist hoffentlich nicht verwerflich und dafür muss ich mich nicht entschuldigen? Und wenn man richtig recherieren würde, dann würde man diese und auch andere Tatsachen herausfinden. Und nicht nur dubiose Behauptungen in die Welt setzen.

    Dieser Blog hier setzt zwar hin und wieder gute Akzente, weil interessante Aspekte aufgegriffen werden, aber oft führt die Sensationslust und auch der Gier nach mehr Aufmerksamkeit dazu, reisserische Possen à la BILD in die Welt zu posaunen. Das ist schade und man fragt sich, ob man diesen Blog wirklich ernst nehmen kann. Die wenigen Kommentare zeugen davon. Ich bin überzeugt, eine sachlichere und nüchterne Schildung mancher Gegebenheiten würde zu mehr Glaubwürdigkeit führen und auch Traffic führen.

     
    • hewritesilent

      12. Juli 2012 at 13:51

      Grüß dich, Ralph! Auch wenn es dir die Zahlen damals angeblich bekannt ist, wird dein Spruch ohne Quellenhinweis leider in aller Munde behaftet bleiben. Selbst der gute Mensch Hans-Georg Busch schrieb damals selbst „Unter dem Raule’s Spruch verstehe und empfinde ich so….“ und beschwerte sich damals über die Geschäftführung des Deutschen Gehörlosen-Bundes. 😉

      Ok, zwischen Lesekompetenz und Gebärdensprache als Video unter GL-Gesellschaft ist in der Tat höchst umstritten. Warum diese ewigen Verschieberei auf die „Gesellschaft“? Schranken (sprich: Barrierefreiheit) sind längst abgebaut worden, schon vergessen? Die HD-Gesellschaft hilft für behinderte Menschen in solcher Lage, mein Freund, wenn ich dich ein bißchen daran erinnern darf. Warum wurde damals z.B. Videotext ins Leben gerufen? Konnte damals GL nicht lesen, aber viele GL trotzdem zur Veranstaltung erscheinen kamen? Interessant! Weshalb gibt man sich solche Mühe, für Gehörlose das Leben so leicht wie möglich zu machen? Erfindungen gibts massenweise, mit denen wir was vernünftiges anfangen können. Zuerst kam ein Ersatz fürs Telefon – das Schreibtelefon. Man konnte die ewige Quängelei von unzufriedenen (HD habens eh gut, sie können telefonieren und damit schnell Nachrichten austauschen, unsereiner dagegen muß kilometerweit (gut, dass es Schwerbehindertenausweis gibt) fahren, um wem was zu sagen, oder kniefallend einen HD bittem für ihn zu telefonieren) nicht mehr hören, wenn ich das mal bemerken darf.

      Weitere Erfindungen folgten. Fax, E-Mail, Text- und Videochat wie z.B. MSN, Skype , ooVoo, Smartphone…..etc. Leben wir noch hinterm Mond?

      Und vielleicht ist Dir bekannt, selbst EinAugenschmaus sagte damals was schlechtes über DGB (Zitat-Beweis vorhanden). Würdest du ihr zustimmen?

      Edit: Was ich noch etwas vergessen habe hier noch zu erwähnen. Warum gibt z.B. Deutsche Gehörlose-Zeitung solche Informationen in leichter Sprache nicht heraus? Und warum gibts vermehrt Unteritel im TV schwierige Texte? Leichte Sprache und barrierefreies Lesen bald weg?

      Gier nach Aufmerksamkeit, reisserische Posen á la BILD? Danke, „hewritesilent“ prangert mit Hammer-Schlagzeile an, „hewritesilent“ klärt gut auf, „hewritesilent“ erregt die Gemüter. 😉

       
  3. Hartmut

    12. Juli 2012 at 22:13

    Es ist Tatsache, dass die grosse Mehrhet tauber Menschen die deutsche Sprache mangelhaft beherrschen. Auch jetzt noch! Auch in den USA! Einfache Sprache hilft auch nicht, wenn komplexe Sachverhalte und Gedanken ausgedrueckt werden muessen. In einfacher Sprache kann auch missverstanden oder den Punkt nicht erfasst werden. In meiner Jugendzeit musste ich oft den Text in den Zeitungen und manchmal auch auf Plakaten in Gebaerden erlaeutern bzw. uebersetzen.

    Uebersetzungen in gutgeformter DGS (ASL in den USA) sind daher notwendig. Aber das garantiert ein vollkommenes Verstehen nicht immer, besnders wenn etwas fuer jemanden so ungewohnt ist und er keine Vorkenntnisse zum besseren Verstehen vorbringen kann.

    Man muss menschlich gegenueber denen verhalten und ihre Beduerfnisse beachten und nicht ueberheblich schreiben, wenn sie in den ersten Jahren ihres Lebens wenig Kommunikation in der Familie erhalten haben und die Schulen noch zu sehr monolingual auf Deutsch ausgerichtet sind.

    Hartmut

     
    • hewritesilent

      13. Juli 2012 at 09:28

      @Hartmut: Auch in den USA? Wirklich, können die Amis kein englisch? Gut!

      Ok, vielleicht kann ich dir etwas für Amis behilflich sein.
      Nebenbei Gebärdenschrift lernen?

      z.B. hier:
      Gebärdenschrift

      Wie wäre es mit nebenbei Englisch lernen? Besser, oder?

       
  4. Hartmut

    14. Juli 2012 at 03:43

    @Hewritesilent, dein Einschieben von Gebaerdenschrift ist vollkommen daneben und auch saubloed.

    Hartmut

     
  5. Ralph Raule

    14. Juli 2012 at 14:40

    Kennen wir uns, wenn Du mich mit Vornamen anspricht? Ich weiß leider nicht, wer sich hinter Deiner Maske verbirgt. Ich vermute einen Menschen, der nicht ganz taub ist, zwar radebrechend gebärden kann, aber seine Identität nicht wirklich zur Gehörlosen-Gemeinschaft bekennt. Mit anonymen Menschen zu kommunizieren ist oft nicht angenehm, vor allem wenn sie einen angeblich kennen. Wer bist du denn? Erzähle mal was von Dir!

    Es ist schade, dass Du nur wenig auf meinen Kommentar eingehst. So ist eine Auseinandersetzung ist schwierig. Ich probiere es hier noch einmal. Aber wenn Du weiterhin mit dem Durcheinanderwirbeln von Informationen und Verdrehung von Fakten fortsetzt, werde ich mir keine Mühe bereiten, hier noch zu kommentieren, weil ich Dein Anliegen nicht Ernst nehmen kann.
    Du meinst, Du klärst auf. In Wirklichkeit verdrehst Du Fakten zu Deinen Gunsten wie es Dir gerade passt. Du glaubst, Du kannst mit Behauptungen die Leute zu Dementis etc. zwingen und wenn sie es nicht tun, wird es zur Wahrheit, weil du es immer wieder schreibst. Es ist Deine Entscheidung und deine Wahrheit. Nur wohin führt sie? Auch ein Clown erregt die Gemüter und bleibt möglicherweise im Gedächtnis hängen. Wenn Du Dich mit diesem Los begnügen willst, bitte. Ansonsten bitte etwas mehr Ernsthaftigkeit und Tiefgang! Und gehe endlich mal konkret auf die Themen ein. Oder sage einfach, dass Du es nicht kannst.

    Du schreibst: „Schranken (sprich: Barrierefreiheit) sind längst abgebaut worden, schon vergessen?“ Wovon sprichst du, bitte etwas konkreter. Nenne Beispiele, schildere Deine solche Behauptung mal ausführlicher und verliere Dich nicht immer in plakativen Phrasen.

    Was meinst du mit „Die HD-Gesellschaft hilft für behinderte Menschen in solcher Lage, mein Freund, wenn ich dich ein bißchen daran erinnern darf.“ Was heißt hier, „sie hilft“? Heißt es, Du hängst immer am Bettel und Wohlwollen der HD Gesellschaft und freust Dich wie ein Hund, wedelst mit dem Schwanz, wenn Dir jemand eine Knochen hinwirft? Ist das für Dich Barrierefreiheit: Almosen die Dir hingeworfen werden und deine Abhängigkeit überdeutlich zeigen?

    Ich weiß nicht, wie Du auf Erfindungen wie „Fax, E-Mail, Text- und Videochat wie z.B. MSN, Skype, ooVoo, Smartphone“ kommst. Was willst du damit sagen? Dass ich das ablehne? Oder willst Du sagen, dass mit der Nutzung dieser Geräte gezeigt wird, dass Gehörlose sehr wohl schriftsprach-kompetent wären? Du schmeißt Dinge in den Raum und dann? Dann sollen wir uns aus Deinem Gestümmel uns zusammen reimen, was Logik und was Kaffesatzleserei ist? Was hat das denn nun mit Einfacher Sprache mit Gebärdensprache zu tun? Du muss schon konkreter werden. Kennst du das Wort „konkret“ überhaupt? Muss ich das in Gebärdenschrift darstellen, damit Du das verstehst?

    Hartmuts Hinweise nimmst Du gar nicht an, ignorierst sie völlig. Warum gehst Du darauf nicht ein? Er lebt in den USA und hat vielfältige Erfahrungen mit den Gehörlosen dort. Ist das für Dich nicht relevant? Lieber Kasperl spielen? Dann aber husch ab in Dein Kinderzimmer!

    Und übrigens: Mit dem guten Hans Busch habe ich schon öfters gebärden können und ich glaube, dass er inzwischen sehr wohl meinen Ausspruch einordnen kann. Ich weiß, ich kann es noch 100 Mal beteuern, dass der wirklich Ausspruch gegenüber der Journalistin anders war. Für die Kritiker wie Dich zählt eben nur das geschriebene Wort. Von daher ist es mir langsam ziemlich egal, was so Leute wie Du denken oder meinen, denn letztlich zählt das, was passiert und ankommt. Und ich wage zu behaupten, dass mein Ausdruck seitdem dazu geführt hat, dass Gehörlose mittlerweile den Mut besitzen, dazu zu stehen, dass auch ihre Kompetenz in der Schriftsprache eben oft nicht gut ist. Für mich ist das ein großer Schritt nach vorne!

     
    • hewritesilent

      14. Juli 2012 at 17:15

      @Ralph Raule: Begrüßung im Internet sind wir alle Freunde, da draußen grüßen wir uns nicht. 😉

      Hartmuts Hinweise nimmst Du gar nicht an, ignorierst sie völlig. Warum gehst Du darauf nicht ein? Er lebt in den USA und hat vielfältige Erfahrungen mit den Gehörlosen dort. Ist das für Dich nicht relevant? Lieber Kasperl spielen? Dann aber husch ab in Dein Kinderzimmer!

      Ich hasse den lieben Hartmut sicher nicht, mein Freund. Für mich ist er als Mensch ok, aber als Missionar mit solchen unsinnigen Einflüsterungen nur ein armer Irrer – wenn er das, was er so von sich gibt – tatsächlich selber glaubt.

      Einstellung hin, Einstellung her, gesund sollte sie wenigstens sein. Ists etwa gesund, wenn man sich selbst belügt? Wenn einem beispielsweise eine Hand fehlt und man sich vorgaukelt, das wäre ein Geschenk Gottes, das man glücklich erworben hätte? Genau so ist es und nicht anders.
      Niemand, der irgendwie behindert ist, hat das gewollt und noch weniger ists als ein Geschenk zu betrachten, egal von wem.

      Warum schreib ich mich weiter dumm und fuselig? Ernte doch damit nur weitere Slalomtheorien über diesen von Hartmut vorgegebenen Unsinn…

       
  6. Ralph Raule

    14. Juli 2012 at 17:42

    Auf meine Anmerkungen gehst du nicht ein … ???

     
    • hewritesilent

      16. Juli 2012 at 18:41

      Danke Kia, dieser Artikel von Süddeutsche ist mir inhaltlich lange bekannt. Hast du hier was zu sagen? Damals wurde ich auf einen Artikel von Anatol Stefanowitsch aufmerksam. Hier lesen: http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachpolitik/2012-01-05/fetzenlogik

       
      • Ralph Raule

        16. Juli 2012 at 19:07

        In Wikipedia heißt es unter anderem bei http://de.wikipedia.org/wiki/Analphabetismus: „Als funktionaler Analphabetismus oder Illettrismus wird die Unfähigkeit bezeichnet, die Schrift im Alltag so zu gebrauchen, wie es im sozialen Kontext als selbstverständlich angesehen wird. Funktionelle Analphabeten sind Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und durchaus in der Lage sind, ihren Namen und ein paar Wörter zu schreiben, die jedoch den Sinn eines etwas längeren Textes entweder gar nicht verstehen oder nicht schnell und mühelos genug verstehen, um praktischen Nutzen davon zu haben. Eine feste Grenze zwischen „verstehen“ und „nicht verstehen“ existiert dabei nicht. „ Auf Gehörlose und auch Schwerhörige trifft das zum (großen) Teil zu.

        Im Übrigen habe ich einen weiteren Kommentar hinterlassen, den der Herr Blog-Autor bitte auch freigeben sollte. Oder herrscht hier Zensur?

         
        • hewritesilent

          16. Juli 2012 at 19:37

          @Ralph: Ich bestätige, dass ich Ihren Kommentar nicht freigegeben habe. Aber du bist nicht der einzigste, auch andere Personen zensiere ich leider einige Kommentare. Der Blogger hat Meinungsfreiheit und darf zensieren bzw. nicht freigeben was ihm nicht gefällt.

           
          • Ralph Raule

            16. Juli 2012 at 20:08

            Und warum gibst Du es nicht frei? Es ist keine Beleidung oder Öbzones dahinter. Hinter Meinungsfreiheit brauchst Du Dich nicht verstecken. Denn was Du machst, das ist Zensur und das erinnert mich an was. Damit gibst Du doch zu, dass Du Dir die Welt so zurecht bastelst, wie Du es brauchst.

             
          • hewritesilent

            16. Juli 2012 at 22:51

            Dein Kommentar ist an sich nichts Schlimmes, nur leider die Grenze überschritten, wenn ich das lese. Niemand kann von mir verlangen, wenn ich solche Kommentar abgeben muss.

            Ok, ich mach da halt mal ein bisschen mit, also halbherzig. Entscheidend war dein Zitat:

            „Heißt es, Du hängst immer am Bettel und Wohlwollen der HD Gesellschaft und freust Dich wie ein Hund, wedelst mit dem Schwanz, wenn Dir jemand eine Knochen hinwirft? Ist das für Dich Barrierefreiheit: Almosen die Dir hingeworfen werden und deine Abhängigkeit überdeutlich zeigen?

            Eine Frage: Warum sind wir alle Hörgeschädigten im Gesetz Behinderte? Warum haben wir Behindertenausweis usw.??? Wenn Du meinst dass Du nicht behindert bist – warum verzichtest Du dann nicht freiwillig auf diese Vorteile? Und warum redest Du immer darüber, anstatt euch in der Öffentlichkeit lautstark darüber zu ärgern bzw. mit den zuständigen Politikern darüber zu diskutieren? Na?

            Und deine andere Erläuterung möchte ich offiziell keinen Kommentar abgeben! Ich wünsch Dir trotzdem noch eine gute Nacht.

             
  7. Ralph Raule

    17. Juli 2012 at 09:12

    Deine Antwort verstehe ich jetzt nicht ganz. Ich kann nur vermuten, was Du meinst. Es geht Dir um das Thema Behinderung versus Sprach-Minderheit, richtig? Auf der einen Seite heißt es, wir Gehörlose sind nicht behindert und stolz auf unsere Gebärdensprache, sehen uns als sprachliche Minderheit. Aber auf der anderen Seite nehmen wir alle Annehmlichkeiten gerne an, die der Behinderten-Status mit sich bringt. Ist es das was Du meinst?

    Falls ja, zwei Anmerkungen: Ich sehe das auch so kritisch und verschließe mich dieser Argumentation nicht. Darüber kann man mit mir und auch mit Anderen gebärden. Sicher! Die Dimension ist gewaltig und fordert einen noch größerer Paradigmenwechsel als bisher in der Behinderten-Politik angedeutet. Und fordert auch einschneidende Konsequenzen – auf beiden Seiten!

    Ob das aber realistisch anzugehen ist? Ich nehme mal ein Beispiel: Die Gebühren beim Fernsehen (GEZ). Ich bin gerne bereit, die vollen Gebühren zu tragen, wie jeder andere auch. Und ich weiß von vielen Gehörlosen, dass sie das genauso sehen. Und wenn wir genauso wie andere zahlen, dann wollen wir auch genauso den Zugang zu den Informationen erhalten wie Andere auch. Da gehört dann dazu, dass wir mindestens 100% Untertitel bekommen und auch Einblendungen in Gebärdensprache. Denn erst dann können wir von gleichberechtigter Teilhabe sprechen, vorher nicht. Das wäre eine Konsequenz, wie ich sie oben nenne und bei der beiden Seiten auf einander zugehen und etwas zum Gelingen beitragen können.

    Das ist ein Beispiel. Man kann das auf viele andere Bereiche übertragen. Und wir müssen uns im Rahmen der UN-Konvention auch bewegen, nicht immer nur fordern. Das Schöne an der UN-Konvention ist, sie ist ein Menschen-Recht! Und damit lösen wir uns von dem reinen Behinderten-Status und kommen dahin, was Du kritisch anmerkst. Gehen wir mit der Meinung d’accord?

    Noch einmal zu Deiner willkürlichen Handlungsweise, bestimmte Kommentare ein-oder auszublenden und auch diese zu beantworten oder nicht: Es ist schade, dass Du nur punktuell bereit bist, auf einzelne Themen einzugehen. Vielleicht bietet sich doch die Chance, hier weiter die verschiedenen Themen-Aspekte zu vertiefen?

     
    • hewritesilent

      17. Juli 2012 at 15:43

      Behinderung versus Sprach-Minderheit. Nein, ich meine eher „Behinderung versus Recht“, aber du hast hier ein gutes Beispiel über GEZ gebracht. Schauen wir genauer hin, was zwischen Behinderung und Recht hier und woanders nicht stimmt.

      GEZ, die du dir als Beispiel genannst hast:
      Zum Beispiel in den USA wird nahezu vollständig untertitelt, dafür müssen die Ami-Deafies dort keine Gebühren für TV-Anstalten zahlen. Sollten wir ab 2013 GEZ zahlen müssen? Aber es hakt/-en in einem oder einige Punkt/-e was. Die Taubblinde werden weiterhin komplett befreit sein, aber “nur” Blinde und “nur” Taube dürfen zahlen. Klingt das nicht unlogisch, oder?

      Ein schwerhöriger Bekannter (Privatperson) von mir hatte damals zum Thema GEZ auf den Punkt gebracht. Er meinte: „Wir „schwerhörige Geizhälse“ die eh schon viel für unsere elektroakustische Hörhilfen (ohne CI!!) bezahlt haben, sind völlig undankbar, wenn wir für ein Programm nicht zahlen wollen, bei dem wir weniger als die Hälfte verstehen. Und auf der andere Seiten, wollen die meisten Schwerhörigen keine pauschale GEZ mehr, problematisch ist es zum Beispiel “Sky”. Wer Sky zahlt, bekommt eine Decoderschlüssel zum entschlüsseln und darf gucken, aber ganz ohne Untertitel. Ebenfalls problematisch: Die GEZ wird übrigens nicht für die privaten Sender gezahlt, sondern nur für die öffentlich-rechtlichen.“
      Wo bleibt denn da die Verhältnismäßigkeit? Stimmt, er hat ganz voll auf den Punkt gebracht. Das beweist hier: Die GEZ und TV-Anstalten ist doch ein Spiegelbild der Gesellschaft für behinderte Menschen, alles in Zwang und Gesetze packen.

      Und zur Erinnerung Zitat von Dipl.-Ing. Rolf Erdmann vom Deutscher Schwerhörigenbund Darmstadt aus dem Jahr 2010, falls du die kennst und vergleichen wir mal die Zitate von anderen, wo die beide Verbände sich im Interessenvertretung (DSB und DGB) bei der Anhörung eingeknickt haben.

      Nach unserer Auffassung ist es eigentlich erst bei einer 100%igen Barrierefreiheit zumutbar, von Menschen mit Hörbehinderungen Rundfunkbeiträge abzufordern. Lediglich um die Umsetzung der Barrierefreiheit im Rundfunk und Fernsehen zu beschleunigen, sind die Hörbehindertenverbände unter den in der Gemeinsamen Stellungnahme genannten Bedingungen bereit, dennoch mit einem ermäßigten Rundfunkbeitrag für Menschen mit Hörbehinderungen einverstanden zu sein.

      Meine Feststellung: Keine klare Ablehnung der Pläne zu finden, somit hat DSB in diesem Fall versagt!! Meines Wissens sind zahlreiche Schwerhörige und auch Ertaubte gegen GEZ.

      DGB:

      “Zuerst müssen wir auch Leistung und Verbesserungen sehen, dann kann man vielleicht noch mal über einen Gebührenbeitrag reden. Wir fordern 100% Untertitel und mindestens 5% Gebärdenspracheinblendung.”

      Meine Feststellung: Aber auch wenn der eigentlich sonst sehr rührige WDR als einzigste TV-Sender heute fast (inzwischen 70% UT-Quote, vor 4 Jahren war es noch bei 40%) geschafft hat, die wir heutzutage keine GEZ-Gebühren (bis Ende 2012) für WDR zahlen müssen. Wenn die Mehrheit der Gehörlose bereit sind für GEZ zu zahlen, aber wie sollen die andere Hörgeschädigten-Gruppen dann allgemein verstehen?

      Und interessant, ein User namens Akiab behauptet selbst:

      „Nach meinem Gespräch mit juristischem Fachexperte liegt hier die tauben Menschen eine sehr große Chance, den Bescheid zu widersprechen und auch durchzusetzen. Der Blinden- und Sehbehindertenverband wird noch im Herbst an allen Betroffenen eine Empfehlung für den Einspruch gegen diesen Bescheid vom GEZ Gebühren ausschreiben.“

      -> http://www.gl-cafe.de/viewtopic.php?f=212&t=50578&p=1285251#p1285251

      Vom Cochlea-Implantat Verband (=CIV) konnte ich irgendwelche Stellungsnahme über GEZ nichts finden. Haben die Lobbyschwäche oder sind denen egal? Komisch, auch viele CI-Träger sind laut DCIG-Forum gegen GEZ.

      Also, wenn man überall alles mitbekommt wird zuerst ordentlich protestiert und kritisiert, um anschließend alles in den Sätzen zu relativieren siehe zum Beispiel Zitat von DSB. Da sieht man alles, wie groß die inhaltliche Unterschiede der Verbandarbeit sind.

      Genau dein Zitat: “Die Dimension ist gewaltig und fordert einen noch größerer Paradigmenwechsel als bisher in der Behinderten-Politik angedeutet.” trifft das perfekt zu.

       
  8. Kia

    22. Juli 2012 at 20:51

    @hewritesilent, dein letzter Kommentar ist sehr gut! „Gefällt mir“ fehlt hier xD

     
  9. Kia

    30. Juli 2012 at 17:28

    @Hartmut
    „Auch in den USA! Einfache Sprache hilft auch nicht, wenn komplexe Sachverhalte und Gedanken ausgedrueckt werden muessen.“
    Aber Vergleich zw. GL aus BRD und aus den USA ist mir schön schief, weil beide System ganz anders sind, z.b. Bildung, Erziehung, Gesellschaft, Kultur etc.
    Ein kleines Beispiel ist, dass es kaum dt. TV-UT in Deutschland gibt und fast 100% UT in den USA, stimmt?

     
    • Hartmut

      31. Juli 2012 at 04:20

      @kia,
      du redest zwei verschedene Sachverhalten an: 100% UT und Gebrauch der einfachen Sprache in Untertiteln. Ich weiss sehr gut Bescheid ueber die Zustaende in der BRD und den USA.

      Verlangt man 100% UT, kann nicht an „UT in einfacher Sprache“ denken. Dies geschieht kaum in den Untertitelungen auf US-Fernsehen. Man muss hierbei schon sehr gut Englisch schriftlich verstehen.

      Ich schaue kaum Kindersendungen an, ob dort die gesprochene Sprache vereinfacht wird oder die ueberfluessigen Redundanzen (= Wiederholungen gleicher Informationen in anderen Worten, kommen oft vor in muendlichen Aeusserungen) in den UT entfernt werden.

      Was ich zu sagen versuchte, ist dass komplexe Sachverhalte und Gedanken nicht in einfacher Sprache im kurzen Zeitspann des TV-Programms uebertragen werden koennen. Wenn in einfacher Sprache gemacht werden muss, muss die Darbietung vorher vereinfacht werden. Ein Satz, den nur akademisch Gebildete verstehen, erfordert wahrscheinlich vier einfache Saetze, um den Inhalt komplett wiederzugeben.

      Ich sehe das Problem In Deutschland liegt in, dass die Fernseher versuchen, das UT Problem als sozialbedingt anzusehen, statt als NORMALER Teil der Produktion, in dem Sinne, dass eine Produktion ohne UT unvollstaendig sei und nicht gesendet werden darf!). Weiterhin versuchten sie, die Verantwortung fuer UT der Regierung hinzuschieben und deren Finanzierung von ihr zu verlangen. Die Kosten dafuer muessten aber als normale Produktionskosten von der Industrie angenommen werden. Ds ist was in den USA geschieht.

      Die Industrie bemueht sich leider zu sehr um hohe Tonqualitaet und finanziert gerne viele Ton-Techniker fuer jede Produktion. Warum kann sie nicht die gleiche Sorgfaeltigkeit fuer das Visuelle.tun? Die UT ist viel billiger als der Einsatz eines Tontechnikers!

       
  10. Hartmut

    31. Juli 2012 at 05:19

    Was ich oben zu sagen versuche, ist zu zeigen, dass man in groesserem Zusammenhang denken muesse, an das gesamtgesellschaftliche System, wer die Verantwortung fuer die Wohlfahrt und Gerechtigkeit jeder Gruppe in der Gesellschaft traegt.

    Frage ist, ob die Regierung ALLEIN verantwortlich dafuer sein sollte, oder bestimmte Teile in der Gesellschaft verantwortlich gemacht werden koennen.

    Wichtig hier ist die Betrachtung, dass taube Mitglieder der Gesellschaft ein bestaendiges Teil der Gelellschaft sei. Taube Menschen duerfen nicht als Sonderlinge angesehen, als defizitaer und ausgetilgt gewuenscht werden. Sie duerfen nicht uebersehen, missachtet, verachtet usw. werden. Folglich muesse man ihre Beduerfnisse schon immer beruecksichtigen (denk an „Uiversal Design“).

     

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