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Gebärdensprachkurse an der VHS – Das Tagebuch von Melanie B.

29 Mai

Vor einige Tagen als durch eine aufsehenerregende Tweet von EinAugenschmaus (Julia Probst) solche heftige Diskussionen über Bestrafung und Regeln via Twitter auslöste, schauen wir mal als Beispiel genauer hin welche für Folgen in Sachen Inklusion und Barrierefreiheit geben könnte.

Das Tagebuch von Melanie B.:

Gehörlose lernen die Gebärdensprache bei den Eltern oder auf dem Schulhof. Hörende dagegen müssen zur Volkshochschule gehen, um die Sprache der Gehörlosen verstehen zu können. Keiner wusste, was die Besucher der VHS-Kurse empfinden – bis jetzt. Denn vor kurzem haben wir das Tagebuch von Simone gefunden und lernten eine völlig andere Welt kennen – die Welt der hörenden Kursbesucher. Simones stumme Leiden – jetzt werden sie laut!

…mein Gott, ich fasse es immer noch nicht! In meiner Klasse waren mindestens 2000 Leute, die die Gebärdensprache lernen wollten! Wir bekamen einen Bogen mit 25 Fragen, die wir innerhalb von 4 Stunden beantworten mussten. „Wann wurde die Gebärdensprache anerkannt?“ – woher zum Teufel soll ich das wissen? Ich studiere doch nur Gehörlosenpädagogik und nicht die Gehörlosen!…

Die Aufnahmeprüfung

Weil die Gebärdensprachkurse hoffnungslos ausgebucht sind, müssen die Teilnehmer neuerdings durch die Aufnahmeprüfung. Etwa 2000 Anmeldungen gehen ein – nur die besten 15 dürfen die Gebärdensprache lernen.

…das fing ja toll an, am ersten Tag machten sieben Teilnehmerinnen blau. Heute fühlte ich mich total unfrei. Ich brachte keine Vokabel zustande. Wir bekamen eine Babyrassel in die Hand gedrückt. Wozu sollte das denn gut sein? „Abbau von Hemmungen“ nannte das die Dozentin. Pah.

Ich fühlte mich nach den Lockerungsübungen gar nicht lockerer, ausserdem erinnert mich der Kram nur daran, dass ich meine Pille vergessen habe. Das wird wohl nichts mit Stefan…

Bloss keine Hemmungen

Lockerungsübungen und Spiele zur Abbau von Hemmungen.

…ich fühlte mich heute total lau, hätte auch blau machen sollen! Diesmal nur sechs Frauen. Wir durften beim Gebärden nicht reden. Das wäre sonst LBG oder so, meinte die Kursleiterin. Dabei rede ich für mein Leben gern. Wir standen da und schrien ohne zu schreien. „Lauter!“ befahl die Kursleiterin. Also schrie ich lautloser. Was für ein Stress. Mir brummt der Kopf immer noch…

Stumme Schreie

Hier lernen die Teilnehmer stumm zu schreien und lautlos zu lachen.

…heute war Helga zusammengebrochen. Sie heulte zwei Stunden lang. Denn heute war unser erstes Mal. Der erste DGS-Satz! Ich werde ihn nie vergessen. „Dein Name was?“…

…mein Gott, muss ich die Gehörlosenpädagogik-Abschlussprüfung auch in DGS schreiben?…

Den ersten Zusammenbruch…

…erleben einige Kursbesucher immer wenn die DGS-Grammatik zuschlägt.

…ich habe schon immer gewusst, dass es nicht gutgehen kann, wenn sich in einem engen Raum nur Frauen befinden (heute warens sieben). Elke machte eindeutige Gebärden. Ich wollte nur noch raus…

Berührungsängste

Sexuelle Belästigung – leider immer noch ein Tabu-Thema bei den Gebärdensprachkursen.

…nur noch drei Teilnehmerinnen. Die anderen haben aufgegeben. Unsere Kursleiterin war heute krank. Johannes übernahm die Vertretung – ich wünschte, ich hätte ihn nie kennengelernt. Meine Arme schmerzten, meine Hände taten mir weh – und ich musste weiter gebärden. Immer weiter… Nach 20 Minuten fiel Heidi vom Stuhl. Fünf Minuten später kippte auch Ute um. Und Stefanie musste sich übergeben.

Ich wollte nur noch nach Hause…

Barack Obama: Alles schaut auf mein Kommando!


„Gebärde oder Stirb!“ – die Kursleiter sind ehemalige Ausbilder aus White House und zeigten keinerlei Verständnis für wundgebärdete Hände.

…Endlich! Der letzte Tag! Ich war heute die Einzige in dem Kurs. Ich gebärdete noch schnell diese Sätze: „ich haben buch“, „dein vater wie alt?“, „du schüler du?“ – dann wurde mir schwarz vor den Augen und ich brach zusammen.

„ich haben fertig!“…

Das wars…

… Melanie B. hatte als Einzige alle 12 Doppelstunden besucht. Sie brach am letzten Tag wegen Erschöpfung zusammen und musste nach Hause getragen werden.

 

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3 Antworten zu “Gebärdensprachkurse an der VHS – Das Tagebuch von Melanie B.

  1. Blubb

    30. Mai 2012 at 07:03

    Hm, das kenne ich zum Teil. Echt übertrieben…
    Ich wundere mich echt, dass Julia dazu steht… Obwohl sie öffentlich DGS (tw. Vermischung aus DGS und LBG) verwendet hat und dazu schlecht. Müsste sie dann nicht bestraft werden?

    Wir dürfen uns dann nicht wundern, warum die DGS langsam verbreitet wird.
    -> 2000 Interessierten, nur 15 bekommen die Plätze
    -> Abbrecher
    -> Zu streng

     
  2. Kia

    1. Juni 2012 at 16:32

    @Hewritesilent, wann kommst du endlich auf Realität zurück?

     

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