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UT-Mission impossible

17 Mai

Jetzt ist wieder Diskussionen um Untertitel im besagten Kaffeeforum aufgelebt worden.

Das hochtrabende Ziel der Arbeitsgruppe ist die Erhöhung der Anteil an untertitelten Filmen im TV bis auf 100%…Ob auch Privatsender mitberücksichtigt werden, ist eine Frage der Zeit?

Steckt dahinter wieder nur „Viel Dichtung, wenig Wahrheit“? Höchstwahrscheinlich ja, denn Clubmitglieder sind folgende Vereine/Verbände: Deutsche Gesellschaft, der DGB (Dt. Gehörlosenbund), DSB (Dt. Schwerhörigenbund), die BHSA (Studentenverband der Hörg.), der Bundesgebärdendolmetscherverband und die Landesverbände. Das Treffen findet übrigens unter strengster Geheimhaltung und Ausschluß der Öffentlichkeit statt oder sogar separate Tagung mit Warteschlangekommunikation. Egal, viel Spaß beim Feiern und Prozentakrobaten!

Und: Warum man hierzulande TV-Sendungen nicht anständig untertiteln kann!

36 Zeichen passen in einen einzeiligen Videotext-Untertitel. Bei zwei Zeilen sind es 72 Zeichen – inklusive Interpunktion und Leerzeichen. Wenn der Untertitel fünf Sekunden eingeblendet bleibt, wäre das genug für ein zweistrophiges Kinderliedchen. Einen normalen Dialog in eine 72 Zeichen fassende Textbox unterzubringen, die fünf Sekunden lang angezeigt bleibt, ist nur ganz selten möglich. Im Fernsehen ist daher das Kürzen der Texte die Regel. Eine Politsendung mit schnellen Dialogen zu untertiteln ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ist die Sendung live und muss der Untertitler die Dialoge sofort abhören und gleichzeitig (!) abtippen, korrigieren, kürzen, die Untertitel den Personen zuordnen, „einfärben“ und schließlich in den laufenden Beitrag einblenden, wird das ein Himmelfahrtsjob …

Die hörgeschädigten Zuschauer zogen bekannterweise Fazit: Die Untertitel gaben die Dialoge nur bruchstückhaft wieder, wurden mit großen Verzögerungen eingeblendet oder der sprachlichen Qualität der Untertitel (einer sagt zu schweres Deutsch, einer sieht doofes Deutsch, einer meint schlechtes Deutsch, einer behauptet UT-Qualität ausreichend etc….).

Hatten die Untertitler erkannt, dass sie sich zu viel vorgenommen haben? Denn es ist kein Geheimnis, dass es selbst die schnellste Tippse der Welt nicht schaffen würde, das Feuerwerk an Dialogen mittels einer normalen Tastatur niederzuschreiben. Man ist übrigens ebenfalls der Meinung, dass es unmöglich wäre, „alle Äußerungen in einer Diskussion wie zum Beispiel „hart aber fair“ vollständig wiederzugeben“. Der Pressesprecher des Senders NDR wurde noch deutlicher: „… (es gibt) aus dem Stand nicht genüg qualifizierte Untertitel-Redakteure, um ein solches Format jeden Sendungen (untertiteln) zu können …“.

Eine Alternative wäre, Schnellschreiber zu beschäftigen. Der Einsatz von Stenotypisten hat sich in den USA und Großbritannien bestens bewährt. Doch die Untertitelredaktionen im deutschsprachigen Raum weigern sich immer noch hartnäckig, auf das Stenosystem umzusteigen und schwören weiterhin auf archaische Methoden.  Dass oft stark gekürzt werden muss, nimmt man in Kauf – schließlich möchte man auch die weniger „lesekundigen Hörgeschädigten“ erreichen, wie die Untertitelredaktionen gerne betonen. Ob aber diese Zielgruppe einige Sendungen guckt?

Dieses und letztes Jahr war es dann soweit – die verbesserte Untertitelqualität liefen ganz „offiziell“ über den Bildschirm. Und wieder wurde der politisch interessierte hörgeschädigte Zuschauer enttäuscht. Genau wie in der Versuchsphase waren die Untertitel stark gekürzt, hinkten hinterher und alles andere als zufrieden stellend. Da kann man nur sagen: Mission gescheitert …

Eine gute Lösung würde so aussehen: Während der Live-Sendung werden die Dialoge von einem oder mehreren Stenotypisten niedergeschrieben. Gleichzeitig erscheinen die vollständigen Texte als dreizeilige Untertitel auf dem Bildschirm – maximal drei Sekunden lang. Wird die Sendung am nächsten Tag als Wiederholung mit Untertiteln gezeigt, könnte vor der Ausstrahlung ein UT-Redakteur die Gesprächsfloskeln in den Untertiteln auslassen und die Texte auf 2 Zeilen trimmen – der besseren Lesbarkeit wegen. Dadurch wäre beiden Nutzergruppen gedient: Die Turboleser und die Alles-ganz-genau-wissen-Wollenden bekommen während der Live-Übertragung die vollständige UT-Fassung. Am nächsten Tag können die Gemütlicheren und die „weniger lesekundigen Hörgeschädigten“ sich entspannt zurücklehnen und die für die Wiederholung bearbeiteten Untertitel in aller Ruhe lesen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Vorschlag bald Gehör findet.

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Verfasst von - 17. Mai 2012 in Untertitel

 

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