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Viel Stille um nichts?

14 Apr

In Leipzig wird erstmals ab September 2012 Ausbildung zu professionellen Schauspielern für Schwerhörige und Gehörlose angeboten. Siehe Taubenschlag-Artikel

Doch Ernst-Deutsch-Theater aus Hamburg sucht nämlich gehörloser Schauspieler. Scheitert Theaterstück aus Mangel an gehörlosen Schauspielern? Siehe Taubenschlag-Artikel

Erinnern wir mal damals in Bonn, wo der erfolgreiche Spielfilm „Jenseits der Stille“ als Theaterstück aufgeführt worden ist. Die Rechte dazu hatte das Junge Theater Bonn bereits von Autorin und Regisseurin Caroline Link erworben und zu den Aufführungen werden schon Pläne gemacht wie z. B. die Installation einer Übertitelungsanlage für Hörende und Gehörlose. Perfekt, oder? Mit einer Sache hatte der Intendant aber wohl nicht gerechnet: In Deutschland gab es keine deutsche gehörlosen Schauspieler …

Schon vor 16 Jahren (1996), als „Jenseits der Stille“ verfilmt werden sollte, gab es beim Casting riesengroße Probleme. Zwei Rollen sollten von Gehörlosen besetzt werden, aber Caroline Link fand in Deutschland keinen Einzigen, der gut genug schauspielern konnte. Sie beschloss daher, auf „Ausländer“ zurückzugreifen. Das Ergebnis: Ein Amerikaner (Howie Seago) und eine Französin (Emmanuelle Laborit), beide gehörlos, spielten in dem Film zwei Deutsche.

Das Bonner Theater wollte fast alle Rollen mit gehörlosen Schauspielern besetzen. Ein gewagtes Vorhaben wie der Turmbau zu Babel! Caroline Link offenbarte in einer Zeitung, sie „halte es für schwierig, gehörlose Schauspieler zu finden, die mit der Gebärdensprache schauspielerisch überzeugen könnten.“

Gut, dass die Regisseurin und der Intendant das Stück von „Thow und Show“ (heute angeblich aufgelöst??) oder das „Deutsche Gehörlosen-Theater“ noch nicht gesehen haben.

Moritz Seibert, Intendant des Jungen Theaters Bonn, hatte damals reagiert und geschrieben:

„Ganz so düster, sieht die Sache aber nicht aus. Zunächst mal haben wir nur zwei Rollen zu besetzen, die wenn irgend möglich von gehörlosen Schauspielern gespielt werden sollen: Laras Eltern.

Caroline Link hat darauf ausdrücklich Wert gelegt und hat uns erzählt, dass sie bei ihrem Casting zu dem Film viele sehr gute gehörlose Schauspieler kennen gelernt hat, dass aber die ausländischen Schauspieler, die sie schließlich besetzt hat, ihr noch besser gefallen haben.

Und falls Ihre Skepsis sich als berechtigt herausstellen sollte, gibt es immer noch die Notlösung, diese beiden Rollen mit hörenden Schauspielern zu besetzen, die die Gebärdensprache beherrschen. Sicher ist es ein sehr ambitioniertes Vorhaben, ‚Jenseits der Stille‘ auf die Bühne zu holen, aber es birgt die Chance auf ein ganz außergewöhnliches Theatererlebnis ebenso in sich wie das Risiko des Scheiterns.“

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