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Nicht ganz einfach! – Untertitel, Beispiel ORF – Teil 1

23 Feb

Prompt bekam ich Kritik via Twitter von @EinAugenschmaus, sie meinte, ich schiebe das Team „Aktion-Untertitel“ (vor kurzem mein Blog berichtet) die Schuld wegen Untätigkeit zu. Ok, alles Ansichtssache!

Früher schalteten die gehörlose Fernsehzuschauer aus Süddeutschland gerne zum ORF1 um, da der Sender aus dem Alpenland die Filmfans mit Top-Spielfilmen und Blockbustern verwöhnte und ich als Nordrhein-Westfale konnte die Sender aus Österreich nicht empfangen und damals konnte ich trotz mangelnde TV-Glotze und Untertitelquote prima leben, weil früher war es noch geselliger. Ein weiterer Vorteil für Süddeutsche, ich gönne die Süddeutsche gerne. Nur zu! Mein Respekt für Süddeutsche Gehörlose die gerne zu Hause einsam leben und Ruhe haben möchten.

Als öffentlich-rechtlicher Fernsehsender muss der ORF auf Werbeunterbrechungen verzichten. Die Privatsender gönnten den Österreichern den Erfolg natürlich nicht.

Zur Erinnerung: Die Folge nach einem langen Streit: ORF1 hatte den Vertrag gekündigt und zog sich aus dem Kabelnetz zurück. Die Ferngucker aus Süddeutschland bekamen den Verlust deutlich zu spüren, vor allem die Hörgeschädigten. Denn der Sender hat das Untertitel-Angebot stark ausgebaut. Und da wenigstens ORF2 weiterhin für uns „Ausländer“ zu empfangen ist, kommen auch die Süddeutsche in den Genuss von Sendungen mit Teletext-Untertiteln.

Um eine Vorstellung von der Arbeitsaufwand bei der Herstellung von Untertiteln zu bekommen.

Die deutsche Untertitel werden ausschließlich von der Untertitel-Redaktion des ORF produziert. Im Austausch mit den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern in Deutschland und der Schweiz übernehmen ORF aber immer wieder UT, die von Firmen hergestellt wurden, etwa von der Untertitel-Werkstatt Münster.

Bei den meisten Spielfilmen ist es kein allzu großes Problem, die Dialoge (fast) wörtlich zu bringen. Bei Reportagen und Live-Übertragungen sieht das schon anders aus. Das hat auch mit der Struktur und dem Aufbau der deutschen Sprache zu tun. Das Englische eignet sich besser dafür, weil man schon zum Beginn des Satzes weiß, wie es weitergeht. Es ist ein Unterschied, ob ich lese „Mr. Bush does not want to start the war …..“ oder „Präsident Bush will den Krieg … (blablabla) … nicht beginnen.“ Man kennt sich erst am Ende des Satzes aus, da steht aber längst der nächste Text auf dem Schirm und will gelesen und verstanden werden.

Live-Untertitel (Nachrichten, Sport) werden/könnten in Zukunft mehr und mehr mit Hilfe von Spracherkennungssystemen produziert werden.

Ein Mitarbeiter aus der Branche hat einmal gesagt: „Die Hörbehinderten wollen in den Untertiteln ALLES lesen, das aber möglichst einfach und langsam.“ Das ist nun mal Fakt, wie bereits berichtet.

ORF finanziere mit einem Budget nur die Autoren, die Anschaffung von Hard- und Software wird vom Technik-Budget getragen. Privatfirmen, die Untertitel produzieren, müssen natürlich von der Raummiete über Energiekosten bis zu den Kosten für die Geräte alles in den Minutenpreis hineinkalkulieren. Sehr teuer! Untertitel kann Verlustgeschäften führen.

Weitere Problem: Da gibt es riesige Unterschiede in der Sprachkompetenz. Schwerhörige und Spätertaubte haben im Umgang mit der Sprache in der Regel weniger Probleme als Taubgeborene. Wir müssen aber die ganze Gruppe der Hörbehinderten ansprechen. Das heißt: die einen nicht unter-, die anderen nicht überfordern. Nicht ganz einfach! Siehe Masterarbeit von einem Schweizer Einheitliche Untertitel für Hörgeschädigte im deutschsprachigen Fernsehen – Chance oder Utopie?“

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