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Dr. Seltsam oder wie die anderen Deafies lernten das Cochlear-Implantat zu lieben

12 Jan

Dr. Ulrich Hase (schwerhörig), ehemaliger Präsident des deutschen Gehörlosenbundes (DGB), kuschelt seit langem mit den Cochlear Implantat-Anhängern, und keinen Gehörlosen scheint das zu stören. Und das, obwohl der DGB (offensichtlich) nach wie vor konsequent einen offenen Feldzug gegen das Cochlea-Implantat (CI) führt. Seltsam, nicht wahr? Noch vor einigen Jahren wetterte Deutsche Gehörlosen-Bund in einem offenen Protestschreiben gegen das Cochlear-Implantat und preiste die Vorzüge der Gehörlosigkeit an. Und heute führen die Gehörlosen-Basis unsichtbare Schlacht gegen die CI-Ärzte aus, weil die meisten meinen fühlen sie sich durch diese Absonderlichkeit ungerecht behandelt. Man muss auch auf der anderen Seite berücksichtigen, ob CI-Ärzte unterbezahlt (Honorar nicht zufrieden) und vom Staat bzw. Krankenkasse ungerecht behandelt wurden. Oder war das wieder nur Show? Denn Tatsache ist: Dr. Uli Hase ist Vorsitzender der deutschen Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen und Schwerhörigen e.V. (kurz D.G. genannt), die ihren Sitz in Rendsburg hat. Einer der Mitglieder ist ausgerechnet die deutsche Cochlea-Implant-Gesellschaft. Richtig, auch Hund und Katze werden Freunde.

Und was ist mit der Solidarität im Kampf gegen das Cochlear-Implantat? Tja, die zählt nichts in Zeiten, wo Mitgliederzahlen der Gehörlosenvereine seit Jahren unaufhaltsam in den Keller fallen. Siehe Statistik von Deutsche Gehörlosen-Sportbund: http://www.dg-sv.de/wir_ueber_uns/statistic_files/dgs2010_tab1-4.pdf

(Bedenke dabei, die tatsächliche Zahl könnte etwa 10 % bis 30% niedriger ausfallen, da die meisten Gehörlosen Zweitmitgliedschaften verfügen und ist jede Neumitgliedschaft mit Gold aufzuwiegen).

Außerdem munkeln angebliche Insider, dass der „Kampf gegen das Cochlea-Implantat“ so gut wie verloren sei. „Und die Zeiten ändern sich nun mal“, wurde noch bemerkt. Selbst Christina A. Benker (ehemalige Frauenbeauftragte des Deutsche Gehörlosen-Bundes) sagte einmal: „In einer Gebärdensprachgemeinschaft können wir viel mehr erreichen als wenn wir uns „krampfartig“ an unserer Gehörlosenkultur festhalten, die eh ein aussichtloser Kampf sein wird.“ Und sie meinte auch noch zusätzlich, dass es eine Wandel von einer Gehörlosenkultur zu einer Gebärdensprachkultur geben wird. Oder Dr. phil. Herman Nilson aus Berlin (freier Journalist für das Gehörlosenmagazin „LifeInsight“) behauptet: „Die Gehörlosen seien zu hysterisch vom Aussterben bedrohten Gehörlosenkultur.“ Wer weiß – vielleicht wird Rudi Sailer Präsident der Deutschen CI-Gesellschaft? Reden kann er ein bisschen ja. Und ach ja, die Normalos-Schwerhörigen ohne CI sind der lachende Dritte und stoße aber auf taube Ohren. 😉

Edit: Danke an ein Leser, die mich aufmerksam machte. Leider ist mir ein kleines formuliertes Fehler in Sachen Statistik von Deutscher Gehörlosen-Sportverband unterlaufen. Im Jahr 1996 wies Deutscher Gehörlosen-Sportverband die höchste Zahl der Mitglieder mit knapp 13.000 auf und ging seitdem bis heute nur noch 9.000 Mitglieder bergab. Das macht innerhalb 15 Jahren enorme 4.000 Mitgliedsverlust aus.

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4 Kommentare

Verfasst von - 12. Januar 2012 in Cochlear Implantat, Politik

 

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4 Antworten zu “Dr. Seltsam oder wie die anderen Deafies lernten das Cochlear-Implantat zu lieben

  1. Skeptiker

    15. Januar 2012 at 21:58

    „Gebärdensprachkultur“, „Gehörlosenkultur“ usw… Was sind das für eine blöde Erfindung? Manchmal frage ich mich, was die Gehörlosen eigentlich erreichen wollen. Dass die Gehörlosenkultur kränkelt liegt meiner Meinung nach nicht am CI. Ich glaube vielmehr, dass die klassische Vereinsarbeit, wie sie vor 40 – 50 Jahren stattgefunden hat, für jüngere nicht mehr attraktiv ist. Daran sind die jüngere Generation aus meiner Sicht eindeutig schuld, weil die nicht verstehen oder klarkommen wollen oder es gibt Leute die sich gerne in die Sozialhängematte legen.

     
  2. Offen

    16. Januar 2012 at 08:32

    @Skeptiker: Blöde Erfindung? Nanana…
    Das ist ja ein Beispiel, warum es Menschen gibt, die eine sprachliche Minderheit nicht akzeptieren wollen.
    Bzw. solche Themen nicht genauer unter die Lupe genommen zu haben/wollen.
    Und bitte nicht mit allerlei Themen in ein Topf mischen.

    Natürlich liegt das nicht am CI. Bedenke: Nicht alle Gehörlosen/Tauben sind so! Ich kenne viele,
    die tolerant gegenüber dem CI sind. 😉

    Tatsache ist, dass die Vereinsstrukturen bei den Gehörlosen/Tauben sich verbessern müssen.
    Auch das verbessert sich durch die jüngere Generationen.

     
  3. Skeptiker

    17. Januar 2012 at 22:30

    @Offen:

    Trotzdem versuche ich zu verstehen, warum sie „Gebärdensprachkultur“ auf die Idee gekommen ist. Es sieht so aus, als ob die Gehörlosen ihre Kultur ganz aufgeben wollen und gemeinsam mit anderen Gebärdensprachige Kultur aufzubauen. Meine Ansicht haben die Gehörlosen ihre Kultur eindeutig verdient, wie sie so aufgebaut haben. Und wie schaut´s aus mit „Schwerhörigenkultur“?

     
  4. Offen

    18. Januar 2012 at 06:35

    @Skeptiker:
    Klar ist, dass Wandel immer geben wird. Z.b.: taubstumm wird nicht mehr verwendet, sondern gehörlos/taub/schwerhörig.
    Gehörlosenkultur klingt super, ja. Ich denke, dass es sich so gewandelt, damit niemand sich
    „ausgegrenzt“ fühlen muss, denn es gibt zb.: Hörende, deren Muttersprache Gebärdensprache ist und sich mit dieser Sprache sehr wohl fühlen.
    Daher passt die Bezeichnung „Gehörlosenkulter“ nicht. Gilt auch für Schwerhörigen, CI-Träger usw.
    Die Gehörlosen/Tauben geben ihre Kultur nicht auf, sind nur offener geworden. 😉

    Gute Frage, wie es mit „Schwerhörigenkultur“ aussieht. Das ist mir nicht in den Sinn gekommen.
    Vielleicht können Sie sich mit dem Thema befassen und Ihren Gedankenanstoss in ein Forum preiszugeben (Oder vielleicht auch in ein Blog). Wird bestimmt eine interessante Diskussion. 🙂

     

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