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Integration/Inklusion von schwerhörigen und gehörlosen Schülern in eine hörende Klasse.

13 Dez

Wie einige von Euch Vibelle TV über inklusiven Beschulung gesehen haben. Diesen Modellversuch gibt es in Deutschland schon lange und müsste irgendwo erstmals im Zeitraum von 1985 und später ab 1990 richtig (unter schwarz-gelbe Regierung) begonnen sein. Zuerst die schwerhörigen Kinder, dann die gehörlosen Kindern im Zeitraum von 2000 (unter rot-grüne Regierung).

Interessanterweise hat Ronny Bohms kürzlich ein Artikel im Taubenschlag.de veröffentlicht.

Zwar ist der Lehrstoff umfangreicher als in normalen gehörlosen Schulen, ein einzelnes gehörlose Kind wird aber im Laufe der Zeit die Lernstoffe immer mehr isoliert behandelt, wie von vielen häufig befürchtet.

Mag sein, daß es in einzelnen Fällen mit der Zusammenarbeit und Zusammensein zwischen Behinderten und Nichtbehinderten klappt, doch die Mehrheit jedoch wird in eine Isolation gedrängt. Diese Isolation hebt sich wieder auf, sobald das Kind zu seinesgleichen kommt. Dort fühlt es sich wohl, dort kann es sich entfalten.
Wie kam es eigentlich zu Integrations/-Inklusionsklassen? Schuld daran sind die hörende Eltern. Die wollen ein Kind, das ihnen gleicht, ihre Sprache spricht und somit „weniger Mühe“ macht. Sogar auch die schwerhörige oder gehörlose Eltern für die bessere Bildungsbedingungen ihrer schwerhörigen oder gehörlosen Kinder zu ermöglichen.

Außerdem meinen hörende Eltern, daß in den schwerhörigen und gehörlosen Schulen zu wenig vermittelt wird und ihr Kind nach der Pflichtschule den Bildungsstand eines Dritt- oder Viertklässlers habe. Und die hörgeschädigte Eltern behaupten aufgrund Ihrer negative Erfahrung an frühere Schulleben, die meisten Lehrern können nicht gebärden oder verwenden angeblich nur LBG/LUG.

Es gab in Österreich Fälle, zum Beispiel dort wurden im Hörgeschädigteninstitut mangels Neuzugang – dem ja von den Eltern die Integrationsklasse auferzwungen wurde – Gehörlosen mit Blinden zusammengelegt. Natürlich getrennt, aber dafür kostensparend. Wirtschaftlichkeit steht immer im Vordergrund, auch auf Kosten der Bildung des einzelnen Individuums. Würden die Integrationsklassen nicht sein, gäbs keinen Mangel an neuen Schülern.

Warum zum Teufel, forciert man nicht den Unterrichtsstoff so wie in normalen Schulen?
Was hindert die Lehrer daran, schwerhörigen und gehörlosen dasselbe Bildungsniveau zu geben, wie den Hörende? Gehörlosen sind doch nicht „behindert“, zu begreifen. Zwar gehts beim Unterricht etwas langsamer, aber der Lohn für alle Mühe wiegt dies bei weitem auf. Komischerweise woher vor allem die jüngere Generation gute Schriftsprachkompetenz kamen, das haben einige vor allem Internet viel zu verdanken. Eigentlich müsste das Internet für gehörlose Menschen ein gutes Kommunikations- und Lernmedium sein. Aber warum klappte die Schule für Hörgeschädigte nicht?

Ist es die Bequemlichkeit der Lehrer? Ist es das Gesetz? Letzteres trifft hier vor allem zu. Es gibt zwar bequeme Lehrer, aber viele geben sich wirklich Mühe und wenn sie könnten wie sie wollten, würde ihnen sicher ein schöner Erfolg beschieden sein.

Welcher Chirurg hat es schon gern, wenn ihm eine Operation mißlingt? Zur Frust und persönlichen Enttäuschung kommt bei ihm noch eine Strafe, wenn er deswegen gerichtlich belangt wird. Auch seine künftige Motivation leidet darunter.

Ist das auch bei GL-Lehrern der Fall? Bei denen herrscht höchstens Lethargie, wenn sie im Laufe der Zeit sehen, wie sich ein gehörlose Kind bildungsmäßig entwickelt. Eine Strafe haben sie allerdings nicht zu befürchten. Das schlimmste ist, daß sie keine eigenen Unterrichtsmethoden anwenden dürfen.
Laut Gesetz dürfen Schwerhörigen und Gehörlosen nur nach Förderschulplan für alle Behinderten unterrichtet werden. Und wie sieht so ein Förderschulplan für Schwerhörige und Gehörlose aus?

Er wird von einigen wenigen zurechtgeschneidert und bestimmt. Leider auch von solchen, die überhaupt keine Erfahrung oder Umgang von hörbehinderten Schüler haben und sie mit anderen Behinderten (etwa Mongoloiden) in einen Topf werfen.

Die Gretchenfrage ist jetzt: Was kann man dagegen tun? Unterschriftenaktionen? Dialoge mit Politikern? Aufklärungsaktionen? Streiks? Sitz-Blockade? Krawalle? Nichts von alldem.

Was bleibt, ist Lethargie und totaler Frust, angesichts der ständigen Winderei der Hörenden, die Forderungen von hörgeschädigten Bürger partout nicht verstehen können oder begreifen und letzten endes vielleicht gar nicht wollen.

Ständig wird versucht, über die hohe Politik ein Weg zur Veränderung des Lehrplanes für Schwerhörigen und Gehörlosen zu erreichen. Nützte bisher nicht viel. Im Parlament gab es Diskussionen ohne Ergebnis. Bloß lahme Verständnisheischereien von den Großparteien, die die aufstrebende Parteien wie „Die Grünen“, die sich für Behinderte einsetzen und sich als Inklusionfans outen, aus kleinlichen Eifersuchtsgründen nicht gewinnen lassen wollen.

So, dies wird letzter Artikel des Jahres sein. Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr wünscht Euch!

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3 Kommentare

Verfasst von - 13. Dezember 2011 in Inklusion/Integration

 

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3 Antworten zu “Integration/Inklusion von schwerhörigen und gehörlosen Schülern in eine hörende Klasse.

  1. Deaf-Leser

    14. Dezember 2011 at 21:44

    Frage: Wirklich dass es schon seit 1985 gibt? Woher weisst du das? Quelle?

     
    • He write silent

      15. Dezember 2011 at 11:03

      Die Informationen kannst du über die Rheinisch-Westfälische Berufskolleg für Hörgeschädigte in Essen erfahren oder frag besser Schwerhörigen-Bund bzw. Gehörlosen-Bund nach.

       

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