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Tag der Verhinderten

06 Dez

Am 3. Dezember 2011 war der Internationaler Tag der behinderten Menschen.

Der deutsche Bundestag hatte das Gleichstellungsgesetz für Behinderte verabschiedet. Die deutsche Gebärdensprache ist längst anerkannt. Allerdings ist damit noch gar nichts entschieden. Denn unser Schicksal liegt nun bei den Ländern in der Hand – für den Bund ist die Sache jedenfalls vom Tisch.
Wie jedes Jahr fand der europaweite Protesttag statt. Dort wurde für die Gleichstellung behinderter Menschen eine kleine Demonstration veranstaltet. Nebenbei informieren Vereine und Verbände das Publikum über ihre Dienste, Aufgaben und Funktionen. Allerdings bleibt es immer noch ein Rätsel, warum das Ganze am 3. Dezember – ein Samstag – stattfand.

Protesttage erwecken falsches Bild
Kurz gesagt: Diese Veranstaltung war ein Reinfall. An einem Samstag von 10 bis 17 Uhr sind nämlich die meisten Bürger noch am pennen oder zum shoppen gegangen. Zum „Flop des Jahres“ trugen auch gelangweilte Aussteller, desinteressiertes Publikum und ein fades Programm bei. Da kommt die Frage auf: Welche Rolle haben hier die anwesenden Behinderten und andere vom „Gleichstellungsgesetz Betroffene“ gespielt? Zwei Gehörlose antworteten lachend darauf: „Wir sind hier um andere Gehörlose zu treffen.“ Naja.

Auf den ersten Blick scheint alles normal zu sein. Die Vereine und Verbände haben Tische aufgestellt, bunte Prospekte ausgelegt und stellten sich für eine Beratung zur Verfügung. Es gab Spiele für die kleinen Gäste und ein bescheidenes Programm. Doch alles lief viel zu nüchtern ab. Die Veranstaltung fiel kaum mehr auf als eine gewöhnliche Wahlversammlung einer kleinen Partei. Man hat den Eindruck, dass die Organisatoren den Kram einfach schnell hinter sich haben wollten.

Wo sind die Paralympics und Deaflympics-Helden?
Haben die Organisatoren (LAG der Behinderten e.V.) etwa noch nie von den Paralympics und Deaflympics gehört? Es gibt genug berühmte Menschen mit einem „Handicap“, die ihren Namen für gute Zwecke einsetzen können. Wie wäre es mit einer Vorstellung von siegreichen Sportlern? Sehbehinderte Sänger, die bei der „GrandPrix“ teilnahmen? Gehörlose Künstler? Rollstuhl-Streetball? Oder findet da gar ein Aufmarsch wie in Michael Jacksons Videoclip „Thriller“ statt? Brauchen die etwa kein Gleichstellungsgesetz?

„Man ist nicht behindert, man wird behindert“
Mit diesem im Grunde gesehen naiven Spruch haben die Organisatoren und die Stadt Eigentore geschossen. Durch diese Veranstaltung wurde den Behinderten indirekt ein Maulkorb verpasst. So ungefähr: „Das Gleichstellungsgesetz ist da, was willst du noch?“ Verbände und die Stadtverwaltung mögen da sicher anderer Meinung sein…

Fazit: Der Protesttag verlief ohne Proteste ab. Eine ganz gewöhnliche Versammlung an einem schönen Samstag. Pfui. Angesicht des prunkvollen Slogans „Internationaler Tag der Behinderten“ haben wir mehr erwartet. Vielleicht sollten sich die Organisatoren für das nächste Mal einen anderen einfallen lassen. Wir schlagen für das nächste Mal „Love Paralympics oder Love Deaflympics“ vor. Vielleicht kommen dann mehr.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 6. Dezember 2011 in Inklusion/Integration

 

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2 Antworten zu “Tag der Verhinderten

  1. Felios

    6. Dezember 2011 at 19:21

    In Österreich hielt sich die Berichterstattung auch stark in Grenzen.

    Und die ORF-Schlagzeile führt die im Text verwendete, korrekte Bezeichnung (mit dem Menschen im Vordergrund) ad absurdum: http://kaernten.orf.at/news/stories/2511762/

    Aber wen wundert es: Hier wird aufgrund von Einsparungen die Gesundheit der Menschen gefährdet und Folgeschäden bis hin zum Versterben in Kauf genommen: http://www.rettetakh.at/manifest.html

    Ich könnte gar nicht genug fr…, wie ich k….

     
    • He write silent

      8. Dezember 2011 at 15:15

      Tja, jede Initiative der Regierung und Unternehmen in diesem Zusammenhang ist scheinheilig hoch tausend, solange es noch immer erlaubt.

       

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