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Crime at Gallaudet

05 Dez

Erinnern wir mal an Karl-Theodor zu Guttenbergs „Copy-und-Paste“-Affäre, wo die Universität Bayreuth sich von Karl-Theodor zu Guttenberg betrogen fühlt und er das Ansehen der Bayreuther Universität beschädigte.

Wie in Deutschland für gehörlosen Studenten aussähe, konnte bisher nicht aus datenschutzrechtlichen Gründen ermittelt werden. Das wissen nur die deutsche Behörden selbst. Aber blicken wir mal nach Amerika hin, was wirklich dahinter steckt.

Wie bereits über die Gallaudet Universität für Hörgeschädigte berichtete, genießt Gallaudet Universität in Washington einen besonderen Ruf: Dort studiert die sogenannte „Elite“. An der weltweit einzigen Universität für Gehörlose und „gehörlose“ Schwerhörige in Washington D.C. können Studenten eine Dissertation verfassen und sogar einen Doktortitel erlangen! (Eher im Gehörlosen(un)wesen als im medizinischen oder wissenschaftlichen Bereich, aber immerhin…) An der Uni, die früher mal ein College für Taube, Blinde und Taubblinde war, studieren zur Zeit etwa 1850 gehörlose Jungs und Mädchen von nah und fern, die Studiengebühren erreichen fünfstellige Höhen in US-Dollar – pro Semester natürlich…Doch sooft die Schulleitung sich auch bemüht, den aufpolierten Ruf zu wahren – die vielen unangenehmen Vorfälle an Gallaudet kratzen kräftig am Image. Laut offiziellen Angaben wurden im Jahre 2010 an der Universität über zwanzig Einbrüche, einige Diebstähle und neun sexuelle Übergriffe registriert. Oder sogar im Jahre 2010 viele Drogendelikte notiert. Im Schuljahr 2000/2001 wurden sogar 2 Morde im Internat verübt. Kein Wunder, dass die Uni eine eigene Sicherheitsabteilung unterhält…

Liegt’s vielleicht an der Gegend? Die Universität befindet sich nämlich in einem Problembezirk im südöstlichen Teil von Washington. In den letzten Jahren wurden in einem einzigen Polizeirevier in der Nähe von Gallaudet über 200 Verbrechen registriert. Eine Sprecherin der Universität meinte trotzdem, dass die Studenten an Gallaudet „sehr sicher leben“ würden. Ein 20jähriger Student behauptete das Gegenteil: „Außerhalb der Uni fühle ich mich überhaupt nicht sicher“ – seine beiden Freunde wurden bereits überfallen und ausgeraubt…

Dennoch betreibt das Gallaudet weiterhin lieber Imagepflege als vorzubeugen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Vor kurzem wurde sogar ein örtliches Polizeirevier von der Universitätsleitung getadelt: Nachdem Washingtoner Beamte der Presse mitteilten, dass ein Jugendlicher in der Nähe vom Gallaudet von 2 Gehörlosen überfallen und ausgeraubt wurde, protestierte die Gallaudet Universität scharf: „Viele Hörende in unserer Gegend können gebärden! Das heißt also nicht, dass die Räuber gehörlos waren!“

Daraufhin musste die Polizei den Pressetext umändern: „23jähriger von 2 Gebärdensprachbenutzern überfallen, die den Raub wortlos vollzogen“. Vielleicht hätte das Opfer bei den Tätern zuerst nach Behindertenausweisen fragen sollen, bevor er das Geld rausrückte…

Statistik-Quelle: http://www.gallaudet.edu/dps/annual_crime_and_fire_safety_reports/gallaudet_university.html

Videos (alle in ASL= Amerikanische Gebärdensprache und Englisch):
http://www.gallaudet.edu/DPS/Community_Responsibilities/Law_Enforcement_(video).html
http://www.gallaudet.edu/DPS/Community_Responsibilities/Be_Safe_(video).html

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7 Kommentare

Verfasst von - 5. Dezember 2011 in Gehörlosenkultur, Justiz / Recht

 

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7 Antworten zu “Crime at Gallaudet

  1. Regenbogen

    5. Dezember 2011 at 18:18

    Na, der abgeänderte Pressetext ist ja echt geil. „lach“
    Ein Hoch auf die übertriebene „political correctness“. 😀

     
  2. Regenbogen

    6. Dezember 2011 at 11:08

    Noch ´ne doofe Frage:
    Hat sich Gallaudet eigentlich nicht darüber beschwert, daß davon die Rede war, die beiden Gebärdensprachbenutzer hätten den Raub „wortlos“ vollzogen – das ist doch so was ähnliches,
    als wenn man taubSTUMM sagt, also, es verkennt, daß DGS eine Sprache ist und die beiden
    wahrscheinlich keineswegs WORTLOS bei der Sache waren, oder?

    😀

     
    • He write silent

      6. Dezember 2011 at 16:55

      Laut Washington Post hat sich seitdem nichts weiter geändert. Sicher nicht.

       
  3. Hartmut

    14. Dezember 2011 at 03:57

    @Hewritesilent,
    Gallaudet nennt sich nie „University for the Hearing Impaired“. Woher hast du „hoergeschaedigt“ im Namen der Universitaet?

    @Rainbow,
    da hast du scharfsinnig einen audistischen Sprachgebrauch erwischt! Gratuliere!
    Wo steht das Wort „wortlos“ im Bericht? Im Englischen gibt es kein „wordless“. In linguistischer Literatur wird „Gebaerde“ einer GS auf die gleiche Stufe mit „Wort“ gestellt. In jeder GS gibt es auch „Wort“schatz oder Lexikon. Also vermutest richtig, dass der Raub keineswegs wortlos geschieht. Wortlos kann nur gescehen, wenn der Raeuber die Pistole auf den Opfer richtet und weder spricht noch gebaerdet. Unmoeglich! Er muesse wenigstens eine Geste des Fingerspitzen-Reiben fuer „Geld“ machen, die als festgefahrenes gestisches Wort gilt (Gegenteil wuerde Pantomime – Darstellung einer Handlung – sein).

    Der Gebrauch von „GS-Benutzer“ ist anders, nicht wegen PK. Gallaudet University weist nur hin, dass wer Gebaerden benutzt nicht notwendigerweise taub sein muessen, da Hoerende auch ASL benutzen. Erst wenn die Raeuber verhaftet sind, weiss man ob sie taub sind oder nicht. Ich habe dieses Vorkommnis nicht verfolgt und weiss den gegenwaertigen Stand nicht. Ich bin beinahe sicher, Gallaudet hat nicht den Substantiv „sign language user“, sondern einen Relativsatz „who used sign language“ benutzt.

     
    • He write silent

      14. Dezember 2011 at 12:18

      Ich schrieb auf DEUTSCH: Hörgeschädigt ist in Deutschland der Oberbegriff und sind sie eben alle, auch Gehörlose. Meine Gegenfrage: Gibt es tatsächlich dort „hearing impaired people“ oder nur reine 100% Hardcore-Deaf?

       
  4. Hartmut

    14. Dezember 2011 at 19:11

    Du hast meinen Punkt nicht erfasst. So wie du Gallaudet im ersten Satz des dritten Absatz angibst, ist sie als Name, „uebersetzt“ auf Deutsch, dargestellt. Daher mein Hinweis aud den unrichtigen Gebrauch des Wortes „hoergeschaedigt“. Wenn als Beschreibung wird es anders formuliert. Ausserdem ist eine Beschreibung unnoetig, da Gallaudet University in unseren Kreisent und auch den Lesern deiner Blogs gut bekannt.

    Nur hörende Audiologen, Pädagogen, Aerzte und gewisse Eltern benutzen das Wort, und zwar nicht immer als Oberbegriff, eher als euphemistischer Ersatz von „schwerhörig“, „taub“ und „gehörlos“, wie gesehen, dass häufig es auf ein Individuum angewandt wird, wie in „Mein Kind is hörgeschädigt (oder jetzt ‚hoerbehindert‘)/Ich habe ein hörgeschädigtes Kind“, was ja blöd ist, als ob Veilchen sich aus Scham „Blume“ nennt. Keine selbstbewusste taube Person nennt sich hörgeschädigt und auch nicht hörbehindert, überall in jedem Land.

     
    • He write silent

      15. Dezember 2011 at 10:59

      Halten wir mal an Definition „hörgeschädigt“ fest! Ich höre ohne Hörgeräte nichts, nicht mal Autohupe oder andere mittlere Geräusche aus 1 Meter Entfernung. Und im Behindertenausweis bin ich als zu 100% Gehörloser eingestuft und bekam als Merkzeichen „GL“. Aber mit Hörgeräte höre ich (fast) alles. Und noch was wer nicht Gebärdensprache kann, reiht sich meistens zu Schwerhörige unter. Wer Gebärdensprache kann und trotzdem darauf beharren, Schwerhörig zu sein. Gehörlos oder „hörgeschädigt“?

       

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