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Kein Schwerhörigen-Pädagogik mehr?

10 Sep

Inzwischen findet in Deutschland schrittweise Inklusionrevolution für behinderte Schüler statt, ob die Welt genauso verändert wie die französische Revolution. Die Schwerhörigenpädagogik soll davon betroffen sein. Wenn dies der Fall sein sollte, werden angehende Hörgeschädigtenpädagogen nur noch in den errichteten Professuren Gebärdensprachpädagogik und Gebärdensprachdolmetschen ausgebildet. Die Eltern schwerhöriger Kinder befürchten, dass in dem Fall der Unterricht in Lautsprache vernachlässigt wird und die mittel- und hochgradig schwerhörigen Schüler nur noch das Bildungsniveau von Gehörlosen erreichen werden. Die Bundesgemeinschaft der Eltern und Freunde hörgeschädigter Kinder meint wörtlich: „Die Schwerhörigenbildung wird in Deutschland auf das Niveau des 19. Jahrhunderts absinken“. Aus diesem Grund wählen immer mehr Schwerhörige ihren Bildungsweg an Schulen für Hörende. Ja, schwerhörige Schüler/-innen erwarten auch einen perfekt funktionierenden Pädagogen. Nobody is perfect.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 10. September 2011 in Inklusion/Integration, Schwerhörige

 

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5 Antworten zu “Kein Schwerhörigen-Pädagogik mehr?

  1. arnold-chris

    12. November 2011 at 18:38

    Es ist eine interessante Entwicklung im Bereich der Gehörlosigkeit. In der Vergangenheit wurden Gehörlose schulisch bis zum Realschulabschluss geführt und haben anschließend einen Beruf erlernt, meist in handwerklichen Bereichen.
    Seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache anerkannt. Es stärkt das Selbstbewußtsein der Gehörlosen. Aber, welche Auswirkungen hat es im beruflichen Alltag? Sollte ein Gehörloser im Arbeitsleben Gebärden? Wieviel Zeit hat der Unternehmer, sich damit auseinanderzusetzen? Was für Probleme entstehen mit den hörenden Mitarbeitern?
    Oder ist der Gehörlose verdammt, HartzIV oder die Grundsicherung bis zu seiner Rente zu erhalten? Oder reicht für den Gehörlosen die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt aus? Und wie ist das mit dem Verdienst?
    Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass mit ordentlichen Voraussetzungen Gehörlose ähnliche auch hochqualifizierte Tätigkeiten im beruflichen Alltag ausführen können, wie Hörende. Dazu ist es aber wichtig, dass die Lautsprache trainiert wird. Das Leben besteht nun mal aus beruflichem Alltag mit Hörenden, Geld verdienen, eine Familie zu gründen und sie zu unterhalten.
    Uns fallen in letzter Zeit verschiedene Probleme auf, so dass wir das Projekt „DEAF-GABI“ – durch eigene Arbeit fit- gehörlos aber beruflich integriert, ins Leben rufen. Allerdings gibt es einen enormen Diskussionsbedarf über die Wünsche und Ziele der Gehörlosen.

     
    • He write silent

      14. November 2011 at 21:28

      Dazu ist es aber wichtig, dass die Lautsprache trainiert wird.

      Wie soll als 100% Gehörloser, der nie gehört hat, ein Gespür für Lautsprache bekommen? Es ist keine gute Idee, wenn Gehörlose untereinander in Lautsprache kommunizieren würden.

       
    • Hartmut

      18. November 2011 at 23:19

      Arnold, du suggerierst in deiner Antwort, dass taube Schueler ungenuegend in der Lautsprache trainiert werden und daher in der Arbeitswelt mit Hoerenden scheitern wuerden. Du kennst die geschichtliche Wahrheit wenigstens unvollkommen.

      Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in der ganzen Welt exklusiv in Lautsprache unterrichtet. Die Lehrer waren alle hoerend und gut im Lautsprachunterricht ausgebildet. Mit welchem Ergebnis?!

      Die Schulabgaenger sind trotz dieses massiven Lautsprachunterrichts noch Halbalphabeten und koennen die meisten Schriftstuecken nicht verstehen, von den postlingual ertaubten abgesehen. In den USA, U.K. und Schweden wurden Reiheuntersuchungen ueber die lautsprachlichen Faehigkeiten der Schulabgaenger im Leseverstaendnis gemacht. Alle Untersuchungen wurden in den Zeiten abgehalten, bevor die GSen im Unterricht zugelassen wurden. Sie berichten von der durchschnittlichen Lesefaehigkeit vergleichbar zu den hoerenden Drittklaesslern.

      Noch eines bist du im Gedankengut von entweder Lautsprache oder Gebaerdensprache noch verhaftet. Keine Bildungsstaette fuer taube und schwerhoerige Kinder sind monolingual auf GS gerichtet. Sie sind alle bilingual. Lautsprache findet dort einen ebenbuertigen und manchmal einen groesseren Stellenwert.

      Hartmut

       
      • He write silent

        19. November 2011 at 20:52

        @Hartmut: Um an der Basissprache und Lesefähigkeit der Gehörlosen in Deutschland aufzubauen, muss man wirklich bilingualen Unterricht teilnehmen, am besten mit einem hörenden Lehrer (der LBG gebärdet und gleichzeitig Schriftsprache vermittelt) und einem hörgeschädigten Kollegen, der DGS gebärdet. Also wichtig ist, dass eben beide Sprachen gefördert werden und auch die Grammatik etc. beider Sprachen (evtl. kontrastiv) betrachtet werden. Nur was Arnold-Chris über die Lautsprache behauptet hat, kann man nicht so im Unterricht fördern und auch nicht ausreichend erworben werden. DGS pur und Lautsprache für Gehörlose ist fehl am Platz!

         
  2. Stefan N.

    8. Dezember 2011 at 19:38

    Irgendwann nach zig Jahren wird es nicht „Mailander Kongress“, sondern „Berliner Tisch“ heißen. Aber erst müssen hunderttausende schwerhörige Kinder zu Analphabeten gemacht werden, damit Rudi Sailer ihren Laden mit Frischfleisch auffüllen kann.

     

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