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Integration – Inklusion

28 Aug

Zunächst einmal betrachte ich den Begriff der „Integration“ als einen (sozial-)politischen, da er sich eben nicht nur mit dem Aspekt der Behinderung befasst, sondern eben auch speziell mit dem Thema Migration und sonstigen marginalisierten Gruppen. (siehe zum Beispiel Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“)

Der Ursprung des Begriffs der „Inklusion“ stammt meine Festellung aus der Soziologie, ein Begriff, der sich mit gesellschaftlichen Systemen beschäftigt. Darüber hinaus ist der Inklusionsbegriff ohne seinen Gegenbegriff (Exklusion) gar nicht sinnvoll denkbar.

Beide Begriffe wurden von der (Sonder-)Pädagogik übernommen, wobei ich persönlich den Inklusionsbegriff im Zusammenhang mit Schule als eher störend empfinde, da aus meiner Erfahrung viele Lehrer heute immer noch wenig mit dem Integrationsbegriff anfangen können, bzw. dieses Konzept schon als utopisch empfinden.

Grundsätzlich sehe ich im Prinzip der Inklusion eine deutliche Weiterentwicklung, eben eine Leitidee, die durchaus visionären Charakter haben könnte. Inklusion setzt aus meinem Verständnis einen absoluten Perspektivwechsel voraus. Den Menschen als Menschen zu sehen, und eben nicht als den „Normalen“ oder den „Behinderten“. Inklusion heißt letztendlich nichts anderes als der Einbezug aller Mitglieder in eine Gesellschaft – und um den Bogen zur Soziologie wieder zu spannen – heißt Inklusion: die Berücksichtigung von Personen in Sozialsystemen.

Das heißt, dass Umwelt als auch Umfeld so gestaltet werden müssen, dass jeder Mensch – seiner Fähig- und Fertigkeiten entsprechend – gleiche Chancen erhält.

Spannt man den Bogen zum System Schule, so denke ich, dass die Integrationspraxis in der Vergangenheit äußerst fehlerhaft verlaufen ist. Fehlerhaft in dem Sinne, als dass die zusätzliche individuelle Förderung auf den Schüler mit Behinderung fokussiert wird, der Gesamtunterricht jedoch keine Änderung vorweist.

Der Kerngedanke des Integrationskonzeptes bildete ursprünglich die Idee, den gesamten Unterricht zu verbessern, die sozialen Kontakte zu stärken und die Bedürfnisse jedes einzelnen Schülers zu beachten. Durch die Fokussierung wird diese Zielsetzung des Integrationsgedankens verfehlt, da Integration dann lediglich eine Zusammenstellung verschiedener sonderpädagogischer Maßnahmen in die gleich bleibende Regelschule darstellt.

Der Ansatz der Inklusion wiederum rückt den Schwerpunkt seiner Betrachtung auf die Gesamtheit einer Klasse, das heißt, inklusiver Unterricht soll spezielle Bedürfnisse und Fähigkeiten aller Schüler einer Klasse berücksichtigen, seien es Schwächen oder besondere Begabungen.

Das sonderpädagogische Verständnis von Integration beinhaltet ja eine Zwei-Gruppen-Theorie, die Menschen mit und ohne Behinderung voneinander abgrenzt. In wie weit Integration stattfinden kann,
entscheiden demnach Experten anhand objektiv ermittelter Bedarfe, nicht die Betroffenen selbst anhand ihrer subjektiven Bedürfnisse. Damit verbleiben Menschen mit Behinderung nach wie vor in einem Objektstatus der Förderung, Erziehung und Qualifizierung durch professionelle Experten.

Der Inklusionsgedanke geht wiederum von heterogenen Gruppen aus, für die als Subjekte ihrer Situation Assistenz notwendig sein kann primär nach den Kriterien subjektiver Bedürfnisse.

Ich persönlich sehe das Integrationskonzept als beinahe gescheitert an  zuviel Unklares verbirgt sich dahinter. Darüber hinaus sind auf politischer Ebene manche Dinge wirklich schlecht geregelt. So reicht es heutzutage als Institution aus, sich „integrative Einrichtung“ zu nennen, anfangs einige wenige Kriterien zu erfüllen, um vom Staat zusätzlich gefördert werden zu können. Qualitätsmanagment Fehlanzeige.

Dort, wo inklusive Prozesse stattfinden, finden auch exklusive Prozesse statt. Dabei sind die Auswirkungen von Exklusion kaum in Worte zu fassen, denn Exklusion impliziert nicht nur den Ausschluss aus einem Funktionssystem, sondern tritt in der Regel in kumulierter Eigendynamik auf: Keine Arbeit, kein Geld, keine Berechtigung, Verlust des gesellschaftlichen Status. Zwar verweisen Exklusionsprozesse oftmals auf den Rand der Gesellschaft, jedoch geschehen sie in ihrem Inneren. Daher muss diese Form der Ausgrenzung als Ausgrenzung innerhalb der Gesellschaft verstanden werden.

Um eine inklusive Gesellschaft ermöglichen zu können, müsste eine absolute Systemumstellung und Veränderung folgen. Sämtliche staatliche und ökonomische Prozesse müssten umgewandelt werden. Der Fokus müsste vom Prinzip der Leistung und einem maximalen Gewinn und Besitz abgewandt und auf den Menschen als gleichwertiges und wertvolles Mitglied der Gesellschaft gerichtet werden. Die dabei berechtigte Frage ist jedoch: Ist der Mensch im Stande dieses zu leisten?

Mir erscheint das Ganze als vollkommen paradox: Eine Gesellschaft mit all ihren Fehlern formt aus ihrer Mitte heraus all die unterschiedlichen Phänomene von Randgruppen. Diese Gesellschaft scheint sich nun vor ihrer Verantwortung zu drücken, in dem sie Toleranz und Akzeptanz verweigert und ihr eigenes Erzeugnis von sich weg in räumlich getrennte Gebiete schiebt.

Dabei vollziehen sich solche Prozesse nicht ruckartig und sind nicht augenfällig durchschaubar. Der Paradigmenwechsel und das Vordringen neoliberaler Ideologie in Wirtschaft, Politik und in den Medien ist seit ca. 30-40 Jahren in seiner Entwicklung zu beobachten.

Bei dem Prinzip der Inklusion handelt es sich ja um keine neue Idee. Die Soziologen thematisieren diesen Prozess schon mehreren Jahrzehnten.

Die Kritik sollte meiner Meinung nach nicht an die „Inklusionsidee“ gerichtet werden, sondern an den Menschen selbst, denn dieser löst jegliche Prozesse in allen Systemen letztendlich selbst. Ihr könnt dies höchstens noch in alle Teilsysteme wie Politik, Wirtschaft, Schule, etc. differenzieren. Eine ökonomische Betrachtung des Menschen als Objekt lässt menschliche Werte wie Liebe, Zuneigung, Vertrauen, Wärme und Geborgenheit dahin schwinden.

 

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