RSS

USA, Gallaudet und Vergleich zu Deutschland

21 Jul

Wir haben gerade gesehen, wie erschreckend hoch die Arbeitslosigkeit für hörgeschädigten Menschen in den USA ist. Jetzt machen wir ein Fokus auf Gallaudet University in Washington D.C.

Die Gallaudet University in Washington, D.C. ist die erste Universität für gehörlose und schwerhörige Studenten und die einzige, die ihr gesamtes Programm und sämtliche Leistungen speziell auf diese Studenten angepasst hat.

Gut, schauen wir mal genauer hin, was Gallaudet alles zu bieten hat und welche Auswirkungen in den USA geben könnte und vergleichen wir mal hier in Deutschland. Das Hauptproblem von Gallaudet in Washington ist der Fokus auf die Gebärdensprache. Natürlich hilft dies den Leuten, die komplett/fast gehörlos sind und sonst nur sehr schwer kommunzieren könnten. Allerdings werden die Studenten eher schlecht als recht auf ein späteres Arbeitsleben unter Hörenden vorbereitet. Das heisst die Studenten haben sicher eine schön heimelige Studienzeit in der sie wenig Probleme haben werden dann aber spätestens zum Eintritt ins Berufsleben unvorbereitet ins kalte Wasser geschmissen. Und ich kann mir vorstellen, dass dieses Wasser für Gallaudet-Studenten, die ihr ganzes Studium so isoliert unter sich waren, ganz besonders kalt sein kann.
Ich würde nicht sagen, dass es eine reine gehörlosen/hörgeschädigten Uni in Deutschland geben sollte. Meiner Meinung nach reicht es vielmehr aus, wenn sich die Betroffenen auf bestimmte Unis in Deutschland konzentrieren solange ihre Studienwahl dies zulässt. Dadurch ergeben sich ja schon Synergie-Effekte (nicht zu verwechseln mit Deaf-Synergy *augenzwinker*) mehr Studenten mit den selben Problemen haben eine stärkere Stimme und werden von der Uni eher gehört dadurch ist an solchen Unis die Durchsetzung gewisser Hilfestellungen sicherlich besser durchzusetzen. Und dafür müssen die Studenten trotz allem erst mal kämpfen, genau dies ist dann aber auch eine realistische Vorbereitung auf die spätere Zeit nach dem Studium. Dort wird einem nämlich mit Sicherheit auch nicht viel geschenkt. Schaut man sich mal Unis wie zum Beispiel Köln oder Berlin oder irgendwo an, wo ja sehr viele von uns sind, so könnte man sich doch vorstellen, dass die dortigen Schwerhörigen sich zu einer Interessengemeinschaft zusammenschließen, um eine besser Integration einzufordern.

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , ,

7 Antworten zu “USA, Gallaudet und Vergleich zu Deutschland

  1. Hartmut

    24. Juli 2011 at 23:17

    Da kommt einer wieder mit den Mythen aus der verrosteten Mottenkiste des Oralismus ueber Gebaerdensprache und Integration einher:

    1. Die Kritik von „Hauptfokus auf die GS“: damit wird eine Falschheit verbreitet, dass Englisch eine Nebensache auf dem Gallaudet Campus sei. Mit dieser Kritik wird sogleich gesagt, dass GS keine Hauptrolle im Leben eines Tauben und Schwerhörigen spielen sollte. Stell dir nur vor, eine Welt ohne GS, Humanitaet ohne GS! Was fuer eine Welt! GS wurde ein grosses Thema in den Diskussionen der letzten Jahrzehnten, gerade weil null Fokus auf die GS und exklusiver Fokus auf die Lautsprache gelegt wurde. Sie dienen, um der GS einen ebenbuertigen Platz in der Erziehung und Bildung tauber Kinder zu gewaehren, und zur vermehrten gesellschaftlichen Akzeptanz.

    2. Mit der Aussage, „GS gut fuer diejenigen, die komplett/fast gehörlos sind und sonst nur sehr schwer kommunizieren könnten“, wird ein Mythos in die Welt geschmuggelt, dass nur diese (bedauernswerten) „sehr schwer Kommunizierenden“ die GS benoetigen, dass sonst die GS fuer die „gut oder weniger schwer Kommunizierenden“ nicht notwendig ist. Sowohl die letztere Gruppe als auch Hoerende benoetigen GS. Wie kann sonst erklaert werden, wenn ein hoher Prozentzahl der Schwerhoerigen, oralistisch erzogenen Tauben und Spaetertaubten sich der GS in spaeteren Lebensaltern zuwenden.

    3. Mit dem Mythos, „[die Gebaerdenden] werden „eher schlecht als recht auf ein späteres Arbeitsleben unter Hörenden vorbereitet“ und „unvorbereitet ins kalte Wasser geschmissen“, Umgekehrt wird damit zugleich behauptet, die tauben Lautsprechenden sind besser fuer die hoerende Arbeitswelt vorbereitet. Wer glaubt denn, die Gebaerdenden sind ahnungslos ueber die hoerende Welt, wie die Deutschen ueber Frankreich, China, Tibet usw.?! Denkt man, dass die Tuerken ahnungslos ueber das Leben und die Arbeit mit Deutschen sind? Eher brauchen Hoerende Vorbereitung, mit uns zu arbeiten, als wir mit ihnen.

    4. Da Taubheit eine Kultur generiert, macht es notwendig, dass eine hoehere Bildungsstaette exklusiv fuer diese Kultur existiert, um ueberhaupt eine Pflegestaette fuer die freie und volle Entfaltung dieser Kultur zu erhalten. Dies schmaelert jedoch fuer einen Tauben oder Schwerhoerigen nicht, in einer nicht gebaerdensprachlichen Universitaet zu studieren.

     
    • He write silent

      25. Juli 2011 at 14:48

      @Hartmut: Der Gallaudet-Campus liegt in einer Umgebung, die bekannt dafür ist, daß es dort öfters Polizeieinsätze gibt, und sozial Schwache Gegend liegt. Des weiteren können rein theoretisch ALLE Mitarbeiter die Gebärdensprache, sodaß man an sich gesehen keine Probleme hat, sich nur über Gebärdensprache zu verständigen. Jedoch weiß ich auf der anderen Seite, daß viele Absolventen einen guten Abschluß hinlegen und auch Arbeit damit finden. Davon jedoch viele innerhalb von Firmen, die zum öffentlichen Dienst gehören und somit auch eher Dolmetscher haben und Behinderte unterstützen können – oder in Firmen, wo bereits andere Hörbehinderte sind. Ist genauso ähnlich wie hier in Deutschland. Das zeigt natürlich auch, dass die Ausbildung in Gallaudet sicherlich fachlich gesehen gut ist, dies alleine aber nicht für jeden Berufszweig ausreichend ist!

       
  2. Hartmut

    25. Juli 2011 at 16:49

    Jetzt schreibst du das Gegenteil von was du eingangs geschrieben hast.

    Gallaudet University ist eine ‚liberal arts‘ institution, das heisst, das B.A. Degree ist in iberal Arts mit einem oder zwei Faecher als Hauptfach. Auch bietet sie M.A. in Paedagogik mit tauben Kindern, Schulpsychologie, Counseling, Dolmetschen, Linguistik, und ein Doktorstudioum in Paedagogik und Linguistik. Um ein M.A. und Doktorgrad in einem anderen Fach zu erwerben, muss man anderswo studieren, mit Dolmetscher und manchmal Notetaker natuerlich, bereitgestellt und bezahlt von der Universitaet, wo man studiert.

    Zusaetzlich zu was du oben und ich in einem anderen Thread angeben, finden Absolventen Stellen in Schulen, Bibliotheken, Mental Health Stellen, und Beratungsstellen.

    Ist der Gebrauch von GSD in den Arbeitsplaetzen ein Problem?

     
    • He write silent

      26. Juli 2011 at 19:31

      Ist der Gebrauch von GSD in den Arbeitsplaetzen ein Problem?

      In den USA kann ich wirklich nicht so beurteilen, weil mir fehlen noch genaue Statistiken, wie hoch die Arbeitslosenquote für elitäre Berufe wirklich ist.

      Kürzlich habe ich im Internet was interessantes herausgefunden. Schweden macht billingual, das heißt die Kinder lernen zuerst die Gebärden, dann das sprechen. Trotzdem beträgt die Arbeitslosenquote für gehörlosen Menschen in Schweden etwa 30%, obwohl in Schweden bilingualer Unterricht seit langem erfolgreich praktiziert wird. Irgendwas stimmt was nicht, wenn ich die Systeme USA, Schweden und Deutschland vergleiche.

       
  3. Hartmut

    29. Juli 2011 at 16:48

    Ist die Prozentangabe der tauben Arbeitslosen in Schweden verlaesslich? Von wem stammt sie?

    „Bilingual“ bedeutet nicht „Gebaerden uns sprechen“, sondern im Falle von Schweden, die Schwedische Gebaerdensprache und Schwedisch (ganz gleich ob gesprochen, geschrieben oder beides).

    Du hast meine Frage noch nicht beantwortet, ob der Gebrauch von GSD ein Problem auf dem Arbeitsplatz sei. Moechtest du herausfinden, ob die Notwendigkeit fuer den GSD den Arbeitgeber hindert, taube Arbeitssuchende einzustellen? Das kannst du wirklich nicht von den Arbeitslosenquoten herausfinden.

     
    • He write silent

      1. August 2011 at 09:14

      Die Prozentangabe habe ich über Universität Örebro entnommen.

      Zu deine Frage kann ich dir noch nicht genaueres beantworten, was in den USA betrifft. Aber eines kann ich sagen, was meistens in Deutschland oft typischerweise vorkommt: Wenn man dem Chef oder irgendwelche Personen beim Vorstellungsgespräch sagt, dass man nicht telefonieren kann und dahinter kommt nur ein Punkt, dann kann es schon mal vorkommen, dass der Chef oder irgendwer dir keine Arbeit gibt, dann ist der Gebrauch von GSD ein Problem, weil die nicht genug wissen. In Teilen der USA auch so?

       
  4. Gallaudet-Hospitant

    18. November 2011 at 19:26

    Ich kann den hewritsilents Bericht bestätigen. Ich selber war mal auf Besuch für 1 Jahr an dieser Uni, Gallaudet. Ich war, ehrlich gesagt, geschockt davon, was ich dort sah. Lieber bevorzuge ich deutsche System.

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: