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Blog-Gedanken: Integrative Beschulung

10 Jul

Taubenschlag – Dolmis in der Regelschule

Dort habe ich zwar meine Kommentare hinterlassen und mit „meinAugenschmaus“ Diskussionen geführt. Nun tauchen die Gedanken bei mir auf, was mir irgendwo im Internet aufgefallen ist und ich kürzlich im GL-Cafe solche Diskussionen entdeckt habe.

Soweit ich aus dem Forum verstanden habe, vertritt der Deutsche Gehörlosen-Bund die Ansicht, dass die Gehörlosenschulen erhalten bleiben müssen/sollte. Im Prinzip keine schlechte Grundhaltung, dennoch sollte dringend in den Gehörlosenschulen eine Reform stattfinden. Die erlangte Gebärdensprachkompetenz lässt mehr als oft zu wünschen übrig und ebenfalls der Unterrichtsstoff. Das Niveau ist meine Beobachtung und Erfahrung an meisten Schwerhörigen- und Gehörlosenschulen sehr unterschiedlich bzw. gravierend, dass die Kinder und Jugendlichen zwar nach dem deutschen Gesetz beschult wurden, doch bei Entlassung kaum eine Chancengleichheit in der Berufswelt bestehen. Dabei ist es das, woran eine Schule einen heranführen sollte und nicht nur Wissen vermitteln, dass man gerade so überlebt. Ebenfalls bleibt leider sehr oft die Schreibkompetenz auf der Strecke. Wenn man mit unterschiedlichen Schwerhörigen und Gehörlosen schriftlich kommuniziert (Chat, Email, Foren, etc.) ist oft eine starke Schreibschwäche zu erkennen. Sollte man nicht so beschulen, den Kindern und Jugendlichen klarmachen, ähnlich wie bei einer Fremdsprache, dass es zwei unterschiedliche Syntaxen gibt? Dabei geht es ja nicht nur um das Schreiben der deutschen Sprache, sondern auch des Lesens und des Verstehens. Wie sollen Gehörlose Informationen, z.B. beim Lippenablesen aufnehmen, wenn diese die Differenzierung nicht erkennt und die Information nicht versteht? Klar, wir Gehörlose nutzen ebenfalls in der Gebärdensprache Mundbilder, doch sind diese an die Gebärdensprache angepasst. Aber es geht ja auch, besonders später darum, Informationen aus Printmedien oder Untertitel von Fernsehsendungen korrekt zu lesen UND zu verstehen.

Ebenfalls komisch kam mir das Statement durch des Psychologen vor. So meinte er, dass durch das Beschulen in einer Regelschule ihr der „Zusammenhalt“ und die Identität zur Gehörlosigkeit fehlen könnte.

Einerseits vielleicht verständlich, doch anderseits auch antiquiert. Warum antiquiert? Ich sehe oft, dass viele Gehörlose aus den Unterdrückungen gelernt haben und mittlerweile sich im Aufbruch befinden und akzeptiert werden wollen. Der Wunsch, zu studieren bei vielen mittlerweile vorhanden ist und hier auch Schrittweise die Rechte eingefordert werden.

Fakt ist aber auch, ist hörgeschädigte Regelschüler (inbesondere Gymnasium und Realschule) gleichaltrigen Schülern der Sonderschule weit überlegen und wäre in ihrer Klasse die einzige bzw. einige Gehörlose und würde demnach auch hier nicht in  ihrer Muttersprache mit ihren Mitschüler/-innen kommunizieren, und auch so nicht unterrichtet werden können. Er/sie ist in einer Sonderschule völlig fehl am Platz und würde deutliche Einbußen beim Wissenserwerb erleiden.

Am Ende müssen wir doch eh mit Hörenden in unserer Gesellschaft auskommen, uns verstehen. Warum also in der Schule eine Art Ghetto-Denken anerziehen? Die Identität kommt mit dem Heranwachsen von alleine. Als Gehörloser/taubheit grenzend Schwerhöriger steckt man ja selber in dem Prozess drin. Man ist ja nicht vollkommen verblödet und bekommt schließlich mit, dass man „Anders“ ist als andere. Wenn man also durch die Eltern entsprechend gefördert wird und auch der Kontakt zu anderen Gehörlosen nicht unterbunden wird, ist da eigentlich kein Problem zu erwarten. Und wo ist das Problem, wenn man auch hörende Freunde hat, die ebenso Spaß am Gebärden hat, wie jedes Kind neugierig ist, etwas Neues zu erlernen.

 

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