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Deutsche Gebärdensprache und Grundgesetz

21 Apr

Als meine Bekannte mich auf Petition über „Deutsche Gebärdensprache MUSS ins Grundgesetz verankert werden“ von Serdar Danis aufmerksam machte, haben mir gleich den Lacher des Tages geliefert. Hier in Wortlaut von Serdar Danis (Quelle: Facebook)

Liebe Freunde!

Deutschland ist ein Land mit Vielfalt der verschiedenen Menschen. Dazu gehören auch die gehörlosen Menschen. Die Gehörlosen-Kultur hat viele Facetten wie ein Regenbogen. Es gibt Künstler, Schauspieler, usw. die eigentlich uns die Gesellschaft bereichern statt denen Hindernisse zu werfen.

Sie kommunizieren eine Sprache, die eine eigenständige Sprache ist. Nämlich die deutsche Gebärdensprache. Viele Gehörlosen müssen oftmals einfache Berufe ausüben, obwohl sie viel mehr können, weil sie gerade an der Kommunikation oftmals nicht in der Lage sind, sich zu studieren oder andere höhere Berufe zu ausüben. Selbst wenn, ist es ein sehr schwieriger und steiniger Weg.

In Deutschland werden sie als eine Behinderung wahrgenommen, obwohl sie keine Behinderten sind.

Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) nimmt in Deutschland eine Sonderstellung unter Behinderten ein, ist aber nicht die offizielle anerkannte Minderheitensprachen neben der deutschen Amtsprachen: Hochdeutsch,Nordfriesisch, Saterfriesisch, Dänisch, Sorbisch und Romani (seit 1994).

Es ist lediglich nur unter Behindertengleichstellungsgesetz nach §6 als Kommunikationshilfmittel anerkannt.

Im Gegensatz zu unseren deutschsprachigen Nachbarn Österreich und Schweiz ist dort die Gebärdensprache verfassungsrechtlich anerkannt.
Außerdem ist die Österreichische Gebärdensprache als Sprache einer nicht-ethnischen Minderheit seit dem 1. September 2005 im Verfassungsrang (Artikel 8 Absatz 3 Bundes-Verfassungsgesetz) anerkannte Minderheitensprache.

Wir wollen ein bessere Zukunft und macht bitte mit bei der Unterzeichnung der e-Petition bei Deutsche Bundestag für die Deutsche Gebärdensprache als Minderheitensprache. DGS MUSS in Grundgesetz verankert werden und nicht unter §6 BGG (Behnindertengleichstellungsgesetz) als Kommunikationshilfsmittel. Sondern eine richtige und eigenständige Sprache neben Deutsch.

In Deutschland nimmt die DGS, die in der Schweiz und Österreich verfassungsrechtlich fest verankert sind, eine besondere Stellung ein.

Die DSG aber bilden eine eigenständige Bevölkerungsgruppe mit identitätsstiftender sprachlicher Tradition und Kultur.

Daher nehmt euch ein paar Minuten Zeit und meldet bei e-Petition an. Dann unterzeichnet ihr diese Petition bei der Deutschen Bundestag. Seit der Veröffentlichung (heute) sind es schon neun Mitzeichner.

Nur so können die Gehörlosen und Hörgeschädigte ihre Generationen eine gesunde und bildungsanhebene bzw. angleichende Zukunft zur Verfügung stellen.

Macht mit und gebt die gehörlosen Mitbürger eine Stimme und volle Chance auf das gleichberechtigtes Leben mit uns.

Bei allen Fragen könnt ihr gerne an mich stellen und wäre euch sehr verbunden fühlen, wenn ihr diese e-Petition weiterleiten könnte. An allen Leuten.

Ich danke euch und hoffen wir das Beste!

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition%3Bsa%3Ddetails%3Bpetition%3D17637

Gruß

Euer Serdar

Zwar lobe ich Serdar Danis Idee und Aktivität, aber gleichzeitig muss ich ihn kritisieren, dass es aus meiner Erfahrung sowas nicht geht.

Tatsächlich ist unsere deutsche Sprache nicht im Grundgesetz verankert worden, sondern nur als Amtssprache bezeichnet ist. Schlagt doch einfach mal das Grundgesetz auf, in welcher Sprache ist es denn verfasst?

Und bitte beachte im Grundgesetz, es steht was drauf:
GG Art. 3 (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html

Das heisst also, unsere deutsche Gebärdensprache ist mit eingeschlossen.

Und wieder schreibt Serdar Danis typische Wortwahl á la Deaf-Ghetto „Gehörlosigkeit sei keine Behinderung“, genau dieser Satz regt mich total tierisch auf. Solche Satz führt eindeutig zu grenzenlose Naivität. Ich finds einfach unmöglich, wenn die Regierung gerade dieser Satz erfährt und an sowas nun sparen will (z.B. Wegfall d. Schwerbehindertenausweis, Sozialleistungen für Behinderten, Steuererleichterungen für Behinderten usw.). Gerade Menschen die aufgrund ihrer Behinderung benachteiligt sind, werden schon allein wegen dieser Satz zukünftig nicht mehr gefördert, und gerade hier sollte man nicht unbedingt dran sparen. Es geht hier ja um die Teilhabe am Arbeits- und Sozialleben und die bisherigen finanziellen Unterstützungen werden eingeschränkt bzw. teilweise oder komplett reduziert. Mehr darunter „Sind Hörgeschädigten behindert? und „Wir sind nicht behindert“, warum das so ist. Wir können froh sein, warum Deutschland international zu den besten Sozialsystem gehört. Meine bisherigen Erfahrungen in anderen Ländern gehören Schweden, Finnland, Niederlande, Kanada, Schweiz und Deutschland zu den besten Sozialsystem und die anderen Ländern z.B. USA verfügen ein sehr schlecht ausgebautes Sozialsystem.

Und noch mal in aller DEUTLICHKEIT, was mit die Bezeichnung Behinderung betrifft: Man muss einfach und vorbehaltlos zu der Behinderung stehen, auch wenn es nicht immer leicht ist. Mir fällt schon auf, dass die Schwerhörigen viel leichter akzeptiert werden, wenn sie von Anfang an den anderen Bescheid sagen, dass sie ein Hörproblem haben und deswegen nicht viel in der Gruppe mitreden können. Wenn sie aber die Schwerhörigkeit verbergen (ich kenne leider immer noch welche, die nicht dazu stehen wollen), dann haben sie es automatisch noch viel schwerer in der Gesellschaft klar zu kommen. Meiner Meinung nach ist die Schwerhörigkeit auch die beste Behinderung, auch wenn wir in manchen Situation in einen saueren Apfel beissen müssen. Wir, Schwerhörige, können trotz dieser Behinderung selbstständig leben. (Blinde und Rollstuhlfahrer sind oft auf fremde Hilfen angewiesen). Die Kommunikationsmittel werden auch immer einfacher für uns (vor etwa 10 Jahren waren SMS und E-mails noch nicht so bekannt). Bildtelefone werden in den nächsten 10 Jahren in jedem Haushalt zu finden sein (was ich glaube) und die Informationen an Hauptbahnhöfen werden auch immer mehr visuell angezeigt und nicht mehr akkustisch. (In Strassenbahnen und Bussen zeigen sie auch die nächste Haltestelle auf einer Anzeigetafel und sagen es nur noch selten über Lautsprecher.) Darum ist es einfacher zu der Behinderung zu stehen als sie abzulehnen. Damals habe ich selbst lange dafür gebraucht. In der pubertären Explosionsphase war es ganz schlimm, da habe ich es immer bestritten, Behindert zu sein. Später fing ich dann an, mich näher mit meiner Behinderung zu beschäftigen, auch in dem Sinne, was es eigentlich genau bedeutet, Behindert zu sein, welche Nachteile das mit sich bringt und aber auch welche Chancen in solch einem „Schicksal“ stecken. Genau aus diesem Grund finde ich Hörschädigung schon eine Behinderung, damit können wir leben!!! Genau das sollen die Gehörlosen endlich auch einsehen und nicht so engstirnig denken.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 21. April 2011 in Gebärdensprache, Politik

 

Eine Antwort zu “Deutsche Gebärdensprache und Grundgesetz

  1. not quite like beethoven

    22. April 2011 at 10:54

    Unabhängig davon ob man es nun Behinderung nennt oder nicht: Ich finde den Ansatz, sich anzuschauen, zu sehen was man ist, das anzuerkennen und danach zu handeln genau richtig!

     

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