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„Wir sind nicht behindert“

11 Apr

Kürzlich entdeckte ich Sabes Blog über diese „leidigen“ Absatz „Wir sind nicht behindert“.

Vor paar Wochen hatte ich hier zufällig mein Thema „Sind Hörgeschädigten behindert? gebloggt. Wenn ich mir Sabes Blog durchlese, frage ich mich dann, welches Ziel die Hörgeschädigten wirklich haben. Siehe zum Beispiel: Taubenschlag oder GL-C@fe

Ich finde es überhaupt nicht sinnvoll, diese Abgrenzung zu praktizieren, weil wir letzten Endes auch als BEHINDERT anzusehen sind (wir haben eine BEEINTRÄCHTIGUNG, das bedeutet laut Gesetz: BEHINDERUNG) Wofür haben wir nicht umsonst schließlich die Behindertenausweise? Weil wir BEHINDERT sind. Ich gebe hiermit also zu bedenken, ob die Arroganz der Gehörlosen und Schwerhörigen überhaupt berechtigt ist, zumal auch untereinander ein völlig idiotischer Kleinkrieg herrscht. Wacht auf, seht ein, dass ihr seid wie ihr seid und macht es besser als die Idioten vorher. Die Hörgeschädigten sitzen in einem Boot und ihr macht es euch nur unnötig schwer. Wir sind BEHINDERT und nehmen die BEHINDERTENRECHTE in Anspruch. Lernt, zu dem zu stehen was ihr seid, und ihr werdet merken, vieles wird einfacher (materielle, finanzielle Unterstützung, Akzeptanz in der Gesellschaft). Überlegt doch mal, wie könnt ihr von den
Normalhörenden verlangen, dass sie Rücksicht auf euch nehmen und gefälligst Gebärden lernen sollen, wenn ihr umgekehrt kein Entgegenkommen zeigt (Zitat eines Nationalsportlers, die ich persönlich kenne: „Die Hörenden müssen gebärden lernen, sonst will ich nichts mit ihnen zu tun haben“) Mal ehrlich, wer von euch kann richtig sprechen, so dass man euch verstehen kann? Kaum einer, die wenigsten. Eigentlich ist die Einstellung in der Gehörlosenwelt unheimlich arrogant. Ihr schadet euch damit nur selber. Warum ist die Arbeitslosigkeit, gerade bei den Hörgeschädigten so hoch? Siehe mein Blogbeitrag über die Arbeitslosigkeit! Weil ihr nicht in der Lage seid, komplexe Aufgabenstellungen zu verstehen oder mit euren Vorgesetzen zu kommunizieren. Lernt aus euren Fehlern und tut endlich was gegen die Ignoranz in der Gehörlosengesellschaft.

Grüße
Schnaubender Silent Writer!

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4 Antworten zu “„Wir sind nicht behindert“

  1. bengie

    13. April 2011 at 11:28

    Ich bin eigentlich offen für diese Diskussion. Wir können viel von neuer UN-Behindertenrechtenkonvention profitieren, die sich ohnehin auf Menschen mit Behinderung konzentriert. Jedoch spiele ich bei dieser fast philosophischen Diskussion sehr gern mit. Es gibt viele offene Fragen: Was heißt eigentlich Beeinträchtigung? Ab wann ist man beeinträchtigt? Haben kahlköpfige Menschen auch Beeinträchtigungen, die mit verschiedenen Methoden wie Toupeten oder Anti-Haarausfall-Schampoo zu bekämpfen sind? Wie hoch ist der Grad der Behinderung bei Kahlköpfigkeit? Vielleicht 5 Prozent? Die Weiblichkeit wird heute noch in vielen Ländern wie Indien und China als Beeinträchtigung gesehen. Heute noch werden viele weibliche Babys abgetrieben. Was ist mit Menschen, die schlecht riechen können? Bleiben sie von der Behinderungsetikettierung verschont?

     
    • He write silent

      13. April 2011 at 21:14

      @bengie: Dein Beispiel mit kahlköpfige Menschen ist lustig. Ich lese, du pauschalierst zu allgemein. Du solltest mal der vielsichtige Begriff „Beeinträchtigungen“ differenzierter definieren, welche körperlichen oder sozialen Barrieren im normalen Gesellschaftsleben die hörgeschädigten Menschen haben.

       
  2. Hartmut

    18. August 2011 at 00:02

    Der Begriff „behindert“/“Behinderung“ geht bekanntlich unter zwei Bedeutungen umher:
    1) gesellschaftlich durch von aussen gestellten Barriere, die entfernt werden koennen (= benachteiligt);
    2) medizinsch durch ein koerperliches Unvermoegen, die permanent ist oder medizinisch nur teilweise behoben werden kann (als Euphemismus gebraucht statt „geschaedigt“).

    Historisch zu den Definitionen:

    Der Begriff wurde von der Behindertenbewegung in den spaeten 1970er bzw.fruehen 1980er in der ersten Definition eingefuehrt. Sie ist vor allem an das Abbauen der Barrieren interessiert. Damit verneinten sie weder ihre koerperliche Schaedigung/Unvermoegen, noch wird sie von ihnen verniedlicht. Der Begriff wird nur zu diesem sozialreformerischen Zweck benutzt, gar nicht als Bezeichnung, was man ist. „Wir sind behindert von …(Barrier-en).“ wird von ihnen gewoehnlich ausgedrueckt, nicht „Meine Gehunfaehigkeit behindert mich …“ fuer einen Rolli zum Beispiel. Wohlgemerkt, der Rolli verneint ihre Gehunfaehigkit mit diesem Ausspruch gar nicht! Warum wuerde er das tun?!

    Jedoch wurde wurde der Begriff leider als Euphemismus wegen „politisch Korrektsein“ und Ableismus aufgefasst, weil ja das Wort „geschaedigt“ haesslich klang. Sogar auch von den Betroffenen selbst. Nicht jeder ist in der Behindertenbewegung aktiv und verstand die Motivation der Einfuehrung des Begriffs nicht Sie dachten nur, das Problem lag vornehmlich in der gesellschaftlichen Einstellung zur koerperlichen Andersartigkeit, welche durch Euphemismen geaendert werden koennen. Sie haben dann den alten defektorientierten Inhalt auf das euphemistische Wort uebertragen, was heute dann in der Wendung „Menschen/Person mit Behinderung“ zur Erscheinung kommt. EIn Beispiel von sprachlicher Traegheit, alte Vorstellung auf neueingefuehrtes Wort ueberzutragen, statt sich auf den neuen Inhalt umzudenken. Daher erklaert sich die zweite Definition von Behinderung.

    Wenn jemand im Taubenschlag, Gl-Cafe oder in anderen tauben Blogs schreibt „Ich bin nicht behindert“ kann nur eines bedeuten: „Meine Hoerunvermoegen behindert mich nicht,“ Er hat die zweite Definition benutzt und kennt die erste nicht. Der Fokus wird auf Taubheit gelegt, als Niederschlag von Auismus auf ihn. Wie oben ausgefuehrt, weiss er genau, und ich betone, er verneint gar nicht sein Hoerunvermoegen und weiss genau, welche Schwierigkeiten er im hoerenden Umfeld hat. Er hat demnach wirklich keinen Unsinn geredet, denn in einem anderen Umfeld oder anderer Kultur ist er nicht oder nur teilweise behindert. Das ist Tasache! Wenn Taubheit unterschiedlich in verschiedenen Welten wirkt, wie kann Taubheit eine Behinderung sein!

    Behinderungsausweis ist eine ganz andere Sache. Es ist nur eine behoerldliche Massnahme in einer hoerenden Gesellschaft, wie man den Benachteiligten gerecht machen kann.

     
  3. Marius

    26. September 2011 at 10:50

    Ich habe ein Cochlea-Implant, aber das wird nie das selbe sein wie 2 funktionierende Ohren. Wenn 10 oder 20 Leute vor sich hin labern und einer etwas vorträgt (Schule) kann ich mich nicht auf das wesentliche fokussieren. Ich kann die Richtung des Schalls nicht einordnen. Auch ich kann mit dem Gerät nicht schwimmen. Ganz zu schweigen von den mehrere Operationen. Ich bin durch meine Behinderung isoliert. Behinderung ist für mich, wenn einem ein wesentlicher Teil des Lebens vorenthalten bleibt.

    Gruss Marius

     

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