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Oktoberfesttreffen zieht nicht mehr.

17 Okt

So gut wie jeder Hörgeschädigte weiß, dass an jedem zweiten Wies´n-Wochenende das große Treffen stattfindet! An diesem Tag versammeln sich Gehörlose und Schwerhörige aus aller Welt vor dem Löwenbräu. Gemeinsam wird am oder auf dem Biertisch fässerweise Helles vernichtet. Wir erinnern uns: Vor über fünf und zehn Jahren war bereits um 16 Uhr die gesamte Terrasse vor dem Löwenbräu-Zelt vollständig besetzt. Es war so voll, dass nicht mal die hartgesottenste, 1,85 Meter große Bedienung mit „Australiererfahrung“ sich durch die Massen drängen konnte…Und dieses Jahr? Drei gehörlose Römer liefen verloren auf der leeren Terrasse vor dem „Löwenbräu“ umher und glaubten, den falschen Platz erwischt zu haben. Dabei war es schon nach 17 Uhr. Die verunsicherten Italiener mussten beruhigt werden: Doch, doch, das Treffen findet statt. Da sitzen ja noch 4 andere Gehörlose. Ja, das schlechte Wetter. Ja, ja, immer weniger Interesse. Und die Stimmung ist auch etwas trist. Die traurige Wahrheit ist: Aus dem Treffen mit 1000 gesellschaftssuchenden Gästen wurde im Laufe von nur 5 Jahren ein bescheidener Stammtisch bis zu etwa 150 gehörlose Personen.

Gegen 20 Uhr waren’s immerhin ca. 150 Hörgeschädigte. „Nachforschungen“ haben ergeben: Die meisten hatten einfach keine Lust mehr auf das Treffen vor dem Löwenbräu. Daher zogen zwei Dutzend Gehörlose das Oans-zwoa-gsuffa-Programm im HB-Zelt ab. Die schwerhörigen Besucher beschränkten sich auf eine kleine Runde auf der Wies´n. Und nicht wenige pendelten direkt zu der Party bei den Gehörlosen Bergfreunden (www.gbf-muenchen.de), ohne dem Oktoberfest einen Besuch abzustatten.

Erstaunlich: Das Treffen im Löwenbräuzelt verlief ohne größere Komplikationen. Weder Schlägereien noch enthemmte Mädln mit Tick zum „Trikottausch“ trübten das friedliche Bild. Die Polizei kann zufrieden sein. Hoffentlich benehmen sich die Essener und Dortmunder Gehörlosen bald auch so brav zur Zeit pflegen die nämlich in einer Stammkneipe ihren Image als „wilde Wikinger aus dem Ruhrpott“…

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Verfasst von - 17. Oktober 2010 in Gehörlosenkultur

 

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