RSS

Archiv für den Monat September 2010

15 Millionen Hörgeschädigte???

Nur Panikmache oder geschönte Zahlen oder doch Tatsache? Vor kurzem sagte mir: „Über 15 Millionen Menschen, das sind rund 19 Prozent der Deutschen, hören schlecht.“ Das behauptet jemand und legt weitere erschreckende Zahlen vor: „Mittlerweile ist jeder vierte Jugendliche von Schwerhörigkeit betroffen, jeder dritte Erwachsene ab 40 Jahren und jeder zweite über 70.“

Da staunt der Laie. Der Akustiker oder CI-Mediziner reibt sich hingegen die Hände. Denn solches Meldung würde bedeuten: Mehr und noch viel mehr Neukunden! Wahrscheinlich haben die Akustiker oder CI-Ärzte bis tief in die Nacht gefeiert und die Puppen tanzen lassen. Hoffentlich werden die später nicht ihre eigenen Kunden, denn Hauptursache für Schwerhörigkeit ist nach wie vor Lärm. Apropos es gibt CI-Ärzte die CI tragen, die ich namentlich nicht genannt werden möchte. Wie schade!

Bei den Neugeborenen hingegen ist alles im grünen Bereich: Bei nur 15 von 10.200 Babys wird während des „Screenings“ eine beidseitige Hörstörung entdeckt. Das wäre also eine Quote von nur 0,15%. Und wie erklärt den Anstieg von etwa 0,15% auf rund 19%? Auf unserer Anfrage kam die dürftige aber logische Antwort: „Im Laufe des Lebens nimmt die Zahl der Betroffenen prozentual zu.“ Woher diese Zahlen überhaupt stammen? Dazu hüllt sich das Ministerium in Schweigen. Vielleicht arbeiten diese 19% dort… Oder geschönte Zahlen für die Medien? Na, dann schaun mer mal!

Advertisements
 

Strassenverkehr und die Justiz

Falls Euch einige den Fall vielleicht kennen, was vor einigen Jahren im Strassenverkehr wirklich passiert ist:

Ein gehörloser Mann geht mit seiner Tochter spazieren und überquert eine Strasse.
Beide werden von einem viel zu schnell fahrenden Auto erfasst und sterben, der
Fahrer sollte ungeschoren davon kommen, weil wäre der gehörlose Mann hörend gewesen, hätte er ja zur Seite springen/bewegen können. Nicht zu fassen, diese Justiz. In welchem Jahrhundert leben wir denn? Wie man schön sagt, ist „unsere“ Justizia spielt eben wie sooft die Blinde!

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 16. September 2010 in Justiz / Recht

 

Schlagwörter: , ,

Flugzeug Witz

Ein Flugzeug ist unterwegs zu einer Konferenz. An Bord sind Gehörlose, Schwerhörige bzw. CI-Träger und Gebärdensprachdolmetscher. Plötzlich bemerkt der Kapitän, dass der Motor ausgefallen ist, und verkündet, man müsse Ballast abwerfen.

Die Gebärdensprachdolmetscher beschließen: „Unser grösster Ballast ist zwar ein wichtiges Hilfsmittel, aber wenn es um Leben und Tod geht, trennen wir uns davon“, und werfen ihr DGS-Lexikon aus dem Fenster.

Die Schwerhörigen bzw. CI-Träger beschließen: „Unser grösster Ballast ist zwar ein wichtiges Hilfsmittel, aber wenn es um Leben und Tod geht, trennen wir uns davon“, und werfen ihre Hörgeräte bzw. Cochlea Implantat aus dem Fenster.

Die Gehörlosen beschließen: „Unser grösster Ballast ist zwar ein wichtiges Hilfsmittel, aber wenn es um Leben und Tod geht, trennen wir uns davon“, und werfen die Gebärdensprachdolmetscher aus dem Fenster. :0)

 

Schlagwörter: , , , ,

gehörlose Gesellschaft

Ich möchte nur versuchen, unsere typische gehörlose Gesellschaft auf einem Bild zu malen: Zwar sind Gehörlose eine schöne Gesellschaft, in der man fast jeder jeden kennt, oder?

Aber dann frage ich mich echt, wie die gehörlose Gesellschaft wirklich tickt. Zum Beispiel: Wie sollte man dann „höflich“ die Leute begrüssen, falls man auf einer Party oder irgendwelche Veranstaltungen oder private Treff steht. Wenn man mir keiner begrüsst, der mich doch (angeblich!!) kennt, fühle ich mich dann, er könnte mich hassen oder hasst mich.

Sage ich irgendwer, den ich kaum kenne, ein grosses, nettes „Hallo“, dann würde er denken, ich sei sein Freund. Nein, das bin ich aber nicht. Sonst hängt er an mir rum und zeigt allen quer durch Partyraum mit vollem Stolz, ich sei sein Freund, was aber in Wirklichkeit nicht stimmt. 🙂

Interessant ist auch, was mir ganz besonders aufgefallen ist. Wenn man den Typ vorher schon kennt (oberflächlich) und er/sie mich am nächsten Tag oder andere Veranstaltung nicht begrüßt, obwohl man ihn eigentlich kennt. Ich frage mich echt, welche Sitten leben die Gehörlosen eigentlich?

Ach, hier ein Hallo an alle! Ich werde trotz allem weiterhin ein grosses Hallo an alle sagen, egal wie, ob ich sie kenne oder nicht. :0)

 

Schlagwörter: ,

Türkisparade in Berlin am 25.09.2010

Wenn man sich selbst fragt, was die türkisfarbene Ribbon á la AIDS-Schleife zu bedeuten hat. Siehe Erklärung: http://tuerkisparade.de/warum/

Laut Text von Türkisparade: Vor acht Jahren dann fing der österreichische Gehörlosenbund an, Schleifen in Türkis einzusetzen.

Okay, blicken wir mal kurz zurück, warum ausgerechnet in Österreich.

Helene Jarmer, Obfrau der österreischischen Gehörlosen, hat einen „türkisen Ribbon“ entworfen und bietet ihn nun für 1 Euro an. Dabei handelt es sich um ein kleines Bändchen, dessen Enden übereinander gelegt sind. Es ist identisch mit der AIDS-Schleife – nur in Türkis eben.
Jeder Österreicher, der sich mit den Gehörlosen und der Gebärdensprache solidarisiert, sollte den Ribbon tragen, meint Jarmer. Man erkenne mit dem Kauf eines Ribbons die Gehörlosenkultur, die Gebärdensprache und die „DeafPower“ an. Was wohl 2 Ribbons auf dem Sakko aussagen würden? Oder eine ganze Girlande?

Der türkise Ribbon scheint aber bei den Gehörlosen auf wenig Gegenliebe gestoßen zu sein. Bei den Deaflympics in Taipei wurde kein Österreicher mit einer Schleife gesehen. Einige nennen das Ding spöttisch „türkische Rippchen“, andere reagieren sogar empört auf Jarmers Idee: „Sind wir kranke Menschen, oder was?“

Türkisparade in Berlin unter http://tuerkisparade.de/

 

Schlagwörter:

Cochlea Implantat und die Krankenkasse

Perspektive Cochlea Implantat und die Krankenkasse:

Eine Cochlea-Implantat Operation die mind. 30.000€ in die Kasse schwemmt. Da ist die Profitgier den Herrn Profs doch in den Augen geschrieben. Was Ihr in die gesetzliche Krankenversicherung (oder eine private Krankenversicherung?) einzahlt, weiß ich nicht, nur gehe ich mal davon aus, bei einem Betrag von 30.000€ müsst Ihr eine Menge einzahlen. Ich nehme mal zum Beispiel meine Verwandte (Single und LSK 1, da wird in Deutschland der höchste Satz berechnet) zahlt mit seinem Arbeitsgeber monatlich knapp 300 € ein, würde er eine derartige Operation durchführen, wäre diese erst in 8,33 Jahren aus eigenen Mitteln abgezahlt und das ohne Vor- und Nachsorge. Er dürfte dann auch nicht mehr in der Spanne erkranken. Das nur mal zu einem Rechenbeispiel. Dem gegenüber stelle ich digitale Hörgeräte, dessen Kosten eben NICHT (dank vor halbes Jahr Urteil durch Bundessozialgericht müssen die Kassen blechen) im vollen Umfang übernommen werden; da ist immer die biligste, fairste und vernünftige Variante zu verordnen.

Es ist sehr wohl (nach deutschem Recht) eine Körperverletzung (siehe hässliche Narben am Kopfhaut oder beträchtlicher Nebenwirkungen, siehe Schweizerische Fernsehen (SF) zum Beispiel). Aus diesem Grund werden auch bei Schönheits Operationen, Piercings, Tattoos eine dementsprechend Verzichtserklärung unterschrieben und man willig in die Körperverletzung ein.

Ich gebe mal als Beispiel hier an: http://www.schwerhoerigenforum.de/viscacha/showtopic.php?id=2612&page=1&s=94f81bedcb7e426b65b0a270818e1299

Das ganze grenzt schon sehr nah an Profitgier mit jede Menge Schrott und Körperverletzung.

Hier die Erklärung zur Körperverletzung:

Eine Körperverletzung ist der Eingriff in die körperliche Unversehrtheit einer Person in Form einer körperlichen Misshandlung oder einer Gesundheitsbeschädigung. Auch jede ärztliche Behandlung zu Heilzwecken, bei der auf irgendeine Weise in den Körper des Patienten eingedrungen wird, ist nach herrschender Rechtsprechung eine Körperverletzung, die nur dann nicht rechtswidrig ist, wenn in sie (auch konkludent) eingewilligt wird oder ein rechtfertigender Notstand vorliegt.

Kurze Bemerkung: Das Gesetz der Körperverletzung habe ich nicht gemacht und auch nicht selber ausgedacht. Das steht so im Sozialgesetzbuch (SGB).

Was viele Menschen mit Behinderungen oft stört ist nach meiner Erfahrung, dass sie von außen wohlgemerkt als „Etwas“ angesehen werden, was unbedingt „repariert“ werden müsse. Quasi wie ein Auto mit defekten Reifen, wo man ja nur die Reifen austauschen braucht.

Aber nicht die Behinderung der Menschen sind in meinen Augen das Problem, sondern die Unfähigkeit der scheinbar „Normalen“ die Umwelt so barrierefrei einzurichten, dass es egal sein könnte, welche Behinderung jemand hat.

Beispiele:

1) Untertitel für jede Sendung im Fernsehen bzw. jede DVD

2) Jeder Neubau von Hotels, öffentlichen Einrichtungen (Hochschule, Ämter, etc), Arztpraxen, Restaurant undsoweiter wird barrierefrei angelegt (Rampen, Fahrstühle, Behindertentoiletten, Blindenleitsysteme, etc.)

3) Altbauten werden, soweit möglich, entsprechend nachgerüstet.

Dies alles hätte nicht nur Vorteile für Menschen mit Behinderungen!

zu 1) Leute die gerade dabei sind die deutsche Sprache zu lernen, bekommen so eine Unterstützung zum Spracherwerb

zu 2/3) alte Menschen mit Gehwagen, Leute die sich den Fuß verstaucht haben, Mütter mit Kinderwagen oder sonstige Leute die einfach aufgrund körperlicher Einschränkungen – die keine Behinderung sein müssen, beeinträchtigt sind, kämen besser zurecht

Um dies zu erreichen müsste sich, nach meiner Auffassung, das oben angesprochene, defizitorientierte Denken ändern und Menschen mit Behinderungen endlich etwas Entscheidenes zugesprochen bekommen:

Die Gleichwertigkeit zu allen anderen Personen.

Wieso sollte diese Gleichwertigkeit nicht gegeben sein? Die Realität hat mir und meinen Freunden / Bekannten die eine Behinderung haben oft genug das Gegenteil gezeigt.

Da bekommen zum Beispiel erwachsene(!) Rollstuhlfahrer um Weihnachten rum, von diesen Weihnachtsmännern die es dann an jeder Ecke gibt, auf einmal den Kopf getätschelt, als wären es Kleinkinder.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 12. September 2010 in Cochlear Implantat

 

Schlagwörter: , , ,

Perspektive über Gehörlosen

Es ist schon interessant als ein Hörende mir private Nachrichten angeschrieben hat und geklagt, warum die Gehörlose kaum tun können oder wenig handeln.

Aus meiner Sicht gebe ich Sie Recht. Das ist schon ein gefährliche Situation vor allem schwächere Gehörlosen, die sich kaum zur Wehr setzen können. Die stärkere Gehörlosen wollen das, aber die schwächere Gehörlosen ist der Knackpunkt. Man muss mitdenken, wie groß die Unterschiede zwischen beiden Seiten ist.  Meine gefühlte Beobachtung sind die schwächere Gehörlosen sind in größere Mehrheit und eben das ist das problematisch, weil die schwächere Gehörlose genauso wie die stärkere Gehörlose selbstbestimmt leben wollen. So oft haben die Gehörlosen Hörende davor gewarnt, dass Gehörlosen selbstbestimmt leben wollen, dass Gehörlosen als eigenständig lebende Menschen wahrgenommen werden wollen, sogar fähig, eigene Entscheidungen zu treffen. So oft wurden Hörende des „Helfer-Syndroms“ verdächtigt. Ja, ich als begabter Gehörloser muss ganz offen zugeben, in Wirklichkeit können die meisten nicht. Fakt ist nun mal so, wenn die Gehörlosen gerne behaupten: „Wir sind nur eine sprachliche Minderheit, wir haben keine Probleme und wir sind nur halt ganz anders.“ Genau diese Botschaft kommt bei allen Behörden, Politik, Wirtschaft und auch Kostenträgern an. Das führt dazu, dass die denken, dass es keine große Probleme gibt und somit alle Schwierigkeiten gelöst und vollständig integriert ist (man bedenke dabei an Thilo Sarrazins Äusserung über „Integrationsunwillige“). In Wirklichkeit stimmt leider nicht immer. Diese Botschaft kam von stärkeren Gehörlosen, die leider unbemerkt selbst schaden und die schwächeren Gehörlosen abzugrenzen.

 

Schlagwörter: ,