RSS

Schlagwort-Archive: Barrierefreiheit

Trickst “Barrierefreiheit-Experte” Ralph Raule allen aus? #gebärdensprache

Der angebliche “Barrierefreiheit-Experte” Ralph Raule hat erneut wieder zugeschlagen und was er wieder macht ist auch nichts neues.

Während Barrierefreiheits-Experte Ralph Raule für die Gruppe der gehörlosen Gebärdensprachler feststellt: „Eigentlich gibt es keine Möglichkeit, mich wie eine hörende Person in aller Vielfalt zu informieren, ob das nun bei Focus ist, bei Spiegel oder Welt oder Bild”. Für Raule hat das fatale Folgen: „Das Informationsangebot für Gehörlose ist mehr als mangelhaft, es ist ungenügend. Deshalb können wir da auch nicht von Teilhabe und gesellschaftlichem Zugang sprechen. Ich kann halt als Gehörloser nichts zum Syrienkrieg sagen, wenn ich keine Informationen dazu habe.”

Quelle: http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/27712/Barrieren-bei-Nachrichten-Portalen.htm

Der schwerhörige Gebärdenwerk-Geschäftsführer Ralph Raule hat dem Kobinet-Nachrichten gerne ausgetrickst, wenn er weitere Ziele erreichen möchte. Eine (Film-)Minute kostet bei der Hamburger Firma zwischen 100 und 200 Euro, verriet Gebärdenwerkler Ralph Raule damals. Das ist weitaus mehr als in der horizontalen Branche an der Reeperbahn verlangt wird. Zwar kann man mit der Erstellung von Gebärdenvideos nicht so viel Geld machen wie Dirk Nowitzki oder Michael Schumacher, aber das Gründertrio vom Gebärdenwerk ist nah dran. Man kann in der Tat gute Geschäfte mit Gebärdenvideos machen, zumal heutzutage sie kinderleicht und nahezu kostenfrei zu erstellen sind.

Aber: Um Geschäfte mit Gebärden in den Gang zu bringen, wird anscheinend keine Rücksicht auf die Zielgruppe genommen. Ralph Raule damals ganz unverblümt zum Hamburger Abendblatt: “Es ist nämlich ein weit verbreiteter Irrtum, dass gehörlose Menschen lesen können”. Sind Gehörlose tatsächlich leseunfähig? Oder “Taub macht leseunfähig”? Eine bewußte Stigmatisierung aller Gehörlosen zum Wohle des Geschäftes? Macht nichts, denn die Gehörlosen können den brisanten Satz alle Online-Medien wie Spiegel, BILD, Stern, Focus, Welt, Tagesschau.de usw.. sowieso nicht lesen… Was würde Online-Portal http://www.taubenschlag.de für Schwerhörige und Gehörlose eigentlich über Ralph Raule denken, wenn Taubenschlag gezwungen sind allen Textversionen in DGS-Version umzuwandeln? Wie haben die Gehörlosen damals ohne Online-Medien gelebt? Natürlich immer mit Printmedien ohne Gebärdenvideos. Die Gehörlosen haben in der Schule ganz normal Deutsche Sprache lesen und schreiben gelernt. Sie können halt gut Deutsch lesen und verstehen (BILD/ Spiegel/ Stern/…) Sehr gutes Hochdeutsch müssen sie nicht schreiben.

Was wird jetzt nach Raules Aussage passieren? Werden jetzt DGB-Präsident Rudi Sailer und seine Jünger wegen “Taub macht leseunfähig” zu Streitaxt und Schwert greifen? Von wegen! Ralph Raule ist nämlich Vorsitzender in eben diesem Hamburger Gehörlosenverband und lässt gerne DGS-Boss Rudi Sailer verpfeifen!

Siehe auch ältere Artikel:

-http://hewritesilent.wordpress.com/2010/10/11/gebardenwerk-und-die-schone-regierung/
-http://hewritesilent.wordpress.com/2012/07/19/gebardenfilmchen-im-internet-barrierefreiheit/

 
29 Kommentare

Verfasst von - 23. September 2013 in Barrierfreiheit, Gebärdensprache

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Gleichstellungsgesetz? #inklusion #recht #bundesregierung

Gleichstellungsgesetz wurde unter rot-grüne Koalition vor 10 Jahren verabschiedet worden. Aber hat es sich dank Gleichstellungsgesetz bis jetzt spürbar verbessert? Gerade habe ich mir alles durchgelesen und vieles dabei entdeckt. Leider entpuppt sich Gleichstellungsgesetz als Mogelpackung dank unter rot-grüne Regierung zwischen 1998-2005. http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a301-gesetz-zur-gleichstellung-behinderter-menschen.pdf?__blob=publicationFile

Kernstück vom Bundesregierung: Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte und Wahlschablonen für Blinde.

Was gibt’s so für schwerhörige und gehörlose Gesellschaft? Achtung, jetzt kommt es: “Hör- oder sprachbehinderte Menschen haben das Recht, im Verwaltungsverfahren mit Bundesbehörden in Deutscher Gebärdensprache, mit lautsprachbegleitenden Gebärden oder über andere geeignete Kommunikationshilfen zu kommunizieren. Die Kosten sind von den Bundesbehörden zu tragen.” Quelle: http://www.bit.bund.de/nn_2143936/BIT/DE/Beratung/Beratung__BGG__neu/Kommunikation/node.html?__nnn=true

Kurios: Sprachbehinderte Menschen haben das Recht auf einen Dolmetscher? Können sie denn überhaupt gebärden? Glaube nicht…

Denken wir allgemein mal nach: Dolmetscher bei Behördengängen. Aber wie oft geht man schon zum Arbeitsamt…Oder zum Jugendamt…Oder zum Einwohnermeldeamt…. Oder irgendwelche Behörden. Ausserdem profitieren davon nur ein paar Tausend Gehörlose. Oder wie oft benutzen die Gehörlosen beim Wahlen die Gebärdensprachdolmetscher, obwohl viele Gehörlosen in der Vergangenheit mehrmals zur Wahlen ohne Dolmetscher gegangen sind? Nichts! Einfach die Wahlhelfer nur freundlich begrüßen und die Wahlzettel ankreuzen genügt!

Bestes Beispiel: In meiner Wohnort hatte die Behörde (selbst Einwohnermeldeamt) damals die gebärdensprachkompetente Mitarbeiter zur Verfügung gestellt, obwohl ich gerne in Anspruch genommen hätte, leider bevorzuge ich lieber in lautsprachliche Kommunikation. Monaten später kam ich erneut dorthin und stelle fest, dass es dort keine gebärdensprachkompetente Mitarbeiter nichts zu finden ist. Auf meiner mündliche Anfrage an Behördenmitarbeiter und er sagte: “Es hat sich ergeben, dass die vor Ort angebotenen gebärdensprachkompente Mitarbeiter kaum in Anspruch genommen wurden.” Aha!

Der behinderter Blogger “Silent Writer” drückt die Enttäuschung aus: “Die Gleichstellung Behinderter bleibt scheinbar ein frommer Wunsch.”

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

“Steuerfrei weg = Barrieren weg!” und “Freifahrten-Affäre”

Laut ePetition brisante Kommentar “Steuerfrei weg = Barrieren weg!” von taubisttaub. Brisant, brisant!

Zwar könnten zum Beispiel Blinde und Rollstuhlfahrer weiterhin den öffentlichen Nahverkehr kostenfrei nutzen. Doch für alle anderen Fahrten müssen die Behinderten Fahrkarten einlösen. Glücklicherweise hat das Ministerium damals diese Pläne gekippt, zur Erinnerung Freifahrten-Affäre damals.

Bundessozialministerin Ulla Schmidt teilte damals in einer Presseerklärung (siehe Welt) mit, dass Freifahrten doch nicht eingeschränkt werden, weil “wir barrierefreien Personennahverkehr brauchen”. In Wahrheit liegt die Ursache für den Rückzieher ganz woanders: Man müsse unter anderem für behindertengerechte Fahrkartenautomaten sorgen. Zum Beispiel mit einer Sprachausgabe für Blinde. Auch kleinere Automaten oder Umrüstungen mit tiefergelegter Tastatur für Rollifahrer. (Und vielleicht Spezialautomaten mit Fingeralphabet oder Dolmetscher für Gehörlose, weil sie ja “nicht lesen können” (laut “wahrscheinlich weltberühmte” Aussage von Ralph Raule…)

Da die Ausgaben für solche Maßnahmen das Ersparnis um ein Vielfaches übersteigen würden, landeten die Kürzungspläne in den Reißwolf. Das hat also nichts mit Gewissensbissen bei frühere Ministerin Schmidt zu tun. Von wegen “Wir brauchen Barrierefreiheit”…

Und auch die Proteste vom Deutschen Gehörlosenbund wurden von Ulla Schmidt niemals erhört, auch wenn Deutsche-Gehörlosen Bund Präsident was anderes behauptet. Gute Nachrichten für ihre Schützlinge: Die Gehörlosenjugend darf weiterhin “barrierefrei” mit dem Zug von einer fröhlichen Party zur nächsten ziehen….Und wie sähe steuerfreie Finanzierung aus? Sehr heikel….Zum Glück, haben wir seit 1. September 2011 barrierefreie Freifahrten-Regelungen.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 18. Januar 2013 in Barrierfreiheit

 

Schlagwörter: , , ,

Eine Diskussion zuviel…

Sinn und Unsinn von Diskussionsveranstaltungen zum Jahr der Behinderten

Ganz Europa feiert das Jahr der Behinderten gemeinsam unter einem Motto. Nur Deutschland gehen wieder mal ihren eigenen Weg und haben eine ganz andere Kampagne gestartet. “Na und!”, so ihr Motto. Das übrigens Millionen Euro kosten soll. Genauso viel Geld, wie vom Bund für den Rest von Deutschland bereitgestellt wurde. Was die Behinderten davon halten? “Geldverschwendung!” – auch harte Worte sind gefallen: “Debilität” und “Verballhornung”sind ein Beispiel. Was ist eigentlich der Sinn dieser Kampagne? Was will man mit der Aktion “Europäischen Jahr der Behinderten” (EJB) erreichen? Verbesserungen sind nicht in Sicht. Eines steht aber fest: Es wird zum “EJB” viel geredet. Sind wenigstens die Diskussionsveranstaltungen lehr- und geistreich?

Hier drei verschiedene Gesprächsrunden im Rückblick: 

“Total Normal – Arbeit und Freizeit mit Behinderung leben” Anwesend waren: Ca. 200 Leute. Davon 4 Gehörlose und 2 Dolmetscherin. Laute Töne: “Wir wollen für uns sprechen”. Dann der erste Satz, der ins Schwarze traf: “Es gibt zuwenige spezielle Lehrer”. Ja, immer noch sind die meisten Lehrer an GL-Schulen Gebärdensprachanalphabeten.
Weiter geht’s: “Anfangs hatten wir Bedenken gegen Integration”. Jetzt nicht mehr?
Behindertenbeauftragte, bei der Podiumsdiskussion noch ganz schweigsam, sprach nun viel Klartext: “Was politisch gewollt ist wird auch finanziert!”“Ich habe die Vision, dass meine Aufgabe überflüssig wird” und das Beste: “der normale Alterungsprozess wird als Behinderung angesehen!” – Behindertengeld statt Renten?

“Gewinner oder Verlierer? Dolmetschervermittlung im Teufelskreis!”
Hierzu wurden auch drei Politiker eingeladen. Vor der Diskussion wurde ausgemacht: Wer zuviel redet, kriegt die “gelbe Karte”. Die gelbe Karte kam aber nie zum Einsatz. Das übernehmen wir jetzt.
Statt gleich zum Thema zu kommen, verschwendete ein Gehörloser fast 30 Minuten mit dem Vorwort zur Dolmetschersituation. Diese hätte er allen Diskussionsteilnehmern am Vortag zufaxen können. Gelbe Karte! Alle Gesprächsteilnehmer schienen fast ständig gleicher Meinung zu sein: Gehörlose brauchen dies und das, jawohl. Gelbe Karte. Dolmetscher-Katzenjammer: “Hausfrauen und Arbeitslose haben keinen Anspruch auf Dolmetscher!” Tatsächlich? Gelbe Karte! “Dürfen Dolmetscher während der Ausbildung aushelfen?” Besser nicht, da wahrscheinlich zu teuer und Zuständigkeitskrieg ausbrechen könnte. Gelbe Karte.

Ein Gehörloser: “1 Milliarden für den neue Berliner Flughafen , woher kommt plötzlich das Geld?” Und: “Wenn man das Geld den GL geben würde, wären wir für 50 Jahre versorgt!” Was? Milliarden für den GL? Her mit dem Berliner Flughafen! Gelbe Karte! Dann der Schreck: “Ihr bekommt Hausaufgaben!” (Moderatorin zu den Politikern). Wie kindisch! Gelbe Karte!
“Rollstuhlfahrer haben keine Barrieren, sie haben ja Rampen bekommen! Und wir Gehörlose haben immer noch Barrieren!”Rote Karte! Es wurde noch mehr Müll gesprochen. Mehr wird nicht erwähnt. Anwesend: 8 Teilnehmer und 2 Mods. Nur 30 Zuschauer wollten diese Diskussion über sich ergehen lassen…

Quartett Imperfekt. Etwa 150 Gäste. Die drei ständigen Teilnehmer des Quartett Imperfekts. Vor laufender Kamera wurde das erste Thema einer neuen Gesprächsreihe eröffnet: “Über die Behandlung von Behinderten im 3. Reich und was danach alles so ganz anders wurde”.
Zitat aus dem Flyer: “Die Mitglieder der neuen unkonventionellen Gesprächsreihe ‘Quartett Imperfekt’ mischen sich ein und stellen unbequeme Fragen”. Unbequem waren nur die Stühle, gesprochen hat fast nur der geladene Gast und das Ganze erweckt den Eindruck, dass die Gäste von der Behandlung Behinderter im 3. Reich nix gewusst hätten. 4 Teilnehmer, die in Rampenlicht gerückt bzw. gerollt wurden. Ein heikles Thema, das in einem banalen Monolog ausuferte. Weitere Diskussionsrunden mit dem “Trio Infernale” stehen noch bevor.


 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Die Polizei – dein Freund und Helfer!

Thema: Der Umgang mit Hörgeschädigten

Die Polizei und ihre Aufgaben – für viele Hörgeschädigte wohl ein unbekanntes Pflaster. Das, was wir aus dem TV kennen, hat mit der Realität oft wenig zu tun – besonders wenn Hörgeschädigte in einem Fall verwickelt sind. Klischee über Klischee…Der Alltag sieht da ganz anders aus. Kleines Blogteam “Silent Writer” wollte etwas mehr darüber erfahren und beschloss die “Ermittlungen” aufzunehmen. Wie verläuft die Kommunikation zwischen Polizei und Hörbehinderten bei einem Einsatz? Wie funktioniert der Notruf für Gehörlose? Und vor allem: Was weiss die Polizei über die Hörgeschädigten?

Angefangen haben wir beim Landeskriminalamt. Auf unsere Anfrage, den Beamten “über die Schulter” schauen zu dürfen, haben wir “wegen der angespannten Arbeitssituation” eine knappe Absage erhalten. Dafür wurde uns die andere Frage beantwortet.

hewritesilent: Sind hier bei dem Landeskriminalamt hörgeschädigte Mitarbeiter beschäftigt?

LKA (H-M. H., echte Name des Interviewpartners der Blogger bekannt): Hörgeschädigte Mitarbeiter sind unseres Wissens im LKA nicht beschäftigt.

hewritesilent: Danke.

LKA: Wir wünschen Ihren Aktivitäten für Hörgeschädigte auf alle Fälle viel Erfolg.

Später haben wir bei der Pressestelle im Polizeipräsidium nachgefragt und wurden auf die Notrufzentrale verwiesen. Einsatzleiter der Notrufzentrale, stellte sich uns freundlicherweise zur Verfügung.

hewritesilent: Sind hier bei der Polizei z.B. in der Verwaltung hörgeschädigte Mitarbeiter beschäftigt?

Einsatzleiter (J.R., echte Name des Interviewpartners der Blogger bekannt): Ja, ein schwerhöriger Mitarbeiter und ist zuständig für die Sachbearbeitung.

hewritesilent: Beherrschen Sie oder einer Ihrer Mitarbeiter die Gebärdensprache?

Einsatzleiter: Beim Polizeinotruf nicht erforderlich und sinnvoll.

hewritesilent: Wie werden die Notruf-Meldungen für Hörgeschädigte (Fax/Schreibtelefon/SMS) bearbeitet und weitergeleitet?

Einsatzleiter: Die Einsatzzentrale verfügt über ein Schreibtelefon. Das Telefon wird vom Leiter der Einsatzzentrale bedient, bei Bedarf ein Einsatz aufgebaut und bearbeitet. Die Frequenz der Nutzung ist gering. SMS-Notruf ist im rechtlichen Sinne nicht als Notruf einzuordnen.

hewritesilent: Kommt in Deutschland auch die einheitliche Notrufnummer “112″ wie z.B. in anderen Länder, an die man auch per Fax oder Schreibtelefon oder SMS einen Notfall melden kann?

Einsatzleiter: Dass die Polizei auch im Festnetz auf 112 umschwenkt ist mir nicht bekannt. Es bedürfte auch erheblicher Infrastrukturmaßnahmen, um dies zu realisieren. Es müssten “Call Center” geschaffen werden, die den Anlass des Anrufes vorklären. Das FAX und SMS sehe ich nicht als sonderlich zielführend an, da hier kein “Gespräch” möglich ist, sondern immer das Ende der Sendung abgewartet werden muss. Interessant wäre eine “Chatlösung”, die aber seitens der Verbände auf nicht sonderliches Interesse stößt.

hewritesilent: Die Notrufnummer 110 wird missbraucht. Kommt dies auch beim Gehörlosennotruf vor?

Einsatzleiter: Durch zweideutige Positionierung im Telefonbuch Anruf durch sonstige Personen. Diese werden in der Regel an eine andere Nebenstelle verwiesen.

hewritesilent: Meinen Sie, sollten die Handy ohne Karte und kostenlos funktionieren?

Einsatzleiter: Dass der Notruf bei Mobiltelefonen auch ohne Karte und kostenlos funktioniere, sei eigentlich eine gute Sache. Bei einem Unfall auf der Autobahn oder auf der Straße melden sich gleich zehn oder mehrere Leute. Da geht nichts mehr verschütt.

hewritesilent: Ist die Sirene Ihres Funkstreifenwagens nicht zu leise?

Einsatzleiter: ??? (reagiert verwundert) Manche Nicht-Behinderte hören es wegen Autoradiomusik immer noch nicht, die Kollegen im Funkwagen bekommen einen Gehörschaden durch die Lautstärke. Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, wird evtl. an anderen Tonfolgen gearbeitet (amerik. Sirenen).

hewritesilent: Wie gehen die Polizisten allgemein vor, die bei einer Fahrzeugkontrolle einen Hörgeschädigten vor sich haben? Gab es Probleme, so dass ein Dolmetscher hinzugerufen werden musste?

Einsatzleiter: Bei verschiedenen Polizeidienststellen konnte die Polizisten feststellen, daß es bisher keine großen Probleme beim Aufeinandertreffen von Polizei und Hörgeschädigten gab. Bei einer Fahrzeugkontrolle kann manchmal diese auf dem schriftlichen Wege über einen Notizblock oder einfache Handzeichen erfolgen.

hewritesilent: Wird an der Polizeischule der Umgang mit hörgeschädigten Mitbürgern erläutert?

Einsatzleiter: In der Ausbildung der Polizeibeamten wird die Kommunikation mit Hörgeschädigten nicht gesondert behandelt. Dies fällt unter das allgemeine Ausbildungsfeld “Kommunikation und Konfliktbewältigung”.

hewritesilent: Waren die Kollegen jemals bei einem Vorfall dabei, an dem Hörgeschädigte beteiligt waren? Wie verlief die Kommunikation und was für Erfahrungen haben die Beamten gemacht?

Einsatzleiter: Erfahrungen zu konkreten Fällen können die Polizisten leider nicht mitteilen, da es in Deutschland sehr viele Polizeidienststellen gibt und es uns nicht möglich war bei allen nachzufragen, da ja der Dienststellenleiter auch erst bei seinen Mitarbeitern nachfragen müsste. Dies ist bei vielen Beschäftigten des Polizeipräsidiums etwas schwierig. Bei den Dienststellen, bei denen wir uns erkundigt haben, konnten wir keine konkreten Fälle in der letzten Zeit genannt werden.

hewritesilent: Vielen Dank für das Interview.

Einsatzleiter: Gerne.

Fazit: Generell kann man sagen, daß der Umgang mit Hörgeschädigten in den persönlichen Ermessensspielraum eines jeden Polizisten fällt.

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Gebärdenfilmchen im Internet #Barrierefreiheit

Der Webauftritt des Bundes wurde um einige Videostreams erweitert: Auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziales und Anti-Diskriminierungsstelle ist ein Link zum Gebärdenvideo zu finden. Nach einem Klick öffnet sich eine neue Seite, ein Knut W. übersetzt den Text ganz langsam und deutlich in Gebärdensprache. Mit diesem Service möchte der Bund wahrscheinlich alle Personen ansprechen, die nicht lesen und schreiben können und auf Gebärden angewiesen sind. Doch nicht alle Seiten sind die Gebärdenvideos zu finden, wie sollen damit die leseunkundigen Zielgruppen anfangen?

Auch die Bundesregierung rüstete seine Website mit den Videos auf, die diesmal nicht von der Firma “gebärdenwerk” erstellt wurden, sondern vermutlich von der Skarabee oder RWTH Aachen.

Im Gegensatz zum Bund verzichtet, die zahlreiche Gehörlosen-Sportvereine wie GBF München oder Hamburger GSV oder die Gehörlosen-Landesverbände wie Bayern, Baden-Württemberg , Sachsen, SaarlandHamburg usw. weiterhin auf eine DGS-Übersetzung seiner Website. Ganz schön diskriminierend!…Ausgerechnet die hörgeschädigten Blogger/-innen wie Meins, MeinAugenschmaus, MeinenSenfdazugeben, Clatschia, usw..sind auch nicht besser. Einzig Zorlo84 stellt ein paar Videoblogs zur Verfügung.

Während die meisten Gehörlosenverbände ihre Mitglieder weiterhin jahrelang mit Nur-Text-Websiten “diskriminieren”, versucht “die Geschäftleuten” mehr Interesse bei den hörgeschädigten Surfern zu wecken. Damit die Internetauftritte des Bundes und des Arbeitsamtes noch gehörlosenfreundlicher werden, hatten die Herren vom “gebärdenwerk” und BMGS damals unter rot-grüne Regierung eine Umfrage gestartet. Unter anderem sollen die Nutzer auch abstimmen, ob die Gebärdenvideos mit Ton und Untertiteln ergänzt werden sollen.

Das häufig genannte Argument, dass Untertitel einen Lernwert darstellen, weil damit Fachwörter, Begriffe usw.erklärt werden könnten, kann als nicht relevant angesehen werden. Zum einen ist dies nicht die eigentliche Aufgabe und das Ziel der Barrierefreiheit, zum anderen laufen mit der Gebärdensprache und den Untertiteln zwei dynamische Vorgänge gleichzeitig ab und können nicht zusammen vom Nutzer erfasst werden. Weiterhin ist es nicht möglich, die Geschwindigkeit der Untertitel an das der Gebärdensprache anzugleichen. Letztlich stellen Untertitel selbst Schriftsprache und damit weiterhin eine Barriere für Gehörlose dar.

Vertonung und Untertitel erscheinen aus den genannten Gründen nicht notwendig, sie sind eher als zusätzlichen Nutzen zu betrachten. Wenn ein Auftraggeber dennoch auf Vertonung und/oder Untertitel besteht, sollte er auf eine standard-konforme Umsetzung von Vertonung / Untertitel (bspw. auf der vom W3C standardisierten Sprache “Synchronized Multimedia Integration Language – SMIL”) bestehen, welche ein- und ausschaltbar sind.

Die Gebärdensprache selbst wird in den Filmen offensichtlich von den meisten Teilnehmern der Umfrage verstanden: Über 84% konnten die Inhalte der Gebärdensprach-Filme gut bis sehr gut verstehen.

Quelle: http://www.di-ji.de/index.php?option=com_content&view=article&id=121&Itemid=73&lang=de&limitstart=14

Mit einer Nachvertonung möchte der Bund seine Website vermutlich auch für gut-/normalhörende Analphabeten zugänglich machen. Die Untertitel dienen dabei zu Lernzwecken – auch werdende Dolmetscherinnen können diesen Service nutzen. Voraussetzung: Sie wohnen in Norddeutschland, denn die Gebärden sind wegen des Dialekts nur von den Nordlichtern zu verstehen. Damals wurde selbstverständlich die Umfrage mit Gebärdenvideos ausgestattet. Ob die Hörgeschädigten ihre Antworten ebenfalls als Media-File zurückgesandt worden?

Was die Filme zeigen sollen? Eine Person soll den Inhalt der Websiten in Gebärdensprache übersetzen, damit den “hörgeschädigten” Internetsurfern das Amtsdeutsch nicht mehr spanisch vorkommt. Moment, brauchen die Hörgeschädigten tatsächlich Gebärdenfilmchen im Web? Auch Schwerhörige? Der Bund sieht das so und nennt das “Barrierefreiheit”. Und wenn die Videos für die gebärdensprachunkundigen Hörgeschädigten zu Barrieren werden?

Zudem verlangt der Bund einen hörgeschädigten Darsteller. Das wird aber zweigig… äh, zwickig – die Hörgeschädigten sind doch die Zielgruppe, die “keine Texte versteht”. Wie soll der Darsteller dann…? Aber warum überlassen wir das nicht dem Bund? Die Minister haben ja für solche Probleme die besten Lösungen, vielleicht haben die dafür sogar ‘nen Hartz… äh, “Zweig IV” in der Schublade…

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Barrierefreies Leben oder Lesen?

Hammer! Gestern sagte eine gehörlose Mutter zu mir. Eine gehörlose Mutter hat Deutsche Gehörlosen-Zeitung (DGZ) und LifeInsight abonniert. Sie muss sich immer ärgern, dass sie wenig oder nichts verstanden hat. Alles, was mit Gehörlosen bzw. Behinderten zu tun hat, also, sie kann mit Artikeln nicht viel anfangen, weil alles zu verworren ist. Sie schaut nur diese Bilder an.

Stirbt zukünftig Deutsche Gehörlosen-Zeitung und LifeInsight in Textform aus? Findet bald die digitale Revolution im Internet statt, also nur noch barrierefreie Gebärdensprachvideo für Deutsche Gehörlosen-Zeitung und LifeInsight? Einnahmequelle? Drohen beide Deaf-Verlag ein Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention?

Ralph Raule läßt Euch grüßen!

 
22 Kommentare

Verfasst von - 6. Juli 2012 in Barrierfreiheit

 

Schlagwörter: , , , , ,

Untertitel ist wirklich nicht immer einfach. – Teil 2

Wie bereits berichtet, war das Thema die 100% Untertitel-Forderung nie immer einfach gewesen.

Lange Zeit war die “Tagesschau” die einzige Nachrichtensendung, die untertitelt wurde. Im Juni 2001 beschloss das ZDF, die “heute”-Ausgaben ebenfalls mit Untertiteln auszustatten, sehr zur Freude der hörgeschädigten Zuschauer. Nun kann man sich die Lieblings-Nachrichtensendung aussuchen oder beide hintereinander ansehen – mit “zwei” sieht man ja besser…

Beim ZDF kommt eine Spracherkennungssoftware zum Einsatz. Die Texte werden diktiert und dann eingetippt. Allerdings werden die Moderationstexte dabei “übersetzt”, das heisst die Texte werden verkürzt. Damit will man Rücksicht auf alle hörgeschädigten Zuschauer nehmen.

In den USA und Großbritannien dagegen werden alle Sendungen, auch Filme, 1:1 untertitelt. Warum macht in Deutschland was falsch? Das System in den USA ist ganz anderer Natur mit einem ganz anderen Anspruch: Da wird 1:1 übersetzt – egal, ob es vom Zuschauer aufgenommen werden kann oder nicht. Unser System verspricht mehr Hilfestellung und Einordnung, um das Gesehene und das “Nichtgehörte” zu verstehen.

Interessant ist auch die Zitat: “Die Untertitel-Werkstatt Münster GmbH hat sich entschlossen, sich im Niveau auf die sprachlich weniger kompetente Gruppe der Gehörlosen einzustellen” – beim Ton allerdings wird keine Rücksicht auf die “sprachlich weniger kompetente Gruppe” genommen.

Quelle: http://www.taubenschlag.de/cms_pics/Diplomarbeit%20Andrea%20Kraus.pdf (Siehe Seite 42)

Was denken wir eigentlich über die interessante Zitat von Untertitel-Werkstatt? Es ist doch so, wir wissen immer, dass die Untertitelung von sehr unterschiedlichen Zuschauergruppen genutzt wird. Da sind zunächst einmal die von Geburt an Hörgeschädigten, dann jene, die im späten Alter ertaubt sind und auch sehr viele Personen, deren Gehör nicht mehr so gut ist, und die ebenfalls zum besseren Verständnis die Untertitel zuschalten. Die Bedürfnisse dieser doch sehr unterschiedlichen Gruppen unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. Aber auch wir tendieren dahin, unser Niveau eher der sprachlich weniger kompetenten Gruppe anzupassen, also den von Geburt an Hörgeschädigten.

Noch brisanter: “Öffentlich-rechtliche Rundfunkanbieter müssen langfristig alle, bis zum Jahr 2012 die Hälfte ihrer Programmangebote untertitelt oder mit Gebärdendolmetschern anbieten”
Quelle: http://sign-dialog.de/2008/01/16/schleswig-holstein-50-untertitel-bis-2012/

Haben wir richtig gelesen? 50% mit Gebärdendolmetschern aller öffentlich-rechtliche Rundfunkanbieter? Das ist  hammerstarker Tobak und reinste Illusion, wenn es um Lesefähigkeit von betrifft. Klar ist doch, dass die Gehörlosen nicht lesen können und lieber auf die heilige Gebärdensprache widmen wollen, deshalb verkaufen die Politiker und die Medienlobbyisten uns alle für dumm und haben uns alle frech belogen. Das wird auch in mehreren Jahren immer so bleiben.

Anderes Beispiel: “Die Untertitelquote liegt in den acht Ländern, die diese Frage beantwortet haben, bei öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten bei durchschnittlich 37%, bei privaten im Durchschnitt bei knapp 13%, wobei in Estland sogar 50% der Sendungen im Privatfernsehen untertitelt werden, in Deutschland, Finnland, Island und der Schweiz dagegen 0%. Für das öffentlich-rechtliche Fernsehen beträgt die Untertitelquote 70% in Finnland und 0% in Litauen.”

Quelle: http://www.gehoerlosen-bund.de/dgb/images/stories/pdfs_international/EU_Vergl_auswertung_101028.pdf

Viele gehörlose Deutsche träumen von finnische Bildung, nur weil in Finnland dank bessere Untertitelquote und PISA-Studie Vorkämpfer Europas für hörbehinderte Menschen ist. Falsch gedacht, leider ist in Finnland trotz tolle PISA-Ergebniss und Untertitelquote, wird die Arbeitslosigkeit für hörbehinderten Menschen meistens ein großes Problem bleiben. Sage und schreibe 24 % Prozent Arbeitslosequote für hörbehinderte Menschen, fast annähernd so hoch wie in Deutschland!!! Siehe Bericht aus Finnland.

Zum Thema Forderung 100%-Untertitel von Hörgeschädigten: Viele hörgeschädigte Zuschauer verlangen mehr Untertitel. Doch wir wissen dass die Herstellung sehr teuer ist. “Konkurrenz belebt das Geschäft” – sollte der Wettbewerb nicht verstärkt werden, damit die Untertitelung günstiger wird? Die Fernsehsender sehen in der Untertitelung vor allem eine sehr wichtige Dienstleistung für die Gehörlosen und soziale Verpflichtung ihnen gegenüber. “Wettbewerb” wird die Preise wahrscheinlich kaum günstiger machen, wohl aber möglicherweise eine stärkere Nachfrage. Aber auch wenn es mehr Sender gäbe, die ihr Programm untertiteln, wird es ein teures Geschäft bleiben.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 26. Februar 2012 in Barrierfreiheit, Untertitel

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Untertitel Streit zwischen “Untertitel-Politikern” und “Unteritel-Experten”

“Untertitel-Politiker” und “Untertitel-Experten” sollen die Untertitel-Politik Deutschlands reformieren. Dazu sitzen sie seit 5 Jahren Jahren in der Untertitel-Kommission „100% Untertitel für alle“ oder im Internet zusammen. Herausgekommen ist bislang wenig, Besserung ist nicht in Sicht.

Jens Grehl sagte: Die 12,6% UT-Quote scheint mir nicht ganz aktuell zu sein. Oder schließt die Quote auch die privaten Sender mit ein? ARD kam im Januar 2012 auf über 50% UT. Immer noch viel zu wenig, aber schon eine deutliche Steigerung. s. auch https://plus.google.com/u/0/116525056399951725047/posts/b32VHsf6VQd

Julia Probst sagte: @Jens: Das stimmt so nicht – wir von Aktion Untertitel haben das herausgerechnet und auf die Zahlen auf das Jahr hochgerechnet. Das, was du ausgerechnet hast, ist wieviel die einzelnen Sender an Untertitel produzieren, darunter sind aber auch extrem viele Wiederholungen! Guck mal hier: http://3.bp.blogspot.com/–3rCDCvb6ck/TePp3YtcMiI/AAAAAAAABC0/-LjaxSnV0Vw/s1600/UT-Statistik_Ostern2011_1.jpg Aber auf Jahr heruntergerechnet, ist es eben sehr viel weniger!

Quelle: http://meinaugenschmaus.blogspot.com/2012/02/die-roten-flaggen-gehen-hoch-bei-den.html#comment-form

Selbst beide Arbeitskreise Sign-Dialog und Aktion-Untertitel sind nahezu machtlos, wie sie weiter vorgehen wollen, falls ab 2013 GEZ-Gebühren eingeführt werden sollen.

Was sehr interessant ist, wollen das Team um Aktion-Untertitel angeblich in Bayern und Nordrhein-Westfalen, da beide Bundesländern bereits mindestens 700 registrierten Unterzeichner überschritten haben und danach die Presse einschalten wollen. Bis jetzt ist es nichts daraus geworden. http://www.aktion-untertitel.de/cms/index.php?Itemid=66

Die Wahrheit, wo das Problem wirklich liegt, kennt nur in meinem Hinterkopf. :)

 
3 Kommentare

Verfasst von - 23. Februar 2012 in Barrierfreiheit, Untertitel

 

Schlagwörter: , , , ,

Gibt es Barriere in der Gehörlosen Gesellschaft?

Die Frage ist: Darf man Gehörlose gegenüber Gehörlose ausgrenzen???

Wenn Ihr selbst fragt, ob das solche gibt. Okay, ich enthülle die Geheimnisse über die angebliche Barriere. Sicher gibt´s jede Menge selbstgemachte Barrieren! Darin sind Gehörlose genauso wie die Hörende und andere Behinderten-/Rassengruppen Weltmeister. JEDER hat schon solche Erfahrungen gemacht. Nicht nur einmal. Aber darüber redet man nicht. Stichwort: “keinen schlechten Ruf verbreiten”. Sonst würde das nicht jeden Tag passieren, und zwar in jedem gehörlosen/hörenden Verein, jeder gehörlose/hörende Schule usw….Das ist Barriere!

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 14. Februar 2012 in Barrierfreiheit

 

Schlagwörter: ,

Einblick in die Arbeit der Untertitelredaktion

Vor rund 30 Jahren hat der Westdeutsche Rundfunk seinen Videotext-Dienst gestartet. Kurz danach wurde beim WDR die erste untertitelte Sendung ausgestrahlt. Die Untertitel wurden jedoch nicht vom Sender selbst, sondern von der Untertitelwerkstatt Münster erstellt. Damals war das Angebot an untertitelten Filmen recht bescheiden, von der Untertitel-Qualität ganz zu schweigen. Mit der Zeit stattete der Kölner Sender immer mehr Sendungen mit Untertiteln aus, die von der hauseigenen Untertitel-Redaktion erstellt wurden. Heute beträgt die Quote an untertitelten Sendungen beim WDR rund 45 Prozent, Tendenz positiv steigend und bei Feststellung vollkommen ausreichend.

Der Untertitel-Job ist nicht einfach: Der Westdeutsche Rundfunk sendet viele moderierte Beiträge, die sehr dialoglastig sind. Das erfordert von den Untertitlern neben viel Tipparbeit auch eine hohe Konzentration. Aufwendige Technik und versierte Mitarbeiter in einem eingespielten Team machen es jedoch möglich, dass die Untertitel ziemlich nah am gesprochenen Originaltext bleiben.

Warum eigentlich bemüht sich der WDR, so viele Sendungen wie möglich zu untertiteln? Das erklärt die Redaktion natürlich mit “Barrierefreiheit” …

Ein Blick in die Redaktion
Im dritten Stock des WDR-Gebäudes am Appellhofplatz befindet sich der Programmbereich Internet, zu dem auch die Videotext- und Untertitelredaktion gehört, für die Marianne Wegmann zuständig ist. Hier arbeiten knapp 50 Mitarbeiter. In Frau Wegmanns Büro laufen nicht nur zwei Computer zur Kontrolle des Videotext-Inhaltes, sondern auch zwei Fernseher. Die Untertitelseite 150 ist ständig zugeschaltet. Auf diese Weise kann die Redaktionsleiterin die Arbeit der Untertitler immer im Auge behalten. Geregelte Arbeitszeiten kennt Marianne Wegmann nicht. Der Beruf erfordert es, dass die Leiterin öfters auch abends oder am Wochenende im Büro bleiben muss.

Die “herkömmliche” Untertitelung 
Die Untertitel werden in zwei kleinen Senderäumen erstellt. Beide Zimmer sind voll gestopft mit Abspielgeräten, Fernseh- und Computerbildschirmen, PCs und Druckern. Ständig trudeln DVDs mit Dokumentarfilmen oder Serienfolgen ein, die untertitelt werden sollen. Wenn keine Dialogliste vorliegt, müssen die Filme abgehört und alle gesprochenen Texte rausgeschrieben werden. Ein Mitarbeiter benötigt im Schnitt einen Tag, um eine 45 Minuten lange Sendung zu untertiteln.

Die Live-Untertitelung
Um 18:50 Uhr beginnt die 40minütige Nachrichtensendung “Aktuelle Stunde” (AKS), die live untertitelt werden muss. Im Senderaum sitzen drei Untertitler (Untertitel-Sprecher und Untertitel-Producer) und warten auf ihren Einsatz. Das Schwierige an dem Untertitelungsjob: Die “Aktuelle Stunde” enthält nicht nur die Moderation, sondern auch viele Filmbeiträge und zahlreiche Interviews. Häufig liegt keine Dialogliste vor. Daher haben die Untertitelredakteure in den Stunden vor der Ausstrahlung der “AKS” die gesprochenen Texte rausschreiben müssen. Da manche Ausschnitte erst während der Sendung eingespielt werden sollen oder die Zeit einfach zu knapp ist, können die Mitarbeiter nicht zu jedem Beitrag eine Dialogliste erstellen. Daher kommt für die Untertitelung der “Aktuellen Stunde” auch eine Spracherkennungssoftware zum Einsatz.

Die drei Untertitler schauen gebannt auf die Bildschirme. Es ist 18:51 Uhr. Die “Aktuelle Stunde” ist bereits auf Sendung. Jan Eidens behält nicht nur die Moderatoren im Blick, sondern auch die scheinbar endlos lange Liste mit den gespeicherten Dialogtexten zu der “AKS”. Seine Kollegin hört über Kopfhörer den beiden Nachrichtensprechern aufmerksam zu. Sie hat schließlich die Aufgabe, die vorbereiteten Untertitel während der laufenden Sendung ein- und auszublenden, was auch “Spotting” genannt wird.

Die Uhr zeigt jetzt 19:00 Uhr, die “Aktuelle Stunde” läuft seit 10 Minuten. Ein Interview wird in die Sendung eingeblendet. Es gibt dazu keine Dialogliste, also konnten keine Untertitel vorbereitet werden. Daher unterbricht Urte das Spotting. Jan Eidens reagiert in Sekundenschnelle und beginnt, die gesprochenen Dialoge aus dem Interview ins Mikrofon zu diktieren. Die Software wandelt das Gesprochene in Schrift um. Jan bricht noch schnell die Zeilen um und schickt die gerade erstellten Untertitel per Mausklick in die laufende Sendung. Dabei behält er die Sendeliste der “Aktuellen Stunde” ständig im Auge, denn gleich wird wieder ein Filmbeitrag gesendet, zu dem die Untertitel vorbereitet wurden. Als es soweit ist, signalisiert Jan mit einer Handbewegung seiner Kollegin, dass sie mit dem Spotten fortsetzen kann.

In den vierzig Minuten – so lange dauert die “Aktuelle Stunde” – müssen die Untertitler zigmal spontan reagieren und schnell zwischen dem Spotten der vorbereiteten Untertiteln und Spracherkennung wechseln. Gelegentlich wird auch improvisiert, vor allem wenn aktuelle Beiträge live eingespielt werden. Der Zuschauer soll schließlich so wenig wie möglich von der Hektik im Senderaum mitbekommen. Die Untertitelung verläuft jedoch nicht ganz reibungslos. Vor allem wenn der Untertitler während des Spottings merkt, dass der Zeilenumbruch nicht optimal war, da die Sprecher zu schnell abwechseln. Dann müssen die Untertitel schnell hintereinander in die Sendung ein- und wieder ausgeblendet werden.Und wenn im Fernsehen mal lückenhafte Untertitel zu sehen sind, hängt das meistens damit zusammen, dass in der Dialogliste ein paar Zeilen gefehlt haben oder beim Abhören “vergessen” wurden.

Es kommt auch vor, dass der Beitrag kurz vor der Ausstrahlung noch einmal abgeändert wurde und die vorbereiteten Untertitel nicht mehr zum Inhalt passen. Wenn im Senderaum kein Kollege für die Spracherkennung zur Verfügung steht, werden die Untertitel einfach ausgelassen. Bei einer Untertitelung per Stenosystem wie in den Vereinigten Staaten sind Zwischenfälle dieser Art ausgeschlossen, da die Dialoge während der laufenden Sendung rausgeschrieben und sofort Wort für Wort in die rollenden Untertitel eingeblendet werden. Jedoch hat das Stenosystem auch seine Tücken …

Spracherkennung versus Stenografie
In der Untertitelredaktion des Westdeutschen Rundfunks wird mit normalen Computerkeyboards und einer Spracherkennungssoftware gearbeitet. So genannte Stenotypisten, die mittels einer Spezialtastatur synchron zur Sendung das Gesprochene niederschreiben, werden nicht beschäftigt. Auch wenn viele Hörgeschädigte glauben, dass Stenotypisten zur Untertitelung wie geschaffen wären: Solche Vorhaben würden daran scheitern, dass es kaum noch Stenotypisten gibt. Der Beruf scheint ausgestorben zu sein. Ein weiteres Hindernis ist die Struktur und Aufbau der deutschen Sprache.

Die Zukunft liegt bei der Spracherkennung, meint Marianne Wegmann. Das System werde sich weiter verbessern, sodass die Untertitelung noch einfacher werde. Statt die Dialoge mühsam abzuhören und mit hoher Geschwindigkeit niederzuschreiben, werde der Redakteur in Zukunft dank ausgereiften Spracherkennungsprogrammen nur noch die im Film gesprochenen Texte in das Mikrofon diktieren müssen. Die zeitaufwendigen Tipparbeiten würden wegfallen. Dialoglisten könnten auf diese Weise in kurzer Zeit erstellt werden.

Der WDR macht nicht alles selbst
Auch wenn der WDR sich bemüht, möglichst viele Sendungen zu untertiteln, es ist einfach zu viel Arbeit. Daher werden für die Untertitelung der Spielfilme andere Firmen beauftragt. Darüber hinaus findet ein Austausch der Untertiteldaten statt. Wenn ein anderer Sender zu einem Film die Untertitel schon erstellt hat, kann die WDR-Redaktion diese anfordern. Obwohl nicht alle Videotextredaktionen wie der WDR mit der Untertitelungssoftware der Firma FAB arbeiten (z. B. der HR oder der ARD-Text untertiteln mit anderen Programmen), lassen sich in vielen Fällen die Untertiteldateien problemlos einspielen.

Die Tagesschau wird ebenfalls nicht vom WDR untertitelt, auch wenn sie auf dem Kanal des Kölner Senders zu sehen ist. Für diese Nachrichtensendung ist der NDR zuständig, auch die Untertitel zur Tagesschau werden in Hamburg erstellt. Zudem müssen die Wiederholungen in den Vormittagsstunden natürlich kein zweites Mal untertitelt werden

Untertitel im Web
Seit der Geburt des Web 2.0 begannen die Fernsehsender, Portale mit online abrufbaren Sendungen einzurichten (so genannte Mediatheken). WDR ist zurzeit der einzige Sender, der seine Onlineinhalte untertitelt. Einige im Internet bereitgestellte Sendungen wie “hart aber fair” enthalten hingegen keine Untertitel, obwohl sie während der Ausstrahlung live untertitelt wurde. Dafür hat Frau Wegmann folgende Erklärung:

“… Als wir Ende 2006 das Programmangebot WebTV mit Gebärdendolmetscher zusammengestellt haben, wurde die Sendung “hart aber fair” noch nicht untertitelt, sodass wir für diese Sendung nur die Übersetzung in Gebärdensprache eingeplant haben. Seit Januar 2008 produzieren wir auch Live-Untertitel für “hart aber fair”. Diese sind naturgemäß nicht so perfekt wie vorbereitete Untertitel. Wir gehen davon aus, das zeigen uns auch die Reaktionen unserer Zuschauer, dass kleinere Fehler bei einer Live-Untertitelung toleriert werden. Würden wir diese Live-Untertitel für das WebTV anbieten, müssten wir diese nachbearbeiten und dafür stehen uns derzeit keine Kapazitäten zur Verfügung. …”

Apropos Gebärdendolmetscher im WebTV: Ob das eine gute Idee war, sei dahingestellt. Die Gebärdensprache ist regional unterschiedlich. Gehörlose in NRW verwenden für ein und dasselbe Wort andere Gesten als in Bayern und in den restlichen Bundesländern. Es kommt durchaus vor, dass auch von Stadt zu Stadt innerhalb des Ruhrgebiets unterschiedlich gebärdet wird. Daher sind Gebärdendolmetscher im Fernsehen selten sinnvoll. Warum der WDR diesen Service dennoch bietet, darüber kann man nur rätseln. “Barrierefreiheit” ist hier jedenfalls kein plausibler Grund.

… und was wird untertitelt?
Die Wahl, welche Sendungen untertitelt werden sollen, trifft die Redaktion. Eine Rücksprache mit Hörgeschädigtenverbänden findet nicht statt. Werden eigentlich manchmal Zuschauerwünsche erfüllt? Das sei bei dem heutigen Angebot eigentlich gar nicht nötig, meint Frau Wegmann. Es werde zurzeit so viel untertitelt, dass praktisch jede Sparte – wie zum Beispiel Gesundheitsmagazine, Talkshows, Nachrichtensendungen und Soaps – abgedeckt werde.

An den Service des WDR haben sich die hörgeschädigten Untertitelnutzer schon so gewöhnt, dass das Feedback bescheiden bleibt. Trotzdem erhält die Redaktion bis heute noch Dankesschreiben, natürlich vorwiegend von den älteren Zuschauern. Die Jüngeren nehmen die Untertitelung des Programmes eher als selbstverständlich hin. Allerdings hat der WDR keine sicheren Quellen, wie häufig und von wem die Untertitel genutzt werden. Eine so genannte Untertitel-Einschaltquoten-Box existiert nicht.

Warum eine 1:1-Untertitelung nicht (immer) sinnvoll ist
Einige gehörlose und schwerhörige Zuschauer fordern lautstark eine 1:1-Untertitelung. Den Wunsch wird der WDR (vorerst) nicht erfüllen. Die Untertitelredaktion bleibt jedenfalls auf dem Mittelweg: Man werde die gesprochenen Texte weiterhin von überflüssigen Floskeln befreien und gekürzt wiedergeben. Dabei sollen die Untertitel weiterhin so nah wie möglich am “Original” bleiben. Ein Beispiel ist die fröhliche Sendung “Der Popolskis”: Der pseudo-polnische Akzent und die Grammatikschwächen der “Osteuropäer” werden in den Untertiteln unverändert wiedergegeben.

Was darüber hinaus noch gegen eine 1:1-Untertitelung spricht: Es gibt eine schweigende Mehrheit, die die Untertitel in aller Ruhe lesen möchte. Die öffentlich-rechtlichen Sender in den USA (ohne Rundfunkgebühren im Gegensatz zu hier in Deutschland, falls die deutsche RF-Gebühren für behinderten Menschen ab 2013 endgültig beschlossen wird) bieten den hörgeschädigten Fernsehzuschauern zwar ein wortgenau untertiteltes Programm. Aber das Gestöhne in den englischsprachigen Ländern wird immer lauter: Die Untertitel rollen so schnell über die Bildschirme, dass man mit dem Lesen kaum noch nachkomme, gerade für hörgeschädigten und andere Menschen mit schwächere Lesefähigkeit ein großer Nachteil.

DVD und TV – die Unterschiede
Befürworter einer 1:1-Untertitelung weisen auch gerne auf das Medium DVD hin. Die Filme auf den Silberscheiben sind in der Tat oft nah am gesprochenen Original untertitelt. Man darf aber nicht vergessen: Der DVD-Player bietet die Möglichkeit, den Film vor- und zurückzuspulen, um noch mal einen Blick auf die schnellen Untertitel zu werfen. Eine laufende Sendung kann man hingegen nicht stoppen.

Gelegentlich wenden sich die hörgeschädigten Zuschauer an die Sender mit dem Vorschlag, die Untertitel von den DVDs zu nehmen. Technisch wäre dies problemlos möglich. Doch die komplizierten Lizenzrechte machen einen Strich durch das Vorhaben. Außerdem müssten die DVD-Untertitel redaktionell nachbearbeitet und auch gekürzt werden. Denn auf einer DVD kann eine Untertitelzeile 45 Buchstaben lang sein, im Videotext-Untertitel passen hingegen nur 38 Buchstaben in eine Zeile.

100-Prozent-Untertitelung und das Untertitel-Gesetz – was sagt der WDR dazu?
Auch wenn der WDR einer 100prozentigen Untertitelung, wie vielerorts verlangt wird, immer näher rückt – das komplette Programm kann derzeit nicht vollständig untertitelt werden. Die Gründe sind unterschiedlich. Ein Beispiel sind die elf verschiedenen Lokalzeit-Sendungen, die zeitgleich auf nur einem Kanal ausgestrahlt werden. Die Untertitel können aber nicht auf die elf Sendegebiete “aufgesplittet” werden. Es heißt nach wie vor: “Ein Kanal, ein Untertitel”. Wenn der WDR trotzdem “Lokalzeit Köln” untertiteln würde, hätten beispielsweise die Zuschauer der “Lokalzeit-Duisburg” die Untertitel zu der Kölner Sendung zu lesen bekommen …

Unsere Frage an Frau Wegmann: “Was meinen Sie, wird in absehbarer Zeit ein Untertitel-Gesetz kommen?” Erst Schweigen, dann ein Lächeln. “Ich weiß es nicht”, lautet die kurze Antwort. Zu brisant ist das Thema, zu utopisch die Forderung.

Sollten die Ministerpräsidenten demnächst im Rundfunkstaatenvertrag tatsächlich festlegen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender zu einer 100prozentigen und 1:1-Untertitelung verpflichtet werden sollen, dann stünde der WDR zwar vor einem ernsten, aber lösbaren Problem. Auch der NDR schafft gerade die Grundlage für einen weiteren Ausbau der Untertitelung. Welche Folgen das Gesetz für andere öffentlichen Sender haben wird, die nur ein kleines Budget zur Verfügung gestellt bekommen, kann zurzeit niemand abschätzen. Die Privatsender jedenfalls wären hiervon nicht betroffen.

Noch mehr Untertitel-Gesetze?
Und wenn auch die ausländische Bevölkerung daherkäme mit ihren Forderungen? Wenn zum Beispiel die Türken einen eigenen Untertitelkanal verlangen? Ein mögliches Argument wäre: Beim Sender ARTE können gelegentlich wahlweise die deutschen (Seite 160) oder französischen Untertitel abgerufen werden (Seite 161). Schließlich dürfe “Barrierefreiheit” nicht nur auf Behinderte beschränkt werden. Frau Wegmann meint dazu: “Eine zweite Untertitelseite für fremdsprachige Untertitel anzulegen, ist beim WDR aus technischen Gründen nicht möglich”.

Auch Blinde kommen zurzeit sowohl beim WDR als auch bei den restlichen Sendern zu kurz. Eine Audiodeskription (Bildbeschreibung auf dem zweiten, zuschaltbaren Tonkanal hörbar) würde hier Abhilfe schaffen. Etwaige Vorhaben scheitern schon alleine an der Kostenfrage, denn Audiodeskriptionen sind sehr teuer. Doch Forderungen nach Audiodeskriptionen sind zurzeit kaum zu hören. Da können die Fernsehsender von Glück reden, dass Blinde nicht das Fernsehen als ihr Medium “sehen”, sondern das Radio.

Die menschliche Seite
Es ist 19:20. Die “Aktuelle Stunde” ist noch nicht zu Ende. Während Urte fleißig die Untertitel spottet, behalten ihre beiden Kollegen die Sendung sowie die Liste mit den Filmbeiträgen im Auge. Auf dem Bildschirm werden Ausschnitte von einem schlimmen Unfall gezeigt. Die drei Kollegen schauen erst auf die gezeigten Bilder und blicken sich dann kurz an, ohne die Arbeit zu unterbrechen. Sie wechseln einige Wörter miteinander und schütteln entsetzt den Kopf. Untertitler sind auch nur Menschen.

Technischer Stand der UT-Redaktion liegt etwa 3 Jahren zurück.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 9. Dezember 2011 in Barrierfreiheit, Untertitel

 

Schlagwörter: , , , ,

Interview über Untertitel

Mustafa Bin Im Laden: Guten Tag, hewritesilent! Bei der Sendung über die Fahrschule, da war ein gehörloses Mädchen, wie habt ihr die gefunden? Und auch ein Artikel über ein gehörloses Mädchen, wo sie das hörgeschädigte Schule in Essen angeblich wegen fehlende Gebärdensprache im Unterricht verklagt hatte.

(Da wäre nun mal die Gelegenheit gewesen, die Dinge zu erwähnen, die von Gehörlosen an der Sendung und vor allem an diesem Fahrlehrer kritisiert wurden. Und auch an Lehrer, die kein Gebärdensprache können. – Nix, da! Friede, Freude, Eierkuchen!)

hewritesilent: Übrigens, die Finnen sind gescheiter als die Deutschen, das hat die PISA-Studie bewiesen. Wahrscheinlich durch die Untertitel. Denn in Finnland laufen die Sendungen in Originalfassung mit finnischen Untertiteln.

Mustafa Bin Im Laden: In Finnland? Auch Kinofilme oder nur Sendungen im Fernsehen? Beides? Aha. Und wieso sollten die Finnen durch die Untertitel gescheiter sein? Weil sie mehr lesen? Oder weil sie Bild und Schrift gleichzeitig verarbeiten müssen?

hewritesilent: Ich würde es besser finden, wenn man in Deutschland gescheite Sendungen untertitelt, dann würden die Deutschen gescheiter werden. 

Mustafa Bin Im Laden: Ja, wäre als Langzeitstudie durchaus interessant. Wie fühlen sich die Gehörlosen durch die Medien versorgt? Ist es besser geworden in den letzten Jahren oder stagniert es?

hewritesilent: Es ist etwas besser geworden, vor allem seit Privatsender Sendungen mit digitale DVB-Untertitel ausstrahlen wie bildungsferne RTL (siehe Verblödungsmaschinerie DSDS oder SuperNanny) oder stinknormale Untertitel wie gehirnzerfressenden Pro7.

(Brav, hewritesilent! Nur nicht kritisieren! Klar ist es toll, wenn endlich auch die Privaten untertiteln. Aber das ist doch ein Tropfen auf den heißen Stein. Und im Vergleich zu den Öffentlich-Rechtlichen kann man’s wahrscheinlich nur in Promille ausdrücken. Dann kommt noch die geballte Ladung an deafie-Weisheit hinterher:)

hewritesilent: Ja, es gibt so gut wie keine Sendungen, bei denen man nicht mitdenken muss, wenn es keine Untertitel gibt.

(Wer hätte DAS gedacht!?!)

Mustafa Bin im Laden: Konnten Sie ohne Untertitel ohne Beschwerde anschauen?

hewritesilent: In meiner Schulzeit- und Studienzeit, wo damals nicht mal DGS anerkannt wurde, habe ich tatsächlich den Unterricht 100% wie ein Film ohne Untertitel angesehen. Öfters musste der Lehrer mich aufwecken und fragen: Machte anstalten, daß ich auf seine Frage antworten soll. Obwohl viele staatlich geprüfte Lehrer und Univ.Prof.Dr.Dipl.-Ing. Titelfetischten waren, leuchtete es ihnen nicht ein, dass ohne hören das blablabla einfach nicht zu verstehen war. Ich war in meiner Studienzeit einzige gehörlos und Gebärdensprach-Könner. Auf die Frage wie ich diese Filme ohne Untertitel überstanden habe antworte ich nur: BÜCHER LESEN!

Mustafa Bin Im Laden: WOW, mein Respekt. Hast du noch Fragen?

hewritesilent: Nein, dankeschön.

Mustafa Bin Im Laden: Ich danke auch. Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

 
 

Schlagwörter: , , , , , , ,

USA und barrierefreies Leben?

Das Film zeigt Probleme über den Informationszugang innerhalb des New Yorker Transitsystem und scheiterte an die Bedürfnisse der gehörlose und schwerhörige Pendler. Barrieresfreies Leben in den USA? Weit gefehlt und das lässt sich eben bei Weitem noch nicht pauschalisieren. Noch ist es reine Utopie zu sagen, dass ein Gehörloser/Schwerhöriger in den USA keine Barriere hat, weil sämtliche Angestellten in Behörden, etc. die Gebärdensprache beherrschen. Und seht Ihr ruhig im Film an, auf dem Papier liest sich zwar ganz freundlich, aber die Realität ist anders!

 
2 Kommentare

Verfasst von - 12. September 2011 in Barrierfreiheit

 

Schlagwörter: , , , , ,

Barrierefreiheit im Internet?

Kürzlich stöberte ich rein zufällig per Wikipedia über die barrierefreies Internet und fiel mir gerade ein, was das eine barrierefreies Internet für alle Menschengruppen bedeutet. Ich habe mir mal näheres betrachtet und stelle fest, dass eine komplett barrierefreie Website für alle Menschen bzw. Zielgruppen kaum möglich ist. Nun frage ich mich, wie die “oberen Bosse” damals auf die Idee kamen und nicht für alle Menschen gerecht umgesetzt haben/werden.

Gut, schauen wir mal genaueres hin:

Wenn Sie diese Buchstaben lesen können, dann ist alle oder diese Website zu 100% barrierefrei!

Wird/Ist das Internet für alle Menschen “barrierefrei”? Von wegen. Obwohl viele Behindertenvereine und -verbände sich dafür stark machen, ist das WWW heute kaum behindertenfreundlicher geworden als vergangenen Jahren. Krass: Fast alle, die “diskriminierende” Webseiten anprangern, haben eine Homepage, die alles andere als barrierefrei ist – ebenso düster schaut es bei vielen Internetdiensten von oder für Behinderte aus…Doch was versteht man unter einer “barrierefrei gestalteten Webseite”? Etwa eine Homepage, bei der

a) man die Schrift vergrößern kann (für Sehbehinderte),

b) ein Gebärdenvideo installiert ist, wo ein Dolmetscher den Inhalt in Gebärdensprache übersetzt (für Gehörlose) und

c) die Farben auf babyblau und weiß beschränkt sind?

Mehr fällt dazu dem gemeinen Surfer nicht ein…

In der Tat übersehen die Entwickler und Betreiber von barrierefreien Webseiten viele Randgruppen. Dabei ist es so einfach! Man muss nur die Augen offen halten und ein bisschen Fantasie haben. Eine perfekte, absolut barrierefreie Webseite bietet unter anderem:

- Links, die mit Tastenkürzel erreicht werden können (für Leute die den Tatterich haben und die Maus wegen dem starken Zittern nicht bedienen können, z.B. Alkoholiker)

- freie Wahl der Farben (für Farbenblinde – wer kein Grün sehen kann, wählt Rot)

- weiterführende Webseiten, die am Rande eine Zusammenfassung der vorherigen Seite enthalten zur Auffrischung der Erinnerung (für Alzheimerkranke, damit sie nicht ständig zurückblättern müssen)

- Webseiten, die Fotos mit unverschleierten Frauen automatisch ausblenden (für moslemische Minderheiten)

Haben Sie weitere Vorschläge? Dann schreiben Sie bitte an irgendeinen Verein, nicht an uns. Aber vergessen Sie nicht, die Mail barrierefrei zu gestalten! ;)

 
4 Kommentare

Verfasst von - 23. Januar 2011 in Barrierfreiheit

 

Schlagwörter: , , ,