RSS

Archiv der Kategorie: Gehörlosenkultur

Ungehörtes Tattoo-Kongress für Gehörlose – 1st International Deaf Tattoo Convention

Stell dir vor, es findet das Internationale Tattoo-Kongress für Gehörlose statt, und keiner geht hin. In der Welt der Hörenden und zur Zeit für vielen “Inklusionfans” unvorstellbar.

Ganz anders ist es bei den Gehörlosen. Selbst wenn ein gehörlose Amateurtätowierer ein Stück vorstellt, strömen die Zuschauer hin, belegen sämtliche Plätze und sehen höchst interessiert zu, wie die Tattoo-Künstler ihr Können mehr oder weniger zum Besten geben. Eine solche Kongress in Berlin, hatte für die Gehörlosen ein Tattoo-Kongress organisiert. Dazu luden die Veranstalter gehörlose Tattoo-Künstler aus den USA, Taiwan, Japan, Russland sowie die Europäer ein. Nur zwei deutsche gehörlosen Tätowierer waren anwesend und die anderen glänzten jedoch durch Abwesenheit.

Eine ganze Wochenende war für das internationales Tattoo-Kongress eingeplant.

Im Berliner Industriegelände (Berlin-Heinersdorf) gastierten diverse Gruppen. Der erste Abend besteht aus Strip-Show, Preise für talentierten Tätowierer (beste Tätowierer gewann ein Ungar), etc…Sogar einige gehörlose Besucher klagten über den erschwerten Eintritt zur Party. Ein gehörloser Besucher aus München schreibt auf Facebook: “….weil Eingang war chaotisch und über 1 Stunde gestanden trotz Ticketreservierung/Bezahlung und nur etwa 20 Leute kamen rein in dieser Stunde. Man hat den Eingang schlecht organisiert und auch die Leuten waren undiszipliniert. Dann habe ich darauf verzichtet. Aber ich bereue nicht!”

Eigentlich könnte man meinen, das Kongress inkl. Party wäre abgesagt worden. Denn das “International Deaf Tattoo Convention” geizte mit Plakaten, kein einziges wurde auf der Strasse ausgehängt und sogar wurde die heruntergekommene Homepage von der Firma “webnode” kostenlos zur Verfügung gestellt. “Gehört” hatte niemand von dem Tattoo-Kongress, obwohl dieses “International Deaf Tattoo Convention” stattfand. Soviel zur Bescheidenheit. Selbst vor Beginn der Vorstellung war immer noch keine einzige Seele zu sehen. Dann trafen endlich die ersten Gäste ein – Hörende, Schwerhörige und Gehörlose aller Altersstufen.

Tattoo gehört auch zur Gehörlosenkultur. Oder nicht? Keine Plakate (so ähnlich wie die Kulturtage in Erfurt), keine Informationen im Videotext und keine einzige Zeile in der grössten Gehörlosenzeitung (ausser Terminvorschau). Selbst das Internet und heruntergekommene Homepage bot sehr spärliches über das Tattoo-Kongress, das man mühsam nur nach langem Suchen und regem E-Mail-Verkehr bzw. Facebook finden konnte und sogar auch die sieben Gebärdensprachvideos in verschiedene Sprachen und das ohne Untertitel bzw. Texte/Informationen.

Jede gehörlosen Partys, wo reichlich Alkohol fliesst, findet viel mehr Interessenten als ein internationales Tattoo-Kongress. Dafür nehmen die Gehörlosen hohe Eintrittspreise, weite Anfahrten und nur diese einen Tattoo-Pieksie hinterher in Kauf. Wie soll es dann aussehen, wenn die Weltspiele der Gehörlosen in Sofia (Bulgarien) stattfinden? *hust*

 
1 Kommentar

Geschrieben von - 21. Januar 2013 in Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: ,

Miss “stilles Deutschland” 2012

http://www.tagesspiegel.de/berlin/video-die-schoenen-und-leisen/7539250.html

Heidi Klum, Verona Pooth und Lena Gercke – die “schönsten” Mädchen findet man(n) natürlich in Deutschland. Wo denn sonst. Und wenn Deutschlands schönste Mädchen alle nach Berlin zu den Miss-Wahlen anreisen, wird die Wahl sicher sehr schwerfallen. Doch zum Glück gibt es nicht nur Miss “stilles Deutschland”, sondern auch noch die “Intelligenteste”, die “Kreativste”, “Modischste”, die “Symphatischeste”, usw. So muss kein (Männer-)Herz gebrochen werden, wenn die eigene Favoritin nicht gewonnen hat. Eigentlich nichts anderes als eine nette Umschreibung für alle Zweitplatzierten - wie bei den echten “Miss-World”-Events gibt es auch bei den deutschen Misswahlen der Gehörlosen eine Siegerin und der Rest bekommt andere Titeln.

Diese Veranstaltung ist nicht von einem Verband oder Verein durchgeführt worden, sondern von zwei engagierten, jungen Brüder Blumeier aus Berlin. Nach einer Ausschreibung in den Gehörlosen-Medien trudelten bei den Veranstaltern unzählige Bewerbungen aus ganz Deutschland ein – alle Bewerberinnen waren ausnahmslos hübsch und die Organisatoren mussten mit dem Aussortieren schwere, aber angenehme Arbeitsnächte verbringen. Als die Finalistinnen feststanden, wurden Schnittmuster für Kostüme an die 15 Mädchen versendet.

Am Vortag trafen die 15 Kandidatinnen – teilweise in Begleitung von Mamas – im Berliner Hotel andel´s ein und übten von früh bis abends. Ganz schön fleissig!

Pikanterweise befand sich von paar hunderte Meter entfernt dem Veranstaltungsort Friedhof. Die Leichen hatten für die Miss-Wahlen nur ein “Pfui!” übrig. Neidisch? Für Miss “stilles Deutschland”-Siegerin Magdalena Schulze ist alles schnuppe.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Geschrieben von - 14. Januar 2013 in Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: , ,

Silvesterparty – Mit einem Süppchen ins neue Jahr

“Silvesterparty” in Berlin – das klang nach einer heißen Silvesterfeier. Wie hatten sich die gehörlosen Partygäste darauf gefreut, vor allem die Deutschen! Für Feierwütige eine kleine Ewigkeit. Somit sahen sie in der Berliner Party im Gehörlosen-Zentrum eine willkommene Gelegenheit, die Flaschen wieder kreisen zu lassen. Sogar das Programm war dasselbe wie woanders. “Das wird ein Wiedersehen!”, dachten sich die Gehörlosen – zu Recht, natürlich.

Da auf dem Programm von “Silvesterparty” auch das Zauberwort “Buffet” zu lesen war, stand für viele fest: “Am 31. fahre ich nach Berlin und hau mir den Bauch voll!” Gesagt, getan: Das Konto wurde geplündert, die Flugtickets und überteuerten Hotelzimmer gebucht und man begann, für das Buffet zu fasten.

Als endlich Silvester vor der Tür stand und die Deutschen mit knurrendem Magen in der mehrere hundert qm großen Halle nach Essbarem suchten, kamen die ersten bösen Vorahnungen auf. Vom versprochenen Buffet war weit und breit nichts zu sehen. Der klebrige Boden quietschte, die Bässe aus der 120.000 Watt (!) starken Anlage ließen den Schädel dröhnen und der durch den Hunger verursachte Schwindel wurde mittels Lichteffekte und billigem Fusel verstärkt. Irgendwann zog endlich der Duft eines warmen Essens durch die Halle – den hungrigen Deutschen lief das Wasser im Mund zusammen.

Dann die dicke, böse Überraschung: Statt einen hundert Meter langen Tisch mit leckeren Vor-, Haupt- und Nachspeisen hatten die Veranstalter eine Gulaschkanone hingestellt und eine “Obdachlosensuppe” (O-Ton einiger Gäste) mit einer “weichen Semmel” serviert. Nachschlag natürlich ausgeschlossen. Die Wut der Deutschen war riesengroß. Was sie nicht wussten und offenbar verwechselt haben: In Österreich bedeutet Buffet umgangsprachlich eben nur “Imbissstand” …

Vielleicht hätten die enttäuschten Gäste sich vorher die Bilder von der Veranstaltung ansehen sollen. Die Silvesterparty erinnerte an ein Obdachlosentreffen: eine Vielzahl gehörloser Gäste versammelte sich im Bahnhofsmission-Outfit und nuckelte an den Bierflaschen. Von Dresscode schien keiner jemals was gehört zu haben. Immerhin war die Feier friedlicher verlaufen als irgendwo – dort gab es beim Buffet einen ungebremsten Ansturm, der beinahe zu einer Massenschlägerei geführt hat …

Die Veranstalter überlegen sich gerade, ob sie wieder ein “Silvesterparty” steigen lassen sollen. Warum nicht? Das Programm haben sie ja schon. Und die meisten dürften jetzt wissen, wie ein Buffet aussieht. Da müsste man sich nur noch überlegen, wie man die Gäste, die einen Großteil der Besucher ausmachten, milde stimmen könnte. Wie wäre es mit einem Slogan wie “Wir haben kein Alkoholverbot”? (falls die Bundesregierung gesamtdeutsche Alkoholverbot ab 1. Januar 2014 einführt) oder “Inklusiven Silvester-Party im GL-Zentrum für alle (Silvester-Inklusion)”? Da wird es garantiert wieder einen Ansturm geben. Man muss nur hoffen, dass die Leute nicht in der Nacht vom 31.12. zum Neujahr ganz spontan ein Alkoholverbot erlassen und allen “Gesetzesbrechern” aufs Auge drücken ..

 
2 Kommentare

Geschrieben von - 1. Januar 2013 in Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: , ,

Auf Zeitreise á la Piraten…..

Wir erlauben uns die Zeitreise-Antrag von Anatol Stefanowitsch (Piraten) zu erforschen, wie wirklich damals und heute die Meinungsbildungen von Julia Probst erkennbar sind.

Die große Bewunderung an gehörlose Julia Probst, weil sie sehr flott und auch breitspurig schreibelt und
das macht ein bisschen neugierig. Aus diesem Anlass schenken wir Euch wie ein Weihnachtsgeschenk die wahren Identität von Julia, wie sie in Wirklichkeit damals und heute tickt.

Hier eine Online-Zeitreise ins Jahr 2000 (Sehen statt Hören):

Jürgen: Die Meinungen zum Thema CI sind so vielfältig wie diese Berge. Das macht den Weg für Eltern und Kinder sehr schwer. Julia Probst ist 19 Jahre alt und wurde mit 12 operiert. Am BBW wird sie zur Mediengestalterin „Digital- und Printmedien“ ausgebildet. Sie ließ sich zur Operation überreden. Wir haben sie im Schülerwohnheim besucht.

Martina: Trotz deines CI machst Du eine Ausbildung bei Hörgeschädigten. Warum nicht bei Hörenden, wo Du mehr Auswahlmöglichkeiten hättest?

Julia: Naja, mit CI bist du nicht gl, nicht sh, sondern irgendwo dazwischen. Ich fühle mich bei Schwerhörigen und Gehörlosen wohl. Ich habe da viele Freunde, wie auch unter Hörenden, aber das ist mehr mein Bereich. Unter GL und SH ist mehr Freiheit da.

Martina: Während des Berufsvorbereitungsjahrs (Regelschule) hast Du das CI abgelegt. Was sind die Gründe dafür?

Julia: Manchmal nervt mich das Hören. Dann will ich meine Ruhe haben. Ich glaube, dass das Hörende gar nicht verstehen können. Aber für mich war es wirklich so.

Martina: Wie haben Deine Verwandten darauf reagiert?

Julia: Sie haben sich sehr gewundert. Ich versuchte, es zu erklären. Es war ja vorher auch so, dass ich nichts hören konnte. Vor der Operation akzeptierten sie es schließlich auch. Ich finde, sie sollten es jetzt auch akzeptieren. Vor der Operation sagte meine Tante: Wenn ich im Rollstuhl sitzen würde und durch eine Operation wieder laufen könnte, würde ich „ja“ sagen. Ich war ganz sauer, weil ich finde, dass dies etwas ganz anderes ist. Laufen übt man kurz und kann es dann, aber hören muss man immer üben.

Martina: Würdest Du Dir noch einmal ein CI implantieren lassen?

Julia: Vielleicht, wenn ich jünger gewesen wäre. Wenn man jünger ist, hat man mit dem CI mehr Möglichkeiten. Ich war von der 1.-3. Klasse auf einer normalen Schule. Dort hatte ich viele Freunde und musste dann zur Schule nach München. Ich vermisste meine Freunde und wollte lieber auf die alte Schule zurück. Ich dachte, wenn ich hören kann mit dem CI, darf ich wieder zurück. Dann hätte ich auf einer normalen Schule bleiben können. Vielleicht hätte ich Abitur machen können, ein Traum von mir.

Martina: Es gibt CI-Träger, die die Geräte ablegen oder explantieren lassen. Wie erklärst Du Dir das?

Julia: Ich denke, die Erklärungen geben die Betroffenen selbst. Man merkt es an ihren Antworten. Es gibt unterschiedliche Lebensentwürfe, um sein Leben zu gestalten. Das Leben hält viele Antworten für Hörgeschädigte bereit. Das CI ist nur eine mögliche Antwort darauf. Die Berichte zeigen: Das CI hat im Leben dieser Menschen keinen Platz mehr. Das CI kann keine Antworten darauf geben: wer ich bin, wie ich mich fühle, wo ich mich zugehörig fühle.

Quelle: http://www.taubenschlag.de/html/ssh/1025.htm

P.S: Nun ja sie steckt tatsächlich im unangenehmen Kampfmühle imn der hörende Welt, wo sie wahrscheinlich nicht frei fühle und leider überall dickes Fell braucht. Wir können Blogmeinung von WordPress-Blogger Goofyhouse empfehlen. Dies ist jetzt letzter Blogeintrag des Jahres. Frohe Weihnachten wünschen wir Euch und einen guten Rutsch ins neues Jahr.

 
1 Kommentar

Geschrieben von - 11. Dezember 2012 in Cochlear Implantat, Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: , , , , ,

Eine Diskussion zuviel…

Sinn und Unsinn von Diskussionsveranstaltungen zum Jahr der Behinderten

Ganz Europa feiert das Jahr der Behinderten gemeinsam unter einem Motto. Nur Deutschland gehen wieder mal ihren eigenen Weg und haben eine ganz andere Kampagne gestartet. “Na und!”, so ihr Motto. Das übrigens Millionen Euro kosten soll. Genauso viel Geld, wie vom Bund für den Rest von Deutschland bereitgestellt wurde. Was die Behinderten davon halten? “Geldverschwendung!” – auch harte Worte sind gefallen: “Debilität” und “Verballhornung”sind ein Beispiel. Was ist eigentlich der Sinn dieser Kampagne? Was will man mit der Aktion “Europäischen Jahr der Behinderten” (EJB) erreichen? Verbesserungen sind nicht in Sicht. Eines steht aber fest: Es wird zum “EJB” viel geredet. Sind wenigstens die Diskussionsveranstaltungen lehr- und geistreich?

Hier drei verschiedene Gesprächsrunden im Rückblick: 

“Total Normal – Arbeit und Freizeit mit Behinderung leben” Anwesend waren: Ca. 200 Leute. Davon 4 Gehörlose und 2 Dolmetscherin. Laute Töne: “Wir wollen für uns sprechen”. Dann der erste Satz, der ins Schwarze traf: “Es gibt zuwenige spezielle Lehrer”. Ja, immer noch sind die meisten Lehrer an GL-Schulen Gebärdensprachanalphabeten.
Weiter geht’s: “Anfangs hatten wir Bedenken gegen Integration”. Jetzt nicht mehr?
Behindertenbeauftragte, bei der Podiumsdiskussion noch ganz schweigsam, sprach nun viel Klartext: “Was politisch gewollt ist wird auch finanziert!”“Ich habe die Vision, dass meine Aufgabe überflüssig wird” und das Beste: “der normale Alterungsprozess wird als Behinderung angesehen!” – Behindertengeld statt Renten?

“Gewinner oder Verlierer? Dolmetschervermittlung im Teufelskreis!”
Hierzu wurden auch drei Politiker eingeladen. Vor der Diskussion wurde ausgemacht: Wer zuviel redet, kriegt die “gelbe Karte”. Die gelbe Karte kam aber nie zum Einsatz. Das übernehmen wir jetzt.
Statt gleich zum Thema zu kommen, verschwendete ein Gehörloser fast 30 Minuten mit dem Vorwort zur Dolmetschersituation. Diese hätte er allen Diskussionsteilnehmern am Vortag zufaxen können. Gelbe Karte! Alle Gesprächsteilnehmer schienen fast ständig gleicher Meinung zu sein: Gehörlose brauchen dies und das, jawohl. Gelbe Karte. Dolmetscher-Katzenjammer: “Hausfrauen und Arbeitslose haben keinen Anspruch auf Dolmetscher!” Tatsächlich? Gelbe Karte! “Dürfen Dolmetscher während der Ausbildung aushelfen?” Besser nicht, da wahrscheinlich zu teuer und Zuständigkeitskrieg ausbrechen könnte. Gelbe Karte.

Ein Gehörloser: “1 Milliarden für den neue Berliner Flughafen , woher kommt plötzlich das Geld?” Und: “Wenn man das Geld den GL geben würde, wären wir für 50 Jahre versorgt!” Was? Milliarden für den GL? Her mit dem Berliner Flughafen! Gelbe Karte! Dann der Schreck: “Ihr bekommt Hausaufgaben!” (Moderatorin zu den Politikern). Wie kindisch! Gelbe Karte!
“Rollstuhlfahrer haben keine Barrieren, sie haben ja Rampen bekommen! Und wir Gehörlose haben immer noch Barrieren!”Rote Karte! Es wurde noch mehr Müll gesprochen. Mehr wird nicht erwähnt. Anwesend: 8 Teilnehmer und 2 Mods. Nur 30 Zuschauer wollten diese Diskussion über sich ergehen lassen…

Quartett Imperfekt. Etwa 150 Gäste. Die drei ständigen Teilnehmer des Quartett Imperfekts. Vor laufender Kamera wurde das erste Thema einer neuen Gesprächsreihe eröffnet: “Über die Behandlung von Behinderten im 3. Reich und was danach alles so ganz anders wurde”.
Zitat aus dem Flyer: “Die Mitglieder der neuen unkonventionellen Gesprächsreihe ‘Quartett Imperfekt’ mischen sich ein und stellen unbequeme Fragen”. Unbequem waren nur die Stühle, gesprochen hat fast nur der geladene Gast und das Ganze erweckt den Eindruck, dass die Gäste von der Behandlung Behinderter im 3. Reich nix gewusst hätten. 4 Teilnehmer, die in Rampenlicht gerückt bzw. gerollt wurden. Ein heikles Thema, das in einem banalen Monolog ausuferte. Weitere Diskussionsrunden mit dem “Trio Infernale” stehen noch bevor.


 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Skandal in China: taubstumme Ganovenbande geschnappt!

Was für die Italiener gut ist, ist für die Chinesen nur billig: Sogar ungebremsten Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte, wie kaltblütig und grausam ist der chinesische gehörlose Verbrecher sein können. In der Nähe von Peking ließ ein chinesische Taubstumme-Ganovenführer, die weiblichen Mitglieder um Sex mit mehrere Bandenmitglieder zu haben, mehrmals die Ausweise fälschen und sogar auch bandenmäßige Geschäft florieren.

Quelle: http://www.shanghaidaily.com/nsp/National/2012/07/06/Deafmute%2Btheft%2Bgang%2BbustedDeafmute%2Btheft%2Bgang%2Bbusted/ (in englisch)

Weitere Skandal in China:

In Shanghai haben zwei gehörlose Ganoven einen Autofahrer auf neapolitanische Art ausgeraubt. Das Opfer wartete in seinem VW Santana an einer roten Ampel, als plötzlich einer der beiden Gehörlosen zum Wagen ging und gegen die Türscheibe schlug. Während der VW-Fahrer vor Schreck erstarrte, riß der zweite Räuber die Beifahrertür auf, griff sich die Tasche vom Sitz und rannte davon.

Genau in dem Moment gingen einige Polizisten zufällig die Straße runter. Sie sahen den Räuber entlanghetzen und riefen ihm zu, er solle sofort stehenbleiben. Weil dieser die Rufe nicht hörte, lief er weiter ohne zu reagieren. Die Polizisten überlegten nicht lange und rannten ihm hinterher. Bereits nach 200 Meter hatten sie den unsportlichen Räuber eingeholt…

Auch der gehörlose Kompagnon wurde noch am Tatort verhaftet. Die beiden wurden in Handschellen gelegt und zum Revier gebracht. Wir kennen die chinesischen Verhörmethoden nicht, aber die müssen wohl sehr effektiv sein: Die Polizei hob am gleichen Tag nicht nur das Lager der beiden Räuber aus, sondern konnte noch 9 weitere gehörlose Mitglieder der Bande dingfest machen. Bei der Durchsuchung wurden Laptops, diverse Wertsachen und ein größerer Geldbetrag sichergestellt. Alle 11 Ganoven wanderten ins Kittchen – ob sie jetzt jeden Tag eine Frühlingsrolle unter sich aufteilen müssen?

Quelle: chinesische Seite in chinesischer Sprache (frei in deutscher Sprache übersetzt)

 
Hinterlasse einen Kommentar

Geschrieben von - 13. November 2012 in Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: , , , ,

Alexei Svetlov und Gitta Svtelov-Palecek

Bezüglich die Kommentare im notquitelikebeethoven wurde über die gehörlosen Künstler namens Svetlov erwähnt.

In Skandinavien sind die gehörlosen Künstler unserer Zeit weit voraus. Sie können sich in der hörenden Szene treffen, ihre Werke ausstellen und von der Fachwelt Ratschläge, Kritik oder auch Bewunderung einholen. Zudem werden in Schweden die gehörlosen Künstler gefördert – eine Wohltat, wovon die Deutschen nur träumen können. Von Seiten der vielen Verbänden und Vereinen in Deutschland finden die gehörlosen Künstler kaum Unterstützung. Nicht anders sieht es in den Nachbarstaaten Österreich und der Schweiz aus.

Daher machten die beiden Künstler Alexej und Gitta aus der Not eine Tugend: Sie gründeten im Mai 2001 einen Verein namens “real GAS”. Innerhalb kurzer Zeit drehte das kleine Team mehrere Filme, nahm an diversen Ausstellungen teil, führte einige Aufführungen in Österreich und Nordeuropa durch und natürlich sind die Bilder nicht zu vergessen, die Alexej Svetlov zwischendurch auf Leinwand erschafft.

Als der gebürtige Russe Alexej noch in den Kinderschuhen steckte, wurde er im zarten Alter von 5 Jahren als Kunststudent in das “Childrens Art Studio” des Museums “Eremitage” aufgenommen, mit 13 Jahren schloss er das Studium mit Erfolg ab. Anschliessend besuchte er die Kunstfachschule für Hörgeschädigte in Pawlowsk/St. Petersburg und schloss die Ausbildung in der Kunstakademie ab. Schliesslich arbeitete Alexej jahrelang als Kunstpädagoge für gehörlose Kinder, leitete in mehreren europäischen Städten diverse Workshops für Kinder – bis er 1998 nach Salzburg zog und mit Gitta die Gruppe realGAS gründete.

Gitta dagegen arbeitete nach dem Studium als Gehörlosenlehrerin in Salzburg – nebenbei bekleidete sie diverse Ehrenämter, von Referentin über Organisatorin, als Dozentin und Repräsentantin bis hin zur Vizepräsidentin des österreichischen Gehörlosenbundes (ÖGLB).

Hier ein paar inspierende Bildern von Alexei Svetlov:



 
2 Kommentare

Geschrieben von - 26. Oktober 2012 in Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: ,

Lieb, bunt und “laut”-los! – 5. Deutsche Kulturtage der Gehörlosen in Erfurt #KT2012

Die 1. Kulturtage der Gehörlosen fanden 1993 in Hamburg statt. Zusätzlich stand eine grosse Demonstration auf den Strassen der Hansestadt im Programm. Viele Gehörlose und ihre hörenden Freunde (das nennt man Inklusion, versteht sich!) gingen an die Öffentlichkeit, um auf sich und ihre Kultur aufmerksam zu machen.

Bei den Kulturtagen 1997 in Dresden verzichteten die Veranstalter auf eine Demonstration. Die Ausstellungen und Vorträge wurden im Dresdner Kulturpalast organisiert.

Für die Kulturtage 2001 suchten die Veranstalter das grosse Gasteig-Bildungszentrum in München aus. Für insgesamt 3000 Besucher und 90 Aussteller bot das Komplex somit mehr als genug Platz. Auch damals verzichten die bayrische Köpfe auf eine Demonstration, doch der Gehörlosenbund war ganz stolz darauf, den Besuchern so viel Glanz und Gloria im Münchner Gasteig bieten zu können. Für vier Tage Kultur – inklusive Festabend – musste eine Familie damals im Durchschnitt 1000 Mark ausgeben. Die Eintrittspreise erreichten ebenfalls ganz andere Dimensionen. Kosten für Anfahrt und Übernachtung mussten zusätzlich berechnet werden. Versteht sich!

Nach knapp sieben Jahren Warterei fanden wieder das heißersehnte Großereignis wie München, des Deutschen Gehörlosenbundes, die vierten “Deutschen Kulturtage der Gehörlosen” mit gut 3000 Besucher in der Kölner Messe statt. Doch nicht ganz kinderfreundlich waren die, damals mussten die Eltern für die Kinder ab 3 Jahren Eintritte blechen. Wieder gingen viele Gehörlose (etwa 7000 Demonstranten) nach 1993 an die Öffentlichkeit und zwar ging es um Untertitel “Recht auf 100% Untertitel”.

Diesmal ändert sich in Erfurt einiges und zwar noch kinderfreundlicher. Jetzt dürfen die Eltern für die Kindern bis zu 13 Jahren kostenfrei mitnehmen.

Bei der Abholung der vorbestellten Karten wie zuvor im Münchner Gasteig und Kölner Messer wurden viele Besucher auf eine Geduldprobe gestellt. Wartezeiten waren üblich. Damals musste für einige Gäste die Kulturtage zu einer bitteren Erfahrung sammeln: Gesamtkarten, die von Freunden oder Bekannten abgekauft wurden, hatten keine Gültigkeit…Heute florieren einigen, die nicht zur Kulturtage aus diversen Gründen erscheinen können, die Eintrittskarten über Facebook Schwarzmarkt sie zu einem fairen bzw. wie vom Gehörlosen-Bund vorgegebene Preis um Verlustgeschäft zu vermeiden.

Die Aussteller und Künstler wurden ebenfalls zur Kasse gebeten. Bekannte Händler konnten die Standgebühren aus der Portokasse zahlen, während viele Künstler dafür ihr Erspartes zusammenkratzen mussten. Für Referenten (egal ob 30 Minuten oder 3 Stunden) erhalten als Dankeschön ein freies Eintritt zu allen Veranstaltung während der Kulturtage.

Das Programm zu den Kulturtagen blieb lange Zeit ein gut gehütetes Stasi-Geheimnis aus der DDR-Zeit, bis kurz vor der Eröffnung eine Parodie erschien. Erst danach gab der DGB das Originalprogramm bekannt, das den Besuchern wie vorherigen Veranstaltungen Kopfschmerzen bereitete. Mehrere Referate, Workshops und Aufführungen fanden nämlich zur gleichen Zeit statt…

Der Erfurter Messe war der grösste Raum mit über 3000 Plätzen, dennoch kamen für die Erfurter Kulturtage etwa 2200 Besucher. Die anderen Räume waren mit über hunderten Sitzen spürbar kleiner.

Firmen präsentierten Neuentwicklungen, Vereine stellten sich vor und Künstler liessen sich und ihre Werke bewundern.

Bei den Vorträgen und Referaten erlebten viele Besucher eine Enttäuschung. Dass viele zeitgleich stattfanden und die Wahl somit schwerfiel, war nicht das einzige Übel. Einige Dozenten zeigten sich besonders streng und schlossen pünktlich zum Vortragsbeginn die Tür. Neugierige Gäste durften nicht reinschnuppern.Viele Besucher beschwerten sich über den Ablauf der Vorträge und Workshops.

Interessant ist, wo ein Vortrag mit der Frage “Stirbt die Gebärdensprache aus?” aufgrund von fortschreitender Technik und Innovationen für gehörlose Menschen beschäftigte, könnte es passieren, dass die Gebärdensprache irgendwann mal aussterben könnte. In Dänemark gibt es tatsächlich ein Fall, wo kein Hörgeschädigte bzw. Cochlea-Implantat Träger im Alter zwischen 0-12 Jahre alt kein Gebärdensprache beherrschen können und ebenfalls wurde dort berichtet, wie die schulpolitische Entwicklung in Dänemark ist und auch wie nach CI-Implantation inklusiv ohne Gebärdensprache an Regelschulen beschult wird.

Wahrscheinlich Tiefpunkt des Kulturtages: Es wird via Twitter und durch persönliche Erzählungen gemunkelt, wo Podiumdiskussion über “Barrierefreies Fernsehen” und auch wo man man für 30 Minuten lang für Fragen von Zuschauer auf der Bühne stellen durfte, da rannte plötzlich übereifrige Julia Probst als erste auf der Bühne, und warf Niels Rasmussen, Vorsitzender der ARD-Projektgruppe „Barrierefreier Rundfunkzugang“, NDR Hamburg, mit vollen Mund zu, das man nicht zufrieden sein könne, mit dem geringen Untertitel. Julia Probst war zu diesem Zeitpunkt ausser sich, und entschuldigte kurze Zeit später sich dann, man wolle ja nicht angreifen.

Am Samstag um 13 Uhr beendeten die Veranstalter das Treiben auf dem Erfurter Messer und warfen die Gäste auf die Strasse. Die Besucher nahmen den Rauswurf gelassen hin und verlegten die Kulturtage in die historische Erfurter Altstadt, also die sogenannte Straßenfest “Wenigenmarkt”. Schliesslich machten sich alle auf den Weg zum Altstadt, später kamen die dann wieder abends zurück.

Einzig war das Programm “DDR-Abend” für vielen ein voller Erfolg. Für Abschlussfeier wurde wie auch in Köln bisher blass trotz Tanzvorführungen, Musikauftritten, Kabaretts und jede Menge Grussworten bekamen die Besucher mehr als genug zu sehen. Diesmal wurde der Kulturpreisträger erstmals an drei Frauen vergeben, was ja auch nur bisherigen Kulturpreisträger an Männer vergaben und vielen während der Kulturtage vor 4 Jahren in Köln wegen der Gleichberechtigung forderten. Einige gaben dennoch zu, nichts vom Bühnenprogramm mitbekommen zu haben, da sie mit dem Unterhalten viel zu beschäftigt waren…Auch einige ärgerten sich noch lange nach den Kulturtagen, für die Übernachtung das Doppelte bezahlt zu haben. Für kurze Zeit in Erfurt und viel Geld verprasst, also fast genauso teuer wie im Skiurlaub nach Österreich oder Kurzurlaub nach Italien zum Beispiel.

Viele hoffen, dass die nächsten Kulturtage im Jahre 2016 in Berlin noch besser durchgeführt werden. Die Berliner wollen ja schliesslich nicht, dass ihnen dasselbe passiert wie Deaflympics 2001 in Rom, 4. und 5. Kulturtage in München, Köln oder Berliner neue Megachaos-Airport. Die neuen Gebärdenzeichen für alle organisierte Städte hängen nämlich mit “Chaos” zusammen…

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Gehörlosentrauma Theatervorstellung “Sippschaft” im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg

Seit langem gab es in Hamburg, glaube zuletzt Bluthochzeit, keine einzige Theatervorstellung von Gehörlosen – nahezu unvorstellbar für Hörende in einer Stadt mit weit über hunderte Theaterbühnen! Da sind wir dankbar für jede Darbietung, die uns geboten wird, egal ob Hamburgs bekannteste gehörlose Schauspielern wie Marco Lipski, Susanne Genc oder die Nachbarn.

Die Folge: Wenn bei den Kammerspielen ein Theaterstück, das selbst Hörende als “hochkompliziert” einstufen, mit Gebärdendolmetscher angeboten wird, dann tauchen am Eingang sogar Leute auf, die ein Reclam höchstens als Tischuntersetzer benutzen würden. Okay, Theater kann man vergessen. Und was ist mit Opern? Gibt’s ne Oper von und für Gehörlose? Jürgen Endress schmettert eine Arie die vom letzten Gehörlosen handelt … ganz lautlos… die Lippen formen ein “aaaaiiiaaaaa”… und die Hände zittern im Takt mit seinen Schnurrbarthaaren…
Na gut, ich hör auf zu meckern
.

Zurück zum Theater. Solange man unterversorgt ist oder nicht selbst Schauspieler wird, muss man halt die Angebote von den Hörenden nutzen. Beim Hamburger Theater namens “Ernst-Deutsch Theater” wurde das Theaterstück “Sippschaft” mit Gebärdendolmetscher angekündigt. Das klingt nicht allzu anspruchsvoll, eher was zum Lachen oder Weinen.

Also nichts wie hin. Das “Theaterzelt” fasst etwa 700 Leute, in der verschiedene Reihe sitzen ungefähr 20-30 Gehörlose. Werden die beiden Dolmetscherinnen, die auf der Bühne nervös rumwanken, alle Pointen in Gebärden rüberbringen können? Der verstorbene gehörlose Moderator und Schauspieler Günter Puttrich-Reignard sagte damals mal in einer “Boulevard Bio”-Sendung: “Wenn der Hörende einen Witz erzählt, checken die Gehörlosen ihn auch mit Dolmetscher nicht – umgekehrt ist’s genauso.”

Die Bühne sieht aus wie ein zu groß geratenen Bauklötzen. Sechs Schauspieler darunter gehörlose aber in Wirklichkeit schwerhörige Schauspieler Eyk Kauly alias “Billy” nehmen Stellung und erzählen Familiengeschichten. Sie schreien, kreischen, fluchen, jammern und kriegen durcheinandergewirbelte Gefühle. Die Dolmetscherinnen übersetzen, zucken und verschlucken. Und das Wichtigste – sie schaffen’s niemals die Pointe 1:1 rüberzubringen. Vielleicht fünf Gehörlose lachen bei einer Situationskomik zusammen mit den Hörenden. Aber bei Pointen lachen nur die Hörenden. Nichts zu machen. Die Gesten sind von Natur aus zu einfach gestrickt. Comedytheater mit Dolmetscher – das ist wie Michael Mittermeier mit Tonstörung. Nicht zu vergessen, dass der Dolmetscher kein Komiker ist. Man stelle sich vor, ein Wort-zum-Sonntag-Pfarrer erzählt Harald Schmidts Pointen. Ein Horror für die meisten Fans der Schmidt-Show, die absolute Realität für Gehörlose.

Unter den gehörlosen Zuschauern befindet sich eine angehende Dolmetscherin. Gehörlose müssen bei jedem Dialog zum Dolmetscher, sogar auch während der Aufführung über der Bühne die Obertitel angezeigt wurde, hingucken bzw. mitlesen. Sie kriegen etwas wenig mit vom dramatische Szene….  ach, lassen wir’s.

Etwa zwei Stunden sind um. Das Theater um Billys ist zu Ende. Tosender Applaus. Alle Gehörlose applaudieren mit auf ihre Art: Händehochwackeln. Hörende klatschen. Ein gewaltiger kulturelle Unterschied!

 
2 Kommentare

Geschrieben von - 15. September 2012 in Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Kein Interesse an Deaflympics 2013?

Während der Volleyball-Weltmeisterschaft 2012 in Sofia gerade läuft. Aktuelle Neuigkeit von Deutscher Gehörlosen-Sportverband: http://www.dg-sv.de/newspage.php?newsid=1138&styles=standard

Die Organisatoren der Deaflympics befürchten, dass bei den Sommerweltspielen der Gehörlosen in Sofia die Touristen und Zuschauer ausbleiben werden und nicht annäherend wie in Taiwan erreichen wird. Da Bulgarien erst gerade vor paar Monaten den Zuschlag erhalten hat, wird die “Sofia 2013″ wahrscheinlich auf einen Großteil der Zuschauer aus dem Ausland verzichten müssen. Die Hotels in Sofia, die einen bestimmten Teil der Zimmer für die Deaflympics-Interessierten reserviert haben, warten noch immer auf Buchungen. Optimisten schätzen, dass zur Zeit nur 30% der bereitgehaltenen Zimmer auch reserviert wurden. 70 Prozent sind noch verfügbar. Laut Hotelbesitzer sollen die Zimmer mangels Nachfrage wieder freigegeben werden. Craig Crowley, der Präsident des Gehörlosen-Weltsportverbandes ICSD, mahnt deshalb alle Deaflympics-Touristen zu rechtzeitigen Buchungen. Naja, so schlimm wird es nicht sein, immerhin kann man mit Schlafsack auf dem bulgarischen Boden übernachten, Platz gibt’s schließlich genug.

 

Schlagwörter: , , ,

Interessante Zitat von Prof. Dr. Gottfried Diller – Gehörlosenkultur?

Man hört so viel über Gehörlosenkultur. Kürzlich entdeckte ich auf Karin Kestners Homepage interessane Zitat von Prof. Diller:

“Kultur ist ein ständig sich vollziehender Prozeß, meint Gottfried Diller. Gehörlosigkeit ist darum an sich keine Kultur. Ein Kind wird ohne Kultur geboren. Kultur muß sich jeder Mensch erst im Laufe seines Lebens wieder und wieder aneignen. Grundlage der Kultur ist zum Einen das, was ich von meinen Anlagen her mitbringe und zum Anderen das, was mir meine Umwelt anbietet. Die gegenwärtige Diskussion ist festgelegt. Kultur hingegen ist offen. Gottfried Diller fordert dagegen ein “offen bleiben” für die Kultur der Zukunft. Die Kultur ist genauso Wandlungen und Anderen unterworfen, wie auch die Sprache selbst.”

Quelle: http://www.kestner.de/n/verschiedenes/presse/1999/rilenbor.htm

Interessant: Wie ist der Begriff “Gehörlosenkultur” genau definiert bzw. wie sehen Gehörlose ihre Behinderung als Kultur? Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß “echte” – man verzeihe mir dieses Wort – Gehörlosen sich gern als nichtbehindert fühlen. Die einzige Behinderung liegt in der lautsprachlichen Kommunikation. Die Gebärdensprache gleicht dieses Manko wieder aus.

Doch, warum Gehörlosenkultur? Eigene Sitten, eigene Gebräuche? Ist “Gehörlosenkultur” ein so weit dehnbarer Begriff, daß man selbst Behinderung als Kultur ansieht?…”

Gerade habe ich mir mal die Beschreibung von Visuelles Denken über Gehörlosenkultur oder Deutscher Gehörlosen-Bund gelesen. Wahrscheinlich hattet Ihr auch Probleme die „Gehörlosenkultur“ richtig einzuschätzen, es klingt doch irgendwie so elitär, fast wie nach einer eigenen Menschenrasse? Wenn es um Inklusion dreht, gibt´s dann keine Gehörlosenkultur mehr?

Gehörlosenkultur – in Amerika ja, aber bei uns in Deutschland? Nicht mal die sogenannte Deutsche Gebärdensprache ist einheitlich! Okay, als Ausrede lasse ich “Dialekt” durchgehen. Vereine, die Geld scheffeln und irgendwas investieren; Saufparties; Lehrer, die angeblich keine DGS beherrschen; teilweise Gebärdensprachverbot an den Schulen; Mangel an Selbstbewusstsein – ist das Gehörlosenkultur? Eher Sitte. Radikales Umdenken ist hier sehr besonders gefragt.

 
10 Kommentare

Geschrieben von - 12. August 2012 in Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: , , , , ,

Corpus deliciti www.dgs-korpus.de

Hierzulande müssen die Universitäten für wenig Geld viel Arbeit leisten. Außer sie beschäftigen sich mit der Gebärdensprache. Dann gibt’s für minimale Arbeit jede Menge Schotter. Die gerade 25 Jahre alt gewordene Gebärdenforschungseinrichtung (IDGS) an der Universität Hamburg ist in diesem Bereich der absolute Spezialist: Für eine neue Langzeitstudie wurde am 27.10.2008 auf der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) eine Millionensumme bewilligt. Und die Studie dauert (wieder mal) eine Ewigkeit: nämlich über 15 Jahre. So viel Zeit ist angeblich vonnöten, um ein elektronisches (Video-)Wörterbuch zusammenzustellen. Der Umfang: Gerade einmal weit über tausende Gebärden. Das macht üppige 1416 Euro für jede einzelne Hand- oder Armbewegung, um wie groß die Unterschiede zwischen Bayern und Schleswig-Holstein, zwischen Jung und Alt, zwischen hoch begabte und wenig begabte oder zwischen schwerhörige und gehörlose Gebärdensprachler zu forschen… Und welche schaffen es schließlich ins Wörterbuch?

Für viele tausende Gesten brauchte ein kleines aber fleißiges Team vielleicht eine Woche. Aber die Gebärdenforscher an der Uni Hamburg wären keine echten Gebärdenforscher, wenn sie für die Gebärden-”Langzeitstudie” nicht weniger als eineinhalb Jahrzehnte, achteinhalb Millionen und 250 bis 300 Mitarbeiter (!) benötigen würden.

Wo die bewilligten Millionen herkommen? Aus einem Akademienprogramm. Das “Programm” wiederum kriegt die Mittel vom Hamburger Senat. Erstaunlich, dass das Geld so locker in den Behördentaschen liegt, obwohl alle Welt von der Wirtschafts- und Finanzkrise spricht. Hamburgs Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach scheint jedenfalls überzeugt zu sein: “Das bundesweit einzigartige Projekt werde dazu beitragen, die Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen zu verbessern”, sagte sie gegenüber der Presse Berliner Morgenpost.

Wie stellt sich die Senatorin so eine Kommunikation vor? Mit Hilfe von tragbaren Computern und zigtausende Einzelwörtern, aus denen man Sätze bilden muss? Tatsache ist: Es gibt heute schon zahlreiche CDs und DVDs, die Wortsammlungen in Form von Gebärden-Videos enthalten. Auch die Gebärdenforscher der Uni Hamburg bieten auf ihrer Webseite seit längerer Zeit jede Menge Clips an, auf denen gehörlose Mitarbeiter diverse Fachtermini in Gebärdensprache übersetzen. Darüber hinaus wurden so genannte “blaue Bücher” herausgebracht, die tausende Gebärden-Fotoskizzen enthalten. Ist die ganze Sammlung jetzt etwa ungültig geworden? Die IDGS sagt jedenfalls: “Alles was wir tun und veröffentlichen, stützt sich auf echte Sprachverwendung von echten Gehörlosen.” Wahrscheinlich waren das alles “unechte Gehörlose”, mit denen man früher zusammengearbeitet hat und deshalb muss jetzt ein neues Lexikon her…

Wird das neue Projekt ein zweiter (oder wievielter auch immer) “Guido”? Damals wurde eine Langzeitstudie rund um Gebärdenerkennung in aller Stille begraben. Für “Guido” hat die IDGS zwei Jahrzehnte Forschungszeit investiert. Wie viele Millionen es exakt waren, wissen wir (noch) nicht. Auf jeden Fall ist jetzt das “korpusbasierte Wörterbuch” dran. Ob das “Corpus delicti” in 15 Jahren wegen der Aufzeichnung mit 3D-Kameras im mobiles Studios tatsächlich fertig ist und dann auch gebraucht, benutzt und eingesetzt wird, ist eine Frage, mit der sich die Forscher beschäftigen könnten …

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Interview mit einem Gebärdensprachdolmetscherin

hewritesilent: Hallo “Jana”, ich kenne dich durch dein Auftritt vor der Kamera – war das aufregend für dich? :0)

Jana (Name geändert, echte Name des Interviewpartnerins der Blogger bekannt): Ja, da war ich aufregend. Und ich weiss nicht wer mich gerade im TV anguckt. Normalerweise steht mir immer ein anderer Gehörloser gegenüber und nickt mir zu, wenn ich gebärde. Aber vor der Kamera ist es so kalt, so leer… ich sehe nur ein schwarzes Loch. Daran muss ich einfach immer denken. Aber auch bei besonders schwierigen Aufträgen bin ich aufgeregt. Oder wenn viele Leute da sind. Ich bekomme immer noch ab und zu Lampenfieber, obwohl ich sowas schon oft machen musste. Noch was: Wenn die Aufnahme startet, muss ich noch 6 bis 7 Sekunden warten, bevor ich anfange zu übersetzen. Denn ein Dolmetscher muss zum Schluss noch den letzten Satz übersetzen. Manchmal passiert beim Schnitt auch, dass der Dolmetscher im Film früher fertig ist. Der Inhalt, die Zeit und die Haltung müssen also stimmen. Und immer schön freundlich sein! Deshalb diese ganze Aufregung.

hewritesilent: Wie lange bist du schon Dolmetscherin?

Jana: Seit 20 Jahren also fast genau um diese Zeit, wo damals Mauer gefallen wurde. Da war ich aber noch in der Dolmetscherzentrale.

hewritesilent: Du musst also vor dem Übersetzen viel üben?

Jana: Das ist unterschiedlich. Wenn ich mir die Gebärden überlege, so kann ich mich gut vorbereiten. Und das Anpassen! In der Lautsprache klingt ein Satz oft anders als in der DGS. Also weg damit, ein neuer Satz muss her. Ganz typisch!

hewritesilent: Hast du manchmal das Gefühl, dass du überfordert bist?

Jana: Es wird nicht nur einfach gedolmetscht. Wenn ich den übersetzen muss, gibt es manchmal Schwierigkeiten. Zum Beispiel jemand gebärdet oder redet durchgehend, da muss ich oft darauf achten. Aber überfordert? Nee. Wenn es so wäre, dann hätte ich die Arbeit längst aufgegeben.

hewritesilent: Bekommst du von gehörlose Kunde Kritik, wie du als Dolmetscherin warst?

Jana: Ich bin mir sicher, dass die Gehörlosen untereinander über Dolmetscher reden, aber ob die ihre Meinungen an mich mitteilen? Leider sehr selten.

hewritesilent: Und schwerhörige Kunde, die auf Gebärdensprachdolmetscher angewiesen ist?

Jana: Oh sehr gute Fangfrage, meine bisherige Erfahrungen ist ein schwerhörige Kunde manchmal anders als ein gehörlose Kunde, für den man dolmetschen muss. Zwischen Schwerhörigen und Gehörlosen sind manchmal ein grosser Kontrast! Als Gebärdensprachdolmetscherin gab es auch Situationen und ich bin oft erstaunt, erwundert, wie wenig vor allem Gehörlosen und einige Schwerhörigen an Wissen aufweisen und manchmal Probleme haben z.B. Gespräche. Ich muss mir die Gebärden überlegen und auch darauf achten, dass die Gebärdensprache in Deutschland unterschiedlich ist. Meine Aufgabe ist das Dolmetschen, fertig.

hewritesilent: Du bist hauptberuflich Dolmetscherin. Hast du noch einen Nebenberuf?

Jana: Nein! Das ist genug! Sonst explodiert mir noch der Kopf. Aber ich habe viel Arbeit und ich muss auch Aufträge ablehnen.

hewritesilent: Was? Ablehnen?

Jana: Ja, denn ich arbeite Tag und Nacht. Und einige Gehörlose wissen nicht, dass ich noch viel Büroarbeit erledigen muss. Das ist schon ganz hart. Selbständig halt, leider.

hewritesilent: Was für Büroarbeit?

Jana: Zum Beispiel Auftragsannahme. Wenn ich mit dem Dolmetschen fertig bin, was kommt danach? Erstmal Konzepte erstellen, dann Emails versenden, Kostenvoranschläge faxen oder mailen, Kostenträger ermitteln und so weiter.

hewritesilent: Wie lange dauert das Ganze?

Jana: 10-15 Stunden.

hewritesilent: Was? 10-15 Stunden am Tag?

Jana: Nee, in der Woche. Noch was über die Bezahlung: Viele sagen, dass die Dolmetscher eine Menge Geld verdienen. “Super, ich brauche nur hinzukommen, dolmetschen, kassieren, fertig”. Das stimmt nicht. Wenn ich krank bin und zuhause bleiben muss, verdiene ich gar nichts, aber die Ausgaben laufen weiter. Wenn ich keine Rentenversicherung zahle, bekomme ich auch keine Rente. Dann muss ich nacharbeiten, auch für den Urlaub. Versicherungen kommen noch dazu. Bei Angestellten wird alles automatisch abgezogen und der Rest kommt auf die Hand. Ich muss alles selbst zahlen. Okay, das ist ein guter Job, denn wenn es zuwenig wäre, hätte ich es längst aufgegeben. Ich wohne ganz bescheiden in einer Wohnung.

hewritesilent: Zum Beispiel Dolmetscher in Regelschule. Einige Gehörlosen sagen: “Für jeden Gehörlosen soll ein Dolmetscher zur Verfügung gestellt werden”. Was meinst du dazu?

Jana: Was? Immer derselbe Kunde? Wenn es dazu kommen sollte, dann bin ich dagegen! Immer denselben Gehörlosen zu begleiten bedeutet auch, dass die Kodex irgendwann nicht mehr erfüllt werden kann. Da wird man zu persönlich. Als Dolmetscherin ist für mich Abwechslung sehr wichtig! Ich will verschiedene Leute treffen, öfters andere Aufträge annehmen, dann wird es nie langweilig! Ja, dafür gibt es auch mehr Unregelmässigkeiten, ich muss akzeptieren dass ich keine Beamtin bin, die regelmässig morgens in die Arbeit geht und nachmittags nach Hause darf. Am Wochenende gibt es für mich auch Arbeit, manchmal sogar nachts. Es gibt nun mal verschiedene Menschen.

hewritesilent: Bist du in der Freizeit mehr bei den Hörenden oder bleibst du in der Welt der Gehörlosen?

Jana: Unsere Eltern sind gehörlos. Wenn Freunde und Familie gehörlos sind, dann zeigt man automatisch mehr Verständnis. Selbstverständlich pflege ich auch die Beziehungen zu den Hörenden.

hewritesilent: Danke für das Interview.

Interview durchgeführt am 28. Juli 2012

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Deaf Rock Night in Mönchen

Gestern durfte Theo Kurz vom GBF Mönchen die schlimmste Erfahrung seines Lebens machen: Sein Vereinsbericht wurde nicht in der DKZ (Deaf Krauts Zeitung) abgedruckt! Und das, obwohl Theo Kurz’s Bericht den strengen Richtlinien der Krautszeitung entsprach:
- staubtrockener Schreibstil,
- vereinstreuer Inhalt und
- frei von jeglichen Korrekturen.

Doch was der gute Mann übersah, waren die 2 neuen Auflagen der Zeitungsredaktion:
- alle Artikeln dürfen erst 2 Monate später in der Redaktion eintreffen und
- klare und scharfe Fotos werden abgelehnt!

Voll Gram wandte sich der Geschmähte an uns und bat um eine Veröffentlichung seines Berichts an uns. Da wir eh für unsere Grossmut bekannt sind, haben wir ihm den schönsten Geschenk seines Lebens gemacht: Theos Artikel ist – unverändert!!! – bei uns abgedruckt worden!

Hier Theos Artikel:

Wunderschöner Deaf-Rock Night Erlebnisabend in Mönchen
Der GBF Mönchen veranstaltete am 07. Juli 2012 eine Deaf-Rock Night. Es war ein grossartiges Ereignis, das wir nie vergessen werden. Die mustergültige Organisation um Killah Babe und unter Führung von Fabio DelBubi begann um 8.00 Uhr in der Früh mit dem Einkaufen. Besonders freuten wir uns über die Mitarbeit von unserem treuen Mitglied Killer Kürzer!

Um 18 Uhr öffnete das Tonhalle an der Graficker Str. seine Pforten. Mimi, unsere liebe Büroseele, kontrollierte die Eintrittskarten der meist jugendlichen Besucher. Wir sind aber sehr enttäuscht, dass Herr Newhouse vom Nachbarsverein GSV Augenhof seine Mitglieder nicht zur Unterstützung geschickt hat. Dafür haben uns viele Mitglieder ehrenamtlich geholfen. Vielen Dank!

Mit kultureller Umrahmung, Tanzmusik und viel Unterhaltung wurde dieses Deaf-Rock Night begangen. Wir danken nochmal allen Spender, Förderer und Helfer für das Gelingen dieses Rock-Festivals!

Wir waren überrascht, wieviele junge Menschen Interesse an unserem Veranstaltung hatten. Unser Barkeeper-Newbie Killer Kürzer und unsere lieben ehrenamtlichen Helfer an der Bar hatten alle Hände voll zu tun. Von GBF Mönchen bekamen wir 2000 Liter Wahrpinkelsteiner Freibier gesponsert. An dieser Stelle dankt der Veranstalter seinen langjährigen Geschäftspartner.

Gegen 24 Uhr wurde unser schönes Veranstaltung ein wenig getrübt. Die Veranstalter reduzierten die Musikleistung auf 350.000 Watt! Die Polizei besuchte unsere Veranstaltung und befahl uns, die Musik auszumachen. Alle unsere treuen Mitglieder mussten die Hände hochnehmen und wurden durchsucht. Hier “danken” wir hiermit Herr Newhouse vom GSV Augenhof, der uns die Polizei ins Haus schickte.

Gegen Mitternacht löste sich unsere fröhliche Gesellschaft langsam auf. Bei dem Besuch der Polizei vermissten wir unseren Vereins-Geschäftsführer Phil Eisenhart und die Tageseinnahmen, die wir für den Neubau eines weiteren Vereinsheimes benötigen. Wer ihn gesehen hat, soll uns seinen Standort melden. Diese Bitte richtet sich auch an unsere Vereinsfreunde in Rio, Brasilien und London, England. Wir danken nocheinmal ganz herzlich unsere Dolmetscherin Jule Pups, die uns die Wünsche und Worte aus den Augen las!

Alles in allem war es eine erlebnisreiche und begegnungsreiche Freizeit und alle freuen sich schon auf das nächste Beisammensein in 2 Jahren!

Theo Kurz, Gehörlosen Bergfreunde Mönchen

Foto: Deaf Rock Night in Mönchen

 
1 Kommentar

Geschrieben von - 24. Juli 2012 in Gehörlosenkultur

 

Schlagwörter: , , , ,

Hard MISSion – Miss Deaf World 2012

Karin Keuter ist “Miss Deaf World 2012″ oder Meppenerin Karin Keuter schönste “Gehörlose” der Welt

Einmal im Jahr schlagen die Männerherzen höher. In Prag, der goldenen Stadt, steigt die “Party” des Jahres, und man sieht die hübschesten Mädels aus aller Welt gleichzeitig an einem Ort. Jedes Land schickt sein hörgeschädigtes Mädchen und von allen Teilnehmerinnen werden die drei Schönsten gewählt. Diese Veranstaltung wird “Miss Deaf World” genannt, findet aber weltweit bei den Hörgeschädigten nur wenig Beachtung. Völlig zu Unrecht, da sie auf einem viel höheren Niveau liegt als die üblichen Miss-Wahlen der Gehörlosen. Dafür schenkten die Hörenden der “Miss Deaf World” sehr viel Aufmerksamkeit – mehr als die Hälfte der Zuschauer war hörend, fast täglich berichtete die tschechische und internationale Presse darüber und zahlreiche namhafte Sponsoren unterstützten das Ereignis.

Auch wenige Hörgeschädigtenverbände zeigten Interesse. Die Einladung zu der Wahl verschwand bei vielen Vereinen in der untersten Schublade. Daher reisten viele Kandidatinnen auf eigene Faust an oder wurden von Jungs angeworben, die auf keinen Fall sich für ihr Land schämen wollten. Von den vielen deutschen Mädchen, die in ganz Deutschland angeschrieben wurden, konnte keine überzeugen – bis die blonde Karin Keuter bei einer Miss Deaf Germany (2011) entdeckt wurde. Die erst 20jährige amtierende Miss Deaf Germany Karin Keuter (2011) war ein Volltreffer. Schwerhörige Karin Keuter gewann auf Anhieb zur Miss Deaf Germany und wurde zur internationalen Wahl angemeldet. Düster sah es dagegen für echte deutsche Gehörlose und Österreich aus. Dort konnte keine einzige hübsche Miss gefunden werden. Wen heiraten die Männer dort eigentlich?

Organisiert wird die Veranstaltung von “Top Hotels Groups”. Eine tschechische Hotelfirma, wo nur Hörende arbeiten. Warum eigentlich “Top Hotels Groups”? Vor elf Jahren beauftragte der tschechische Gehörlosenverband (SNN) die Agentur “Czech Model”, die erste Veranstaltung durchzuführen, da der SNN sich für so ein Event in diesem Ausmass einfach überfordert fühlte. Seitdem übernimmt “Top Hotels Groups” bei jeder “Miss Deaf World”-Veranstaltung die komplette Organisation. Die vielen Sponsoren haben die aufwendige Durchführung möglich gemacht – die Kosten für die diesjährige “Miss Deaf World” beliefen sich angeblich auf ca. über 100.000 Euro. Allerdings werden die Leute beim SNN langsam unruhig - man habe das Gefühl, dass SNN ins Abseits gedrängt werde. Bei einer Versammlung stellte eine Vertreterin aus Frankreich die Frage an den SNN, warum die Miss-Wahl seit über 10 Jahren immer in Prag veranstaltet werde. Die Antwort kam prompt: Erstens haben die anderen Länder eh kein Geld, um die Wahl zu organisieren und zweitens bestehe ein Vertrag mit “Top Hotels Groups”. Allgemeine Zustimmung (“Ja, die Kassen sind knapp!”), dann wurde mit Mineralwasser auf weiterhin gute Zusammenarbeit geprostet.

Bereits am ersten Tag wurde es ernst. 
Kein Hallo vom Organisator, keine Vorstellung der Teilnehmer und keine Erholungspause von der Reise. Die Veranstalter drückten allen Teilnehmerinnen ein knallpinkes T-Shirt mit der Aufschrift “Miss Deaf World” in die Hand mit dem Befehl, dieses nie und niemals abzulegen. Die T-Shirts waren im XXXL-Format und alles andere als sexy – die Mädels sahen darin wie Kanarienvögel aus. Gut, dass wenigstens nicht von Anfang an eine knallrote Mütze über dem Kopf gestülpt wurde, sondern erst vor dem grossem Finale. Cluburlaub lässt grüssen!

Sofort nach der Ankunft wurde im Konferenzraum mit dem Training begonnen. Der richtige Gang und die korrekte Haltung mussten einstudiert werden. Ständig gingen die Mädchen kreuz und quer sowie rauf und runter durch den Raum. Dazwischen Rufe von Josef Uhlir, Chef der Modelagentur. Josef spricht übrigens kein Englisch und kann auch nicht gebärden. Deshalb waren seine Tochter und auch andere Dolmetscherinnen im Raum, die allerdings nur tschechisch bzw. international gebärden konnten. Chaos war vorprogrammiert…

Obwohl die Misses alle erwachsene Frauen sind, benahmen sich die Dolmetscherinnen wie die Erzieherinnen in einem Kindergarten, die mit ihren Zöglingen ein Weihnachtsstück einstudierten. Die Begleiter waren entsetzt. Doch man wagte nicht die Mädels zu verteidigen – im Falle eines Rauswurfes wäre bei der Teilnehmerin die Welt sicher zusammengebrochen. Erst als die Dolmetscherinnen Strumpfhosen für die Miss-Wahl verbieten wollten, wurde protestiert. Schließlich wurden sie doch erlaubt – allerdings mussten die Mädchen beim Auftritt auf aufwendige Abendkleider verzichten, der Gleichheit wegen. Und allen Teilnehmerinnen wurde verboten, Hörgeräte bei der Tanznummer im Finale zu tragen. “Die Veranstaltung heisst MissDeaf World, wo ist das Problem?”, so die Veranstalter. Folge: Die Mädchen gerieten bei ihren Tanzauftritten oft aus dem Takt…

Der reinste Drill. Täglich wurde von morgen bis abend geübt. Gleich nach dem Frühstück ging es an die Arbeit. Nur zum Abendessen durften die Mädels eine längere Pause einlegen, dann ging es weiter. Mittagessen gab es übrigens keins. Erst um 21 oder 22 Uhr war Feierabend. Full Model Jacket!
Zermürbend war die Warterei zwischen den Übungen. Ganz bestimmt hätte ein einziger Tag zum Trainieren gereicht, wenn die Verständigung klappen würde. (Bei GNTM-Becoming klappt dies auch wunderbar, die Kandidaten tanzen bereits nach einem Tag fast wie ihre großen Vorbilder.) Da aber die Dolmetscherinnen die Mädchen weiterhin wie Kinder behandelten, dauerte das Training eine ganze geschlagene Woche.

Nur an einem Tag war Entspannung angesagt - eine Stadtrundfahrt stand auf dem Programm. Auch die First Lady der tschechischen Republik lud die Kandidatinnen zu sich ein. Im Anschluß eine kleine Bootsfahrt, dann durfte der Tag mit einer Weinprobe ausklingen. An einem anderen Abend wurden die Misses in ein Restaurant eingeladen, allerdings nur um sich den Film von der Miss Deaf World aus frühere Jahre anzusehen. Dann die Botschaft vom Veranstalter: Am selben Abend, gleich nach dem Rückkehr ins Hotel, stand die Anprobe der Kleider auf dem Programm. Den Mädchen stand die Erschöpfung groß im Gesicht geschrieben. Klar, dass an dem Abend null Partystimmung aufkam. Alle wollten nämlich nur noch eines: schlafen.

Während dem Training hatte man das Gefühl, in einer fernöstlichen Wäscherei mit müden Arbeiterinnen zu sein. Die Betreuer langweilten sich, vor allem die männlichen… Da half nur die Flucht in die Innenstadt, wo man sich ein persönliches Reiseprogramm zusammenlegte: Ein bisschen Karlsbrücke gucken und dann die Ruhe in einem kleinen Cafe geniessen. Bloß keine Mädchen mehr für den Rest des Tages.

Schwierigkeiten bei der Kommunikation zwischen den Misses. Zu Beginn hatten die Teilnehmerinnen noch Bedenken, ob man sich überhaupt verstehen würde. Einige versuchten es anfangs mit der internationalen Gebärdensprache. Schließlich beschränkte man sich einfach auf Pantomime und allgemeinen Gesten. Tiefgründige Gespräche waren natürlich nicht möglich. Daher wurden kaum Freundschaften geschlossen, über die Hälfte der Teilnehmerinnen blieben Einzelgänger. Schlimmer noch an einer Leinwand, was alles gesprochen wird, werden nur in tschechischer Sprache mitgelesen.

Am letzten Tag der grosse Schreck - einige Teilnehmerinnen hatten gar keine Strumpfhosen dabei, bei anderen wurden die Nylons bei der Anprobe zerstört. Also gingen die Begleiter schnell Ersatz suchen. Dann die Ernüchterung: In ganz Prag gab es keine Strumpfhosen, die für Miss-Wahlen geeignet waren! Weder in teuren Geschäften noch in Second-Hand-Bazaren…

Zwar gibt es alles Mögliche in Prag zu kaufen, auch China-Kram, täuschend echte Spielzeugwaffen und “Armani”-Hemden… Doch Strumpfhosen liessen sich nicht auftreiben. Und das einzige Geschäft hatte geschlossen… Zwei Betreuer gaben die Suche auf, die anderen zwei suchten weiter – und etwa 15 Minuten vor der Abfahrt zum Miss Deaf Wahl hatten sie doch die passenden Nylons gefunden…

Der grosse Abend. Fast 1300 Zuschauer passten in den Saal. Unter den Gästen waren ausser den SNN-Mitgliedern nur wenige tschechischen Hörgeschädigte. Selbst Miss Tschechien brachte keine gehörlosen Freunde mit. Dafür waren viele Gehörlose aus dem Ausland angereist, darunter ein halbes Dutzend gutaussehender Jungs aus Deutschland. Der Rest: Hörende Gäste aus Prag, die fast den ganzen Saal füllten. Zwei bis drei Dolmetscher standen auf der Bühne und übersetzten gleichzeitig. Bei der Show stand als Erstes die Begrüßung prominenter Gäste an. Dann traten die Mädchen in Kleidern auf, die von tschechische Textilfirma entworfen wurden.

Die Tanzauftritte der Misses danach waren unterhaltsamer, obwohl die Kandidatinnen wegen dem extrem glattpolierten Boden weniger schwungvoll waren als beim Training. Einige traten daher barfuß auf. Miss Russland, gelernte Ballerina, musste auf ihre gewagten Sprünge verzichten. Miss Slowakei, Miss Australia, Miss Kasachstan und Miss Italien tanzten zu Folkloremusik. Miss Frankreich und Miss Sweden versuchten es mit Gebärdenpoesie, leider wars für alle unverständlich. Ganz neu: Miss Israel schwenkte nach ihrem Auftritt die isralische Landesfahne. Eigentlich gehören die Tanzauftritte nicht zum üblichen Programm einer Miss-Wahl, denn bei den weniger talentierten Mädchen sieht es immer ein bisschen nach Miniplayback-Show aus. Normalerweise macht man ein kleines Interview mit den Kandidatinnen, um ihre Sprachgewandheit und Intelligenz zu testen. Warum die Veranstalter die Tanznummer wünschten, bleibt ein Rätsel.

Als die Mädchen in Bikini auf die Bühne spazierten, war der Saal wieder voll. In dem knallengen Bikinis sahen einige Mädchen aus wie Leistungsschwimmerinnen. Die vielen Musikeinlagen von Hörenden nutzten manche Zuschauer zu ausgedehnten Rauchpausen draussen im Foyer. Die Jury, die übrigens aus etwa 20 Hörenden bestand, bekam vor der Miss-Wahl Wahlbriefe verteilt. Kurz vor dem Finale sammelten die Veranstalter die Stimmbriefe ein, um diese auszuwerten. Nur wenige Minuten später stand die Auswertung schon fest… Ganz schön blitzschnell, die Tschechen.

Dann der letzte Auftritt in Abendkleidern, bei dem auch die Gewinnerinnen bekanntgegeben wurden. Adjelina Corovic wurde zur Miss Symphatie gewählt. Mit einem sympathischen Lächeln trat die Dame aus Montenegro nach vorne und nahm die Blumen dankend entgegen. Maria Latseviuk, die in Georgien geboren wurde, gewann den Titel zur 2. Vize-Miss. Als Maria Sakrevelashvili aus Georgien zur 1. Vize-Miss erklärt wurde, trat sie nach vorne und jubelte wie ein Fussballer nach einem geglückten Elfmeter – geballte Faust vor der Brust und ein lautloses “Yeah!”. Zum Schluß die Überraschung: Die Deutsche Karin Keuter wurde zur Miss Deaf World gekrönt und sie ringte um Fassung. Nach der ausgiebigen Gratulation stürmten die Fotografen zur Bühne, linsten durch die Superzoomobjektive und merkten verwundert, dass bei den Gewinnern keine einzige Träne über die Wange kullerte.

Wie immer gab es auch nach dieser Wahl Vermutungen und wilde Spekulationen. “Es wurde gewürfelt!” – so ein enttäuschter Besucher. “Das Ergebnis stand sicher schon vorher fest”, vermutete ein Betreuer. Ein anderer: “Hätte man die vier Gewinnerinnen bei der Wahl interviewt, wäre das Ergebnis anders ausgefallen!” – schließlich waren die vier Gewinnerinnen so wortkarg wie Clint Eastwood in “Dirty Harry”. Nette Geste der Gäste: Für die Teilnehmerinnen, die nicht die erhoffte Krone aufsetzen durften, gab es viel Trost von den (männlichen) Zuschauern. Die meisten Besucher waren trotzdem mehr als zufrieden mit der Veranstaltung, vor allem die Deutschen. Die Vorführung verlief schließlich fast reibungslos, ausser dem Zusammenstoss zweier Mädels gab es keine weiteren Pannen. Und die Misses sahen an dem Abend einfach bezaubernd aus.

Der Tag danach: Bereits am frühen Morgen packten die Teilnehmerinnen ganz schnell die Koffer. Um ihre Flieger zu erreichen, mussten manche noch vor dem Frühstück abreisen. Leider trafen sich die wenigsten noch ein letztes Mal und konnten so weder voneinander Abschied nehmen noch ihre Adressen tauschen. So verstreuten sich die Mädchen wieder in alle Winde. Eines ist sicher: Bei vielen wird ein fader Nachgeschmack in Erinnerung bleiben. Man kann nur hoffen, dass 2013 alles besser wird und “Miss Deaf World” nicht irgendwann mit dem Slogan “Aussen hui, innen pfui” erneut behaftet wird.

 

Schlagwörter: , ,