(Quelle: Screenshot Twitter)
Via Twitter hat ein Hörender mir wegen dieser Begriff “Taubstumm” gefragt und ich ihn “Taub macht stumm” oberflächlich darauf beantwortete, prompt feuerte sich die “zwei taube Frontleuten”
(@EinAugenschmaus und noch einer der namentlich nicht genannt werden möchte) via Twitter ab. Ich sei nicht glaubwürdig und ich über mich selbst belustigen will. Ok, Ansichtssache wie immer!
Kommen wir mal zum Kernpunkt und nehmen wir mal an, ein Kind, das taub ist, wächst mit Mama & Papa auf die auch taub sind. Das Kind, das eigene oder fremde Stimme nicht selbst hört und bis zu kein einzige Laut hören kann, kann einfach nicht von Natur aus drauf kommen, daß es lautsprachlich sprechen müsste. Somit ist “Taub macht stumm” in dieser Weise natürlich NICHT diskrimminierend. Wie schön wenn ich in einer solchen Welt aufwachsen würde.
Dann kommt folgendes: taubes Kind mit hörende Eltern. Wenn die Eltern nicht informiert sind, was man tun kann, denken sie, daß sie einen taubstummen Kind haben, die man nicht helfen kann. Taub macht stumm, trifft auch zu, nur wegen Informationsdefizit.
Heutzutage gibt es Gebärdensprache, Cochlea-Implantat, frühfördernde Bilingualismus, Logopädie für Lautsprachunterstützung uvm. Wenn man schon beim Kind anfängt was zu tun, dabei gibt es vielerlei Möglichkeiten, daß es nicht stumm wird. Einige von Gehörlose sind auch gar nicht stumm. Beste Beispiel Julia Probst besser bekannt als EinAugenschmaus. Aber manchmal gibts doch Momente dass man sich Taub stellen will und das macht auch tatsächlich stumm.
Und was soll denn schon am Taubstumm schlecht sein? Taubstummer kann man auch so weit kommen wie ein Hörende, indem man sein Wissen nur mittels Gebärdensprache erlernt (ohne Lautsprache) oder nur aus lesen von geschriebenes weis ist. Das ist doch zweifellos möglich. Und nehmt auch auf Hörende Rücksicht, die keine Stimme haben oder Loch im Hals. Sie sind auch stumm, obwohl sie hören kann. Ist das verachtend, oder nicht?
Es ist radikal und schlichtweg peinlich, mir unterstellen zu wollen, ich hätte was gegen taube/gehörlose Menschen oder so irgendetwas. Es ist auch dumm zu behaupten, ich hätte Diskriminierung betrieben. Kein vernünftiger Mensch glaubt an so ein Blödsinn!
Was läuft eigentlich? Ein paar Randalierer wollen mir vormachen, dieser Begriff taubstumm oder taub macht stumm sei eine Diskriminierung oder verachtend. Warum? Was ist daran diskriminierend oder verachtend? Nichts! Die Hörenden meinen mit “stumm” nicht “dumm”, (so ein Quatsch!) sondern nur das Unvermögen von tauben Menschen sich frei und ohne Einschränkung mit Hörenden zu kommunizieren. Oder ganz allgemein an irgendwas teilzunehmen, wo Lautsprache nun mal nötig ist. Es gibt endlos viel Fälle, wo Taubheit im Wege steht und ergo stumm macht.
Das ganze Trara um “taubstumm” macht mich und uns doch lächerlich. Was denkt jetzt die hörende Welt? Sie wird ja sowieso von radikalen Gehörlosen immer wieder zum Feind erklärt. Und zwar pauschal. Alle! Ohne Ausnahme…
Ich habe jede Menge hörender Freunde und Bekannte und war mir nicht zu schade, jeden einzelnen zu befragen. Das Ergebnis: keiner denkt dabei an “dumm”. Sie haben echt gestaunt: wieso denn das, woher diese Definition?
Und warum so? Weil sie die ganze verfluchte Vorgeschichte gar nicht kennen. Sie wissen nicht, woher, wieso und warum. Der ganze Kram und Krampf mit “früher war das so und so, stumm ist dumm, Mailänder Kongress von 1880, Oralisten…” usw. Völlig unbekannt. Deshalb kommt keiner auf die Idee, “stumm” mit “dumm” gleichzusetzen.
Ich ahne schon, was jetzt kommt, ist mir aber egal. Meine Meinung darf ich wohl äussern. Sollte einer mir taubstumm verbieten, das ist schon ein gefährlicher Eingriff in Sachen Meinungsfreiheit. Habe genug Erfahrungen mit tauben/gehörlosen Kindern und Leuten gemacht und stehe dazu. Punkt und Basta!




